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Berlin

Rentner gesteht Anschlagserie auf Homosexuellen-Mahnmal

Gegenüber der "B.Z." räumte ein 69-Jähriger ein, das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen zehnmal beschädigt zu haben. Vor Gericht will er seine angeblichen Gründe darlegen.


Das Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen wurde vom Künstlerduo Elmgreen und Dragset entworfen und 2008 eingeweiht (Bild: Marko Priske / Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

Die Anschlagserie auf das Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen landet vor Gericht. Wie die "B.Z." am Dienstag berichtete, wirft die Staatsanwaltschaft einem 69-Jährigen vor, das Sichtfenster des Mahnmals im Jahr 2019 mehrfach mit schwarzer Farbe besprüht zu haben. Der Sozialpädagoge und ehemalige Streetworker Wolfgang V. stellte sich im vergangenen Jahr freiwillig, nachdem die Polizei Fotos eines Zeugen veröffentlicht hatte (queer.de berichtete).

Laut "B.Z." erhielt der Rentner einen Strafbefehl in Höhe von 2.100 Euro, gegen den er jedoch Widerspruch einlegte. Damit kommt es nun zu der von ihm gewünschten öffentlichen Verhandlung. Wann der Strafprozess beginnt, wurde nicht genannt. Gegenüber der Boulevardzeitung räumte V. die Sprühattacken ein. Im Prozess wolle er erklären, warum er die Taten begangen habe.

Vandalismus für junge Geflüchtete?

Er habe nicht aus Homosexuellenfeindlichkeit zur Spraydose gegriffen, sondern um auf das Schicksal minderjähriger Flüchtlinge aufmerksam zu machen, behauptete der Rentner in der "B.Z.". Er setze sich für junge Heranwachsende ein, "die aus Armut von alten Freiern zum Sex gegen Geld ausgebeutet werden", so V.: "Je jünger der Freier, desto mehr bezahlen die Männer für den Sex. Häufig führt das in die Drogensucht. Meist ist es billiges Crystal Meth." Wie die Zeitung weiter berichtete, soll der Angeklagte nach einer Anordnung des Richters psychiatrisch untersucht werden.


Mit Spraydose in der Hand: Ein Zeuge konnte Wolfgang V. am 7. Juli 2019 fotografieren. Das Fahnungsfoto wurde von uns anonymisiert (Bild: Polizei Berlin)

Hinter dem Sichtfenster der Stele in der Ebertstraße läuft ein Film mit gleichgeschlechtlichen Liebesszenen. Allein zwischen Anfang Juni und Anfang September 2019 kam es zu sieben Sachbeschädigungen. Wegen der Anschlagserie wurde im November 2019 eine Video-Überwachung des Denkmals eingeführt (queer.de berichtete). Dennoch kam es auch weiterhin zu Vandalismus-Vorfällen (queer.de berichtete). Laut "B.Z." hat Wolfgang V. insgesamt zehn Sachbeschädigungen gestanden.

Denkmal wurde vom Bundestag beschlossen

Das vom dänisch-norwegischen Künstlerduo Elmgreen und Dragset entworfene Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen war nach einem Beschluss des Bundestages gebaut und am 27. Mai 2008 der Öffentlichkeit übergeben worden. Bei einem Festakt zum zehnten Jubiläum 2018 hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für Vergebung für das Leid und das spätere Schweigen dazu gebeten (queer.de berichtete). (mize)



#1 GodzillaAnonym
  • 22.09.2021, 08:14h
  • Was ist das denn für eine hanebüchene Begründung?
    Wenn er wirklich auf das von ihm geschilderte aufmerksam machen wollte, was ich arg bezweifel, dann gibt es eindeutig andere Möglichkeiten.
    Hoffentlich wird der*die Richter*in das durchschauen.
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#2 Sarah_SAnonym
  • 22.09.2021, 08:49h
  • Oh Mann, wieder einer der Homosexualität mit Pädophilie gleich setzt. Ich verstehe einfach nicht wie solche Menschen bis jetzt durchs Leben gekommen sind wenn sie einfachste Unterschiede nicht verstehen. Haben die in der Schule dann auch immer einen Taschenrechner im Deutschunterricht rausgeholt?
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#3 HorensuhnAnonym
  • 22.09.2021, 10:17h
  • "Je jünger der Freier, desto mehr bezahlen die Männer für den Sex."

    Ein Streetworker, der die Begriffe "Freier" und "Stricher" verwechselt, kann seinen Beruf nicht korrekt ausgeführt haben.
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#4 KaiJAnonym
  • 22.09.2021, 10:31h
  • Mir kam beim Anlesen gleich der Vergleich mit Sahra Wagenknecht auf, die mit sozialer Armut uns Queers versucht auszuspielen. Natürlich, und das schreibe ich ganz klar, ist es, wenn "Freiertum" egal welcher sexuellen Orientierung, die soziale Not von Geflüchteten ausnutzt, von grossem Übel. Anschläge auf das Denkmal verfolgter Homosexueller und damit symbolisch auf uns bleiben jedoch Hassverbrechen, lassen sich durch nichts relativieren und sind als solche zu verurteilen.
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#5 zundermxeAnonym
  • 22.09.2021, 10:38h
  • Na da scheinen einige Dinge unpassend zu sein.

