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Interview

Wolltest du auch schon immer eine Dragqueen werden, Max Harwood?

Auf Amazon Prime läuft jetzt die queere Musical-Verfilmung "Everybody's Talking About Jamie", die auf einer inspirierenden wahren Geschichte basiert. Wir sprachen mit dem Hauptdarsteller.


Max Harwood als schwuler Schüler Jamie in "Everybody's Talking About Jamie" (Bild: Amazon Prime)
  • Von Patrick Heidmann
    17. September 2021, 13:43h, noch kein Kommentar

Weil alle Darsteller, die die Hauptrolle im Musical "Everybody's Talking About Jamie" am Londoner West End auf der Bühne gespielt hatten, nicht mehr wirklich glaubwürdig als Teenager waren, musste Regisseur Jonathan Butterell für seine Verfilmung (jetzt zu sehen bei Amazon Prime Video) Ersatz suchen. Fündig wurde er im britischen Musical-Studenten Max Harwood, der noch nie vor einer Kamera gestanden hatte.

Wir konnten dem 24-jährigen nun per Videoschalte ein paar Fragen stellen.


Poster zum Film: "Everybody's Talking About Jamie" ist seit 17. September 2021 bei Amazon Prime abrufbar

Max, in "Everybody's Talking About Jamie" spielst du einen Schüler, der davon träumt Dragqueen zu werden. Welchen Bezug hast du selbst zu Drag?

Erfahrungen am eigenen Leib hatte ich damit null. Also sieht man mal davon ab, dass ich als Kind gerne an die Verkleidungskiste meiner Schwester gegangen bin und mir irgendwelche Kleider und Röcke angezogen habe. Aber wie sagt RuPaul immer so schön: Jeder von uns wird nackt geboren, alles was danach kommt, ist Drag. Also vielleicht habe ich doch mehr Erfahrungen als mir klar ist? RuPaul darf mich gerne mal anrufen und mir das näher erläutern.

Wie hast du dich denn auf die Rolle vorbereitet?

Tatsächlich habe ich, apropos RuPaul, natürlich viel "Drag Race" geguckt. Auch schon lange vor dem Film. Gott sei dank hatte ich auch schon ein paar Jahre vorher angefangen, endlich mal ins Fitnessstudio zu gehen, sondern hätte ich körperlich echt noch was tun müssen. Aber auch so hatte ich natürlich diverse Nachhilfestunden, sei es, was das Laufen in High Heels angeht oder das Schminken.

Außerdem habe ich selbstverständlich den echten Jamie getroffen, denn diese Geschichte basiert ja auf wahren Begebenheiten. Dass ich ihn mehrmals treffen konnte und er sich bereit erklärte, mir immer wieder Fragen zu beantworten, war natürlich Gold wert und hat mir total geholfen, noch tiefer in die Rolle einzudringen. Denn auch wenn ich hier die ganze Zeit singe und tanze, sollte die Sache natürlich so echt und authentisch wie möglich wirken.

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Der Film ist keine klassische Coming-out-Story, denn Jamie tritt sehr selbstbewusst und selbstverständlich schwul auf, selbst wenn es in der Schule ein paar Bullys gibt und sein Vater damit Probleme hat. Warst Du als Teenager auch schon so weit?

Nein, so mutig wie Jamie bin ich nicht. Ich hatte mein Coming-out erst am College. Ich hätte mich das zu Schulzeiten damals noch nicht getraut, selbst wenn ich mir selbst ganz sicher gewesen wäre. Dass ich das noch nicht einmal war, machte die Sache noch schwieriger. Ich wurde schon als "schwul" beschimpft, bevor ich mir selbst über meine sexuelle Orientierung überhaupt klar war. Aber die Zeiten ändern sich. Ein paar Jahre nach mir gab es an meine Schule durchaus Kids, die sich outeten.

Jamie hat im Film einen wunderbaren Mentor in Gestalt von Hugo alias Loco Chanelle (gespielt von Richard E. Grant). Hattest du auch jemanden, der für dich in deiner Jugend ein Vorbild war?

Nicht auf diese Art beziehungsweise nicht so sehr eine einzelne Person. Ich habe viel Jugendtheater gespielt, wo ich immer von tollen, gleichgesinnten Menschen umgeben war, was mir sehr dabei geholfen hat, mich selbst und meine innere Stärke zu finden. Davon abgesehen kann ich wirklich aus vollem Herzen sagen, dass meine Eltern für mich die wichtigsten Menschen und größten Unterstützer waren. Auch wenn's kitschig klingt. Aber sie haben mich wirklich immer machen und sein lassen was ich wollte.

Als du dich um die Rolle in "Everybody's Talking About Jamie" beworben hast, warst du noch Musical-Student in London. Hast du dein Studium nach den Dreharbeiten dann eigentlich fortgesetzt?

Anfangs hatte ich das überlegt. Aber bei so einem Studium ist jeder Jahrgang ein eingeschworenes Ensemble, da kann man nicht einfach immer mal wieder pausieren oder fehlen. Deswegen habe ich irgendwann den schweren Entschluss gefasst, die Sache sein zu lassen, alles andere wäre meinen Kommiliton*innen gegenüber nicht fair gewesen. Aber das Tolle ist ja, dass mir der Film ganz viele neue Türen geöffnet hat. Inzwischen habe ich einen Agenten und auch schon neue Projekte abgedreht.

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Infos zum Film

Everybody's Talking About Jamie. Musicalfilm. Großbritannien 2021. Regie: Jonathan Butterell. Darsteller*innen: Max Harwood, Sarah Lancashire, Lauren Patel, Shobna Gulati. Laufzeit: 115 Minuten. Sprachen: deutsche Synchronfassung, englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). Ab 17. September 2021 bei Amazon Prime Deutschland