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Tschetschenien

Kadyrow an Biden: Wir haben hier keine Schwulen

Der tschetschenische Machthaber stört sich mit einem homofeindlichen Ausbruch daran, dass der US-Präsident in einer Rede vor der UN die Situation queerer Menschen in der russischen Teilrepublik erwähnt hatte.


Der russische Präsident Wladimir Putin (l.) hatte seinen "Statthalter" in Grosny, Ramsan Kadyrow, im Sommer öffentlich zum Wiederantritt bei den Wahlen aufgerufen

Der gerade für fünf weitere Jahre im Amt "bestätigte" tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow hat erneut unter einem schwulenfeindlichen Ausdruck die Kritik an der Verfolgung von LGBTI in seinem Land zurückgewiesen. Der amerikanische Präsident Joe Biden hatte am Dienstag bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung gesagt: "Wir alle müssen die Rechte von LGBTQI-Personen verteidigen, damit sie ohne Angst offen leben und lieben können, sei es in Tschetschenien oder Kamerun oder an jedem anderen Ort."

Kadyrow, der am letzten Wochenende bei der Präsidentschaftswahl in der teilautonomen russischen Republik für die Putin-Partei "Einiges Russland" 99,7 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 94,6 Prozent erzielt haben soll, antwortete drauf in sozialen Netzwerken: "Biden hat eine so absurde Aussage gemacht, auf die ich ihn nur in unsere Republik einladen kann, damit er mit eigenen Augen sehen kann, dass es in der tschetschenischen Republik keine 'Schwuchteln' gibt." Konkret benutzte er den Begriff "petuch" – Wörterbücher verzeichnen dazu, dass das russische Wort für "Hahn" als Gefängnis-Slang für einen gedemütigten männlichen Gefangenen, der sexuell missbraucht wird, gelte und auch durch die Nähe zum Begriff für "Päderast" zu einem allgemeineren abwertenden Begriff für Schwule geworden sei.

Zuvor hatte Dmitri Peskow, der Sprecher des russischen Präsidenten, die Botschaft Bidens zurückgewiesen. Er begnügte sich dabei mit dem formalen Hinweis, dass man Kamerun, einen eigenständigen Staat, nicht mit Tschetschenien als Region innerhalb der Russischen Föderation vergleichen könne. "Eine solche Auflistung ist aus politgeographischer Sicht falsch", so der Kreml-Sprecher, der in der Vergangenheit mehrfach selbst die anti-queere Verfolgung in Grosny abgestritten und Forderungen nach einer Aufklärung durch Moskau abgelehnt hatte.

Kadyrow hatte die Verfolgung queerer Menschen in seiner Republik immer wieder zynisch-augenzwinkernd abgestritten und dabei oft zusätzliche ausgrenzende Aussagen getroffen. Das "Übel" der Homosexualität existiere nicht in Tschetschenien, das sei "Ehrenkodex des Volkes", sagte er 2019. Die "Saat der Sodomie wird hier nicht aufgehen", meinte sein Informationsminister wenige Monate zuvor. 2017 hatte Kadyrow gesagt, es gebe bei ihm keine Schwulen, ansonsten sollte sie Kanada aufnehmen: "Um unser Blut zu reinigen: Wenn es hier irgendwelche gibt, nehmt sie" (queer.de berichtete).

Unter anderem wegen der anti-queeren Verfolgung hatten die USA und die EU Kadyrow und einige Gefolgsleute mit Sanktionen wie Einreiseverboten belegt. Anfang 2017 wurden in Tschetschenien über hundert Männer wegen vermuteter Homosexualität verschleppt und in außergesetzlichen Lagern neben weiteren Gefangenen gefoltert, einige von ihnen starben dabei (queer.de berichtete). Nach internationaler Empörung wurde das mutmaßliche Hauptinhaftierungslager in Argun geräumt, später kam es aber immer wieder zu lokaler Verfolgung, die auch vermutete Lesben oder trans Menschen umfasste (queer.de berichtete).

Obwohl immer neue Details und Beweise für die Verfolgung veröffentlicht wurden, verschleppten die zuständigen russischen Behörden alle Ermittlungen. Europarat und OSZE hatten eigene Untersuchungen zu den Verfolgungen angestellt und in den letzten Jahren die dafür zuständigen russischen Behörden mehrfach aufgefordert, Hintergründe zu ermitteln, Verantwortliche zu bestrafen und das nicht nur gegenüber LGBTI herrschende "Klima der Rechtlosigkeit" in der Region zu beenden (queer.de berichtete). Im April stellten das russische LGBT Network und ein deutscher Verein Anzeige gegen mehrere mutmaßliche Verantwortliche der Taten bei der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe (queer.de berichtete). (nb)



#1 AtreusEhemaliges Profil
  • 23.09.2021, 16:54h
  • Das ist ja die Gelegenheit nochmal auf die deutsche Doppelmoral in Sachen Menschenrechte hinzuweisen: Eine >zweite< Gaspipeline mit Russland fertig gestellt, an der Ukraine vorbei, das sich, wir erinnern uns, im Krieg mit Russland befindet und in Teilen annektiert wurde, trotz Sanktionen gegenüber Russland, trotz staatlicher Verfolgung, Folterung und Hinrichtung queeren Lebens in seiner Teilrepublik, trotz Bombardements von Krankenhäusern in Syrien, trotz Giftgasanschlägen auf unliebsame Menschen. Als I-Tüpfelchen lässt sich Frau Schwesig (SPD) von Gazprom über den Tisch ziehen und verkauft ihre Pseudo-Stiftung als Gewinn für den Umweltschutz.

