Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?40045

Katholische Kirche

Paderborn: Priester nach Segnungsgottesdienst mit schwulem Paar gerügt

Die Initiatoren der Aktion #mehrSegen kritisieren die "Repression" und warnen vor einem "unheilvollen Spitzeltum" in der Kirche.


Im Rahmen der Aktion #liebegewinnt sah man zuletzt häufiger Kirchen und kirchliche Einrichtungen mit Regenbogenflagge – ein Zeichen nach innen und außen (Bild: #liebegewinnt)

Das Erzbistum Paderborn hat in diesem Sommer einen Priester gerügt, nachdem der Kirchenleitung Bilder von einer Segensfeier mit einem offenbar schwulen Paar zugeschickt wurden. Darauf machten am Montag die Initiatoren der Aktion #mehrSegen in einem Offenen Brief an die Deutschen Bischöfe aufmerksam.

Zu Beginn der Herbstvollversammlung der Bischöfe in Fulda und rund eine Woche vor Beginn der nächsten Runde des "Synodalen Wegs" zu Reformen in der Katholischen Kirche beklagen der Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose und Pfarrer Bernd Mönkebüscher aus Hamm in dem Brief den unterschiedlichen Umgang der Kirche mit der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Im Rahmen der Initiative hatten im Frühjahr über 2.600 Geistliche entsprechende Möglichkeiten eingefordert und angekündigt, weiterhin schwule und lesbische Paare zu segnen (queer.de berichtete). Zuvor hatte die Glaubenskongregation des Vatikans ihr Nein zum Segen homosexueller Paare bekräftigt (queer.de berichtete). Als Reaktion hissten viele Gemeinden und kirchliche Organisationen Regenbogenflaggen, über 100 deutsche Gemeinden luden im Mai im Rahmen der Aktion #liebegewinnt zu Segnungsgottesdiensten für alle Paare (queer.de berichtete).

"Während Bischof [Felix] Genn aus Münster und Bischof [Franz-Josef] Overbeck aus Essen verlauten ließen, keine Sanktionen gegenüber Seelsorgern auszusprechen, die einen Segungsgottesdienst feiern, agiert das Erzbistum Paderborn anders", kritisieren nun Hose und Mönkebüscher. Sie fordern eine einheitliche Regelung, "die den Seelsorger*innen ein angstfreies eigenverantwortliches Arbeiten ermöglicht".

Sorge über "Denunziantentum"

Im Fall aus dem Erzbistum Paderborn sei im Sommer 2021 einem Priester ein Monitum, also eine kirchenrechtliche Ermahnung durch den Bischof, ausgesprochen worden. "Grundlage für das Vorgehen gegen den Priester waren Fotos aus einem Segensgottesdienst, die zwei Männer vor einer Kniebank zeigen. Dem gemaßregelten Priester wurde vorgehalten, dass auf den Fotos ebenso ein Tablett mit zwei Ringen sowie weitere Personen zu sehen seien, die auf einen öffentlichen Gottesdienst schließen ließen", so der Offene Brief. Obwohl es bei der Segensfeier weder zum Erfragen des Konsenses oder zum Umwinden der Hände mit der Stola gekommen sei, halte das Erzbistum an dem Vorwurf einer Sakramentensimulation fest.

Das Vorgehen sei "unangemessen", so der Offene Brief. So habe im April bei der Tagung "Segen für alle. Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare" des Bistums Essen der Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann "überzeugend deutlich gemacht (…), wie sinnvoll und aus seiner Sicht unverzichtbar auch eine Ringsegnung (die in der erwähnten Segensfeier im Erzbistum Paderborn noch nicht mal Bestandteil war) im Rahmen einer Segensfeier sein kann".

Zudem sei es fragwürdig, wenn "jedes Foto, das zwei gleichgeschlechtlich liebende Menschen in einer Segensfeier vor einem Priester mit Stola zeigt, zur Verwarnung führen" könne. "Ein solches Vorgehen fördert ein unheilvolles Spitzeltum in der katholischen Kirche", so Hose und Mönkebüscher. Es werde immer Menschen geben, die in einer Segensfeier eine Ähnlichkeit zur kirchlichen Trauung erblicken und entsprechendes Bildmaterial an kirchliche Behörden weiterleiten. Damit werde "jede öffentliche Segensfeier unmöglich": "Dass weder die Absicht des Seelsorgers noch der gläubige Hintergrund der Beteiligten wiegen, sondern einzig das, was möglicherweise andere (böswillig?) daraus lesen und missverstehen könnten, enttäuscht uns und viele Seelsorger*innen. Wir erwarten, dass Denunziantentum unterbunden wird, Drohkulissen abgebaut werden und dienstrechtliche Maßnahmen gegen Seelsorger*innen, die gleichgeschlechtliche Paare segnen, unterbleiben."

