Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?40086

Referendum

Schweiz gibt der Ehe für alle klares Ja-Wort

Laut vorläufigem Endergebnis sprechen sich 64,1 Prozent im von Gegnern der Gleichstellung erzwungenen Referendum für die Ehe-Öffnung aus.


Mit Bildern wie diesen warb die Operation Libero für die Ehe-Öffnung

(Stand 16.15h) Auch in der Schweiz werden schwule und lesbische Paare künftig heiraten können: Laut vorläufigem Endergebnis vom Sonntagnachmittag stimmten 64,1 Prozent der Schweizer*innen in einem Referendum für die Ehe für alle inklusive Adoptionsrecht. Erste Eheschließungen könnte es nun im nächsten Sommer geben (Details zum Gesetz s. nach Zwischenüberschrift weiter unten).

Die Zustimmung liegt damit um zwei Prozentpunkte höher als beim Same-Sex-Marriage-Referendum im Mai 2015 in Irland, wo der Schritt damals auf 62,07 Prozent kam. In der Schweiz gibt es eine Mehrheit für die Ehe für alle in allen Kantonen, egal ob Stadt oder Land. So erzielte die Ehe-Öffnung mit 74 Prozent ihr höchstes Ergebnis in Basel-Stadt, 69,1 Prozent gab es in Zürich und jeweils 65,2 Prozent in Bern und Genf. Zudem gab es etwa 55,5 Prozent im Kanton Wallis, 56,6 Prozent in der Schwyz, 57,2 Prozent in Schaffhausen und 62,8 Prozent in Graubünden.


Im Original interaktive Karte des Ergebnisses von swissinfo.ch

Am knappsten wurde es in Appenzell Innerrhoden mit 50,8 Prozent – 94 Stimmen gaben den Ausschlag für die Mehrheit. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,6 Prozent und leicht über dem Durchschnitt bei Volksabstimmungen. Je nach Wahllokal konnte bereits ab Donnerstag sowie per Brief und teilweise online abgestimmt werden, die letzten Lokale schlossen um 12 Uhr.

Twitter / Raaflaubswissi1 | Die Initiative "Ja, ich will" hatte zum Feiern des erwarteten Ja-Ergebnisses in ein Lokal nach Bern geladen
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

"Der heutige Volksentscheid ist historisch und ein Meilenstein auf dem Weg zur Gleichstellung von homo- und bisexuellen Menschen", kommentierte das Komitee Ehe für alle. 500.000 Menschen seien in der Schweiz schwul, lesbisch oder bisexuell und hätten auf diesen Tag gewartet. "Ich bin glücklich, dass die Mehrheit der Stimmberechtigten sich für die Familienvielfalt und die Rechtsgleichheit von gleichgeschlechtlichen Paaren ausgesprochen hat", so Sprecherin Maria von Känel. "Die Ehe für alle ermöglicht uns, unseren Kindern und nächsten Generationen ein gleichberechtigtes Leben in Würde. Für die Sichtbarkeit und rechtliche Anerkennung von Regenbogenfamilien werden wir uns weiter einsetzen." Die noch fehlende gemeinschaftliche Eltern-Anerkennung von Frauenpaaren, die auf eine medizinisch unterstützte Samenspende im Ausland oder eine private Samenspende zurückgreifen, müsse folgen.

Eigentlich war die Gleichstellung im Ehe-Recht schon am 18. Dezember 2020 in beiden Kammern des schweizerischen Parlaments mit großer Mehrheit beschlossen worden (queer.de berichtete). Homo-Hasser*innen sammelten aber binnen 100 Tage mehr als die 50.000 notwendigen Unterschriften, um einen Volksentscheid über den Schritt zu erzwingen. Unterstützt wurde das Referendum von Vertreter*innen der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei (SVP), der bibeltreuen Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU) sowie der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP).

Twitter / operationlibero
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

In Umfragen hatten sich bereits in den letzten Jahren große Mehrheiten bis zu 80 Prozent für die Ehe für alle gezeigt – beim Thema Adoption und Samenspende verkleinerte sich allerdings die Mehrheit. Die Gegenkampagne setzte daher vor allem auf eine ausgrenzende Stimmungsmache gegen Regenbogenfamilien (queer.de berichtete). "Ich habe keine Mama! Egoistische Homo-Adoptionen vor Kindeswohl?", hieß es etwa auf einem Plakat. Zunehmend wurde auf angsteinflößenden Plakaten angedeutet, die Ehe für alle führe zur – weiter verbotenen – Leihmutterschaft.

Erste Ehen im Sommer 2022

Mit dem Gesetz, das auf eine Initiative der Grünliberalen Partei aus dem Jahr 2013 zurückgeht, erhalten gleichgeschlechtliche Paare praktisch gleiche Rechte wie heterosexuelle inklusive der gemeinschaftlichen Adoption – mit dem seit 2007 bestehenden Institut der Lebenspartnerschaft hatten sie nur beschränkte Einbürgerungsmöglichkeiten, nur ein Recht auf Stiefkindadoption und keinen Zugang zur Fortpflanzungsmedizin. Bei der Samenspende enttäuschte der im Dezember gefundene Kompromiss zwischen beiden Kammern des Parlaments allerdings LGBTI-Aktivst*innen: Nach der Vorlage werden die beiden Ehefrauen bei privat durchgeführten oder ausländischen Samenspenden nicht automatisch als Co-Mütter anerkannt.

