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Sexualpädagogik

Wie sehen eigentlich trans Körper aus – nackt?

Neuen sexualpädagogischen Materialkarten zu trans und nichtbinären Menschen gelingt es weitgehend, die Möglichkeiten und die Vielfalt zu zeigen, wie deren Körper aussehen können.


Diese zwei Karten aus der Sammlung zeigen Unterkörper nach Operationen respektive Hormoneinnahme (Bild: scan / edition assemblage)

Alexander Hahne und Momo Grace Schmülling legen mit ihren Materialkarten "Sexuelle Bildung zu trans* und nicht-binären Körpern" einen sexualpädagogischen Zugang zu einem Thema vor, das häufig als Minenfeld gilt. Wie sehen eigentlich die Körper von Trans aus? Und, vor allem: Wie sehen sie nackt aus?

Die Frage nach dem Aussehen von Genitalien oder der unbekleideten Brust hat einen gewissermaßen legendären Status unter transgeschlechtlichen Menschen, wird sie doch in den allermeisten Situationen in übergriffiger Weise gestellt. "Bist du schon operiert?", "Wie siehst du untenrum aus?" oder "Hast du einen Penis/eine Vulva?" sind Fragen vom einem Schlage, den sich die meisten cisgeschlechtlichen Menschen wohl verbitten würden. Doch Trans (und Inter) müssen immer wieder die Erfahrung machen, dass sie mit ihnen in den unwahrscheinlichsten und unangemessensten Situationen konfrontiert sind.

Eine gelungene Ergänzung für die Sexualpädagogik


Erschienen sind die Karten Ende August 2021 (Bild: edition assemblage)

Dabei ist das Körperliche überhaupt keine Nebensache, wenn die Geschlechtsidentität von der geltenden Norm abweicht. Sie spielt ganz im Gegenteil auch für die betreffenden Menschen selbst eine erhebliche Rolle. Der häufig großen Neugierde abzuhelfen, auch dazu dient das neu bei der edition assemblage erschienene Workshop-Material.

42 Pappkarten zeigen deutsch und englisch untertitelte, kolorierte Zeichnungen von Körperausschnitten zwischen Knien und Hals. Vermerkt sind Eigenschaften der Körper wie "Mastektomie mit großen Schnitten (Mastek)" oder "Getuckte Genitalien (Variante Tape)". Erstere Karte zeigt einen Körper nach der operativen Entfernung zweier Brüste und der Modellierung eines flachen, "männlichen" Oberkörpers, letztere eine Methode, wie manche transweiblichen Menschen Penis und Hoden unter Verwendung eines Klebebandes abbinden. Andere Bilder stellen dar, wie eine durch Operation geformte Vulva oder ein Penisaufbau aussehen. Was fehlt, sind die Genitalien von intergeschlechtlichen Menschen, die ja ihrerseits nicht selten transgeschlechte Lebenswege gehen.

Ich bin sicher: Sexualpädagogische Workshops werden mit den Karten gelungen ergänzt. Sie können unter den Teilnehmer*innen herumgereicht oder zur Visualisierung eines bestimmten Körper-Themas gezeigt werden. Sie dienen Neugierigen dazu, einen größeren Überblick über die Vielfalt queerer Körper und queerer Genitalien zu bekommen – egal, ob sie selber cis sind oder nicht. Denn es mangelt noch immer an zugänglichem Bildmaterial zur Vielfalt der Genitalien, etwa von einer durch Testosterongabe vergrößerten Klitoris.

Queerfeministische Kultur, sich nicht festlegen zu wollen

Etwas irritierend sind die Zeichnungen in ihrer Gesamtheit in einer Hinsicht dennoch. Wie in queerfeministischen Kreisen üblich, dienen auch die bildlichen Darstellungen der Materialkarten dazu, die ganze Vielfalt unterrepräsentierter Personen und ihrer Körper zu erkunden. Die Karten zeigen Behinderungen, unterschiedliche Hauttöne abseits einer weißen Norm, Behaarung und Glätte, Wachstumsstreifen und Hautfalten, Ritz-Narben und Untergewicht. Das ist einerseits gut und richtig.

Doch die häufig schlängelnd und wenig realistisch, ja dadurch beinahe verlaufend gezeichneten Körperumrisse entsprechen einer queerfeministischen Kultur, die sich zu oft vorsichtshalber gar nicht erst auf Eigenschaften eines zu beschreibenden Menschen festlegen möchte, um auch ja nicht in Gefahr zu geraten, jemanden zu diskriminieren. So wird zwischenzeitlich unklar, mit welchem Abstraktionsgrad die Zeichnungen eigentlich arbeiten oder ob sie dies überhaupt bewusst tun.

