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Ab Donnerstag im Kino

Deutscher Hetero-Humor mit Fake-Schwulen

Queere Zuschauer*innen müssen bei der Komödie "Toubab" ziemlich viel aushalten. Erst gegen Ende zeigt sich der Film mit Farba Dieng und Julius Nitschkoff überraschend aufrichtig und schafft es zu berühren.


Babtou (Farba Dieng, l.) heiratet seinen besten Kumpel Dennis (Julius Nitschkoff), damit er nicht in den Senegal abgeschoben wird (Bild: Camino Filmverleih)

Die Komödie "Toubab" in einem Satz: Zwei heterosexuelle Männer heiraten und geben sich vor den Behörden als schwules Paar aus, damit der eine von den beiden nicht abgeschoben werden kann. Dieser Plot in Kombination mit Komödie lässt alle queeren Zuschauer*innen zusammenzucken. Zu Recht. Fast bis zum Ende des Films müssen sie beim Zugucken ziemlich viel aushalten.

Der Frankfurter Kleinkriminelle Babtou wird nach zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung entlassen. Sein bester Freund Dennis empfängt ihn vor dem Tor im Pick-up-Truck voll Freude mit einer Feuerwerksrakete, die sich als Rohrkrepierer beinahe ihren Weg in den wachhabenden Justizbeamten bahnt. Die knallige Flugroute für den zündenden Humor der Komödie ist also eingeschlagen.

Babtou soll in ein Land abgeschoben werden, in dem er noch nie war


Poster zum Film: "Toubab" startet am 23. September 2021 im Kino

Die Komik erreicht die nächste Zündstufe, als weitere Kumpels die nächstgelegene Straßenkreuzung in ihren aufgemotzten Kleinkriminellen-Karossen blockieren, um Babtou mit übersprudelnden Schaumweinflaschen und testosterongetriebener Aggressivität in seiner Freiheit zu begrüßen. Die Angriffslust richtet sich aber nicht nur gegen Spießer*innen in Spießerautos, die sich renitent freie Fahrt für freie Bürger*innen erhupen wollen, sondern lässt auch das kumpelhafte auf die Schulter dreschen untereinander in eine Massenschlägerei eskalieren.

Auftritt Polizei. Die drischt erstmal auf alles ein, was sich drischt, so auch auf den fast unschuldig in die Kampfhandlung geratenen Dennis. Dass seinem Kumpel so übel mitgespielt wird, kann der bisher zurückhaltende Babtou nicht mitansehen. Er wirft alles Anger Management über Bord des Pick-up-Trucks und drischt auf den dreschenden Bullen ein. Bewährung perdu.

Babtou muss aber nicht zurück in den Knast, nein. Der 25-Jährige ist zwar in Frankfurt geboren, ein hessischer Borsch also, aber seine Hautfarbe ist schwarz und seine Staatsbürgerschaft nicht deutsch. Deshalb soll der Verstoß gegen die Bewährungsauflagen mit der Abschiebung nach Senegal geahndet werden, dem Heimatland von Babtous Vater. Im Senegal war er aber noch nie.

Wie gut, dass es die Ehe für alle gibt

An dieser Stelle mischt sich ein ernsthafter Ton in die Komödie, der bis zum Ende immer mitschwingt, leider oft übertönt von Brachialkomik. Babtou sieht seine letzte Chance für einen Aufenthaltstitel in der Hochzeit mit einer deutschen Frau. Da klappert er dann viele Türen erfolglos ab und macht sogar lange verjährten One-Night-Stands Heiratsanträge. Alles vergeblich.

Wie gut, dass es die Ehe für alle gibt. Denn Babtous Problem könnte sich ja auch mit dem Alptraum aller Nationalkonservativen lösen lassen, wenn er und Dennis heiraten. Der Kumpel ist ein echter Kumpel und lässt sich trotz Freundin auf den illegalen Deal ein (queer.de zeigte die Hochzeitsszene als Video des Tages).


