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Ab Mittwoch auf Sky

"The L Word" ist leider aus der Zeit gefallen

Mit der zweiten Staffel der "Generation Q" wird das Revival der lesbischen Kultserie "The L Word" fortgesetzt. Doch auch die neuen Folgen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Show überdauert hat.


Bette (Jennifer Beals), Alice (Leisha Hailey) und Shane (Katherine Moennig) in der zweiten Staffel von "The L Word: Generation Q" (Bild: Liz Morris / Showtime)
  • Von Arabella Wintermayr
    28. September 2021, 10:07h, 2 Kommentare

Zwischen 2004 und 2009 produziert, war "The L Word" eine Offenbarung für die Lesbenwelt. Nie zuvor gab es eine Serie, die frauenliebende Frauen derart konsequent in den Fokus rückte, nie zuvor war sapphischer Sex derart präsent im Fernsehen. Es ist keine Übertreibung zu behaupten, dass Autorin und Produzentin Ilene Chaiken mit den siebzig in sechs Staffeln gebündelten Folgen einen nicht zu unterschätzenden Meilenstein für lesbische Sichtbarkeit setzte.

Wirklich gut gealtert ist "The L Word" allerdings nicht. Berechtigte Kritik zog die Serie unter anderem wegen unglücklich bis ignoranter Darstellungen von Teilen der LGBTI-Community auf sich – insbesondere bei der Figur des trans Manns Max (Daniela Sea) leistete man sich einige Fehlgriffe. Der sowohl aus medizinischer als auch rechtlicher Perspektive langwierige Transitionsprozess wurde radikal verkürzt und damit schlicht inkorrekt abgebildet. Zusammen mit seinem bereits mit den ersten Testosteron-Behandlungen einsetzenden hohen Aggressionspotenzial und Sexualtrieb gilt Max heute als ärgerliches Paradebeispiel für Stereotype in der Repräsentation von trans Menschen.

Mehr nicht-weiße, nicht-cis und auch jüngere Charaktere


Poster zur Serie: Die zweite Staffel von "The L Word: Generation Q" ist ab 29. September 2021 immer mittwochs um 20.15 Uhr in Doppelfolgen auf Sky Atlantic zu sehen sowie auf dem Streamingdienst Sky Ticket und über Sky Q auf Abruf verfügbar

Nicht vergessen sollte man dabei aber, dass es sich einen der ersten trans Männer im Fernsehen handelte. Ob eine verzerrte, vereinfachte oder sehr enge Art der Repräsentation besser ist als keine – darüber lässt sich sicherlich streiten, auch in Bezug auf das restliche Ensemble: Letztlich drehte sich die Serie fast ausschließlich um besonders wohlhabende, meist weiße "Lipstick Lesbians". Und damit vor allem um einen Typus, der am ehesten eine breite Palette an Zuschauenden ansprechen dürfte. Auch wenn der "male gaze", den viele Szenen unweigerlich erkennen lassen, nicht abzustreiten ist: "The L Word" fungierte sicherlich als Basis für spätere, reflektierte Produktionen wie "Orange is the New Black".

Dennoch nahm man die Kritik zum Anlass, um sich zehn Jahre nach Ende der Originalserie an eine Fortsetzung zu wagen, die es sich ausdrücklich zum Ziel machte, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Und tatsächlich involvierte "Generation Q" bereits mit der ersten Staffel wesentlich mehr nicht-weiße, nicht-cis und auch jüngere Charaktere. In puncto Diversität stellte das Revival also von Anfang an eine Verbesserung dar – an die Bedeutung der Mutterserie anknüpfen kann es dennoch nicht.

Zu oberflächlich, zu inkonsequent

Wie der Vorgänger ist auch das Revival ein Melodram mit stark ausgeprägten Soap-Elementen, das von konfliktbehafteten Beziehungsdynamiken, existenziellen Krisen und Freundschaften handelt. Die oberflächliche Erzählweise und die darin angelegten, völlig unrealistischen Szenarien wirken heute aber unangenehm aus der Zeit gefallen. Besonders, weil eine gewisse Tiefgründigkeit, an die sich die siebzig vorangegangenen Folgen zumindest stellenweise heranwagten und so Storylines hervorbrachten, die den Zuschauenden auch viele Jahre nach Ende der Show in Erinnerung geblieben sind – man denke nur an Danas (Erin Daniels) Schicksal – in der "Generation Q" gänzlich fehlt.


Prominenter Neuzugang in der zweiten Staffel: Rosie O'Donnell als Carrie (Bild: Liz Morris / Showtime)

Besonders deutlich wird das an einem zentralen Handlungsstrang, der die erste Staffel mit einem Cliffhanger beendete: Am Flughafen wartete Dani (Arienne Mandi) nicht nur auf ihre Verlobte Sophie (Rosanny Zayas), sondern auch auf ihre beste Freundin Finley (Jacqueline Toboni), mit der sie ihre Partnerin zuletzt betrogen hatte.

