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Schwerer Vorwurf

USA: Ex-Chef der größten LGBTI-Organisation sieht Rassismus als Grund für seinen Rauswurf

Alphonso David war die erste Person "of Color" als Chef der Human Rights Campaign – und wurde vergangene Woche wegen Unterstützung eines in Ungnade gefallenen Politikers entlassen. David glaubt aber, dass der Grund für seinen Rauswurf ein anderer war.


Alphonso David fühlt sich ungerecht behandelt (Bild: Screenshot MSNBC)

Der frühere Präsident der Human Rights Campaign hat am Sonntag in einem Interview im Nachrichtensender MSNBC seinem Ex-Arbeitgeber vorgeworfen, ihn wegen seiner Hautfarbe gefeuert zu haben. "Diese Organisation wurde in den 1980er-Jahren gegründet und wurde lange als Organisation für weiße Männer angesehen", so David. "Ich ging dort hin – als schwarzer Mann – um wirklich einige der Systeme herauszufordern, die in dieser Institution tief verwurzelt sind. Ich wurde wegen meiner 'Rasse' anders behandelt, glaube ich."

Als Grund für die Entlassung hatte der Vorstand der HRC einen im vergangenen Monat veröffentlichten Bericht der New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James angegeben, wonach David den früheren Gouverneur Andrew Cuomo in Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens beraten hatte (queer.de berichtete). Laut dem Vorstand sei David daher nicht mehr tragbar für eine Organisation, die sich auch für Opfer sexueller Belästigung und sexueller Übergriffe einsetze. David, von Hauptberuf Anwalt, drohte nach seiner Entlassung sofort auf Twitter mit einer Klage. Cuomo war am 10. August von seinem Amt als Landesvater des Staates New York zurückgetreten.

David wirft HRC vor, mit zweierlei Maß zu messen

David warf im Interview der Human Rights Campaign vor, dass andere Anführer*innen zuvor ebenfalls "Aktivitäten" getätigt hätten, die kritisiert worden seien und der Organisation geschadet hätten. "Sie wurden nicht aufgefordert zurückzutreten. Ich wurde ohne den Hauch eines Beweises aufgefordert zurückzutreten." Vor David hatten seit 1980 sieben weiße Personen den HRC angeführt – darunter waren zwischen 1995 und 2004 zwei Frauen.

Weiter erklärte David, dass er nicht für sich kämpfe, sondern für alle nicht-weißen Personen. Er setze sich für "diese schwarzen Jungs und braunen Mädchen ein, die darauf blicken, ob diese Bewegung sie mit einschließt". Außerdem ging er in dem Interview – seinem ersten, nach seinem Rauswurf – auf Detail-Fragen ein; so kritisierte er, dass vom HRC kein Bericht zu seinem angeblichen Fehlverhalten vorgelegt worden sei. "Wir können die Regeln nicht mitten im Spiel ändern", sagte David. Er warf der HRC fehlende Transparenz vor.

Twitter / TheSundayShow
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Die Human Rights Campaign hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen ihres Ex-Chefs geäußert. Der in der Hauptstadt Washington ansässige Verein gilt mit einem Jahresbudget in Höhe von 50 Millionen Dollar als größte queere Bürgerrechtsorganisation des Landes.

Vor David war bereits die (weiße) LGBTI-Aktivistin Roberta Kaplan über die Cuomo-Affäre gestolpert. Die prominente Anwältin soll Cuomo dabei geholfen haben, sich gegen Missbrauchsvorwürfe von Beschuldigerinnen zu wehren. Die 55-Jährige hatte bereits letzten Monat ihren Rücktritt als Co-Chefin der im Zuge des Weinstein-Skandals 2018 gegründeten Frauenrechtorganisation Time's Up angekündigt. (dk)



#1 vulkansturmAnonym
  • 14.09.2021, 19:35h
  • Es ist schon für sich problematisch genug, wenn die Unschuldsvermutung nicht mehr gilt, wenn Bestrafungen ohne Gerichtsverfahren durchgesetzt werden, indem man die Beschuldigten massiv dem medialen Pranger aussetzt, ohne Gerichtsentscheidungen abzuwarten. Noch perverser ist es, wenn jetzt auch noch Anwälte oder Anwáltinnen dafür bestraft werden, dass sie ihren Job erledigen. Jeder hat ein Recht auf anwaltiche Beratung, selbst ein Massenmörder. Rechtsanwälte dafür zu ächten, zeugt von völliger Verachtung gegenüber unserem Rechtsstaat. Die Hautfarbe spielt hierbei vermutlich nur eine Nebenrolle, was sich auch anhand des wohl erzwungen Rücktritts der weißen Kollegin aufzeigen lässt.
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#2 goddamn liberalAnonym
  • 15.09.2021, 14:13h
  • Antwort auf #1 von vulkansturm
  • Die 'weiße' Kollegin ist Jüdin. Das 'J'-Wort ist tödlich wie das 'N'-Wort.

    Schon allein deshalb ist die neue Rassenkunde, die den historisch und aktuell tödlichen US-Antisemitismus ignoriert, absurd.

    Von der Geschichte Zentraleuropas rede ich erst gar nicht.
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