Man werde sich weiter "öffentlich an die Seite derer stellen, die infolge ihres verantwortlichen pastoralen Arbeitens unter Repressionen zu leiden haben", so Mönkebüscher und Hose.

Hoffnung auf Wandel

Vor Ort sorgte das Vorgehen der Kirche für Unverständnis. Die "Westfalenpost", die vom Erzbistum Paderborn keine Antworten zu den Vorwürfen im Offenen Brief erhielt, kommentierte am Montag, es sei "erschütternd", welchem "Ungeist" und "Treiben das Erzbistum da Tor und Tür öffnet: Denunziantentum gegenüber Priestern, die ihrem Gewissen folgen, Spitzelei." Dabei sollte sich die Kirche vor allem freuen, "dass zwei gläubige Menschen von Gott das Geschenk der Liebe empfangen haben", und Realitäten anerkennen: "Die Kirche hinkt ja nicht dem Zeitgeist hinterher, sondern wissenschaftlichen Erkenntnissen, die sie selbst noch nicht einmal bestreitet."

In dem Offenen Brief loben Mönkebüscher und Hose die Vorbereitungen im Synodalen Weg, der als Gremium aus Klerikern und Laien Reformvorschläge erarbeitet: "Wir unterstützen die Zielrichtung, die sich hinsichtlich der Segensfeiern in der aktuellen Vorlage des Synodalforums IV für den Grundtext erkennen lässt. Die Formulierungen sind ein erster Schritt in die richtige Richtung, auch wenn sie sich aus unserer Sicht immer noch zu defensiv an einer veralteten kirchlichen Sexualmoral abarbeiten." Der Offene Brief ist auch an das Synodalforum gerichtet.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hatte am Montag "wesentliche Veränderungen" in der Kirche im Rahmen des Reformprozesses angemahnt und dabei auch gleichgeschlechtliche Paare thematisiert. Konservative Bischöfe wie der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wiederum kritisieren, dass Bätzing und andere Reformer nur Erwartungen schüren würden, die sie am Ende nicht einhalten könnten, weil der Vatikan dabei nicht mitmachen werde. (nb)



#1 Julian SAnonym
  • 21.09.2021, 12:08h
  • Da wird jemand gerügt, weil er zwei liebende Menschen gesegnet hat.

    Für das Segnen von Waffen, Motorrädern, Gebäuden, etc. gibt es dagegen keine Rüge.

    Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen...

    Merkt dieser Verein eigentlich noch, wie menschenverachtend er ist?
  • Antworten » | Direktlink »
#2 mind_the_gap
  • 21.09.2021, 12:58h
  • "Sakramentensimulation".
    So 'nen Begriff muss man sich erst mal ausdenken...

    "Dabei sollte sich die Kirche vor allem freuen, "dass zwei gläubige Menschen von Gott das Geschenk der Liebe empfangen haben", und Realitäten anerkennen".

    Ähem: dass zwei Menschen "von Gott das Geschenk der Liebe empfangen haben", gilt als Realität?

    Simulation... Realität... und das alles in Relation zum "Willen" eines vor mehr als 2000 Jahren frei erfundenen angeblich allmächtigen Herrschers, dessen Stimme bisweilen auch in den Köpfen "Gläubiger" ertönt, und der dennoch nicht allmächtig genug erscheint, um derlei Firlefanz zu unterbinden...

    ...kannste dir alles nicht ausdenken.
    Oder halt, doch: konnte/kann man.