Auch trans und nichtbinäre Personen leben in einer Welt, die auf oft schmerzhafte Weise bestimmt, wer als schön gelten darf und wessen Körper aufgrund von Schönheitsnormen verworfen wird. So dürfte auch ein nicht unerheblicher Teil von ihnen danach streben, solchen Normen wenigstens ein Stück weit zu entsprechen. Die Materialkarten hingegen scheinen sich einen Tick weit zu trotzig an diesen Normen abarbeiten, ihnen Widerstand entgegen setzen und transgeschlechtliche Menschen als Akteur*innn dieses Widerstands inszenieren zu wollen. Dadurch können die Bilder dazu beitragen, der weit verbreiteten Sicht Wind in die Segel zu pusten, dass trans Menschen nicht "schön" sein könnten.

Dabei ist so eine Vorstellung von "Schönheit" freilich durchzogen von machtgeladenen und ausgrenzenden Normierungen, unter denen Menschen oft ihr Leben lang leiden. Sie treiben sie in Zyklen aufreibender Abnehmphasen, an die Hantelbank oder zum im Zweifel tödlichen Brazilian Butt Lift auf die OP-Liege. Allein: Sie tun es. Wenn pädagogische Darstellungen sich das Ideal der Repräsentation auf die Fahnen geschrieben haben, sollten sie dem auch ein wenig strenger nachkommen. Das schmälert den Gewinn, den die Karten für die Sexualpädagogik darstellen, jedoch nicht allzu sehr.

Infos zu den Karten

Sexuelle Bildung zu trans* und nicht-binären Körpern, Materialkarten für Beratung und Workshops. Hg.: Alexander Hahne, Illustrationen: Momo Grace Schmülling. 42 Materialkarten in kaschierter Pappschachtel. deutsch/englisch. 148 x 210 mm. edition assemblage. Münster 2021. 30,00 €. ISBN: 978-3-96042-113-9.


#1 EinChaserAnonym
  • 14.09.2021, 11:47h
  • Höchst interessant gemacht und gestaltet!
    Wenn man nicht so mit der Materie vertraut ist, wie ich.

    Habe einige Trans/Inter Menschen in der Kundschaft. Die Frage unten rum stellt sich mir allerdings nie.
    Mehr so die Frage, lebst du jetzt glücklich? und auf welchen Menschenschlag stehst du? Mit welchen drei Schauspielern würdest du in's Bett gehen?
    Wenn es mal im Gespräch unter die Gürtelline gehen sollte... ;-)
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#2 Ith_Anonym
  • 14.09.2021, 12:02h
  • Ja, danke, ich find schon die Wahl des Titelbilds für diesen Artikel extrem demütigend.
    Berichtet doch bitte mal über ein Buch, in dem Penisverlängerungen oder OPs nach Hodenkrebs erklärt werden, und dann gucken wir mal, ob es bei Menschen mit "normalem" Genitalbereich genauso "normal" ist, eine Seite mit expliziten Zeichnungen als Bild für die Besprechung auszuwählen statt vielleicht das Cover oder so.

    Aber hey, wenn man schon ein Freak ist, ist das schließlich okay.
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#3 Ith_Anonym
  • 14.09.2021, 12:11h
  • Antwort auf #1 von EinChaser
  • Jo, weil Tranny-Chaser schließlich wissen, mit was sie uns nicht kommen sollten, und was sie uns stattdessen vom Himmel lügen müssen darüber, wie sehr sie uns akzeptieren und so, und wie viel besser sie abgeblich sind als der Rest.

    Was sie leider auch extrem gut wissen, ist, mit wie viel Übergriffigkeit und sexualisierter Gewalt man bei Leuten mit derart zerstörtem körperlichen Selbstbewusstsein durchkommt, die obendrein für gewöhnlich isoliert sind und Hilfe nichtmal suchen würden, geschweige denn, dass sie von irgendwoher welche erwarten würden. Weil wir wissen, dass wir es nicht wert sind.
    Insofern - ich glaub dir deinen Nickname. Als Mensch, der auf seine Unversehrtheit zu achten versucht, weiß man, welches Klientel ein solcher Artikelopener zwangsläufig anzieht. Und das ist Teil des wahren Problems.
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#4 LotiAnonym
  • 14.09.2021, 12:35h
  • Antwort auf #3 von Ith_
  • Was ist an den Kommentar 1 so schlimm, dass Du wieder einmal hier voll aus der Hüfte schießen mußt?
    Gehst Du an Spiegeln vorbei ohne reinzusehen? Gehst Du täglich abends frustriert ins Bett und stehst morgens wutentbrannt auf? Macht es Dir nichts aus Dich immer wieder selbst herunterzumachen? Meine Güte. Da ist ja die Dramaqueen selbstbewusster als Du es bist. So jedenfalls mein Anschein. Ich habe von Dir noch nichts positives zum Thema Transperson hier gelesen.
    Und entschuldige vielmals, wenn es Menschen auch wie mich gibt, die offene Fragen zu diesem Thema haben.
    Somit finde ich rein gar nichts am Artikel anstößig. Auch zum Bild. Nur wundert Euch dann auch nicht, falls das Interesse hier nicht so besonderen Anklang findet. Kopfschüttel.
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#5 Elm_Anonym
  • 14.09.2021, 13:20h
  • Antwort auf #2 von Ith_
  • Ich, weißer Cis-Schwuler, hätte nichts gegen die von dir vorgebrachte Bebilderung zu Penisverlängerung oder Hodenkrebs einzuwenden.