Direktlink | Kampagnen für die Ehe für alle setzten auf positive Botschaften – und gar einen Song
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Voraussichtlich zum 1. Juli 2022 sollen die ersten Paare dann heiraten können – das soll den Behörden Zeit für Vorbereitungen und Paaren, die im Ausland geheiratet haben, Zeit für Entscheidungen zum Güterstand geben. Die Eintragung einer Lebenspartnerschaft ist nach der Öffnung der Ehe nicht mehr möglich. Bestehende Partnerschaften können umgewandelt werden oder bestehen bleiben.



#1 PeerAnonym
  • 26.09.2021, 12:44h
  • Das sind tolle Neuigkeiten aus der Schweiz.

    Ich bin für jeden Prozentpunkt froh, den das Endergebnis noch über der Hochrechnung liegt. Aber auch so ist das eine mehr als deutliche Zustimmung.

    Ich finde es auch gut, dass in der Schweiz bei Hochrechungen die Unsicherheitsbereiche, wie weit das noch schwanken kann, mit angegeben werden. Wird ja in Deutschland leider weder bei Umfragen noch bei Prognosen und Hochrechnungen so gemacht.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Julian SAnonym
  • 26.09.2021, 12:54h
  • Die ganze Hetze, die Lügen und die Angstmacherei konnten Liebe, Freiheit und Wahrheit nicht aufhalten.

    Danke Schweiz.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 SakanaAnonym
  • 26.09.2021, 13:02h
  • Sehr schön, das freut mich ungemein für alle LSBTTIQ*-Schweizer:innen :-)

    Jetzt fehlt nur noch das Fürstentum Liechtenstein als einziges mehrheitlich deutschsprachiges Land, in dem die Ehe für alle noch nicht erlaubt ist, aber da liegt das Problem eher beim Landesfürsten :-(
  • Antworten » | Direktlink »
#4 goddamn liberalAnonym
  • 26.09.2021, 13:06h
  • Ganz herzliche Gratulation!

    Dass es in der einzigen Urdemokratie des deutschen Sprachraums aber vergleichsweise so lange dauerte, ist schon etwas bedauerlich gewesen.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Roman BolligerAnonym
  • 26.09.2021, 13:07h
  • Endlich!

    Es hat lange gedauert. Die Schweiz mit ihrer direkten Demokratie hat sehr langsame Entscheidungsprozesse. Dafür kann man nun sagen: ein deutliches Volksmehr hat Ja zur Ehe für Alle gesagt.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 lucdfProfil
  • 26.09.2021, 13:13hköln
  • Ich gratuliere den Schweizern, Laaaangsaam, laaangsaam aber sie scheinen das doch geschafft zu haben.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 HoffenAnonym
  • 26.09.2021, 13:37h
  • Je mehr Staaten die Ehe öffnen, desto besser.

    Nicht nur für die Bürger dieser Staaten, sondern auch für den Rest der Welt, der dann sieht, dass davon nicht die Welt untergeht und dass das sogar einem Staat nutzt - politisch, gesellschaftlich, kulturell und auch wirtschaftlich.

    Jetzt hoffe ich als nächstes, dass sich auch in Italien langsam was ändert. Dort hat zwar leider der Vatikan viel Einfluss, aber auch die jungen Italiener wollen endlich in der Moderne ankommen. Das wäre so ein starkes Zeichen, wenn sich auch in Italien etwas tun würde.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 kuesschen11Profil
  • 26.09.2021, 13:48hFrankfurt
  • Herzlichen Glückwunsch an die Öffnung der Ehe für Alle in der Schweiz. Lange genug hat es dort gedauert, bis liberale Werte der Gleichstellung nun Wirklichkeit geworden sind.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 HoppSchwiizAnonym
  • 26.09.2021, 13:56h
  • Was für eine schöne Neuigkeit! :D :D

    (Grüsse an N. in Bern, falls du das hier liest :-)
  • Antworten » | Direktlink »
#10 daVinci6667
  • 26.09.2021, 13:59h
  • Die Ergebnisse trudeln immer schneller herein und langsam, langsam glaube ich ans Ja. Auch da selbst der konservativste und katholischste Stand, nämlich Innerrhoden mit 50,8 Ja zustimmt! Damit besteht die berechtigte Hoffnung das kein einziger Kanton am Ende ablehnt.

    Was für eine Erleichterung! Bei einem Nein, bei aller Liebe zu unserem Land, wären wir beide ausgewandert. Keine Frage.

    Psychisch ist diese Zeit für uns LGBTIQ wirklich nicht leicht gewesen. Die markant häufigeren körperlichen und verbalen Angriffe, die Zombie-Plakate, die Plakate mit weinenden Kindern, die Sklavinnen-Babybäuche usw. an jeder Ecke sind nur schwer zu ertragen. Die Gegner kannten wirklich keine Skrupel. Kommt dazu, unser Ja, ich will Plakat mit einem sich umarmenden Männerpaar in unmittelbarer Nähe zu unserer Wohnung wurde, kaum war es aufgestellt mit schwarzem Spray unkenntlich gemacht.

    Man bedenke auch, ein Nein einer Regierung ist viel leichter zu ertragen als ein Nein der gesamten an der Abstimmung teilnehmenden Bevölkerung. Dafür ist ein Ja dann natürlich unumstösslich. Mit dem heutigen Tag sind wir, so wie wir sind, endlich mitten in der Gesellschaft angekommen.
  • Antworten » | Direktlink »