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"Aber die Ehe ist die Ehe"
Papst: Katholische Kirche wird Ehe für alle nie akzeptieren
Die Ehe sei ein Sakrament und die Kirche habe nicht die Befugnis, dies zu ändern, erklärte Papst Franziskus vor Journalist*innen – und lobte den zivilen Solidaritätspakt (Pacs) in Frankreich.

Im Frühjahr 2013 wurde der sogenannte Reformer Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt – verändert hat sich in der katholischen Kirche seitdem wenig (Bild: Philip K / flickr)
- 16. September 2021, 02:06h 3 Min.
Papst Franziskus schließt die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare in der katholischen Kirche weiter aus. Die Ehe sei ein Sakrament und die Kirche habe nicht die Befugnis, dies zu ändern, sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Mittwoch auf dem Rückflug aus der Slowakei vor Journalist*innen. Es sei wichtig, homosexuellen Menschen zu helfen, aber ohne der Kirche Sachen aufzudrängen, die dort nicht funktionierten.
Franziskus verwies auf staatliche Regelungen, wie etwa den zivilen Solidaritätspakt (Pacs) in Frankreich, der eine zivilrechtliche Partnerschaft ermöglicht. Wenn ein lesbisches oder schwules Paar das Leben zusammen verbringen will, gebe es in den Staaten zivile Möglichkeiten sie zu unterstützen, sagte er dazu. "Aber die Ehe ist die Ehe." Das bedeute allerdings nicht, dass man die Leute verurteilen wolle. Man müsse alle respektieren. "Aber bitte zwingt die Kirche nicht, ihre Wahrheit zu verleugnen", sagte er weiter.
Im Flugzeug äußerte sich Franziskus auch zu Schwangerschaftsabbrüchen. "Abtreibung ist mehr als ein Problem, es ist Mord", sagte der Papst. Wissenschaftlich gesehen, handle es sich um ein menschliches Leben. "Wie soll man täglichen Mord akzeptieren?", fragte der Argentinier weiter. Deshalb sei die Kirche so hart bei diesem Thema.
Warme Worte und LGBTI-feindliche Hetze
Zum Umgang mit queeren Menschen hat sich Papst Franziskus bereits mehrfach geäußert – und oft widersprüchlich. "Wenn eine Person homosexuell ist und Gott sucht und guten Willens ist, wer bin ich, über ihn zu richten?", hatte er kurz nach seinem Amtsantritt im Frühjahr 2013 bei einer Pressekonferenz in einem Flugzeug gesagt und lesbischen und schwulen Gläubigen damit Hoffnungen auf einen freundlicheren Kurs der Kirche gemacht (queer.de berichtete). 2016 sagte er zudem, die Kirche sollte sich gegenüber ausgegrenzten Homosexuellen entschuldigen (queer.de berichtete).
Demgegenüber stehen viele Äußerungen, in denen der Papst die Distanz der Kirche zu sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten bekräftigte – mit teils heftiger, LGBTI-feindlicher Rhetorik. So beklagte er mit Blick auf gleichgeschlechtliche Eheschließungen den angeblichen "Weltkrieg" gegen die Hetero-Ehe oder behauptete gegenüber Journalisten, dass Homosexualität "kein Grund zum Jubeln" sei.
Im Jahr 2018 führte Franziskus aus, dass Lesben und Schwulen grundsätzlich keine Familien bilden könnten (queer.de berichtete). Kurz darauf riet er Eltern homosexueller Kinder, diese zum Psychiater zu bringen (queer.de berichtete). Nach einer Welle der Empörung zog der Vatikan diese Aussage zurück (queer.de berichtete). Nur wenige Wochen spät sprach sich Franziskus gegen die Zulassung von schwulen Männern in Priesterseminaren aus und diffamierte Homosexualität als "Mode" (queer.de berichtete). Im vergangenen Jahr warnte er vor der "Gefahr der Gender-Ideologie" (queer.de berichtete). (cw/dpa)













