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24 Stunden que(e)r durch die Hauptstadt

Mariejosephin Schneiders Komödie "Notes of Berlin" ist witzig und enorm traurig, bewegend und manchmal etwas nervig, ganz schön chaotisch, aber voller Leidenschaft und mit dem Herz am rechten Fleck.


Szene aus "Notes of Berlin": Die von ihren Mitschülern gemobbte Stella (Stella Musall) ist auf Klassenfahrt in Berlin und erlebt dank der Dragqueen Miriam und deren Freundinnen (Alice Dee, Alucard) an ihrem 18. Geburtstag einen wundervollen Abend (Bild: UCM.ONE)
  • Von Patrick Heidmann
    12. September 2021, 04:52h, noch kein Kommentar

Filmische Liebeserklärungen an eine Stadt hat es schon viele gegeben, auch in episodischer Form. "Paris, je t'aime" und "New York, I Love You" waren vor etlichen Jahren prominente, viel beachtete Beispiele, mit denen "Berlin, I Love You" 2019 nicht mithalten konnte. Doch jetzt kommt die deutsche Hauptstadt doch noch zu einem gelungenen Episodenfilm, auch wenn "Notes of Berlin" (seit 9.September im Kino) keine Zusammenstellung von Kurzfilmen verschiedener Regisseur*innen, sondern einzig das Werk von Mariejosephin Schneider ist.

Inspiriert durch das beliebte Blog notesofberlin.com, auf dem Joab Nist seit Jahren kuriose Zettelbotschaften versammelt, wie man sie in Berlin immer wieder an Laternenmasten, auf Mülleimern und in Hausfluren findet, begibt sich Schneider auf einen 24-stündigen Streifzug durch die Stadt. 14 kleine, anekdotische Episoden reiht sie aneinander, die nicht zwingend, aber manchmal lose miteinander zusammenhängen, aber auf jeden Fall immer sehr nahtlos und geschmeidig ineinander übergehen.

Eine Nacht im Berghain, WG-Zimmer-Suche mit Nummern-Ziehen


Poster zum Film: "Notes of Berlin" läuft seit 9. September 2021 im Kino

Ein junger Mann verliert bei einem Unfall sein Leben, ein anderer wird nach einer langen Nacht im Berghain von seinem One-Night-Stand sitzengelassen. Ein Hund macht sich allein mit der Straßenbahn auf den Weg und schließt Freundschaft mit einem genervten Restaurantmitarbeiter, während anderswo eine WG-Zimmer-Suche mit Nummern-Ziehen und kostenpflichtiger Wodka-Bar absurde Dimensionen annimmt. Und während eine Mutter erfährt, dass ihre Tochter ungeplant schwanger geworden ist und den Kontakt zum Vater des Kindes verloren hat, trauert eine andere um den Verlust ihres Sohnes.

"Notes of Berlin" ist witzig und enorm traurig, bewegend und zwischendurch etwas nervig, ganz schön chaotisch, aber voller Leidenschaft und mit dem Herz am rechten Fleck. Was man alles irgendwie auch über Berlin sagen könnte, weswegen Schneider bei ihrem ersten Langfilm also schon mal einiges richtig gemacht hat. Mit manchen Klischees spielt sie, andere werden bedient, und die immer von der Kamera eingefangenen Zettel mit ihren Sprüchen und Fragen, Suchen und Aufforderungen stellen einen gelungenen Leitfaden für den Film dar.

Das Berlin in Film hätte durchaus noch etwas queerer sein können


Überall in Berlin findet man diese Aushänge, welche die Passant*innen auffordern, in den Himmel zu schauen – eine Aktion des Künstlers Terry Savage, die leider fatale Folgen hat (Bild: UCM.ONE)

Schauspielerisch ist die Sache durchwachsen. Die wunderbare Andrea Sawatzki beschert dem Film seine stärksten Momente, und mit Tom Lass oder der tollen Jale Arikan überzeugen auch andere renommierte Darsteller*innen, während es in anderen Szenen dann doch arg holprig zugeht. Ausgerechnet die Episode "Queen von Berlin", in der eine junge Touristin ihre Geburtstagsnacht nicht mit ihren ätzenden Mitreisenden, sondern in einer Drag-Bar verbringt, gehört leider zu den schwächsten des Films.

Und überhaupt ist das Berlin, das Schneider hier präsentiert, nicht allzu queer (anders als es der Trailer suggeriert), auch wenn immerhin ein*e Mopsbesitzer*in in High Heels, ballonseidenem Trainingsanzug und lackierten Nägeln einen eindrucksvollen, wenn auch viel zu kurzen Auftritt hinlegt. Davon abgesehen aber fängt "Notes of Berlin" den Geist der Stadt durchaus kurzweilig und stimmig ein.

Direktlink | Offizieller Trailer zur Komödie
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Infos zum Film

Notes of Berlin. Komödie. Deutschland 2021. Regie: Mariejosephin Schneider. Darsteller*innen: Andrea Sawatzki, Tom Lass, Jale Arikan, Frederik von Lüttichau, Bartholomew Sammut, Anne Müller, Paul Boche u.a. Laufzeit: 105 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 12. Verleih: UCM.ONE.
Seit 9. September 2021 im Kino