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Schleswig-Holstein

Kieler Koalition zankt über Gender-Verbot

Die Kieler Jamaika-Koalition zankt sich, nachdem die CDU mit einem Genderverbot an Schulen und einem Volksentscheid vorgeprescht ist. Die Grünen halten das für Wahlkampf auf dem Rücken der Schüler*innen.


Heißt es "Radfahrer" oder "Radfahrer*innen"? Darüber streitet nun auch die Kieler Regierungskoalition (Bild: Coyote III / wikipedia)

Schleswig-Holsteins Grüne kritisieren einen Erlass von CDU-Bildungsministerin Karin Prien zu gendersensibler Sprache an Schulen. "Dass an Hochschulen mit dem Sternchen gegendert werden darf und auch viele Nachrichten mittlerweile mit Doppelpunktkonstruktion gegendert werden, unseren Schüler*innen aber genau dieses verboten werden soll, halte ich für völlig unlogisch", sagte Grünen-Landeschefin Anna Tranziska der Deutschen Presse-Agentur. Es sei falsch, Kindern und Jugendlichen Fehler anzurechnen, wenn sie mit Genderstern oder Doppelpunkt arbeiten.

In dem Erlass heißt es, Genderstern, Binnen-I, Gender-Gap und Schrägstrich ohne Ergänzungsstrich seien nicht vom amtlichen Regelwerk gedeckt und sollen daher in schriftlichen Arbeiten als Fehler bewertet werden.

Lehrer*innen angemessenen Umgang nicht zugetraut

Tranziska sagte: "Im Unterschied zur Ministerin trauen wir den Lehrer*innen zu, pädagogisch und angemessen mit dem Thema Diversität und geschlechtergerechter Sprache umzugehen." Statt dieser "Verbotspolitik" wäre ein Angebot zur fachlichen Unterstützung, wenn es hierzu noch Fragen und Unklarheiten gibt, der angemessene Weg gewesen. Prien habe ohne Absprache mit dem Koalitionspartner über einen neuen Erlass entschieden. "Das hat uns besonders erstaunt, weil sie sich noch im Mai diesen Jahres gegen ein Verbot ausgesprochen hat." Schülerinnen und Schüler müssten die Wahl haben. "In einer Koalition, wo wir die Dinge sonst vernünftig miteinander diskutieren, ist ein solches Verhalten nicht üblich und wir vermuten, dass die Union hier auf dem Rücken unserer Schüler*innen Bundestagswahlkampf betreibt", sagte Tranziska.

Prien bezeichnete das Thema als unnötig politisch aufgeladen. Sie weise seit Monaten auf die geltende Rechtslage hin, die zuletzt vom Rat für deutsche Rechtschreibung bestätigt wurde. "Dass wir uns an den Schulen Schleswig-Holsteins an die Regeln des Rats für deutsche Rechtschreibung halten, ist nun wirklich nicht neu." Seit 2006 gelten diese an den Schulen im Norden verbindlich. "Der entsprechende Erlass kam aus einem SPD-Ministerium in einer großen Koalition, das galt in der Küstenkoalition fort und das gilt auch jetzt in der Jamaika-Koalition."

Koalitionsstreit in Telefonkonferenz fortgeführt

Der NDR berichtet aus dem Innern der Koalition, dass eine extra für das Thema anberaumte Telefonkonferenz am Dienstagabend die Wogen nicht glätten konnte. Der Fraktionschef der zur Kieler Jamaika-Koalition gehörenden FDP, Christopher Voigt, zeigte sich erstaunt darüber, was die beiden Koalitionspartner Grüne und CDU für dringliche Probleme an Schulen und Hochschulen des Landes hielten.

Unterdessen kritisierte der grüne Sprecher für Hochschulpolitik, Lasse Petersdotter, die CDU verliere sich "im realitätsfernen Populismusbingo". Das schrieb er am späten Dienstagabend via Facebook und Twitter.

Twitter / L_Petersdotter | Lasse Petersdotter ist Sprecher für Hochschulen in der Kieler Landtagsfraktion der Grünen
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Einen Tag, nachdem die Bildungsministerin des nördlichen Bundeslandes, Karin Prien, in Berlin als Teil von Armin Laschets "Zukunftsteam" vorgestellt worden war, hatte sie gegenüber den "Lübecker Nachrichten" ein Gender-Verbot für Schulen angekündigt (queer.de berichtete). Danach brachte der CDU-Fraktionsvorsitzende Tobias Koch noch einen Volksentscheid zum Thema ins Spiel (queer.de berichtete). (dpa/jk)



#1 Vic von der ElbeAnonym
  • 10.09.2021, 14:30h
  • Bedeutet Volksentscheid, dass je nachdem wie er ausgeht, also wenn die CDU verliert es für Frau Prien verboten ist, das generische Maskulinum zu benutzen und sie nicht mehr ohne Sternchen schreiben darf?
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#2 KaiJAnonym