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Fußball

Hitzlsperger: "Gequatsche" über riskantes Coming-out nicht mehr zeitgemäß

Die Fans seien bereit für schwule Spieler, sagt Thomas Hitzlsperger. Diese müssten aber "ein gutes Gespür dafür haben, ob sie vom engsten Umfeld getragen oder eher nach unten gezogen werden".


Thomas Hitzlsperger hat sein Coming-out nicht geschadet. Auch nach seiner Fußballkarriere ist er weiter erfolgreich (Bild: Philip Flämig / ZDF)

Der frühere Fußball-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat in der Diskussion um homosexuelle Profis ein Umdenken festgestellt. "Die betroffenen Spieler müssen ein gutes Gespür dafür haben, ob sie vom engsten Umfeld getragen oder eher nach unten gezogen werden", sagte der 39-Jährige der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag). "Aber das Gequatsche, man könne das als Spieler nicht riskieren, weil die Fans oder Sponsoren negativ reagieren könnten: Das ist nicht mehr zeitgemäß. Die Fans sind viel weiter", betonte der Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart.

Ein Coming-out sei eine "komplexe Entscheidung, die man nicht von außen für jeden durchdenken kann", sagte Hitzlsperger. "Das Leben verändert sich dramatisch dadurch. Ich würde sagen: hauptsächlich positiv. Wenn es jemand machen will, braucht er ein gutes Netzwerk und Umfeld. Wenn man das hat, ist alles möglich."

"Es lohnt sich, mutig zu sein"

Hitzlsperger hatte seine Homosexualität als erster DFB-Nationalspieler 2014 öffentlich gemacht – allerdings erst nach seinem Karriereende (queer.de berichtete). "Wer den Schritt in die Öffentlichkeit wagt, wird eine Reaktion auslösen", sagte der ehemalige Bundesliga- und England-Profi. "Tags drauf wäre die nationale und internationale Presse am Trainingsplatz. Das kann die Mannschaft beflügeln, aber auch negativ beeinflussen."

Seit seinem Coming-out habe er fast ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. "Ich möchte anderen zeigen, dass das Leben hervorragend weitergehen kann. Was mir nämlich häufiger passiert, ist, dass Menschen die traurige Geschichte von mir hören wollen. Nach dem Motto: Das muss ja ganz schlimm gewesen sein, du hattest bestimmt Ängste, Depressionen und so weiter gehabt – was man halt reinschmeißt in den Topf. Da sage ich: Stopp!", meinte Hitzlsperger, der seinen Vertrag als Vorstandschef beim VfB Stuttgart nicht verlängern und den Verein im Herbst 2022 verlassen wird (queer.de berichtete).

Er hätte es "nie für möglich gehalten, dass ich einen Job im Fußball bekomme, also in keiner Funktion, die mit Profifußball zu tun hat", sagte der ehemalige Nationalspieler. "Aber es hat sich als falsch herausgestellt. Es ergaben sich ganz neue Möglichkeiten, die ich vorher nicht sehen konnte. Es lohnt sich, mutig zu sein."

Vorsichtige Kritik am DFB

Indirekt kritisierte Thomas Hitzlsperger im Interview mit der "Augsburger Allgemeinen" den Umgang des DFB mit der Fußball-WM im homofeindlichen Verfolgerstaat Katar "Mit einer eindeutigen Haltung des Verbandes, mit allen abgestimmt, zu Katar hat es bisher nicht geklappt", sagte der offizielle DFB-Botschafter der Vielfalt.

