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Ursachen unklar

Studie: Sterberisiko bei trans Menschen doppelt so hoch wie bei cis Menschen

Insbesondere bei trans Frauen ist das Sterberisiko nach einer neuen niederländischen Studie erhöht.


Als einen Grund für die Unterschiede nennen Forscher*innen Diskriminierungserfahrungen (Bild: Colombia University)

Laut einer niederländischen Studie haben trans Menschen ein doppelt so hohes Risiko zu sterben als cissexuelle Männer und Frauen. Es bestehe "dringender Handlungsbedarf", um diese ungleichen Verhältnisse zu beseitigen, heißt es in der am 3. September im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichten Untersuchung. Sterberisiko (Mortalität) definiert sich als jener Anteil von Menschen, der in einer bestimmten Population und in einem bestimmten Zeitraum ihr Leben verlieren.

Die Forscher*innen hatten dazu die Daten von mehr als 4.500 trans Menschen in den Niederlanden zwischen 1972 und 2018 ausgewertet und mit Sterbe-Daten der nationalen Statistikbehörde CBS verglichen. In diesem Zeitraum, so ein weiteres Ergebnis, sei das erhöhte Sterberisiko von nicht-cissexuellen Personen konstant geblieben, habe sich also nicht verringert.

Die Daten zeigten, dass das Sterberisiko bei trans Frauen fast doppelt so hoch liege wie bei cis Männern und drei Mal so hoch wie bei cis Frauen. Gerade die Gefahr, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Infektionen, Lungenkrebs und unnatürlichen Todesursachen (Unfälle, Tötungsdelikte, Suizid) zu sterben, sei bei trans Frauen extrem erhöht. Der größte Unterschied sei HIV gewesen – hier sei das Sterberisiko bei trans Frauen 15 Mal höher als bei cis Männern und sogar 50 Mal höher als bei cis Frauen.

Bei trans Männern waren die Unterschiede kleiner. So sei ihr Sterberisiko ähnlich hoch wie bei cis Männern, aber fast doppelt so hoch wie bei cis Frauen.

Die Autor*innen der Studie merkten jedoch an, dass das erhöhte Sterberisiko für trans Frauen bei HIV und durch Selbstmord insbesondere in den ersten Jahrzehnten des Untersuchungszeitraums festgestellt wurde, zuletzt aber abgenommen habe. Das sei durch eine höhere Akzeptanz in der Gesellschaft und ein besseres Gesundheitssystem zu erklären.

Spekulationen über Gründe für Unterschiede

Die Unterschiede zwischen trans Frauen und Männern ließen sich nach Ansicht des nicht an der Studie beteiligten Endokrinologen Vin Tangpricha von der amerikanischen Emory University dadurch erklären, dass trans Männer im Vergleich zu trans Frauen keine signifikant erhöhten Begleiterkrankungen nach geschlechtsangleichenden Therapien aufweisen würden. Die erhöhten Zahlen bei Frauen könnten auf "Unterschiede in der Körperzusammensetzung oder auf gesellschaftliche Faktoren" zurückzuführen sein. Dies müsse aber noch weiter untersucht werden. Er betonte, dass Geschlechtsanpassungen für viele trans Menschen aus psychologischen Gründen ein "Lebensretter" sei.

Studien-Mitautorin Christel de Block von der medizinischen Hochschule Amsterdam UMC erklärte, sie sei überrascht gewesen über das erhöhte Sterberisiko bei trans Frauen in den letzten beiden Jahrzehnten. Sie führte das darauf zurück, dass heutzutage in den Niederlanden weniger Hormonbehandlungen bei Begleiterscheinung wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder bei starkem Tabakkonsum abgelehnt würden.

Hintergrund ist, dass Studien in den letzten Jahrzehnten immer wieder zu dem Ergebnis gekommen sind, dass queere Menschen eher rauchten oder Alkohol konsumierten, was stets auf erhöhte Diskriminierungerfahrungen zurückgeführt wird. Bei trans Personen wurde oft ein noch extremerer Konsum festgestellt als bei Lesben und Schwulen. Die von den niederländischen Forscher*innen untersuchten Daten machten allerdings zum unterschiedlichen Konsumverhalten keine Angaben.

