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Fußball

Hitzlsperger: "Gequatsche" über riskantes Coming-out nicht mehr zeitgemäß

Die Fans seien bereit für schwule Spieler, sagt Thomas Hitzlsperger. Diese müssten aber "ein gutes Gespür dafür haben, ob sie vom engsten Umfeld getragen oder eher nach unten gezogen werden".


Thomas Hitzlsperger hat sein Coming-out nicht geschadet. Auch nach seiner Fußballkarriere ist er weiter erfolgreich (Bild: Philip Flämig / ZDF)
  • 2. Oktober 2021, 02:24h 14 3 Min.

Der frühere Fußball-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat in der Diskussion um homosexuelle Profis ein Umdenken festgestellt. "Die betroffenen Spieler müssen ein gutes Gespür dafür haben, ob sie vom engsten Umfeld getragen oder eher nach unten gezogen werden", sagte der 39-Jährige der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag). "Aber das Gequatsche, man könne das als Spieler nicht riskieren, weil die Fans oder Sponsoren negativ reagieren könnten: Das ist nicht mehr zeitgemäß. Die Fans sind viel weiter", betonte der Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart.

Ein Coming-out sei eine "komplexe Entscheidung, die man nicht von außen für jeden durchdenken kann", sagte Hitzlsperger. "Das Leben verändert sich dramatisch dadurch. Ich würde sagen: hauptsächlich positiv. Wenn es jemand machen will, braucht er ein gutes Netzwerk und Umfeld. Wenn man das hat, ist alles möglich."

"Es lohnt sich, mutig zu sein"

Hitzlsperger hatte seine Homosexualität als erster DFB-Nationalspieler 2014 öffentlich gemacht – allerdings erst nach seinem Karriereende (queer.de berichtete). "Wer den Schritt in die Öffentlichkeit wagt, wird eine Reaktion auslösen", sagte der ehemalige Bundesliga- und England-Profi. "Tags drauf wäre die nationale und internationale Presse am Trainingsplatz. Das kann die Mannschaft beflügeln, aber auch negativ beeinflussen."

Seit seinem Coming-out habe er fast ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. "Ich möchte anderen zeigen, dass das Leben hervorragend weitergehen kann. Was mir nämlich häufiger passiert, ist, dass Menschen die traurige Geschichte von mir hören wollen. Nach dem Motto: Das muss ja ganz schlimm gewesen sein, du hattest bestimmt Ängste, Depressionen und so weiter gehabt – was man halt reinschmeißt in den Topf. Da sage ich: Stopp!", meinte Hitzlsperger, der seinen Vertrag als Vorstandschef beim VfB Stuttgart nicht verlängern und den Verein im Herbst 2022 verlassen wird (queer.de berichtete).

Er hätte es "nie für möglich gehalten, dass ich einen Job im Fußball bekomme, also in keiner Funktion, die mit Profifußball zu tun hat", sagte der ehemalige Nationalspieler. "Aber es hat sich als falsch herausgestellt. Es ergaben sich ganz neue Möglichkeiten, die ich vorher nicht sehen konnte. Es lohnt sich, mutig zu sein."

Vorsichtige Kritik am DFB

Indirekt kritisierte Thomas Hitzlsperger im Interview mit der "Augsburger Allgemeinen" den Umgang des DFB mit der Fußball-WM im homofeindlichen Verfolgerstaat Katar "Mit einer eindeutigen Haltung des Verbandes, mit allen abgestimmt, zu Katar hat es bisher nicht geklappt", sagte der offizielle DFB-Botschafter der Vielfalt.

"Auf der Website des DFB findet man klare Aussagen zum Thema Menschenrechte und explizit auch zur WM in Katar. Wenn diese aber nicht von allen getragen werden oder nicht alle darüber informiert sind, wird's problematisch", so der ehemalige Nationalspieler. "Umso mehr muss man sich gut überlegen, wie man seine Position nutzt, wenn man in Katar ist und die ganze Welt darauf schaut." (cw/dpa)

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#1 AtreusEhemaliges Profil
  • 02.10.2021, 08:45h
  • Lieber Thomas, Menschen mit gesundem Wertesystem und integerem Charakter, die den des Rest Jahres Vielfalt und Respekt propagieren und emsig Regenbogenfähnchen zu den Stichtagen auf Twitter posten, käme es gar nicht in den Sinn eine WM in einem "Verfolgerstaat" auszurichten, bzw. an einer solchen teilzunehmen. Wer unfähig ist, das so klar auszusprechen und überdies versäumt die Verbandsentscheidungen während der vergangenen EM in aller Deutlichkeit zu kritisieren, sollte sich lieber gar nichts dazu äußern und sich schon gar nicht als Leitfigur zelebrieren. Alles andere ist nämlich nur "Gequatsche".
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#2 WadimAnonym
  • 02.10.2021, 09:01h
  • Fußball interessiert mich gar nicht, es sei Homophobie und Coming-out dort. Somit kann ich die Folgen eines Coming-out eines Spielers für ihn und auch für seine Mannschaft nicht ganz genau abschätzen.
    Aber ich vermute, dass viele Fans der gegnerischen Mannschaft sie beleidigen könnten, besonders im Ausland.
    Trotzdem ein Coming-out, am besten ein GRUPPEN Coming-out wäre sinnvoll und nötig.
    Je früher desto besser.
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#3 WadimAnonym
  • 02.10.2021, 09:06h
  • Antwort auf #1 von Atreus
  • Lieber Artreus,

    kritisierst du auch deinen (potenzieller) Arbeitgeber bzw. Chef*in?
    Nein? Dan "alles andere ist nämlich nur "Gequatsche"
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