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LGBTI-Feinde unter sich
Ungarn: Regierung fühlt sich offenbar durch Papst in queerfeindlicher Politik bestärkt
Der Papst habe laut dem Vizeregierungs-Chef darauf hingewiesen, dass die Familie ausschließlich "aus Vater, Mutter und Kind" bestehe.

Der Christdemokrat Zsolt Semjén stützt seit 2010 den Autokraten Viktor Orbán als dessen Stellvertreter (Bild: Magyarország Kormánya)
- 16. September 2021, 14:31h 2 Min.
Beim Papstbesuch hat die ungarische Führung vergangenen Sonntag mit Franziskus auch über ihre gegen LGBTI gerichtete Politik und den Konflikt mit der Europäischen Union gesprochen. Das erklärte der stellvertretende Ministerpräsident Zsolt Semjén von der Christlich-Demokratischen Volkspartei am Montag gegenüber Klubrádió.
"Wir mussten darauf hinweisen, dass wir wegen unserer Maßnahmen zum Schutz der Familie – ich denke hier an LGBTQ-Themen – von Brüssel aus angegriffen werden", so zitierte der Privatsender den Politiker. Der Papst habe dann geantwortet: "Die Familie besteht aus Vater, Mutter und Kind. Punkt." Zudem sei Franziskus "sehr erfreut darüber gewesen, dass die Zahl der Abtreibungen zurückgegangen und die Zahl der Eheschließungen gestiegen ist", fuhr Semjén fort. An dem Treffen hätten am Sonntag auch Ministerpräsident Viktor Orbán und Staatspräsident János Áder teilgenommen.
Panaszkodtak az Európai Unióra Magyarország legf?bb politikai vezet?i Ferenc pápának az egyházf?vel tartott vasárnapi...
Posted by Klubrádió on Monday, September 13, 2021
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Ministerpräsident Orbán hatte nach dem Treffen auf Facebook erklärt: "Ich habe Papst Franziskus gebeten, das christliche Ungarn nicht zugrunde gehen zu lassen." Laut dem Vatikan habe das Gespräch "in herzlicher Atmosphäre" stattgefunden.
Papst Franziskus war am Sonntag mit dem Papamobil durch die Innenstadt von Budapest gefahren und war von zehntausenden Menschen bejubelt worden. Auf dem Heldenplatz hielt er eine Rede vor einer riesigen Menschenmenge. Laut den Veranstalter*innen hatten sich mehr als 70.000 Menschen dafür registriert. LGBTI-Rechte direkt angesprochen hatte der Papst während des Besuchs, bei dem alle Corona-Regeln außer Kraft gesetzt wurden, nicht.
Ungarn hatte im Juni "Homo-Propaganda" verboten
Ungarn steht seit der Einführung eines Gesetzes, das nach russischem Vorbild Homo- und Trans-"Propaganda" gegenüber Minderjährigen verbietet, in der Kritik. "Werbung" oder auch nur die Darstellung von Homo- oder Transsexualität in Büchern, Filmen und anderen Medien, Werbekampagnen sowie Schulen ist damit nicht mehr erlaubt. Die rechtspopulistische Regierung hält trotz internationaler Kritik an dem Gesetz fest – und will sich in einem Streit mit der EU, die ein Vertragsverletzungsverfahren einleitete, Rückhalt durch ein Referendum holen (queer.de berichtete).
Franziskus hat sich seit seinem Amtsantritt 2013 widersprüchlich zu LGBTI-Rechten geäußert. Hoffnungen auf eine Reform der Kirche, in der etwa die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare möglich wird, sind aber zuletzt verflogen. Erst am Mittwoch sagte der Papst, dass seine Kirche eine Gleichberechtigung von gleichgeschlechtlichen Paaren bei der Ehe niemals akzeptieren werde (queer.de berichtete). (dk)















