Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?40109

Katholik*innen auf Reformkurs

"Erste Weichenstellungen" zum Segen für alle

Nach einer langen Corona-Pause nimmt der Reformprozess in der katholischen Kirche in Deutschland wieder Fahrt auf. In Frankfurt diskutiert die Synodalversammlung Vorschläge zur Erneuerung. Die große Frage: Was hält der Vatikan davon?


Die katholische Sexualmoral steht auf dem Prüfstand: Banner des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) an einer Kirche in Regensburg

Die Synodalversammlung, das zentrale Gremium des derzeitigen Reformprozesses der katholischen Kirche in Deutschland, tritt am Donnerstag in Frankfurt/Main zum zweiten Mal zusammen. Wegen der Corona-Pandemie war die Synodalversammlung zweimal verschoben worden. Unter strengen Hygienebedingungen findet sie nun in der Frankfurter Messe statt. Ziel des Prozesses ist es, die Kirche in wesentlichen Punkten zu erneuern.

Die Synodalversammlung zählt 230 Mitglieder: die 69 deutschen Bischöfe, 69 Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) – dies ist die Vertretung der Laien, also der Nicht-Kleriker – und 92 Vertreter*innen verschiedener katholischer Berufsgruppen. Sie behandelt vier Themenfelder: die Position der Frau in der Kirche, den Umgang mit Macht, die katholische Sexualmoral und die priesterliche Ehelosigkeit (Zölibat). Die vier Themen sind jeweils einem Forum zugeordnet, das den Komplex bearbeitet. Jedes Forum hat für seinen Bereich Reformvorschläge ausgearbeitet.

Bischof Bätzing: "Es gibt viele Änderungswünsche"

"Wir werden über die vorliegenden Texte der Foren beraten", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, der Deutschen Presse-Agentur. "Es gibt viele Änderungswünsche. Darüber wird abgestimmt und dann gehen die Texte zur Weiterarbeit in die Foren zurück. Es geht also um erste Weichenstellungen, noch nicht um endgültige Beschlüsse."

Konservative Kritiker*innen des Synodalen Wegs wie der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer werfen den Reformer*innen vor, dass der ganze Prozess zum Scheitern verurteilt sei, weil der Vatikan am Ende doch keine wesentlichen Änderungen mittragen werde. ZdK-Präsident Thomas Sternberg sagte dazu der dpa: "Es gibt Fragen, die lassen sich in der Tat nur zusammen mit Rom klären. Wir setzen auf die Erkenntnis, die ja dort längst da ist, dass die Zeichen der Zeit erkannt werden. Im Vatikan hat man sehr wohl erkannt, dass sich etwas ändern muss."

ZdK-Präsident: "Machtstrukturen lassen sich ändern"

Daneben gebe es aber auch Reformen, die die deutschen Katholiken eigenverantwortlich durchsetzen könnten, ohne dabei gegen Kirchenrecht zu verstoßen. "Machtstrukturen lassen sich ändern", sagte Sternberg. Engagierte Gläubige dürften in den Gemeinden künftig nicht nur beratend tätig sein, sondern müssten stärker an der Leitung beteiligt werden. "Frauen müssen verstärkt gefördert werden und auch Leitungspositionen in der Kirche bekommen", forderte Sternberg. "Die Vielfalt der Lebensformen muss gesehen und anerkannt werden. Der Segen für lesbische und schwule Paare, den es ja längst gibt, sollte selbstverständlich werden." Eben das aber hatte der Vatikan kürzlich noch ausdrücklich verboten (queer.de berichtete).

Auslöser für den Synodalen Weg war der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. "Wer Missbrauch künftig verhindern will, muss Strukturen ändern", sagte Sternberg. "Da kann man nicht an der Oberfläche der Dinge bleiben." (cw/dpa)



#1 LegatProfil
  • 30.09.2021, 07:43hFrankfurt am Main
  • Ich wünsche den Katholiken ein schönes, anständiges Schisma mit Langzeitwirkung, aber bitte ohne Krieg und Gräueltaten dieses mal. Viel Erfolg auf dem Weg in die zivilisierte Menschheit für den Teil, der sich von Rom abspaltet.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 PeerAnonym
  • 30.09.2021, 09:51h
  • In Zeiten, wo längst die Ehe geöffnet ist, versucht die Kirche uns mit neuer Diskriminierung abzuspeisen.

    Denn alles, was nicht 100% Gleichstellung ist, ist per definition Diskriminierung.

    Der Grund ist ganz klar:
    die wollen den Mitgliederschwund wenigstens ein wenig bremsen und wollen sich dafür ein angeblich liberales Image geben. Aber gleichzeitig wollen sie auch weiter diskriminieren.

    Wie verlogen und scheinheilig dieser Verein doch ist...
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Sven100Anonym
#4 mind_the_gap
  • 30.09.2021, 10:05h
  • "vier Themenfelder: die Position der Frau in der Kirche, den Umgang mit Macht, die katholische Sexualmoral und die priesterliche Ehelosigkeit"
    "Auslöser [...] war der Missbrauchsskandal"

    Ich fasse mal zusammen: es geht um Geschlecht, Macht durch möglichst viel Kontrolle von Geschlecht und Sexualität, Sexualität und verbotene Sexualität. Auslöser: sexueller Missbrauch.