Nicht nur dass das Szenario für sich bereits sehr abgedroschen ist: Für wen sie sich letztlich entscheidet, wird in der zweiten Staffel halbherzig erzählt, die Konsequenzen ihrer Entscheidung ohne emotionale Tiefe nur oberflächlich beleuchtet.

Wahlverlierin Bettys Ziele bleiben unklar

Absolute Gleichgültigkeit gegenüber einem Auserzählen zeigt die Staffel auch in Bettes (Jennifer Beals) politischen Ambitionen: Die Wahl hat sie bekanntlich verloren, weswegen es für sie direkt zurück in die Kunstwelt geht – ohne (zumindest in den zur Vorabsichtung zur Verfügung gestandenen Episoden) auch nur ein Wort über ihre Karriereziele zu verlieren.

Und dennoch gehört ihre Storyline zu den spannenderen der zweiten Staffel. Wahrscheinlich auch weil die Figur von in der Originalserie aufgebauter Charaktertiefe zehren kann, die den Neuankömmlingen im Ensemble weitestgehend fehlt: Eine Liebschaft mit einer in der ersten Staffel etablierten Figur führt alte, problematische Persönlichkeitsmuster vor Augen.

Während auch ihre Ex-Frau Tina (Laurel Holloman) an der Seite ihrer neuen Partnerin – charismatisch gespielt von Rosie O'Donnell ("Schlaflos in Seattle") – eine sorgsam erzählte Entwicklung durchmachen darf, treten andere Altbekannte wie Shane (Kate Moennig), die durch eine Affäre mit der Ehefrau einer Geschäftspartnerin (Lena Waithe) jäh eine Geschäftsidee von Tess (Jamie Clayton) zu durchkreuzten droht, weiter auf der Stelle. Das gleiche gilt für Alice (Leisha Hailey), die sich als ewige Persona non grata in einer lieblosen Beziehung zu Nat (Stephanie Allynne) wiederfindet.


Alice (Leisha Hailey) und Nat (Stephanie Allynne) auf dem Sofa (Bild: Liz Morris / Showtime)

One-Night-Stands statt Beziehungen

Wie es typisch für "The L Word" ist, sind die meisten dieser Verbindungen aber nicht von Dauer, (Sex-)Partnerinnen werden innerhalb von einer Episode auf die nächste ausgetauscht und innerhalb des Freundes- und Bekanntenkreises herumgereicht. Wirklich packend oder auch nur unterhaltend ist das wahllos wirkende Hin und Her, da jede psychologisch-emotionale Komponente konsequent umschifft wird, nicht.

Da auch Micahs (Leo Sheng) und Angies (Jordan Hull) eher lieblos als Lückenfüller vorgebrachte Storylines daran nichts ändern können, drängt sich bald das unangenehme Gefühl auf, dass "Generation Q" keine neuen, eigenen Akzente setzen kann – doch die wären nötig, um auch für heute Sehgewohnheiten ansprechend zu sein. So kann auch die zweite Staffel letztlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Showkonzept selbst überlebt hat.

Die zweite Staffel von "The L Word: Generation Q" ist ab 29. September 2021 immer mittwochs um 20.15 Uhr in Doppelfolgen auf Sky Atlantic zu sehen sowie auf dem Streamingdienst Sky Ticket und über Sky Q auf Abruf verfügbar.

Direktlink | Englischer Originaltrailer zur zweiten Staffel
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#1 Girlygirl
  • 28.09.2021, 11:20h
  • Ich bin Generation Gen Z, ich habe das Original L Word gesehen (und es ist für meine Generation aus der Zeit gefallen) und schaue jetzt Gen Q. Ich fand Staffel 1 von Gen Q ganz Ok, aber Staffel 2 liebe ich und so sehen das viele in meiner Altersklasse glaube auch. Aber gut vielleicht zählt meine Meinung auch nicht da ich bekennender Jenny Fan bin (die tatsächlich Ilene Chaiken repräsentieren soll) Bette und Tina nicht shippe und eher Fan von Alice und Tasha statt Alice und Dana bin. In Staffel 2 von Gen Q überzeugen mich aber vor allem die neuen Charaktere. Ich finde man sollte dem Reboot eine Chance geben da viele auch positiv überrascht wurden.
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#2 BetteAnonym
  • 28.09.2021, 18:51h
  • So schade, dass diese Staffel ( wie auch schon die erste ) NICHT mit Untertiteln ausgestrahlt wird. Es gibt auch viele Hörbehinderte und taube Fans, die sich so gern diese Staffel anschauen wollen. Wir sind auf Untertitel angewiesen.
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