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Neue RTL-Serie

"Die größte Herausforderung waren die High Heels"

Nico Birnbaum spielt Dragqueen Madita im GZSZ-Ableger "Nihat – Alles auf Anfang". Im Interview erzählt der Schauspieler mehr über seine Rolle.


Madita (Nico Birnbaum) ist eine der Hauptfiguren bei "Nihat – Alles auf Anfang" (Bild: RTL / Sebastian Geyer)
  • 16. September 2021, 15:03h, noch kein Kommentar

Matthias (Nico Birnbaum) würde in der Serie "Nihat – Alles auf Anfang" alles für den Club "Cherry Palace" und seine Crew mit Liz, Yannick und Johnny geben. Sie sind seine Familie. Als Dragqueen Madita hat er all seine Liebe und Energie in die Bar auf St. Pauli gesteckt. Umso tragischer, dass sie nun vor dem Aus steht. Und nicht nur das wird zur emotionalen Zerreißprobe für Madita: Sie überbringt Nihat (Timur Ülker) traurige Nachrichten.

Das ist der Hintergrund der neuen zehnteiligen Minierie, nach "Sunny" ein weiterer Spin-off der Seifenoper "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Weitere Hauptrollen spielen Sarah Mangione, Matthias Ludwig und Maximilian Schneider.

Bereits jetzt ist die Reihe auf der RTL-Streamingplattform TVNOW zu sehen, am 22. und 23. September läuft sie schließlich als Marathon jeweils ab 19.40 Uhr bei RTL. Über die Chemie zwischen den Schauspieler*innen, den Spaß am Set und die Herausforderungen, eine Dragqueen zu spielen, spricht Nico Birnbaum.

Frage: Was zeichnet deine Rolle aus?

Nico Birnbaum: Matthias ist Inhaber des 'Cherry Palace', in dem er abends als Dragqueen Madita auftritt. Er ist todkrank, sowie die "Mutter" von Liz und Yannick. Maditas Wissen um seine Krankheit führt dazu, dass sich ihre Entscheidungen auf das Wesentliche konzentrieren: vor allem auf die Liebe zu ihrer Familie.


Nihat (Timur Ülker), Johnny (Tino Führer, Hintergrund), Madita (Nico Birnbaum), Yannik (Maximilian Schneider) und Liz (Sarah Mangione) im Club "Cherry Palace" (Bild: RTL / Sebastian Geyer)

Was hast du mit deiner Rolle gemeinsam und was unterscheidet euch?

Maditas Liebe zu Familie und Freunden sowie ihre Liebe zum Leben kann ich sehr gut nachempfinden. Ansonsten unterscheidet uns so ziemlich alles andere: Herkunft, Erfahrungen, Lebensführung, Neigungen...

Was hast du von deiner Rolle gelernt?

Madita hat mir bewusst gemacht, dass Leben jeden Moment zu feiern. Den Mut zu haben, der zu sein, der man ist, egal was andere davon halten.

Was könnte sie von dir lernen?

Madita könnte ich selbst nicht viel beibringen. Vielleicht ein paar lateinische Worte, wenn sie sie nicht gleich wieder vergisst.

Was war die größte Herausforderung für dich, deine Rolle zu spielen?

Die größte Herausforderung bei der Rolle waren die High Heels. Es war komplett neu für mich, High Heels und Frauenkleidung zu tragen.

Wie hast du dich auf deine Rolle vorbereitet?

Ich hatte mehrere Kosmetik-Termine, Masken- und Kostümproben. Ich lernte auf High Heels zu laufen, mich wie eine Frau zu bewegen. Inspiriert hat mich vor allem die Serie "Pose". Aber auch Filme, wie zum Beispiel "Tootsie" mit Dustin Hoffman.

Wer hat dich dabei unterstützt? Wie waren die Trainings? Wie sah das Umstyling aus?

Marlen und Ji-Na von der Maske haben bei den Maskenproben vieles ausprobiert und dabei langsam "Madita" mit erschaffen. Ebenso Thorsten und Lydia vom Kostüm. Dabei erkannte ich, dass die Verwandlung von Matthias zu Madita keine Verwandlung zu einer Kunstfigur ist, sondern eine Vervollkommnung des Menschen Matthias zu Madita. Ähnlich wie bei "Tootsie" ist die weibliche Seite des biologischen Mannes Michael Dorsey die reifere, stärkere Version desselben Menschen. Als Madita kommt Matthias' Persönlichkeit erst zu voller Entfaltung.

Gab es wegen der Corona-Pandemie besondere Herausforderungen beim Dreh?

Bis auf die üblichen Tests und Hygienemaßnahmen gab es keine besonderen Herausforderungen. Die Produktion hat sich hervorragend um alles gekümmert.


Hauptfigur Nihat (Timur Ülker) zeigt auch ein wenig Haut (Bild: RTL / Sebastian Geyer)

Was machst du nach den Dreharbeiten?

Nach den Dreharbeiten entspanne ich am liebsten damit Filme oder Serien zu sehen. Außerdem mache ich zum Ausgleich Sport: Fitness, Gym, Intervalltraining. Gerade in dieser Zeit, da ich parallel an meiner Rolle als Trapezkünstler im Kinofilm "Furioso" von Marcel Rudigkeit arbeite und dafür körperlich fit sein muss.

