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"Zeit"-Interview

Schäuble belehrt Merz über Homosexualität

Der Bundestagspräsident versteht offenbar nicht, warum sein Parteifreund Homosexualität mit sexuellen Missbrauch von Kindern in Verbindung gebracht hat.


Wolfgang Schäuble zeigt Friedrich Merz, wie man eine Frage zu einem schwulen Kanzler vorurteilsfrei beantworten kann (Bild: Deutscher Bundestag / Jens Jeske)

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat in einem Interview mit der "Zeit" (Bezahlartikel) erklärt, dass er beim Thema Homosexualität umgedacht habe. Dabei kritisierte der CDU-Politiker auch indirekt eine Aussage seines Parteifreundes Friedrich Merz aus dem letzten Jahr.

"Ich lerne, dass viele Auffassungen, die wir hatten, so nicht mehr stimmen. Die Rollenbilder von Männern und Frauen. Oder der Umgang mit dem Thema Homosexualität. Darüber dachte meine Generation in der Regel noch sehr anders", erklärte der 78-Jährige wörtlich. Auf die Frage, ob ihm das Umdenken schwergefallen sei, sagte Schäuble: "Nicht so sehr, nein. Ich habe viele homosexuelle Menschen gekannt und auch erlebt, wie schwer sie es oft hatten, wie lange viele gehadert haben, sich zu outen." Was für eine befreiende und gute Wirkung ein Coming-out habe, könne man an CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn sehen, so Schäuble weiter.

Danach ging der dienstälteste Bundestagsabgeordnete auf Merz ein: "Zu meinem Freund Friedrich Merz habe ich jedenfalls gesagt, wenn dich noch mal einer fragt, ob ein Homosexueller Kanzler werden kann, gibt's nur eine Antwort: Ich verstehe die Frage nicht."

Hintergrund ist eine fragwürdige Antwort von Merz im letzten September auf die Frage "Hätten Sie Vorbehalte, wenn heute ein Schwuler Bundeskanzler würde?" Damals sagte Merz in "Bild-TV": "Die Frage der sexuellen Orientierung geht die Öffentlichkeit nichts an. Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft – an der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht -, ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion" (queer.de berichtete).

Scharfe Kritik an Merz-Äußerung

Die Antwort hatte zu scharfer Kritik von LGBTI-Aktivist*innen und sogar innerhalb seiner eigenen Partei geführt. Journalist Julius Betscka vom "Tagesspiegel" kommentierte: "Wenn du bei der Frage, ob ein schwuler Kanzler für dich okay wäre, nach deinem antrainierten 'Geht niemanden was an' sofort an Pädophilie denken musst, denkst du leider komplett homophob."


Friedrich Merz redete sich im letzten Jahr um Kopf und Kragen (Bild: Screenshot bild.de)

Der damalige Kandidat für den CDU-Bundesvorsitz hatte auf Kritik an seiner Aussage allerdings dünnhäutig reagiert: Zunächst behauptete Merz schlicht, er habe diese Äußerung nicht getätigt (queer.de berichtete). Ein paar Tage später erklärte er immerhin: "Wenn sich irgendjemand davon persönlich getroffen gefühlt hat, bedauere ich das wirklich sehr" (queer.de berichtete). Trotzdem hielt er an der Erzählung fest, dass "Akteure", die ihm feindlich gesinnt seien, den Zusammenhang zwischen Homosexualität und sexuellem Missbrauch von Kindern konstruiert hätten, wie er vier Wochen nach der Aussage in der ZDF-Sendung "Markus Lanz" erklärte (queer.de berichtete).

Schäuble stimmte gegen Ehe für alle

Im "Zeit"-Interview begründete Schäuble auch, warum er 2017 die Ehe für alle abgelehnt habe: "Weil ich große Sympathien für Institutionen habe und glaubte, die Ehe sei gerade in Bezug auf den Familienverbund ausschließlich eine Institution für Mann und Frau."

Schäuble ist seit 1972 Mitglied des Deutschen Bundestages. Zur Wahl am 26. September tritt er erneut an. Auch Friedrich Merz will in den Bundestag zurück: Nach zwölf Jahren Abstinenz bewirbt sich der 65-Jährige in seinem alten Wahlkreis Hochsauerlandkreis um ein Direktmandat. Sein Einzug gilt als sicher; diesen Wahlkreis hatte die CDU vor vier Jahren mit über 20 Prozentpunkten Vorsprung vor der SPD gewonnen. (dk)



#1 userer
  • 15.09.2021, 14:59h
  • Dass einer wie Schäuble, der das Eheverbot für Schwule und Lesben offenbar auch heute gerne hätte, einen Parteikollegen wie Merz trotzdem zur Mäßigung beim Thema ermahnen kann, zeigt mir vor allem eines: Die CDU ist erzreaktionär, unmodern, unwählbar.
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#2 SakanaAnonym
  • 15.09.2021, 15:19h
  • Interessante Pointe:

    Der SPD-Kandidat, der in seinem Wahlkreis antritt, ist in mit einem Mann verheiratet.