Der eher zögerliche Kuss auf dem Standesamt (Bild: Camino Filmverleih)

Weil die Behörden jedoch argwöhnisch bleiben, ziehen die beiden zusammen und staffieren die Wohnung so aus, wie sich Heteros in Komödien eben schwul eingerichtete Wohnungen so vorstellen: Statt Nippes stehen überall Dildos herum (wie gesagt, queere Zuschauer*innen müssen hart im Nehmen sein).

Queerer Safe Space auch für Fake-Schwule

In dem ganzen Druck durch die Behörden, dem von Dennis' Freundin und vor allem dem der ganzen Kumpels, deren toxische Männlichkeit schwer gewalttätig auf die Heirat der beiden reagiert, öffnet sich für das frisch verheiratete Paar mit der Wohnungstür einer Nachbarin auch der Safe Space eines queeren Wunderlands. Die Frau und ihre Freund*innen entsprechen nicht den heteronormativen Standards der Mehrheitsgesellschaft, haben Erfahrungen mit Mehrfachdiskriminierungen, nehmen ganz schön dolle Drogen beim Party machen und fahren in einem mit pastellfarbenen Streifen lackierten, offenen Jeep durch Frankfurt. Aber obwohl Babtou und Dennis da etwas für das Leben lernen und sich in diese Gruppe freundschaftlich integrieren, ist die Abschiebung noch nicht vom Tisch.

Erst gegen Ende können queere Zuschauer*innen wirklich entspannen, wenn der oft verblödelte Film dann überraschend aufrichtig zeigt, von wie viel Zuneigung die Beziehung von Babtou und Dennis getragen wird. Da geht's nicht komödienhaft darum, wieviel Schwules in ihrer Bromance steckt, sondern um die unverstellten Gefühle zwischen den beiden. Die zwei Männer haben sich einfach gern und gehen füreinander durch dick und dünn. Die beiden Darsteller Farba Dieng und Julius Nitschkoff spielen das auf eine zärtliche Weise, die ebenso berührt wie sehenswert ist.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film
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Infos zum Film

Toubab. Komödie. Deutschland, Senegal 2021. Regie: Florian Dietrich. Darsteller*innen: Farba Dieng, Julius Nitschkoff, Valerie Koch, Michael Maertens, Seyneb Saleh, Nina Gummich, Paul Wollin, Burak Yigit, Gerdy Zint, Mehmed Atesci. Laufzeit: 96 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 12. Verleih: Camino Filmverleih. Kinostart: 23. September 2021


#1 Ick jlotz keen TVAnonym
  • 22.09.2021, 10:34h
  • "Fast bis zum Ende des Films müssen [queere Zuschauer*innen] beim Zugucken ziemlich viel aushalten."

    Nö, denn so ein schwulenfeindliches und rassistisches Machwerk (klar ist der Schwarze ein Krimineller) wird sicher nicht angeguckt.

    Wikipedia weiß übrigens: "Bei Toubab handelt es sich um Dietrichs Abschlussprojekt an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin." Das wirft kein gutes Licht auf die Akademie.
    de.wikipedia.org/wiki/Florian_Dietrich#Leben

    Noch schlimmer ist die sog, Logline im Presseheft zum Film: "Um eine drohende Abschiebung in letzter Sekunde zu verhindern, sind zwei Vorstadtgangster zu allem bereit."
    So so, eine schwule Ehe ist also etwas total Absurdes, das man nur eingeht, wenn man "zu allem bereit" ist.
    www.download.niama-film.com/Toubab/Toubab-Presseheft.pdf

    #KotzendesEmoji
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#2 zundermxeAnonym
  • 22.09.2021, 11:16h
  • Möchte den Film nicht vorab zerreißen. Filme spielen oft mit Stereotypen und Klischees. Ob ich persönlich diesen Film als übergriffig, beleidigend, rassistisch oder homophob empfinden werde, kann ich erst sagen, wenn ich den selbst gesehen habe.