    Entscheiden werden schließlich Männer, die - zumindest offiziell - jeder Sexualität entsagt haben. Kreisen vielleicht deshalb all ihre Gedanken ständig nur um Sexualität und Geschlecht? Weil sie das mit der zwanghaften Unterdrückung doch nicht so ganz perfekt hinbekommen? Zumindest nicht bei sich selbst?
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Sven100Anonym
#6 zundermxeAnonym
  • 30.09.2021, 12:23h
  • In ihren Kirchen und Religionen mögen religiöse Menschen sich gerne für Fortschritt und Menschlichkeit einsetzen.

    Doch für uns alle muss der Fokus sein, dass demokratischer Staat nun endlich von Religion in allen Bereichen zu trennen ist.

    Die, die wie selbstverständlich Sonderrechte bis hin zu eigener Rechtsprechung genießen und zeitgleich anderen Gleichstellung und Gleichbehandlung vorenthalten (wollen), haben keinen Anspruch mehr dies selbst zu entscheiden.
    Stehen Verfassung und Werte eines demokratischen Staates nicht über und völlig unabhängig von Religionen, ist dieser Staat nicht tatsächlich gleich demokratisch für alle, gibt faktisch eine religiöse Moral vor und wertet somit Menschen zwangsläufig ab und auf.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 LegatProfil
#8 FennekAnonym
  • 30.09.2021, 12:37h
  • Ich werde niemals verstehen, wieso manche Menschen den "Segen" (oder wie auch immer man einen okkulten Ritus nennen mag) einer Organisation brauchen, die uns seit Jahrhunderten nicht nur diskriminiert, sondern terrorisiert und in weiten Teilen immer noch auslöschen will. Man denke nur an deren Vertreter in Afrika, Asien, den USA, Südamerika, Polen, Ungarn, etc. wo die keine Kreide fressen wie hier, sondern ungeniert weiter hetzen.

    Und von Dingen wie massenhaftem Kindesmissbrauch und dessen Vertuschung, dubiosen Immobiliendeals, Kondomverbot (was in strenggläubigen afrikanischen Staaten für verhungernde AIDS-Waisen mit verantwortlich ist), etc. will ich erst gar nicht anfangen.

    Es soll ruhig jeder glauben oder nicht glauben, was er will. (Solange man das auch anderen zugesteht.) Aber ich werde niemals verstehen, wie man dann für seine eigenen Gefühle und seine Liebe das OK einer Organisation braucht, die nichts mit Barmherzigkeit und Nächstenliebe zu tun hat, sondern die eher mit Hass, Hetze und Verbrechen gegen die Menschlichkeit auffällt.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 SebiAnonym
  • 30.09.2021, 13:07h
  • Ich hoffe, dass die nächste Bundesregierung endlich mal ein paar längst überfällige Dinge umsetzt, damit wir zu einer echten Trennung von Staat und Kirche kommen, was Grundprinzip eines demokratischen Rechtsstaats ist.

    Oberste Priorität haben:

    - für einen Kirchenaustritt sollte man nicht (wie in vielen Bundesländern) vor Gericht müssen, was für manche Leute ein Hemmnis darstellt und auch lange Wartezeiten bis zu mehreren Monaten bedeutet. Kirchenaustritte sollten bundesweit in Einwohnermeldeämtern möglich sein. Oder von mir aus auch in Standesämtern. Aber nicht vor Gerichten.

    - ein Ende des "Gotteslästerungs-Paragraphen".
    (Egal wie selten der angewendet wird, gibt es in einem demokratischen Rechtsstaat keinen Grund, neben Beleidigung, Verleumdung und Volksverhetzung noch Sonderregeln für Kirchen zu haben.)

    - ein Ende der sog. "Staatsleistungen", die der Staat zusätzlich zu den Kirchensteuern an die Kirche zahlt. Aus Steuern, auch von Bürgern, die dort nicht mal Mitglied sind. Wieso soll ich mit meinen Steuern eine Organisation fördern, die mich verachtet und wo ich gar nicht Mitglied bin.

    - ein Ende der Ausnahmen im AGG.
    Es kann doch nicht sein, dass z.B. ein konfessioneller Kindergarten (der natürlich zu 99% vom Staat finanziert wird und wo die Kirche nur ihren Namen gibt) eine lesbische Putzfrau kündigt. Oder dass ein konfessionelles Krankenhaus einem geschiedenen Chefarzt kündigt, nur weil der neu heiratet.

    Das sind die vier Punkte, die am wichtigsten sein sollten und oberste Priorität haben sollten. Daneben gibt es noch ein paar Dinge, die nicht so dringend sind wie die obigen, die aber auch angegangen werden sollten:

    - ein Ende der kirchlichen Trägerschaft von Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, etc. Der Staat (bzw. wir Steuerzahler) finanzieren das und dann gibt die Kirche nur ihren Namen, will aber mitbestimmen.

    - ein Ende der Kirchensteuer.
    Die sollen ihre Mitgliedbeiträge selbst eintreiben und bei Nichtzahlung sanktionieren. Es kann doch nicht sein, dass der Staat Mitgliedbeiträge zur Steuer erhebt und diese eintreibt.

    - ein Ersatz des Religionsunterrichts an Schulen durch einen allgemeinen Ethik-Unterricht, wo dann auch mal als ein Thema neben anderen Religion behandelt werden kann, aber neutral, kritisch und ohne Indoktrinierung.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 alles KappesAnonym