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Serientipp

Die Ex kommt zurück und wirbelt alles durcheinander

Noch eine queere ZDF-Serie: In "Wir" dreht sich alles um Helena und Annika, die sich zwölf Jahre lang nicht gesehen haben. Als Annika nach Brandenburg zurückkommt, flammt die alte Teenage-Liebe wieder auf.


Waren als Teenager schwer verliebt: Helena (Katharina Nesytowa, l.) und Annika (Eva Maria Jost) finden ihr altes Baumhaus (Bild: ZDF / Oliver Feist)
  • Von Fabian Schäfer
    16. September 2021, 17:35h, noch kein Kommentar

Eine Figur war immer der Volltreffer. Ein Happy Hippo zum Beispiel, das sich in dem gelben Plastik-Ei verbarg. Die Schokolade war dann gar nicht mehr so wichtig. Doch manchmal haben die kleinen Eier auch ganz andere Überraschungen zu bieten. Das erfährt Helena, als ihr Freundeskreis gemeinsam eine alte Box ausgräbt. Vor langer Zeit haben die Anfang- und Mittdreißiger ihre Wünsche aufgeschrieben, ins Plastik-Ei gesteckt und unter einem Baum verbuddelt.

Dann müssen alle vorlesen. Manche wollen noch immer mit ihrer großen Liebe zusammen sein, Helena wünschte sich, Künstlerin zu werden. Nur Annika, die nach zwölf Jahren im Ausland plötzlich und unangekündigt zurück nach Brandenburg kommt, will ihren kleinen Zettel nicht vorlesen. Helena findet ihn später, ihr Name darauf: Ich will immer noch mit meiner großen Liebe Helena zusammen sein.

Die anderen Figuren führen ein Schattendasein

Doch warum ist Annika dann damals einfach abgehauen? Und warum ist sie ausgerechnet jetzt zurück, wo Helena doch gerade mit ihrem Freund Tayo ein Haus gekauft hat, um es zu renovieren? Das führt zu großem Gefühlschaos bei Helena. Außerdem weiß (noch) niemand aus dem Freundeskreis von ihrer damaligen Beziehung, auch Tayo nicht.

"Wir", die neue ZDF-Serie unter der Regie von Ester Amrami, Kerstin Polte und Chris Miera, stellt diese Fragen und versucht, Antworten zu finden. Dabei konzentriert sich "Wir" vor allem auf die zwei Hauptcharektere: Helena (Katharina Nesytowa), die gerade Rektorin einer Grundschule geworden ist und bald von Tayo einen Heiratsantrag bekommt. Gemeinsam wollen sie ein altes Haus in Teltow renovieren, dort ihre Familie gründen. Eigentlich. Die Architektin Annika (Eva Maria Jost), immer mit Kopfhörern im Ohr und am Telefonieren mit ihrem Projektpartner Esteban, die davor in Tokio, London und Zürich lebte.


Befreundete Mittdreißiger in Brandenburg (v.l.): Emre Karagöz (Erol Afsin), Linh Baer (Le-Than Ho), Maik Baer (Lorris Andre Blazejewski), Tayo Schulte (Malick Bauer), Helena Kwiatkowski (Katharina Nesytowa), Mel Nowak (Natalia Rudziewicz) feiern in Maiks Garten seinen Geburtstag (Bild: ZDF / Oliver Feist)

Leider kommen die anderen Freund*innen dabei reichlich kurz. Annikas älterer Bruder Maik (Lorris Andre Blazejewski) will die abgebrannte Gärtnerei wieder aufbauen, ist aber zu stolz, seine Schwester dabei um Hilfe zu bitten. Mit viel mehr Eigenschaften wird er leider nicht ausgestattet, seine Frau Linh (Le-Thanh Ho) lernen wir so gut wie gar nicht kennen. Auch Emre und Mel spielen ein Schattendasein – zumindest in den acht der zwölf Folgen der ersten Staffel, die vor der Ausstrahlung für die Presse verfügbar waren. Das ist schade, weil die Figuren Potenzial hätten, die Serie inhaltlich anzureichern. Außerdem verkümmern so die Konflikte von Annika und Helena etwas und drehen sich zu sehr um sich selbst.

Die Darstellerinnen harmonieren wunderbar

Doch "Wir" macht auch einiges richtig. Die Kamera findet immer wieder spannende Perspektiven auf das Geschehen, alles wird von sehr viel Popmusik getragen, aber nicht übertrieben. Annika und Helena haben sogar ihren eigenen "Call Me By Your Name"-Moment mit dem für den Film geschriebenen Song "Mystery of Love" von Sufjan Stevens. Nur dass die zwei Frauen sich im regnerischen brandenburgischen Wald und nicht im sonnigen Norditalien näherkommen. Außerdem harmonieren die beiden Darstellerinnen wunderbar miteinander.

Manche Handlungsstränge sind etwas sehr vorhersehbar, ein paar mehr Überraschungen sowie komische Momente hätten gut getan. Einige Dialoge wirken sehr abgedroschen ("Du tauchst hier auf und denkst, es ist alles so wie früher?", sagt Helena zu Annika). Die 20-minütigen Folgen schaffen es nicht, richtig zu packen. Vielleicht ändert sich das in der zweiten Staffel, die schon in Planung ist. Schade, wenn nicht, denn "Wir" ist kurzweilig und wunderbar für zwischendurch.

Die Serie angucken

Das zwölfteilige neoriginal "Wir" um einen Freundeskreis in den Dreißigern startet am Freitag, 17. September 2021, 10.00 Uhr, mit zwei Folgen in der ZDF-Mediathek. Danach ist immer freitags jeweils eine neue Folge abrufbar. ZDFneo strahlt "Wir" am Freitag, 15. Oktober 2021, ab 20.15 Uhr mit vier Folgen am Stück aus. Weitere Episoden sind am Freitag, 5. November 2021, und am Freitag, 3. Dezember 2021, zu sehen.