"Die geschlechtsangleichende Hormonbehandlung gilt als sicher, und die meisten Todesursachen in der Kohorte standen nicht damit in Zusammenhang", so de Block. Um wirklich zu wissen, warum das Sterberisiko unter trans Frauen so hoch sei, sei mehr Forschung notwendig. (dk)



#1 canadianNordicSarahAnonym
  • 14.09.2021, 19:35h
  • Gatekeeping und komische Menschenbilder bringen trans Frauen um. HRT sollte nach Informed Consent verfügbar sein
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#2 Gnurfel42Anonym
  • 15.09.2021, 08:39h
  • »Um wirklich zu wissen, warum das Sterberisiko unter trans Frauen so hoch sei, sei mehr Forschung notwendig.«

    Ach, wirklich? Ist es nicht die tägliche Hetze von Rechts (und mit »Rechts« beziehe ich CDU/CSU explizit mit ein)? Ist es nicht die systematische Diskrimierung durch das (Un-)Rechtssystem? Ist es nicht die Tatsache, dass Transphobie noch immer tief in der sogenannten »Mitte« der Gesellschaft verankert ist? Ist es nicht die Tatsache, dass die Meisten eigentlich keine Ahnung haben, was trans sein wirklich heißt, aber trotzdem eine Meinung? Ist es nicht die Tatsache, dass die letzen gut 30 Jahre die CDU/CSU fast durchgängig mit ihrer menschenfeindlichen Politik einfach durchregiert hat (und die SPD nickte brav fast alles ab) und das strukturell transphobe TSG trotz vieler Verfassungsgerichtsurteile nie abschaffen wollte? Ist es nicht die Tatsache, dass dank rechtlicher Diskrimierung der Zugang zu lebensnotwendigen Mitteln durch unzähliche bürokratische Hürden erschwert wird? Ist es nicht die Tatsache, dass auch Mysogynie immer noch ein Problem ist, viele trans Menschen also doppelt gearscht sind? Ist es nicht die Tatsache, dass es noch nicht mal so viele Jahre her ist, dass das trans sein ganz offiziell als Krankheit galt?
    Wenn es scheint, als hätte sich die ganze Welt gegen dich verschworen, ist es dann WIRKLICH so ein großes Mysterium, warum das Leute in den Wahnsinn und Suizid treibt?

    Ja, mehr Forschung ist immer gut, aber ist geradezu grotesk, so zu tun, als wären die Suizide ein riesengroßes Mysterium. Nein, das sind sie nicht.
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#3 canadianNordicSarahAnonym
  • 15.09.2021, 09:07h
  • Antwort auf #2 von Gnurfel42
  • Deutschland will verwaltet werden, nicht gestaltet werden. Deshalb ist ein « Abweichen der Norm » ein bürokratischer Akt. Outing kann Existenzverlust bedeuten, Arbeitslosigkeit und sozialer Abstieg. Deshalb leben trans Frauen nicht lang. PoC haben sogar ne Lebenserwartung von nur 35 Jahren.
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#4 audeasAnonym
#5 ClarissaAnonym
  • 16.09.2021, 03:10h
  • Da rätseln die wirklich über die Ursache?

    Hm, mal nachdenken: fast 50% aller trans*Frauen werden direkt nach ihrem Outing gekündigt. Arbeitslosigkeit. Depressionen. Suizid.

    Aber Hauptsache, der Lesben- und Schwulenverband wirbt regelmäßig, wie LGBT-freundlich das FDP-Programm wäre. Lockerung des Kündigungsschutzes, Abschaffung des Sozialstaates.

    Danke, gern geschehen.
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#6 DQ24Anonym
  • 16.09.2021, 06:36h
  • Ich selber bin trans, kann mir einige Gründe vorstellen, warum TS-Frauen vor allem, sich das Leben nehmen. Es sind vor allem "innere" und "äußere" Gründe:

    Äußere Gründe:

    Ablehnung durch Freunde, Familie und Religion nach dem CO und/oder dem Leben als Frau.
    Gewalt gegen uns, weil wir nicht "weiblich" genug aussehen.
    Die Darstellung von Transsexuellen in den Medien (entweder als schrill oder als mörderisch).

    Innere Gründe:

    Psychosen, die mit der TS etwas zu tun haben können, oder auch nicht.
    Glauben, dass der Geschlechtswechsel ein Fehler war, weil die Probleme nicht verschwunden sind.
    Angst, von Gutachtern nicht als TS anerkannt zu werden.
    Man fühlt sich wertlos, weil die Familie einem nicht akzeptiert.

    Ich habe erlebt, wie zwei Menschen aus meinem Bekanntenkreis Selbstmord begingen. Eine Freundin lebte in Utah. Sie brachte sich um, weil ihre Familie trotz geschlechtsangleichender OP und Personenstandsänderung nicht akzeptierte. Bei ihrer Beerdigung wurde von der Familie ihr weiblicher Vorname, sowie ihre lesbische Lebensgefährtin ignoriert, und niemand von ihrer Wahlfamilie durfte an der Beerdigung teilnehmen.
    Die andere Freundin brachte sich hier in Berlin um. Sie war depressiv, weil ihr "Ausgangsmaterial" denkbar schlecht war. Sie wurde im Märkischen Viertel von drei Männern attackiert.
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