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18. Verhandlungstag

Sachverständiger: Bei Gewinnung von Ejakulat ist Arzt nicht dabei

Im Missbrauchsprozess gegen den #ArztOhneNamen bezeichnete ein medizinischer Sachverständiger einige Untersuchungsmethoden des Angeklagten als unüblich. Außerdem fielen ihm Lücken in Patientenakten auf.


Kriminalgericht Moabit in Berlin: Die Staatsanwaltschaft wirft einem in der schwulen Szene bekannten HIV-Spezialisten vor, fünf Patienten in seiner Praxis sexuell missbraucht zu haben. Mittlerweile sind 29 Verhandlungstage angesetzt (Bild: Peter Fuchs)

Der 18. Verhandlungstag im Strafprozess gegen den Berliner HIV-Spezialisten vor dem Amtsgericht Tiergarten begann mit einem Vortrag über die männliche Anatomie im Genital- und Analbereich. Der Sachverständige Prof. Dr. med. Knut Albrecht präsentierte ein Gutachten, in dem er beurteilen sollte, ob Analuntersuchungen des #ArztOhneNamen in fünf Fällen medizinisch angezeigt gewesen waren. Dem 63-jährigen Arzt wird in diesen Fällen sexueller Missbrauch vorgeworfen, er bestreitet die Vorwürfe.

Albrecht, Leiter des Brandenburgischen Landesinstituts für Rechtsmedizin sowie Facharzt für Urologie und Rechtsmedizin, brachte mit Schaubildern zum männlichen Geschlechtsorgan und zu Geschlechtskrankheiten alle Verfahrensbeteiligte auf den gleichen Wissensstand. Sein Gutachten erstellte er auf Grundlage ihm vorgelegter Patientenakten aus der Praxis des angeklagten Mediziners. Außerdem war er bei den bisherigen Verhandlungstagen mit Fragerecht anwesend gewesen.

Gutachter: Akten "dürftig" und "unübersichtlich"

Die Dokumentation der Untersuchungen in den Patientenakten bewertete der Sachverständige als "dürftig" und "unübersichtlich". Die übliche Abfolge von Anamnese, Diagnostik und Therapie finde sich in den Aufzeichnungen nicht wieder, und dadurch entstehe bei ihm der Eindruck, "dass da etwas fehlt". Bei einem der Nebenkläger erschließe sich ihm zum Beispiel durch die Patientenakte nicht, warum in kurzer Abfolge ein weiterer allgemeiner Check zu Geschlechtskrankheiten erfolgen musste.

Außerdem beschrieb Prof. Albrecht es als unüblich, dass auf einem Stuhl Untersuchungen wie Prostatavorsorge und Abstriche zusammen durchgeführt werden. Das kenne er anders. Genau wie die Gewinnung von Ejakulat für eine Laboruntersuchung nicht im Beisein des Arztes erfolge, wie ein Nebenkläger ausgesagt hatte, sondern Patienten das allein in separaten Räumen erledigen. Der Angeklagte hatte in diesem Fall angegeben, dass der Patient grundlos zu masturbieren begonnen habe, was aber nicht in der Patientenakte vom Arzt vermerkt worden war.

Komplett ausziehen müssen sich Patienten "üblicherweise nicht"

Zum Thema Untersuchungsliege sagte der Sachverständige, dass er zwar kein Experte in dieser Frage sei, aber die "normale Untersuchung" in seitlicher Lage des Patienten erfolge. Die vom angeklagten Arzt bevorzugte Knie-Ellenbogen-Lage der Untersuchten sei unüblich, aber auch eine Möglichkeit.

Die Aussage zweier Opferzeugen, sie seien überrascht gewesen, dass der Arzt sie aufgefordert habe, sich ganz für die Untersuchungen auszuziehen, beschrieb Prof. Albrecht als ein Vorgehen, dass man "üblicherweise nicht tut". Die Regel sei, den Patienten zu erklären, was der Arzt als nächstes warum und wie untersuchen will. Als Gutachter könne aber nichts über die Kommunikation während der mutmaßlichen Vorfälle sagen.

Ferner bestätigte er, dass üblicherweise bei einer Analuntersuchung zwei Paar Handschuhe übereinander getragen würden – laut Aussagen eines Nebenklägers habe der Arzt zwischendurch keine Handschuhe getragen. Der Arzt bestreitet das, auch weil der Patient zu diesem Zeitpunkt noch mit Feigwarzen infektiös hätte sein können. Bei einer Analuntersuchung würde laut Prof. Albrecht für "maximalen Informationsgewinn" auch gleich die Prostata zur Vorsorge abgetastet, aber nicht ohne den Patienten darüber zu informieren. Nebenkläger hatten angegeben, von einer "Stimulierung" der Prostata ebenfalls überrascht worden zu sein.