    "In Berlin bin ich geboren, allerdings ist Offenburg mein Lebensmittelpunkt. Das habe ich meinem Mann zu verdanken, der uns aus beruflichen Gründen in die Ortenau gebracht hat."

    matthias-katsch.de/biographisches/

    Das Leben schreibt die interessantesten Geschichten.
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#3 SchleicheRAnonym
  • 15.09.2021, 15:24h
  • Antwort auf #1 von userer
  • Dem Schäuble trau ich wirklich zu, dass er seine alte Meinung zum Teil überdacht und angefangen hat queere Lebensläufe zu respektieren. Er wird im Innern sicherlich noch Schwierigkeiten haben, jedoch scheint er auch keine Probleme zu haben, das zuzugeben.
    Ist so weit erstmal ok für mich.
    Wenn andere CDU-Köpfe auch so arbeiten würden, wäre man vielleicht schon 10 Jahre weiter, nur scheint das eher die Ausnahme zu sein.
    Und es ging eben auch um die Andeutung einer Kriminalisierung seitens Merz und sowas fällt Schäuble schon auf. Als Bundestagsvorsitzender (-präsident) scheint er sehr klar vorzugehen, wenn man so die eine oder andere Sitzung verfolgt.
    Helfen wird es der CDU am 26.09. aber nicht. Da müsste es schon diamantgoldene Regenbogen-Sternchen aus einem furzenden Einhorn über mir regnen. ;)
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#4 PetterAnonym
  • 15.09.2021, 15:40h
  • "Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat in einem Interview mit der "Zeit" (Donnerstagsausgabe) erklärt, dass er beim Thema Homosexualität umgedacht habe."

    Komisch, wie viele aus der CDU vor Wahlen angeblich dazu gelernt haben.

    Aber jedem ist klar, dass das nur Wahltaktik ist. Und selbst wenn nicht, käme es viel zu spät und würde nicht wiedergutmachen, was die bisher angerichtet haben.
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#5 queergayProfil
  • 15.09.2021, 15:42hNürnberg
  • Immerhin beteuert der 80-jährige Schäuble, daß er auch lernfähig ist und hinzugelernt hat. Das sollte man nicht zu geringschätzen.
    Dass er jetzt in seinem nicht mehr jugendlichen Alter weitere Jahre an vorderster Front politisch aktiv und tätig sein will, finde ich schon bemerkenswert. Er traut sich was...neben den jüngeren 'Polit-Boys' um ihn herum.
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#6 zundermxeAnonym
  • 15.09.2021, 16:36h
  • Antwort auf #5 von queergay
  • Sorry, natürlich sei dir deine Sicht der Dinge belassen.

    Doch ist schon klar, wie der Strippenzieher der cdu heißt, der Merz überhaupt erst wieder aus der politischen Bedeutungslosigkeit geholt hat um ihn zum alt-konservativen Vorsitzenden zu machen?
    Schon klar, dass Schäuble vehement bis heute verhindert, dass queeren Nazi-Opfern im Bundestag gedacht wird?
    Schon klar, dass er sich so schwammig äußerst, dass er nach der Wahl wieder geschmeidig in die Ablehnungsfront queerer Gleichstellung wechseln wird?

    Schäuble hält sich gerne hinter den Kulissen und ist doch über die Jahrzehnte betrachtet der einflussreichste cdu-Politiker ohne dessen Segen in- und extern der cdu nichts läuft. Die Queer-Phobie der cdu geht ganz eindeutig auch und insbesondere auf sein Handeln und Agitieren zurück.
    Wer sich Schäuble nun durch ein Interview kurz vor der Wahl vom Saulus zum Paulus verklären lässt, ist mMn erstaunlichst leichtgläubig.
    Sorry.

    Bin auch kein Befürworter des Jugendwahns. Doch was will Schäuble in seinem Alter dem Land noch geben? In vielen Branchen musst du ab einem gewissen Alter in Ruhestand oder Rente. Natürlich gilt das nicht für einen Schäuble, der für 16 Jahre Kohl und 16 Jahre Merkel steht.
    Es wäre glaubhafter gewesen, wenn er sagt, er hätte sich mit seiner Partei über Jahrzehnte fundamental geirrt, vielen Menschen ganz konkret geschadet und ziehe daraus die Konsequenzen um denen Platz zu machen, die sich nicht durch eigene und christliche Dogmen steuern lassen.
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#7 userer
  • 15.09.2021, 16:54h
  • Antwort auf #3 von SchleicheR
  • "Wenn andere CDU-Köpfe auch so arbeiten würden, wäre man vielleicht schon 10 Jahre weiter,"

    Nein, das ist wohl falsch, wenn ich richtig lese. Schäuble im aktuellen Interview:
    "[...] glaube, die Ehe sei gerade in Bezug auf den Familienverbund ausschließlich eine Institution für Mann und Frau." Das glaubt er dieser Aussage nch immer noch.
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#8 56James35Anonym
#9 swimniAnonym
  • 15.09.2021, 17:13h
  • ich finde, was schäuble sagt nicht überzeugend und wenig glaubwürdig. zudem: an seinen taten muss er sich messen lassen, und da siehst es düster aus
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#10 dellbronx51069Anonym
  • 15.09.2021, 20:02h
  • Fakt ist das auch die CDU nicht mehr die CDU von vor 40 Jahren ist. Ich wuchs in Nordhessen auf , eine extrem konservative Gegend . Schwule gab es da nicht , ausser in boshaften und dummen Witzen. Die CDU Hessen war unter Alfred Dregger ein fürchterliche Altnazi haufen. SS Veteranentreffen auf den hessischen Dörfern waren für die Mehrheit völlig o.k.
    Das das heute nicht mehr so ist lässt sich nicht ernsthaft bestreiten. Dieses Denken war damals aber auch genauso in anderen Parteien vorhanden.
    Mensch muss jetzt kein CDU Fan sein ,ich habe jedoch den Eindruck das es einige eher stört dass ihr Feindbild droht zunehmend zu verschwinden , wenn nicht nur so konservative wie Schäuble oder Waigel sich nun gemäßigt äußern.
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