https://queer.de/?39993
"Recall"-Wahl
Caitlyn Jenner scheitert deutlich in Kalifornien
Die wohl bekannteste trans Frau der Welt wird nicht Gouverneurin von Kalifornien. Unter den Herausforder*innen von Gavin Newsom erreichte sie nur den 13. Platz. Nach ihrer Niederlage betrieb die aus "Keeping Up with the Kardashians" bekannte Reality-Darstellerin Wählerschelte.

Caitlyn Jenner kann sich wieder voll auf ihre Reality-TV-Karriere konzentrieren
- 15. September 2021, 10:16h 3 Min.
Rund eine Million Dollar hat die trans Republikanerin Caitlyn Jenner für ihren Wahlkampf ausgegeben, herausgekommen ist sehr wenig: Bei der Sonderwahl zur Abberufung des kalifornischen Gouverneurs Gavin Newsom ("Recall Election") erreichte die 71-Jährige am Dienstag unter den Alternativkandidierenden nach Auszählung der meisten Stimmen gerade einmal 1,1 Prozent. Damit lag der Reality-Star auf einem enttäuschenden 13. Platz unter 46 Bewerber*innen. Nach vorläufigen Zahlen erhielt sie weniger als 60.000 Stimmen; dabei haben sich in Kalifornien 22 Millionen Wähler*innen registriert.
|
Diese Kandidierendenliste ist allerdings ohnehin nicht von Belang, da die kalifornische Bevölkerung mit großer Mehrheit die Abwahl des Demokraten Newsom abgelehnt hatte. Nur 36 Prozent wollten den Gouverneur vorzeitig des Amtes entheben, 64 Prozent wollten ihn bis zum Ende seiner Amtszeit im Januar 2023 behalten.
In einer ersten Reaktion zeigte sich Jenner laut einem CBS-Video empört über das Wahlergebnis: "Ich kann nicht glauben, dass so viele Menschen dafür gestimmt haben, [Newsom] zu behalten. Das ist eine Schande! Ehrlich, eine Schande! Man kriegt halt die Regierung, die man verdient."
Die politisch völlig unerfahrene Jenner sorgte während ihrer Kandidatur für Kopfschütteln, weil sie viele erzkonservative Positionen vertrat – und selbst Trans-Rechte ablehnte. So sprach sich die ehemalige Olympia-Goldmedaillengewinnerin etwa dagegen aus, dass trans Mädchen am Schulsport teilnehmen sollten (queer.de berichtete). Kritik gab es auch insbesondere an ihren Tiraden gegen Obdachlose – so beklagte sie, dass ein Freund seinen privaten Flugzeugparkplatz geräumt habe, weil er "nicht durch die Straßen gehen kann, ohne überall Obdachlose zu sehen". Keine einzige bedeutende LGBTI-Organisation sprach sich bei der Wahl für Jenner aus.
Sieger Newsom ist unter LGBTI-Bevölkerung populär
Der Gewinner Newsom ist unter der queeren Bevölkerung in Kalifornien hingegen sehr beliebt. Grund ist vor allem seine Amtszeit als Bürgermeister von San Francisco: 2004 öffnete der damals außerhalb der Region noch eher unbekannte (heterosexuelle) Kommunalpolitiker in seiner Stadt die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare (queer.de berichtete). Das führte zu moralischer Empörung. Die Eheschließungen wurden nach einem Monat wieder gestoppt (queer.de berichtete).
|
Zu dieser Zeit war selbst in der Demokratischen Partei die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht noch kein Thema gewesen. Sogar der spätere Präsident Barack Obama wollte sich angeblich wegen der LGBTI-freundlichen Politik nicht mit Newsom fotografieren lassen (queer.de berichtete). Schließlich wandelte sich die öffentliche Meinung zur Ehe für alle. Newsom wurde 2011 zum stellvertretenden kalifornischen Gouverneur gewählt und konnte 2018 schließlich den Chefposten erobern (queer.de berichtete).
Zuletzt kritisierten ihn die Republikaner*innen insbesondere wegen seiner restriktiven Corona-Politik. Persönlich wurde er angegriffen, weil er im November letzten Jahres auf eine Geburtstagsfeier ging, während er die Bevölkerung aufforderte, sich zu isolieren.
Newsom konnte die von republikanischen Aktivist*innen erzwungene Wahl offenbar auch gewinnen, weil sein Hauptherausforderer – der erzkonservative schwarze Radiokommentator Larry Elder – mit radikalen Positionen die Wähler*innen aufschreckte. So wurde in seiner Radiosendung etwa der Mythos verbreitet, dass Covid-19 eine von Microsoft-Gründer Bill Gates angeführte Verschwörung sei. Elder wollte alle Corona-Regeln nach einem Wahlsieg abschaffen. Der 69-Jährige gewann zwar die Abstimmung unter den Alternativkandidierenden mit 47 Prozent der Stimmen deutlich – allerdings hätte für seine Machtübernahme eine Mehrheit gegen den Verbleib Newsoms im Amt stimmen müssen. (dk)
|














