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Polen

Ali, Amer und Hadi und ihr dunkles Versteck im Wald

Aus Belarus kommende Geflüchtete irren aus Angst vor Abschiebung durch die polnischen Wälder. Hier erzählen drei junge schwule Männer aus dem Irak ihre Geschichte.


Symbolbild: Grenze zwischen Polen und Belarus in Niemirów (Bild: Grzegorz W. Tężycki / wikipedia)

Die Stimme von Anna Dabrowska schallt durch den stockfinsteren Wald: "Wir sind nicht von der Polizei. Keine Angst!" Mit Essen und Kleidung im Gepäck ist es ihr und Piotr Skrzypczak gelungen, drei irakische Geflüchtete im polnischen Grenzgebiet zu Belarus aufzuspüren. Die jungen Männer hatten ihren Standort zuvor per Handy an die Nichtregierungsorganisation Homo Faber durchgegeben – die polnische Grenzpolizei und die Angst vor einer Abschiebung nach Belarus immer im Nacken.

Zitternd vor Angst, Erschöpfung und Kälte sitzt der 19-Jährige Hadi auf einem Schlafsack auf dem Waldboden im Südosten Polens, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Belarus entfernt. Es ist sein dritter Versuch, in die EU zu kommen, erzählt er – zwei Mal wurde er von der polnischen Grenzpolizei schon zurück in das autoritär regierte Belarus geschickt.

"Sie haben uns abgeschoben und gesagt: Kommt nicht wieder! Geht zurück nach Belarus!" Hadi, der eine rosa Mütze mit der Aufschrift "Loved" trägt, sagt: "Ich bin müde und habe Angst." Seinen richtigen Namen will er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP nicht nennen, aus Angst vor Repressalien.

Im Irak wurde die drei Freunde bedroht

Neben ihm sitzen zwei irakische Freunde, mit denen er die gefährliche Reise auf sich genommen hat: Ali, der ein farbiges Tuch um die Stirn gewickelt und Tattoos am Hals hat, und Amer, der eine glitzernde Baseball-Kappe trägt. Alle drei sind nach eigener Aussage im Irak als Mitglieder der LGBTI-Community drangsaliert worden. Nachdem sie an Protesten für die Rechte von queeren Menschen teilgenommen hätten, seien sie bedroht worden. Er habe sich "ein ganzes Jahr im Irak versteckt", erzählt Hadi.

Wenn polnische Grenzer solche Flüchtlinge aus Belarus aufspüren, dann fackeln sie nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen nicht lange: Die meisten werden ohne Prüfung eines Asylgrundes direkt zurückgeschickt. Seit aus Belarus tausende Geflüchtete – vor allem aus dem Nahen Osten – versuchen, in die EU zu kommen, hat Polen tausende Grenzsoldat*innen in das Gebiet geschickt und einen Stacheldrahtzaun errichtet.

Zudem wurde der Ausnahmezustand verhängt, um Journalist*innen und Flüchtlingshelfer*innen fernzuhalten. Das Parlament in Warschau stimmte am Donnerstagabend für eine Verlängerung der Maßnahme um 60 Tage.

Polen will Gesetze noch verschärfen

Eingeschlossen zwischen polnischen Grenzschützer*innen auf der einen Seite und belarussischen Grenzsoldat*innen auf der anderen, irren viele Geflüchtete in den Wäldern hin und her. Fünf sind bisher gestorben. Die polnische Regierung will die Gesetze auch noch so verändern, dass Asylgesuche von den Grenzschützer*innen leichter ignoriert und Geflüchtete schneller zurückgeschickt werden können.

EU-Innenkommissarin Ylva Johansson, die dazu am Donnerstag in Warschau Gespräche führen wollte, sprach von "einigen Fragezeichen" angesichts der Gesetzespläne.

Johansson forderte auch "Transparenz" beim Schutz der EU-Außengrenze und hob hervor, dass EU-Recht eingehalten werden müsse. Doch auch die EU wirft Belarus vor, die Geflüchteten zu instrumentalisieren und sie absichtlich über die Grenze nach Litauen oder Polen zu schicken, um Vergeltung für die europäischen Sanktionen gegen Belarus zu üben.

Tausende versuchen es immer wieder

Der Grenzschutz gab diese Woche bekannt, dass mehr als 8.200 Geflüchtete seit Anfang August vom Grenzübertritt aus Belarus nach Polen abgehalten worden seien. 1.200 weiteren sei der Grenzübertritt gelungen, sie seien festgenommen.

Anna Dabrowska kann nicht sagen, wie vielen Geflüchteten sie in der Grenzregion schon geholfen hat. "Eine Zahl zu nennen, ist schwierig, weil es oft dieselben Leute sind, die wieder und wieder versuchen, über die Grenze zu kommen." Sie und ihre Mitstreiter*innen bieten den Geflüchteten auch an, für sie direkt beim Europäischen Menschenrechtsgerichtshof ein Asylgesuch zu stellen, damit sie in Polen bleiben können.

In der Realität läuft es aber meist anders. Dabrowska sagt: "Diese Leute werden nach Belarus zurückgeschickt und sie versuchen, wieder nach Polen zu kommen und wir sehen sie ein zweites Mal, ein drittes Mal, ein viertes Mal..."



#1 KukuAnonym
  • 01.10.2021, 09:15h
  • Ist Polen nun doch verloren? In der Vergangenheit? Im Ghettodenken? In diktatorischen Idealisierungen? In religiöser Inquisition? Fern von Menschenrechtsgedanken?

    Ja, es sieht fast so aus, wenn man bedenkt, dass die Ultrakonserativen und die Katholische Kirche schon lange durch eine Mehrheit der Bevölkerung in ihrer Politik bestatigt werden.
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#2 PeerAnonym
#3 swimniAnonym
  • 01.10.2021, 11:11h
  • Im Irak erleben sie den muslimischen Terror der Bevölkerung, in Belarus den orthodox-nationalistisch.postsowjetischen Terror Lukaschenkos, in Polen den Terror des Katholisch-Nationalisitschen. Die EU versagt einmal mehr, das Flüchtlingsproblem zu lösen.
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