"Auf der Website des DFB findet man klare Aussagen zum Thema Menschenrechte und explizit auch zur WM in Katar. Wenn diese aber nicht von allen getragen werden oder nicht alle darüber informiert sind, wird's problematisch", so der ehemalige Nationalspieler. "Umso mehr muss man sich gut überlegen, wie man seine Position nutzt, wenn man in Katar ist und die ganze Welt darauf schaut." (cw/dpa)



#1 AtreusProfil
  • 02.10.2021, 08:45hSÜW
  • Lieber Thomas, Menschen mit gesundem Wertesystem und integerem Charakter, die den des Rest Jahres Vielfalt und Respekt propagieren und emsig Regenbogenfähnchen zu den Stichtagen auf Twitter posten, käme es gar nicht in den Sinn eine WM in einem "Verfolgerstaat" auszurichten, bzw. an einer solchen teilzunehmen. Wer unfähig ist, das so klar auszusprechen und überdies versäumt die Verbandsentscheidungen während der vergangenen EM in aller Deutlichkeit zu kritisieren, sollte sich lieber gar nichts dazu äußern und sich schon gar nicht als Leitfigur zelebrieren. Alles andere ist nämlich nur "Gequatsche".
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#2 WadimAnonym
  • 02.10.2021, 09:01h
  • Fußball interessiert mich gar nicht, es sei Homophobie und Coming-out dort. Somit kann ich die Folgen eines Coming-out eines Spielers für ihn und auch für seine Mannschaft nicht ganz genau abschätzen.
    Aber ich vermute, dass viele Fans der gegnerischen Mannschaft sie beleidigen könnten, besonders im Ausland.
    Trotzdem ein Coming-out, am besten ein GRUPPEN Coming-out wäre sinnvoll und nötig.
    Je früher desto besser.
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#3 WadimAnonym
#4 FußballfanAnonym
  • 02.10.2021, 10:18h
  • Das sehe ich ähnlich wie Hitzlsperger:

    In Zeiten, wo in Stadien Regenbogenfahnen geschwenkt werden, kann doch niemand ernsthaft behaupten, die Fans seien noch nicht so weit. Ich glaube eher, dass manche Funktionäre noch nicht so weit sind und das dann auf die Fans schieben, die aber längst viel weiter sind.

    Natürlich sind nicht ALLE Fans soweit. Aber das ist auch nicht nötig und wird vielleicht auch niemals der Fall sein. Und das sind dann die Fans, die immer was zum Aufregen finden, wenn nicht die sexuelle Orientierung, dann was anderes. Aber ist man auf deren Zuspruch wirklich angewiesen?

    Den meisten Fans ist es doch herzlich egal, mit wem man ins Bett steigt. Die wollen nur nicht belogen und verarscht werden - das ist alles.

    Und mag ganz abgesehen davon:
    ein Outing ist so befreiend und gibt einem so viel Glück, dass man auch mit dummen Sprüchen klar kommt. Das ist immer noch besser als das, was man sich antut, wenn man sich weiterhin selbst verleugnet und ständig Angst vor Enttarnung haben muss.
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#5 FußballfanAnonym
  • 02.10.2021, 10:42h
  • Antwort auf #2 von Wadim
  • Was sollen denn schwarze Spieler sagen? Die können ihre Hautfarbe nicht verstecken.

    Aber man kommt mit Hetze weniger anderer sehr gut klar, wenn die eigenen Fans solidarisch sind.

    Ansonsten stimme ich Dir zu, dass ein Gruppen-Coming-Out sehr sinnvoll wäre. Ähnlich wie letztens #ActOut bei den Schaupielern. Denn wenn in jedem Verein ein oder mehrere Spieler offen schwul sind, dann kann auch kein Fan das nutzen, um gegen eine gegnerische Mannschaft zu hetzen.