    Und ganz ehrlich, ich habe das Gefühl dass von den Stamm-Kommentator*innen hier dich kein*e Einzige*r als "Freak" bezeichnen oder auch nur so sehen würde. Niemand außer offenbar dir selbst.
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#6 SakanaAnonym
  • 14.09.2021, 13:24h
  • Antwort auf #4 von Loti
  • Ich glaube leider mittlerweile, dass es da überhaupt keinen Mittelweg mehr gibt, auf dem mensch sich diskursiv noch treffen könnte.

    Die einen werden die Karten als extrem übergriffig auf sich und ihre körperliche und psychische Gesundheit sehen, während andere aus Interesse, aber auch leider aus voyeuristischen Motiven heraus, die Karten anschauen werden und sich dabei ein Gefühl der "Begaffung" einstellen kann.

    Das Problem betrifft in jedoch generell die gesamte Darstellung menschlicher Körper in ihren verschiedensten Erscheinungsformen.
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#7 MephalaAnonym
  • 14.09.2021, 13:30h
  • Ja, das paßt. Damit auch jedes johlende Mitglied der Jungen Union und auch wirklich jeder Recke der deutschen Volksgemeinschaft über Alltags-Verteidigungs-Praktiken von trans Frauen wie tug bestens informiert ist.

    Ich bedanke mich herzlich für die Steigerung meiner Gefährdung auch durch Anreizung der Gafflust und darf wohl die hilfreiche Handreichung der queerfeministischen Elite bei Blicken auf meinen Körper auf der Straße ab jetzt mitkalkulieren.

    Tatsächlich gehört es für mich als trans Frau zu den Basis-Erfahrungen, daß, wie und von wem mein Körper gegen mich zur sozialen Waffe gemacht wird. Am intensivsten geschieht das in der Queerszene.

    Für die, die diese Thematik weniger gut kennen: Kostenpunkt für einen cis passing normschönen Körper per somatische Maßnahmen: 30.000 Euro Minimum. Über die Kassen unerreichbar. Das ist der zentrale Unterschied zwischen trans Frauen und trans Frauen. Die sichtbaren und reichweitenstarken trans Frauen in der Queerszene, Millenial-Generation und jünger, haben solche Körper. Auf diese Weise werden die, die dazu keinen Zugang haben, umso mehr zu abstoßenden Monstern und Freaks gemacht.

    Natürlich ist man in der Queerszene mit äußerster Entschiedenheit gegen body shaming, das Messen von Körpern an Schönheitsidealen et cetera. Und betreibt das alles mit den per Geburtslotterie erworbenen Machtkarten in der Hand selbst.

    Trans Frauen wie ich haben schon längst bessere Verteidigungsstrategien, deren wichtigste ein Leben unter einer derart drakonischen Disziplin ist, daß kein 'normaler Mensch' das eine Woche lang aushielte. Wachsamkeit, Verteidigungsbereitschaft, Gedanken, Aufmerksamkeit, Gefühle unter rigider Kontrolle. Kleidung, Haare, Schminken, alles unter diesen Vorzeichen. Das ist überlebenswichtig.

    Diese Pappkarten- Sammlung macht das jetzt ein bißchen schwieriger . Auf diesen werden jetzt die weniger Privilegierten bloßgestellt. Die Bessergestellten nehmen ja schon an model contests teil, im Fernsehen, oder betätigen sich doch wenigstens als Szene- Königinnen.

    Schade, daß ich sie mir nicht einmal leisten kann. Aber ich weiß ja, daß es sie gibt, und werde mich darauf einzustellen wissen.
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#8 Girlygirl
  • 14.09.2021, 13:34h
  • Antwort auf #4 von Loti
  • Die erste kommentierende Person nennte sich Chaser, so werden Leute bezeichnet, die einen Fetisch für Trans Personen bzw. ihre Genitalien haben und sie gezielt "suchen". Oft versteht man darunter einen Cis Mann (gibt bestimmt auch Frauen), der gezielt nach Trans Frauen oder Männern sucht. Das ist genauso wie ein Hautfarben Fetisch extrem demütigend, denn die meisten merken gar nicht, dass sie einem Chaser zum Opfer gefallen sind, da die nicht offen damit sind. Mir ist schei* egal ob andere Menschen sich freiwillig fetischisieren lassen, aber es ekelt mich an, wenn Menschen mich wegen meiner Herkunft ungefragt zum Fetisch Objekt degradieren. Und für Trans Personen ist es wahrscheinlich noch hundertmal schlimmer, weil sie es sowieso schwerer haben.
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#9 Ith_Anonym
#10 Ith_Anonym
  • 14.09.2021, 13:48h
  • Antwort auf #5 von Elm_
  • Hm, nein, die Stammkommentator*innen, die mich verachten, greifen dann schon auf elegantes Misgendern und sonstige Standardfloskeln zurück. So platt, dass es irgendwer außer mir selbst als herabsetzend begreift, will man ja dann lieber doch nicht sein.
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