    Selberdenker_innen empfehle ich

    www.kirchenaustritt.de/
  • Antworten » | Direktlink »
#3 thorium222Profil
  • 21.09.2021, 13:14hMr
  • Ich jede Sympathie für den netten Pastor, der die Segnungsfeier durchgeführt hat, aber die Reaktion aus Rom zeigt einmal mehr als deutlich, dass solche Menschen innerhalb der Kirche nur als Feigenblatt dienen und die dringed weiter benötigten Austritte aus der katholischen Kirche nur verhindern, aber nichts an der Sache ändern können.
    Wenn jemand unbedingt Religion braucht, sollte er zu den Alt-Katholiken gehen, die sind der Botschaft Jesu Christi aus dem Neuen Testament jedenfalls unendlich viel näher, als es die katholische Kirche heute ist.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 SakanaAnonym
#5 WoowAnonym
#6 SakanaAnonym
  • 21.09.2021, 14:32h
  • Antwort auf #5 von Woow
  • Vielleicht hätte ich noch dazuschreiben müssen, dass es sich nicht um biblisch-abgeleitete Sakramente handelt, damit du meinen Kommentar gleich verstanden hättest. Aber manche brauchen wohl noch ne Extraerklärung.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 WoowAnonym
#8 mind_the_gap
  • 21.09.2021, 15:19h
  • Antwort auf #4 von Sakana
  • Ich argumentiere grundsätzlich nicht theologisch und lasse mich auf dieser Ebene auch auf keine Diskussionen ein, da die Theologie für mich als Pseudowissenschaft auf gleicher Stufe wie z.B. Alchemie oder Astrologie stehen. Versuche, mit theologischer Argumentation bei mir irgendwie zu landen, laufen daher grundsätzlich ins Leere.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 SakanaAnonym
  • 21.09.2021, 15:25h
  • Antwort auf #7 von Woow
  • Dann lasse ich mal bibelwissenschaft.de sprechen, um deine Frage zu beantworten:

    "Sakramente sind keine Privatfeiern, sondern Vollzugsformen kirchlich gemeindlichen Glaubens. Diesen Gemeinschaftscharakter der Sakramente hat insbesondere das Zweite Vatikanische Konzil gegenüber einer über lange Zeit gepflegten individualistischen Frömmigkeit betont (Zweites Vatikanisches Konzil, Sakrosantum Concilium, 1980). Zugleich hat es die Spender-Empfänger-Logik in der Sakramentenpastoral aufgebrochen (Pastoral-Kommission, 1996, 31).

    Grundlage dafür ist nicht zuletzt das römisch-katholische Verständnis von der Kirche als dem Wurzel- oder Grundsakrament (während Christus das Ursakrament ist). Dies aber impliziert, dass die einzelnen Sakramente wesentlich sind für die Kirche, und zwar für die ganze Kirche. Das heißt: Bevor die Kirche die einzelnen Sakramente spendet, ist sie dieses Sakrament (Emeis, 2001, 144). Damit erweisen sich die Sakramente als kritische Anfragen an das Leben der Kirche und der konkreten Gemeinde vor Ort: Lebt sie die communio (Gemeinschaft), die sie in der Eucharistie feiert? Erleben Kranke und schuldig Gewordene sie als solidarisch und heilend? Mithin erweist sich an der Praxis der Kirche die Glaubwürdigkeit der Sakramente."

    www.bibelwissenschaft.de/wirelex/das-wissenschaftlich-religi
    onspaedagogische-lexikon/wirelex/sachwort/anzeigen/details/s
    akramentenkatechese-pastoral/ch/bd99b66256ed3ba8a780e4c86092
    1cea/


    Die Kirche selbst als Amtskirche kommt in der Bibel nicht vor, sondern lediglich die Frage danach, nach welchen Ritualen sich die einzelnen Gemeinden zu organisieren haben (belegbar durch die Paulus-Briefe an verschiedene Gemeinden in der Türkei). Das wiederum bedeutet, dass jedes Sakrament, wie es so in der Kirche ausgeführt wird, in sich veränderbar ist und vom exegetischen Standpunkt des Amtskirchenvertreters abhängig ist bzw von den pastoralen Dokumenten der Amtskirche in Rom (deshalb sind Fußnoten in päpstlichen Enzykliken so wichtig bei der Ökumene für Wiederverheiratete). Dass sich eine Institution selbst als "sakramental" versteht, ist noch mal eine Sache für sich. Aber die Sakramente selbst sind menschengemacht und keine biblische Vorgabe in sensu proprio. Deshalb existieren sie auch nicht in den protestantischen Denominationen.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 SakanaAnonym
  • 21.09.2021, 15:30h
  • Antwort auf #8 von mind_the_gap
  • Das ist sehr schade, dass du das so siehst. Ich selbst bin Atheist und finde die Beschäftigung mit Theologie verschiedenster Kirchen und Kirchengeschichte sehr interessant, um mir nicht genehme Diskussionspartner:innen, die theologisch argumentieren, mit ihren eigenen Argumenten und Quellen auskontern zu können. Das überrascht viele. Deine Argumentation bleibt hingegen oberflächlich und wenig empirisch fundiert.
  • Antworten » | Direktlink »