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Los Angeles

Früherer Disney-Star Tommy Kirk gestorben

Der Schauspieler wurde 79 Jahre alt. Der einstige Kinderstar führte sein Karriereende in den 60ern später auf Reaktionen auf sein Schwulsein zurück.


Kirk 1957 in "Sein Freund Jello" und 2009 bei einem Disney-Fan-Meeting in Anaheim (Bild: Disney, Myrna Litt / flickr)

  • 30. September 2021, 17:51h, noch kein Kommentar

Der amerikanische Schauspieler Tommy Kirk, der vor allem als Jugendlicher Erfolge mit Disney-Filmen hatte, ist gestorben. Sein guter Freund und Schauspielkollege Paul Petersen berichtete auf Facebook, der 79-Jährige sei am Dienstag tot in seiner Wohnung in Las Vegas aufgefunden worden.

"Mein langjähriger Freund Tommy Kirk wurde letzte Nacht tot aufgefunden", schrieb Petersen, der sich mit seiner Organisation 'A Minor Consideration' seit langem für Schauspieler*innen im Kinder- und Jugendalter einsetzt. "Tommy war sehr privat. Er lebte allein in Las Vegas, in der Nähe seiner Freundin (…) Bev Washburn, dem Costar aus 'Sein Feund Yeller', (…) und sie war es, die mich heute Morgen anrief. Tommy war schwul und entfremdet von den Überresten seiner Blutsfamilie. Wir in 'A Minor Consideration' sind Tommys Familie. Ohne Entschuldigung. Wir werden uns [um die anstehenden Dinge] kümmern."

Direktlink | Englischer DVD-Trailer zu "Sein Freund Yeller", Kirks in den USA bekanntester Rolle, einer jüngeren Generation durch Referenzen in "Family Guy" bekannt
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Kirk habe ein leises, aber erfülltes Leben gelebt, so Petersen. "Er hat damals einige wundervolle Filme gedreht. Wir haben sie gesehen und genossen." Der Schauspieler startete seine Karriere mit 13 Jahren unter Vertrag bei Disney, zunächst in Serien, dann 1957 in dem in den USA sehr populären Film "Sein Freund Jello", in dem er sich um einen Hund kümmert. Weitere Rollen in den nächsten Jahren hatte er in "Dschungel der 1000 Gefahren", "Der fliegende Pauker" und "Der Pauker kann's nicht lassen".

Das "Familien"-Studio und der schwule Jungstar

1963 endete Kirks Zeit bei Disney. Jahre später erzählte der Schauspieler selbst davon, dass Walt Disney persönlich seine Entlassung verfügt habe, nachdem er während der Dreharbeiten von "Die übersinnlichen Abenteuer des Merlin Jones" von Kirks Homosexualität erfahren hatte. "Noch mehr als MGM war Disney das konservativste Studio der Stadt", so Kirk. "Die Studioleiter begannen, meine Homosexualität zu vermuten. Manche Leute wurden immer unfreundlichrt. 1963 ließ mich Disney dann gehen."

Kirk, damals 21, hatte eine Beziehung zu einem 15-Jährigen begonnen, den er in einem Schwimmbad kennengelernt hatte. Die Mutter des Jungen hatte das Studio daraufhin informiert, das das Vertragsende nicht publik machte. Nach ersten Erfolgen Kirks bei American International Pictures und dem Kassenerfolg des 1964 erschienen Merlin-Jones-Films setzte Disney den Star noch einmal für eine Fortsetzung in der Hauptrolle ein.

Der Schauspieler hatte Mitte der 60er noch einige Erfolge mit Beach- und SciFi-Filmen, nach einem Kassenflop und einer Strafermittlung wegen Cannabis-Besitzes neigte sich die Karriere aber schnell dem Ende zu. Geld machte er danach vor allem mit einer Teppichreinigungsfirma in Los Angeles. Kirk war aber noch vereinzelt in Serien oder Filmen zu sehen, zuletzt 2001 in "The Education of a Vampire".

Schwulsein als Karrierekiller

1973 hatte Kirk in einem Interview erstmals von seinem Schwulsein erzählt. "Ich betrachte meine Teenagerjahre als hoffnungslos unglücklich. Ich wusste, dass ich schwul war, aber ich hatte kein Ventil für meine Gefühle", reflektierte er rund 20 Jahre später näher. "Es war sehr schwer, Leute zu treffen. Erst Anfang der 60er Jahre hörte ich von Orten, an denen sich Schwule versammelten. Ein solches Leben wurde nicht anerkannt und ich war sehr, sehr einsam." Er habe ein paar leidenschaftliche Begegnungen gehabt, aber quasi in Hintergassen, "verzweifelt und elend".

Als er 17 oder 18 Jahre alt war, habe er sich eingestanden, unveränderlich auf Männer zu stehen, so Kirk. "Ich wusste nicht, was die Konsequenzen sein würden, aber ich hatte das definitive Gefühl, dass es meine Disney-Karriere und vielleicht meine ganze Schauspielkarriere ruinieren würde. Es würde alles zu Ende gehen."

Sein Kumpel Petersen schrieb in dem Abschiedsbeitrag, Kirk sei dennoch nicht verbittert gewesen, er habe Zuspruch in seiner Kirche und von seinen Fans erhalten. "Bitte wisst, dass Tommy Kirk euch, seine Fans, geliebt hat. Ihr seid ihm beigestanden, als ihn 1965 die Industrie im Stich gelassen hat." (cw)