    Wenn er sich so fehlgeleitet angeblich für andere einsetzen wollte, dann wäre es doch sinnvoller gewesen diese Vergehen zwei-, dreimal zu machen und so auffällig, dass er schnell erkannt wird damit er seinen öffentlichen Prozess bekommt. Wenn ein Prozess als Zeichen denn tatsächlich sein Ziel gewesen sein sollte. Nach jeder Logik jedoch eher unglaubwürdig.

    Oder ihm reichten als Zeichen die bloßen Vergehen. Dann hat er diese sogenannten Zeichen nur für sich gesetzt oder für eine sehr kleine eingeweihte Gruppe. In diesem Fall wäre das Hauptmotiv ein reiner Rachegedanke gepaart mit Homophobie da er alle Schwule, auch gestützt durch seine erste Aussage, als potentielle Täter gleichsetzt und zu Tätern macht. Je nach Alter der jungen Migranten, für die er das getan haben will, überdies Pädos mit Schwulen gleichsetzten würde.

    Sollte er glaubhaft vermitteln können, dass es ihm tatsächlich um Zeichen ginge in Art einer solidarischen oder politischen Aktion, hätte er als Streetworker die Perspektive einiger seiner Zielgruppe übernommen. Diese Zielgruppe würde Männer nur als Täter kennen und es wäre nachvollziehbar, wenn diese oben beschriebene Gleichsetzungen vornähmen. Als Sozialpädagoge und Streetworker darf ihm dieses in mehrfacher Hinsicht grenzenlose Verhalten jedoch nicht passieren. Allein schon unter dem Aspekt, welche Konsequenzen und Aussagen sein Verhalten für queere Opfer seiner Zielgruppe hätte.

    Zum sehr schlechten Witz würde es zudem werden, wenn persönliche Betroffenheit aufgrund der eigenen Sexualität des Täters hinzukäme.

    Politische Motive hinsichtlich einer persönlichen Nähe zu afd oder anderen Extremen würden die Tatmotive der Vergehen erklären, jedoch auch zusätzlich niedere Beweggründe aufzeigen.

    Unterm Strich bleibt es, was es ist.
    Destruktive Vergehen, die eher mehr als weniger Opfer erzeugen.
    Sollten das tatsächlich Aktionen gegen Pädos gewesen sein, hat er das genaue Gegenteil bewirkt. Ehrlich gesagt hoffe ich nicht, dass dann ein solcher Mensch über Jahre als Streetworker arbeiten durfte. Dann wäre auch sein ehemaliger Arbeitgeber zu hinterfragen.
    Homophobie entsteht oder zeigt sich nicht erst im späten Alter, wenn wer über Jahre als Streetworker in Berlin arbeitet.
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#6 SakanaAnonym
  • 22.09.2021, 10:55h
  • Mir bleibt rätselhaft, warum er sich für sein Statement ausgerechnet (!) das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen ausgesucht und mehrfach mit entstellt hat. Das beißt sich extrem, weil seine Message mit dem Denkmal absolut überhaupt nichts zu tun hat. Ich hoffe, das Gericht geht nicht auf diese hanebüchene Begründung ein.
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#7 AtreusProfil
  • 22.09.2021, 10:55hSÜW
  • Ich kann das leider nicht freundlicher ausdrücken: Wer das Andenken der zu Tode gemarterten Homosexuellen beschädigt (Klinkeraktion z.B.), hat entweder dergestalt geistige Probleme, dass er einer mehrjährigen Behandlung mit Aufsicht bedarf oder ist, bei geistiger Gesundheit, der König der Schweinemenschen und so von Hass durchtränkt und geleitet, dass er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.

    Es gibt keinen Grund, und den kann es auch nie geben, das Andenken staatlich verfolgter, gefolterter und ermordeter Menschen zu beschmutzen, zu schänden oder zu beschädigen. Weder verbal, noch physisch.
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#8 Julian SAnonym
  • 22.09.2021, 12:09h
  • "Er habe nicht aus Homosexuellenfeindlichkeit zur Spraydose gegriffen, sondern um auf das Schicksal minderjähriger Flüchtlinge aufmerksam zu machen"

    Typische Schutzbehauptung.

    Was haben im Dritten Reich verfolgte Homosexuelle mit der Situation heutiger Flüchtlinge zu tun.
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#9 YannickAnonym
  • 22.09.2021, 12:09h
  • Eigentlich sollte die Sache klar sein:
    Er müsste zumindest die Reinigungs- und Instandsetzungskosten der von ihm verübten Zerstörungen nebst Zinsen bezahlen.

    Dies sollte auch unabhängig von seinem Einkommen sein, da das ja die real existenten Kosten sind. Wieso soll der Steuerzahler dafür aufkommen?!

    Zusätzlich sollte es dann noch eine Geldstrafe geben. Diese kann und muss natürlich abhängig von seinen Einkünften gestaffelt sein.
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#10 userer
  • 22.09.2021, 12:19h
  • Antwort auf #6 von Sakana
  • Ich sehe das als schlüssig an. Der Typ sieht Schwule nur als Schuldige dafür, dass sie junge Männer in Not in die Prostitution treiben und sie ausnutzen. Das ist purer Schwulenhass von ihm.
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