    Muss hier gestehen, dass ich zumindest die letzte Szene des Trailers erstmal nur lustig finde.
    Wohl weil ich so durchgeknallte Szenen, die in einem Film völlig atypisch und unrealistisch wirken können, auch aus meiner Vergangenheit kenne. Die passen halt weder in heteronormative noch in queere Klischeevorstellungen.
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#3 Ick jlotz keen TVAnonym
#4 SakanaAnonym
  • 22.09.2021, 12:36h
  • Ich halte von dem Film als solchem gar nichts, weil es ein ziemlich bürokratischer Aufwand ist, so ne Ehe überhaupt anzumelden (mit ausländischem Recht wirds übrigens noch teurer (!)) und daraus einfach eine "witzige" Prämisse zu konstruieren, in der auch noch ein PoC in eine schäbige Rolle gedrängt wird....nein danke. Da ist mir das Geld fürn Kinobesuch zu schad, um so ein Machwerk zu unterstützen.
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#5 ExtremAnonym
  • 22.09.2021, 13:48h
  • Also den Trailer finde ich trotz der vielen Klischess recht amüsant. Und der Film thematisiert ja gerade kritisch, dass jemand der hier geboren wurde, trotzdem abgeschoben werden kann. Daher halte ich hier manche kritischen Wortmeldungen doch selbst für etwas extrem diffamierend! Extremismus lehne ich ab.
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#6 DominikAnonym
  • 22.09.2021, 13:55h
  • Antwort auf #2 von zundermxe
  • Der einzige vernünftige Kommentar hier. Einen Film kann man doch erst bewerten, wenn man ihn komplett gesehen hat. Möglicherweise werden Vorurteile und Klischees ja auch nur so plastisch dargestellt, um ihre Fragwürdigkeit herauszuarbeiten und am Ende steht dann eine ganz andere Message als die, die am Anfang oder in der Mitte des Films noch zu erwarten war. Entspannt euch lieber mal und stellt euch ein bisschen erwachsener statt immer nur auf Knopfdruck rumzuheulen.
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#7 AranosAnonym
  • 22.09.2021, 15:56h
  • Also der Trailer wirkt auf mich jetzt überhaupt nicht rassistisch oder homophob, im Gegenteil. Will man das Thema in die 'Mitte der Gesellschaft' bringen und ein gewisses Publikum aufklären, muss man es halt mit harten Typen locken, sonst kriegt man gleich das Prädikat 'Schwulenfilm', und einen solchen sehen sich dann eh wieder nur Schwule und ihre Freundinnen an, da hat man am Ende nix gewonnen.
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#8 AranosAnonym
#9 LaroxProfil
  • 22.09.2021, 16:04hFrankfurt
  • Ich finde, auch abseits des Films, dass jede eheähnliche Konstellation zwischen zwei oder mehr Menschen die schwören einander zu lieben und achten schutz- und unterstützenswürdig ist, weil letztlich alle etwas davon haben: Stabilität für die Gesellschaft.
    Das muss nicht immer die heteronormative Spieß-Ehe mit Stickdeckchen sein. Und ja, auch zwischen zwei heterosexuellen Männern kann es Liebe geben, eine andere Form der Liebe.
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#10 EulenspiegelAnonym
  • 23.09.2021, 11:18h
  • Antwort auf #3 von Ick jlotz keen TV
  • Mal sehen wie der Film gemacht ist.

    POC werden auf keinen Fall kriminalisiert - sein Kumpel ist ja so deutsch wie jeder stramm Rechte es sich nur wünschen kann und genauso kriminell. Ist halt ein Film im kriminellen Mileu, da sind alle kriminell.

    Und gegen die Schwulenehe - wenn ein Schwuler eine Frau heiraten muß ist das auch, ähm , daneben.

    Sollen sie ruhig Zoten reißen, wenn sie sich am Ende doch ein wenig Lieb haben ist die Message doch gut:

    - Schwarz und Weiß zusammen
    - Zwei Männer zusammen paßt auch
    - Man darf auch Spaß mit Klisches haben - die nutzen sich durch so was auch ab
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