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Thailand

Bangkok: Aus Malaysia geflohene trans Prominente verhaftet

Kosmetikunternehmerin und Instagram-Star Nur Sajat droht offenbar eine Ausweisung – und in der Heimat Haft durch ein Scharia-Gericht.


Nur Sajat auf einem älteren Foto (Bild: privat / instagram)

  • 21. September 2021, 19:14h, noch kein Kommentar

Medienberichten aus Thailand und Malaysia vom Montag zufolge hat die Polizei in Bangkok bereits am 8. September die prominente malaysische Unternehmerin Nur Sajat verhaftet. Dabei stünden für die thailändischen Behörden offenbar Migrationsfragen rund um einen ungültigen Pass und das Bemühen um eine Ausweisung der 36-Jährigen im Vordergrund. Die Polizei wollte gegenüber Medien keine Stellungnahme zu dem "international sensiblen Vorfall" abgeben.

Die 36-Jährige war den Medienberichten zufolge in einem Luxusapartment in Bangkok verhaftet worden und sei zunächst wieder auf Kaution freigekommen. Laut unbestätigten und sich teils widersprechenden Meldungen aus Malaysia soll ihr der Heimatstaat einerseits den Pass als ungültig entzogen haben und sich andererseits um eine Überstellung bemühen. Derweil gibt es Berichte, dass sich Sajat unter Zuhilfenahme des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) um einen Flüchtlingsstatus und letztlich um eine Aufnahme in einem Drittstaat bemühe. Hier wird vor allem Australien genannt.

Die trans Kosmetik-Unternehmerin hatte zuletzt angegeben, Morddrohungen erhalten zu haben. Auch war sie im Januar von einem Scharia-Gericht im Bundesstaat Selangor rund um die Hauptstadt Kuala Lumpur angeklagt worden, weil sie 2018 bei einer religiösen Zeremonie Frauenkleider getragen habe. Im Februar stellte das Gericht einen Haftbefehl aus, nachdem Sajat nicht zu einer Anhörung erschienen war. Offenbar befindet sie sich seitdem auf der Flucht. In dem Verfahren drohen ihr bis zu drei Jahre Haft.

Prominent und im Behörden-Visier

Sajat gilt in der Region als Prominente; in einem inzwischen nicht mehr verfügbaren Instragram-Account folgten ihren Beauty- und Produkt-Tipps zwischenzeitlich über eine Millionen Menschen. Die Behörden verfolgten sie zwischenzeitlich wegen angeblicher Steuerhinterziehung oder des Vertriebs unlizensierter Produkte. Für Schlagzeilen und Empörung sorgte sie 2020 mit einem Bild, dass sie in Frauenkleidung in Mekka zeigte. Die malaysischen Behörden behandeln Sajat als Mann und nutzen auch den entsprechenden Namen. In dem Prozess wird ihr vorgeworfen, durch das Tragen von Frauenkleidung bei einer Gebetsstunde in ihrem Beauty-Salon im Jahr 2018 den Islam beleidigt zu haben.

Die "anhaltende Verfolgung von Sajat" zeige das "Klima der Repression gegenüber LGBT-Personen in Malaysia", kommentierte am Montag Thilaga Sulathireh von der Trans-Aktivismusgruppe Justice for Sisters gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. "Die Polizei muss sofort die Ermittlungen und Belästigungen gegenüber Sajat einstellen."

Haft, Stockhiebe und "Erziehung"

In Malaysia, das im Norden an Thailand grenzt, hatte sich die Lage für LGBTI in den letzten Jahren deutlich verschlechtert – obwohl in der Region queere Themen in Medien und sozialen Netzwerken eine zunehmende Rolle spielen. Homosexuelle können sowohl nach dem staatlichen Strafrecht mit einem Unzuchts-Paragrafen aus der Kolonialzeit als auch, wenn sie Muslime sind, nach Scharia-Recht verurteilt werden. In den letzten Jahren verhängten islamische Gerichte mehrfach entsprechende Haftstrafen – und Stockhiebe (queer.de berichtete). Auch mutmaßlich lesbische Frauen wurden zuletzt mit Folter bestraft (queer.de berichtete).

Im letzten Jahr hatte der Religionsminister Malaysias die konsequente Festnahme von trans Personen und ihre religiöse "Erziehung" zum "richtigen Weg" gefordert (queer.de berichtete). In dem Land, in dem viele trans Personen als Sexarbeiter*innen arbeiten, kommt es Berichten von Menschenrechtsorganisationen zufolge immer wieder zu Razzien gegen sie, zu Erpressungen durch die Polizei und zu Ermittlungen und Strafverfahren nach einem Scharia-Gesetz gegen "Cross-Dressing". Auch sind sie nicht vor Diskriminierung im Zivilrecht oder im Gesundheitswesen geschützt und würden in Gefängnissen entgegen ihrer Geschlechtsidentität untergebracht und schikaniert. (cw)