    Der Soundtrack zu dieser Posse lautet: ABBA - Money, Money, Money
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#2 LarsAnonym
  • 23.09.2021, 16:58h
  • Und die Linkspartei sowie die AfD hofieren diese Regime auch noch. Dies sollte man bei der Wahl auch berücksichtigen.
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#3 SakanaAnonym
  • 23.09.2021, 17:11h
  • Antwort auf #1 von Atreus
  • Hm? Dass die Ost-Ministerpräsident:innen allgemein russlandfreundlicher sind, ist jetzt auch kein soo großes Geheimnis, und zwar alle parteiunabhängig.

    Was Kadyrow angeht, der ist sowieso indiskutabel und ein unglaublicher Menschenschinder. Eigentlich gehört er für seine mannigfaltigen Verbrechen nach Den Haag!
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#4 DankeAnonym
#5 marcocharlottenburgAnonym
  • 23.09.2021, 19:21h
  • Kritik an Russland ist angebracht und, der Westen hat seinen Anteil beigetragen, dass Russland heute da steht, wo es steht. Osterweiterung, NATO-Erweiterung und keine ernsthaften, wie mal geplant, Bestrebungen Russland mehr mit der EU zu verknüpfen. Stattdessen wird in allen Fragen, hier wie da, immer auf Krawall gefahren. Beide Seiten müssten verbal abrüsten und sich an den Tisch setzen Vieles, was in Russland passiert, scheint mit nach dem alten Motto zu passieren, wenn es schlecht läuft, braucht es einen Sündenbock und das ist eben die Opposition, die man vielfach auch nicht gerade als demokratisch im westlichen Sinne bezeichnen würde, aber gerne so tut, als wäre es so oder LGBTIQ Zu Kadyrow muss man nix schreiben, dass lohnt nicht wirklich.
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#6 KenshiroProfil
  • 23.09.2021, 19:38hBerlin
  • Antwort auf #2 von Lars
  • Du meinst so wie es westdeutsche Politiker mit jeden kleinen eckligen Diktator von Ägypten bis nach Lateinamerika und Südasien gemacht haben und machen, mit denn man Geschäfte macht? Oder doch lieber den ganzen Staaten rund um Israel zum Beispiel Saudi-Arabien die die Juden ins Meer treiben wollen und unser eins gerne nach mittelalterlich Tradition töten lassen? AFD und Linke zu Vergleichen, wieder diese Hufeisentheorie....

    Kaydrow ist ein ekelerregend Sadist der unter den Deckmantel religiöser Moral sein Volk knechtet und Putins nützlicher Statthalter ist. Putin ist herzlich egal was dort passiert Hauptsache dort ist Ruhe.
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#7 NixHufeisenAnonym
  • 23.09.2021, 21:00h
  • Antwort auf #6 von Kenshiro
  • Nix Hufeisen!
    Vom Prinzip her sind sich da AfD und die Linke sehr ähnlich.
    Die Linke predigt die tollen Gemeinsamkeiten und Historie mit Russland, die USA hingegen ist natürlich pfui.
    Wenn man jetzt mal in dem Artikel die Aussagen Bidens gegen die von Putins Handlanger stellt, wem stehen wir da wohl näher und mit wem sollten wir zusammenarbeiten?
    Nein, ich verstehe wirklich nicht, wie man vor dem Hintergrund die Linke wählen kann..
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#8 DQ24Anonym
  • 24.09.2021, 07:11h
  • Natürlich gibt es dort keine Schwulen, weil alle Schwulen, die noch im Land sind, Angst haben, sich zu outen, und die anderen entweder im Ausland oder ermordet wurden (von Sicherheitsbehörden oder der Familie).
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#9 KenshiroProfil
  • 24.09.2021, 07:12hBerlin
  • Antwort auf #7 von NixHufeisen
  • Es gibt halt Politiker die halten die totale Westanbindung für falsch. Die NATO war mal ein Verteidigungsbündnis wird aber immer wieder für Auslandeinsätze mal mit UNO Mandat genutzt. Wie geht das mit unseren GG zusammen? Verstehe mich nicht falsch Putin ist ein Tyrann und ich würde nicht mal unter Zwang in Russland unter diesen Regime leben würden. Nur wenn wir als Westen und EU samt USA Menschenrechte und westliche Werte wie eine Monstranz vor uns tragen, müssen wir auch selbst daran halten und keine Doppelstandards schaffen und sie ignorieren wenn es uns gerade passt.
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#10 DQ24Anonym