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CSU-Parteitag

Söder warnt: Aus Oma und Opa darf nicht "Ompa" werden

Mit Stammtischsprüchen macht nun auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder Wahlkampf gegen eine geschlechtergerechte Sprache. Die CSU will das "Gendern" in Behörden und Schulen verbieten.


Markus Söder ist seit dem 16. März 2018 Ministerpräsident des Freistaats Bayern und seit dem 19. Januar 2019 Vorsitzender der CSU (Bild: Mueller /MSC / wikipedia)

Die CSU hat sich auf ihrem Parteitag in Nürnberg mit großer Mehrheit für ein Verbot einer geschlechtergerechten Sprache ausgesprochen. "Die krampfhafte Wortwahl der Gender-Sprache hat in Behörden und Bildungseinrichtungen zu unterbleiben", heißt es in einem Antrag, der von den Delegierten mit über 96 Prozent der Stimmen angenommen wurde.

"Die politisch indoktrinierten, künstlichen Auswüchse gendermoralistischer Sprachakrobatik" seien abzulehnen, solange sie sich nicht von unten nach oben in der Gesellschaft durchsetzten, sondern von einzelnen Institutionen oder Medienanstalten auferlegt würden, heißt es in dem von der Jungen Union eingebrachten Vorlage.

Söder gegen "Gender-Strafzettel"

Zuvor hatte bereits der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder in seiner Parteitagsrede gegen geschlechtergerechte Sprache polemisiert. So warnte er davor, dass aus Oma und Opa angeblich "Ompa" werden solle, und fragte in den tobenden Saal: "Sorry, haben wir in unserem Land nicht wirklich wichtigere Probleme?"

Den Grünen warf Söder eine "Belehrungs- und Umerziehungsmoral" vor. "Wir als CSU akzeptieren kein Gender-Gesetz und keine Gender-Strafzettel", stellte der Ministerpräsident klar. "Wir sind ein Freistaat und kein Umerziehungsstaat, bei uns zählt der gesunde Menschenverstand."

Es dürfe auch nicht sein, dass etwa Studierende schlechtere Noten erhalten, weil sie sich weigern, in Studienarbeiten das Gendersternchen zu benutzen. Er habe seinen Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) angewiesen, dies sicherzustellen.

Für zwei weitere Jahre als Parteichef bestätigt

Söder wurde von den Delegierten mit 87,6 Prozent der Stimmen für weitere zwei Jahre in seinem Amt als Parteivorsitzender bestätigt. Er landete damit knapp über dem Ergebnis von 87,4 Prozent bei seiner ersten Wahl Anfang 2019, blieb aber hinter dem Ergebnis bei seiner Wiederwahl im Oktober 2019 zurück – damals waren es 91,3 Prozent. (cw/dpa/AFP)



#1 mind_the_gap
  • 11.09.2021, 06:13h
  • ""Die politisch indoktrinierten, künstlichen Auswüchse gendermoralistischer Sprachakrobatik" seien abzulehnen, solange sie sich nicht von unten nach oben in der Gesellschaft durchsetzten, sondern von einzelnen Institutionen oder Medienanstalten auferlegt würden"

    Dann sollte sich bitte zuvorderst der Bayerische Rundfunk genau daran halten und keine Sprachverbote erlassen. Genau damit soll nämlich das Durchsetzen von unten verhindert werden.

    www.queer.de/detail.php?article_id=39668

    ""Sorry, haben wir in unserem Land nicht wirklich wichtigere Probleme?"

    Klassische Marginalisierung. Respekt und Anerkennung ALLER Menschen sei kein wirkliches Problem. Pfui Teufel.

    "bei uns zählt der gesunde Menschenverstand."

    Und der besagt seit Jahrtausenden, dass es Manderl und Weiberl gibt, und sonst nix. Also dumpfes Verharren im Vorgestrigen, wieder mal vorliegend in der typisch bayerischen "Mir san mir"- Ausgrenzungsvariante.

    Ich bin übrigens selbst in Bayern geboren und aufgewachsen. Als Kind ostpreußischer Kriegsflüchtlinge. Ich sprach den Dialekt nicht, wir waren evangelisch statt, wie es "sich gehört", katholisch und haben einen Familiennamen, der ausländisch klingt, obwohl er aus dem Altpreußischen kommt. Aber für viele Bayern ist ja alles nördlich des "Weißwurscht-Äquators" (also des Mains) preußisches "Ausland".
    Wenn man dann noch dazu queer ist, erlebt man die eigene bayerische "Heimat"stadt schon mal eben als lebenslange Vorhölle. Ich hatte leider erst viel zu spät die Möglichkeit, Bayern zu verlassen. Weiß aber noch sehr, sehr gut, wie die meisten Menschen dort ticken.

