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Italien

Skandal um Salvinis Spin-Doctor, Drogen und Callboys

Der queerfeindlichen Lega wird Doppelmoral vorgeworfen, nachdem die Polizei nach einer wilden Sexparty gegen einen führenden Mitarbeiter ermittelt.


Matteo Salvini (l.) und sein Mann für groben Wahlkampf Luca Morisi

  • 1. Oktober 2021, 13:23h 4 4 Min.

Kurz nach dem Skandal um den römisch-katholischen Priester, der Gemeindemittel und Spenden für schwule Sexorgien und Drogen verwendet haben soll, berichtet die italienische Presse in vergleichbarer tagelanger Geschwätzigkeit mit immer neuen echten und vermeintlichen Enthüllungen von einem ähnlichen Sex&Drugs-Skandal, der in diesem Fall auf verlogene Doppelmoral in der Politik trifft.

Im Zentrum der Aufregung steht Luca Morisi, der umtriebige Spin-Doctor und Social-Media-Stratege des ultrarechten Lega-Vorsitzenden Matteo Salvini, der sonst vor allem selbst Aufregung schürt. Der 48-Jährige kündigte vor wenigen Tagen überraschend an, sich mitten im Kommunalwahlkampf "aus familiären Gründen" von seiner Rolle zurückzuziehen. Und wenige Tage später wurde bekannt, dass die Polizei gegen ihn wegen des Verdachts des Drogenhandels ermittelt (inzwischen lautet der Vorwurf auf Besitz).

Die Geschichte ging zunächst so, dass die Polizei Mitte August einen Wagen mit zwei jungen Rumänen angehalten habe und dabei auf eine Flasche mit 125 Milliliter der "Vergewaltigungsdroge" GHB gestoßen sei. Nach den Angaben der Männer seien sie bei einer Party im Palazzo Moneta in Belfiore gewesen, dem Wohnsitz von Morisi, der ihnen die Droge gegeben habe. Bei einer Razzia seien im Haus des Lega-Vertreters dann auch noch mehrere Gramm Kokain und entsprechende Utensilien gefunden worden.

Tagelanger Strom von Enthüllungen

Dann berichteten Medien, dass beide Jungs, die in Milan leben und perfekt Italienisch sprechen sollen, als Sexarbeiter tätig sind. Einer der beiden sprach inzwischen mit mehreren Medien und berichtete davon, von Morisi über Grindr kontaktiert worden zu sein. Zu dritt habe man eine wilde Nacht mit Sex und dem Konsum von Kokain und GHB verbracht. Zwischenzeitlich war in Medien über einen vierten Mann um die 50 spekuliert worden – dieser war aber offenbar nicht in die Party involviert und könnte den neuerlichen Spekulationen zufolge die Drogen besorgt haben. Die Jungs, die sich zuvor nicht gekannt haben sollen und von Morisi offenbar einzeln kontaktiert wurden, seien ganze zwölf Stunden in dem Anwesen gewesen.

Inzwischen wurde bekannt, dass die beiden 20-Jährigen offenbar nicht zufällig auf einer Straße von der Polizei kontrolliert wurden, sondern gezielt beim Verlassen des Anwesens. Einer der beiden soll die Polizei selbst gerufen haben. Gegenüber Medien gab er an, er sei voll mit Drogen gewesen, habe sich unwohl gefühlt und fliehen wollen. Er habe entsprechendes Beweismaterial.

Noch ist der Fall unübersichtlich und sind viele Fragen offen. So wird zum Besitz der Drogen auch gegen einen der beiden 20-Jährigen ermittelt; wer wem Drogen beschaffte und wem sie gehörten ist einerseits der strafrechtliche Kern des Ermittlungsverfahrens und andererseits ungeklärt. Morisis Anwalt ließ mitteilen, dass sein Mandant vollständig mit den Behörden kooperieren wolle, keine Straftaten begangen und die GHB-Flasche nicht besessen habe. Sonstige Fragen beträfen sein Privatleben.

Die Empörungs-"Bestie" im Mittelpunkt von Empörung

Mit einiger moralischer Entrüstung ist in italienischen Medien nun viel von Doppelmoral die Rede und es hätte wohl kaum jemand "besseren" treffen können: Morisi ist der Schöpfer und ständige Ausführer der "Bestie", eines Programms und Konzepts, das seit Jahren konstante Empörung und letztlich Feindseligkeit in sozialen Netzwerken schürt. Empörung, die der Lega zugute kommen soll, und sich vor allem gegen Migrant*innen richtet. Und, wie die Partei, auch gegen LGBTI-Rechte oder gegen Drogenhandel und -gebrauch. Der vermeintliche Kampf gegen Drogen ist gar eines der Hauptthemen im Kommunalwahlkampf, die Lega fordert Gefängnis selbst bei kleinen Mengen Besitz.

Morisis Chef Salvini begrüßte vor zwei Jahren noch führende Anti-LGBTI-Aktivisten zum "Welt-Kongress der Familien" in Rom und betonte in einer Rede, bis zu seinem letzten Atemzug gegen die "Gendertheorie" kämpfen zu wollen. "Kinder haben ein Recht auf einen Vater und eine Mutter", hatte er in den letzten Jahren immer wieder in Interviews betont, wer mit nur einem Elternteil oder homosexuellen Eltern aufwachse starte "mit einem Handicap ins Leben". Die Lega bekämpfte das Lebenspartnerschaftsgesetz mit tausenden Änderungsanträgen und arbeitete sich in den letzten Jahren am geplanten Gesetz gegen Homo- und Transfeindlichkeit ab – im Parlament, in sozialen Netzwerken und auf der Straße. Die Liste der queerfeindlichen Handlungen und Äußerungen ist beinahe endlos, und Morisi war eine der antreibenden Kräfte.

"Wenn ein Freund einen Fehler macht", schrieb Salvini vor einigen Tagen in einer ersten Reaktion auf Facebook, "dann bist du erstmal böse auf ihn, und wie. Aber danach reichst du ihm die Hand und hilfst ihm wieder auf die Beine." Nachdem das Thema nicht verschwand, sieht sich der rechte Parteichef inzwischen in der Opferrolle: "Das alles wurde getan, um mich politisch anzugreifen", so der 48-Jährige, der von einer "Politik durch das Schlüsselloch" und einer "peinlichen Voyeurismus-Operation" spricht. Von den Ermittlungen werde nichts übrig bleiben außer "dem vermeinlichen Verbrechen des Schwulseins", aber die Ehre und Würde Morisis sei ruiniert. Über ihn hätten Gerichte zu urteilen, nicht Zeitungen und soziale Netzwerke, so Salvini. In allem zeige sich "die Homophobie der Linken". (cw)

-w-

#1 DjvaermAnonym
#2 KopfschüttelAnonym
  • 01.10.2021, 16:47h
  • Irgendwie habe ich da ein Deja-Vu. War da nicht was mit einem Ungarn an einer Regenrinne?
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#3 dellbronx51069Anonym
  • 01.10.2021, 18:34h
  • Früher oder später fallen die alle auf die Schnauze! Für mich jedes Mal der innere Vorbeimarsch!
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