Was war das Besondere an dieser Produktion?

Das Besondere an dieser Produktion war der Mut, eine Figur in den Mittelpunkt zu rücken, die sonst in Film und Fernsehen unterrepräsentiert ist.

Was ging dir durch den Kopf, als du deine letzte Szene gedreht hast?

Ich konnte mich nochmal in Maditas Büro aufhalten, aus dem ich bei meinem letzten Auftritt kam. Mein Lieblingsdrehort. Hier den letzten Drehtag zu haben, war für mich ein adäquater Abschied von der Rolle.

Sind auch ein paar Tränen geflossen?

Die Worte der UFA-Serial-Drama-Produzentin Dominique Moro an mich, nachdem ich abgedreht war, haben mich berührt. Ich denke, wir haben etwas Besonderes erschaffen. Dominique hat Madita ins Leben gerufen, sich für sie eingesetzt und sie beschützt als es nötig war. So konnte sie sich voll entfalten. Unser Regisseur Christian Singh hat mir zusätzlich große Freiheit im Spiel gelassen, da wir die Rolle sehr ähnlich interpretierten. Dabei konnten wir diese wunderbare Figur mit so viel Leben füllen. Der Abschied fiel schwer.

An welche Anekdote erinnerst du dich besonders gerne?

Wahrscheinlich wurde überlegt, in die Dispo extra Zeiten für das Anziehen der High Heels und meine Naschpausen einzutragen…

Was war deine lustigste und deine emotionalste Erfahrung beim Dreh?

Die Szene mit Sarah, Timur und Maximilian im Auto an unserem ersten gemeinsamen Drehtag war die mit Abstand lustigste für mich. Wir hatten den ganzen Abend vorher schon viel Spaß zusammen. Im Auto haben wir einfach damit weitergemacht. Der "private moment" vorm Spiegel im Büro und die Szene als Madita ihre Abschiedsbriefe im Büro versteckt und kurz darauf Johnny eintritt, waren für mich die emotionalsten Szenen der Serie.

Gab es Gänsehaut-Momente?

Als ich das erste Mal Maditas Büro betrat und mich auf die Szene vorm Spiegel vorbereitete, merkte ich, dass dieser Ort eine ganz eigene Ausstrahlung auf mich hat. Das Büro war so lebendig und voller Details. Als ich es betrat, wusste ich, wer Madita war. Danke an Yasmin Khalifa und an das ganze Team für Ausstattung und Requisite!

Was nimmst du für dich persönlich mit aus der Nihat-Zeit?

Ich bin an dieser Rolle mit einer so großen Bandbreite an Facetten und Emotionen schauspielerisch gewachsen. Es war eine sehr intensive, sehr schöne Zeit.


Nihat (Timur Ülker, l.) und Madita (Nico Birnbaum) in einem ernsten Moment (Bild: RTL / Sebastian Geyer)

Was war besonders an der Zusammenarbeit mit Timur, Sarah, Matthias und Maximilian?

Die Chemie zwischen uns stimmte sofort. Wir verstanden uns auf Anhieb, was besonders für die zum Teil improvisierten komischen Szenen wie auch für die emotionalen Szenen wichtig war.

Wen oder was wirst du am meisten vermissen und was nicht?

Madita. Einen so schönen, ganzen Menschen zu spielen, war etwas sehr Besonderes. Vermissen werde ich nicht: die High Heels.
 
Deine absolute Traumrolle wäre?

Macbeth in einer nächsten Shakespeare-Verfilmung steht sicher ganz oben auf der Liste meiner Traumrollen. Aber hätte man mir vor einem Jahr gesagt, dass ich unbedingt mal eine Drag-Queen spielen müsse, hätte ich damit nicht viel anfangen können. Jetzt habe ich eine gespielt und keine andere Rolle hat mir bisher so viel Freude bereitet. Am besten, ich lasse mich überraschen.

Wie geht es für dich nach "Nihat – Alles auf Anfang" weiter?

Ich habe im September noch ein paar Drehtage für "Furioso". Im August stand ich für den italienischen Film "I racconti della domenica" auf Sizilien vor der Kamera. Ein Projekt, auf das ich mich auch sehr gefreut habe.

Biografie Nico Birnbaum

Nico Birnbaum wurde 1977 in Kiel geboren. Den Schauspieler aus dem Norden zog es oft in den Süden. Er studierte in Frankreich Literatur und Philosophie und schrieb in Italien an seiner Dissertation über Franz Kafka. Erste berufliche Erfahrungen als Schauspieler machte er an der Florentiner Scuola Nazionale di Cinema Indipendente, in der er in zahlreichen Kurzfilmen mitspielte, sowie in seinem ersten Kinofilm "Reality News" von Salvatore Vitiello. 2013 entschied er sich endgültig für die Schauspielerei. Seitdem wirkte er in verschiedenen TV-Produktionen mit, zuletzt in "Babylon Berlin". 2020 spielte er Alexis von Roenne im Hollywoodfilm "Operation Mincemeat". Zurzeit arbeitet er an seiner Hauptrolle im Kinofilm "Furioso" mit Katharina Thalbach.