    Heute gehöre ich eher zu denen, die "nerven" statt sich ständig sagen zu lassen, dass sie wegen ihres Andersseins nicht akzeptiert werden. Und so liebe ich auch die kolumnistisch tätige Person Jeja Klein, die zum Thema "Gendern" gestern eine neue Kolumne veröffentlicht hat:

    www.nd-aktuell.de/artikel/1156473.geschlechtergerechte-sprac
    he-gendern-ist-ein-rechter-kampfbegriff.html


    Genau meine Haltung. Herzlichen Dank, Jeja!
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#2 SchonAnonym
  • 11.09.2021, 06:59h
  • Sprache lebt, Sprache verändert sich, und im Mittelalter war die Sprache anders als heute und in der Zukunft werden sich manche kopfschüttelnd fragen warum wir manches heute so ausgedrückt haben.
    Meine Meinung: man sollte Gendern weder verbieten noch vorschreiben. Ich tue mich mit dem Gendern auch schwer. Andererseits tue ich mich auch schwer, dass uns künftig ein alter Mann als Bundeskanzlerin vertreten soll. Das passt auch nicht.
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#3 LegatProfil
  • 11.09.2021, 08:08hFrankfurt am Main
  • Wie unfassbar plump die Argumente der Feinde der Geschlechtergerechtigkeit immmer wieder daherkommen. Tausendmal schon wiederlegt und aufgeklärt, aber das ändert nichts. Es wird auf respektloseste Art weiter verhöhnt und marginalisiert von oben nach unten und das in Form eines bis zum Erbrechen wiedergekäuten Zombie-Mantras. Unfassbar billig, komplett irrational, völlig menschenverachtend. Das Konzept dahinter, erfolgreich seit Jahrtausenden. Es ist der Sündenbock, der fast totgeschlagen und dann in die Wüste getrieben wird, um von den eigenen Verbrechen und den wahren Problemen abzulenken. Wieder und wieder und wieder und wieder ...
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#4 LotiAnonym
#5 zundermxeAnonym
  • 11.09.2021, 09:15h
  • Das Söder, Laschet und Co im Zweifel auch immer wieder gerne populistisch mit Unterstellungen, Unwahrheiten und Sarkasmus gegen Minderheiten polemisieren ist nichts Neues.
    Das ist Markenkern von cdu/csu, folgerichtig abgeleitet aus ihrer christlichen Doktrin, und bewirkt genau das, was sie zu bekämpfen vorgeben. Unfreiheit und Zwang, wo eigentlich jede Person für sich frei entscheiden können dürfen müsste.

    Doch Wissenschaft, Gerechtigkeit für alle, gesellschaftliche Entwicklung und Fortschritt waren noch nie die Interessen und Themen von cdu/csu.
    Jüngstes Beispiel neben direkten Angriffen auf Queers war die Kernaussage, dass sich 2015 nicht wiederholen dürfe, als erster Refelex auf die für viele (darunter viele Frauen und Queers) sehr bedrohliche Entwicklung in Afghanistan.
    Wenn so typische Christen sind, wäre das eine äußerst gefährliche Sekte.
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#6 WhyNotOmpaAnonym
  • 11.09.2021, 10:16h
  • Ist es nicht egal wie mein Kind seine Ompas und Opmas nennt?
    Söder sollte sich lieber Gedanken darum machen wie er den Leuten in Bayern erneuerbare Energie näher bringt. So viele Freiflächen auf denen Windräder stehen könnten und so viele Dächer für Solar-, oder Photovoltaikanlagen.
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#7 MagsAnonym
  • 11.09.2021, 10:32h
  • Antwort auf #1 von mind_the_gap
  • Ich bin eine Generation weiter, also der Enkel von ostpreußischen Flüchtlingen, ebenfalls evangelisch getauft und mit einem unbayrischen Nachnamen gesegnet. Allerdings in Bayern geboren und auch der nativen Sprache mächtig. Es stimmt zwar dass Bayern und seine Bewohner den Ruf haben verschrobene Eigenbrötler - gerade außerhalb der Städte - zu sein. Aber auf mein Outing als Transfrau haben diese Bayern (noch schlimmer: oberbayrische Kleinstadt) alle sehr positiv reagiert. Zwar tun sich nach wie vor einige schwer mit dem richtigen Pronomen oder es rutscht mal der alte Name raus, aber dann entschuldigen sich die Leute und versuchen es das nächste mal besser zu machen. Ich erlebe keine Anfeindungen sondern nur Wohlwollen, Interesse und Verständnis. Es gibt hier viele tolle Menschen. Genauso wie es auch Idioten gibt. Es ist nicht anders als in anderen Bundesländern.

    Und kurz noch zum Thema Ompa Meine Tochter nennt mich Mapa. Das fand sie am passendsten - und ich liebe es.
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#8 OlliAnonym
  • 11.09.2021, 11:06h
  • Hat man weder Themen, noch Lösungsansätze für wirklich wichtige Themen, trampelt man eben wieder auf Minderheiten rum und sorgt dafür , dass der typischere Konservative sich wie üblich bedroht fühlen kann.

    Wie schon angemerkt: Konservative hatten und haben und werden niemals Werte haben.

    So albern der Söder, wie widerlich.
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#9 LotiAnonym
#10 mind_the_gap
  • 11.09.2021, 11:36h
  • Antwort auf #7 von Mags
  • Es ist ja schön, dass Du so viel Glück in Deinem Umfeld hattest und hast. Nur relativiert das nicht die immensen Schwierigkeiten, die ich zeitlebens in Bayern hatte und übrigens noch habe, wenn ich dorthin zum relativ seltenen Mutter-Höflichkeitsbesuch zurückkehre. Das super konservative, fast durchweg ablehnende Umfeld, in dem ich viel zu lange in Bayern gelebt habe, hat mir die Luft abgedrückt. Noch heute denke ich mir jedes (seltene) Mal, wenn ich wieder in die Stadt komme, dass ich am liebsten sofort wieder umkehren möchte. Ich brauche nur den Dialekt meiner "Heimat"stadt zu hören und bekomme sofort Fluchtreflexe.

    Mehr möchte ich zu meiner persönlichen Vergangenheit in Bayern hier nicht mitteilen. Ich bitte um Verständnis.
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