    Und selbst wenn:
    wen interessieren so ein paar Schwachmaten, wenn man die Mehrheit der Fans auf seiner Seite weiß und vor allem, wenn man endlich frei ist.
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#6 Wadim-FußballprofanAnonym
#7 KlemmschwesterAnonym
  • 02.10.2021, 12:40h
  • Lustig, nach dem Karriereende und auch keine Option auf Werbeverträge, da lässt es sich leicht outen.
    CO ist immer noch ein kritisches Thema, in vielen Bereichen.
    Herr Hitzelsberger war ja auch Fussballstandardware, und den meisten vor dem Outing kaum bekannt.
    Dann soll er dafür sorgen, dass sich alle schwulen Profis des VFB outen, da muss es dann doch welche geben.
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#8 qwertzuiopüAnonym
  • 02.10.2021, 18:26h
  • Na prima, dass man vor den Fans keine Angst mehr haben muss. Letztlich ist es doch aber so, dass Profifußballer eine relativ kurze Karriere haben, sodass es sich nicht lohnt, mit "falschen" Entscheidungen den eigenen Marktwert zu gefährden. Ich denke, das Management stellt ein größeres Problem dar als die Fans.
    Solange es einfach niemanden gibt, der sich traut, sich zu outen in den oberen Ligen, sollte Hitzlsperger sich lieber mal zurückhalten mit "Gequatsche" dass das doch alles kein Problem sei, denn der Ist-Zustand spricht ja für sich.
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#9 marcocharlottenburgAnonym
  • 02.10.2021, 18:44h
  • Es ist echt traurig, manch Diskussion um Hitzlsperger zu verfolgen. Einer der auf der Seite der Community steht, wird von großen Teilen zumindest bei queer.de fortwährend kritisiert, weil der Einsatz nicht ausreichend erscheint und das Coming Out erst nach der Fußballspieler-Kariere kam. Kann man es diesen Kommentatoren eigentlich recht machen? Was haben die eigentlich in der Öffentlichkeit erreicht, um so herablassend über andere zu urteilen? Liegt das Wohl und Wehe nun in den Händen einer Person? Versteht doch Hitzlsperger mal als Brückenbauer! Auch der Schritt war wichtig und er hat im Verband Vorarbeiten geleistet. Den nächsten Schritt müssen nun mal andere gehen
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#10 Gemeiner_HaiProfil
  • 02.10.2021, 18:49h
  • Antwort auf #5 von Fußballfan
  • " Aber man kommt mit Hetze weniger anderer sehr gut klar, wenn die eigenen Fans solidarisch sind."

    Das sehe ich durchaus auch so. Die meisten Fans dürften sich darauf einigen können: Egal, ob schwul oder hetero, schwarz oder weiß oder meinetwegen auch Marsmensch - solange er nur für uns die Tore schießt bzw. verhindert. Schwierig wird es nur, wenn ein Spieler das nicht mehr oder gerade nicht tut.

    Der einmalige Hans Meyer sagte einst auf die Frage, ob es für ihn als Trainer ungewohnt sei, in Nürnberg (aufgrund von Erfolgen und seiner Art) so populär zu sein, mit einem Schmunzeln: "Heute bauen sie dir ein Denkmal, und morgen pinkeln sie es an." Ich glaube, heute geht das noch mal erheblich schneller. Heute dürfte das - um im Bild zu bleiben - mehrmals täglich wechseln.

    Solange ein schwuler Profi also Leistung bringt, dürfte alles eitel Sonnenschein sein, und man kann sich in der eigenen Toleranz sonnen bzw. diese vermarkten. Trifft er aber das Tor eine Weile nicht mehr, würden sich gewiss Teile der eigenen Fans ereifern, dass "diese Schwuchtel schießt wie ein Mädchen". Geht ein Verteidiger zu lasch in den Zweikampf, ist das eben "typisch Tunte"; geht er hingegen zu hart rein und sieht Rot, wird es heißen: "Der steht eben zu sehr auf männlichen Körperkontakt, haha." Das wird die Fanszene spalten und Unruhe stiften, und dann sitzt er schnell auf der Bank.

    Ich will jetzt nicht die Mehrheit der Fans schlecht darstellen, zumal ich selbst einer bin. Aber ein nicht zu vernachlässigender Teil der Fans will letztlich nur zwei Dinge: Unterhaltung und vor allem Resultate. Und wenn die ausbleiben, wird es schnell ungemütlich.
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