Aussage sorgt für Unruhe bei der Verteidigung

Während der Aussagen des Sachverständigen setzte am Tisch der Verteidigung eine auffallende Betriebsamkeit ein. Der angeklagte Arzt machte zwischendurch hastig Notizen, reichte diese an seine Anwält*innen Gilda Schönberg und Johannes Eisenberg weiter. Man unterhielt sich parallel zum Vortrag des Sachverständigen, manchmal mit und manchmal ohne vorgehaltener Hand.

In der anschließenden Befragung durch die Verteidigung legte Eisenberg dem Sachverständigen mit Rechnungen über die Untersuchungen neue Informationen zu den Patienten vor. Vor der Erstellung des Gutachtens hatte er diese Informationen dem Sachverständigen nicht zur Verfügung gestellt. Laut Eisenberg sollten diese Rechnungen wohl die Lücken schließen, die dem Sachverständigen beim Studium der Patientenakten aufgefallen waren. Prof. Albrecht überflog deshalb die neuen Informationen "so auf die Schnelle". Von geschlossenen Lücken war danach nicht die Rede.

Dem Verteidiger ging es dabei hauptsächlich um einen analen Abstrich zur Früherkennung von Krebs bei einem Nebenkläger. Dieser hatte am 7. Verhandlungstag ausgesagt, dass er es als "obszöne Bemerkung" verstanden habe, als der angeklagte Arzt ihm sagte, dass er anal "schön sauber" sei, und ihn gefragt habe, ob er jeden Tag "spüle". Eisenberg wollte vom Sachverständigen wissen, ob es möglich sei, dass regelmäßiges Spülen das Ergebnis eines solchen Abstrichs beeinflussen würde. Spülungen könnten unter Umständen die Zahl der von Krebs betroffenen Zellen reduzieren, antwortete Prof. Albrecht.

Moralischer Tiefpunkt

Wie an bisher jedem Verhandlungstag gab es persönliche Angriffe von Eisenberg gegen die Staatsanwältin und die Anwältinnen der Nebenklage. Die Öffentlichkeit musste sich im Verlauf des Prozesses bereits daran gewöhnen, dass er die Frauen wahlweise als hinterhältig, niederträchtig und Lügnerinnen beleidigte oder sie abwertete, indem er ihnen unter anderem "eine lange Leitung" attestierte.

An diesem 18. Verhandlungstag erreichte Eisenberg jedoch einen moralischen Tiefpunkt, als er seine Gedanken über die Penis-Expertise einer Verfahrensbeteiligten in seine FFP2-Maske murmelte oder sie fragte, ob sie schon mal Schleimhäute in Körperöffnungen mit den Fingern untersucht habe. Als er die Bemerkung "ihren eigenen" nachsetzte, blieb unklar ob er die Finger oder die Körperöffnungen meinte.

Die Verhandung wird am 20. September fortgesetzt.



#1 FinalmSposato
  • 18.09.2021, 13:26h
  • (Gewinnung von Ejakulat für eine Laboruntersuchung nicht im Beisein des Arztes. )

    Gekonnte Wortwahl. Da hat der Sachverständige sowas von recht. Noch eindeutiger kann man seine Position als sogenannter Arzt kaum missbrauchen.

    Klar, es gibt nichts geileres als einen abspritzenden Schwanz zu sehen. Da hab ich für jeden vollstes Verständnis der bei der Gewinnung dieses Saftes gerne dabei sein will

    Nur hat man dann die Rolle des Arztes sowas von eindeutig verlassen dass für so einen Typen die Approbation sofort und für immer weg sein muss.

    Echt Genug gehört!
    Wie laaaaaannnngeeeee geht denn dieser Prozess noch? Verurteilt diesen sogenannten Arzt doch mal endlich! Und zwar mit aller Härte. Der Typ kennt echt keine Grenzen und glaubt nur weil er einen weissen Kittel hat über allem zu stehen.
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#2 NoNameAnonym
  • 19.09.2021, 14:20h
  • Bei dem was man hier oder z.B. bei lto.de so über den Prozess und das Verhalten des Anwalt Eisenberg ließt, scheint der sich ziemlich an den Aussagen aufzugeilen.
    Ich vermisse da zumindest sehr eine berufliche Distanz.
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