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"Sonderzeichen" in der Schule

Verbot von Genderstern & Co. ist eine Katastrophe

Geschlechtergerechte Sprache muss auch im Sinne der Allgemeinbildung zur Selbstverständlichkeit werden, fordert der Bundesverband Queere Bildung in einer Stellungnahme zur aktuellen Diskussion.


In den Schulen von Sachsen und Schleswig-Holstein sollen Genderstern, Unterstrich oder Doppelpunkt nicht mehr genutzt werden (Bild: mohamed_hassan / pixabay / queer.de)
  • Von Bundesverband Queere Bildung
    3. Oktober 2021, 06:20h, 21 Kommentare

Ein Verbot von "Sonderzeichen" für geschlechtergerechte Sprache im Schulunterricht: nach Vorstößen in Sachsen und Schleswig-Holstein wird es jetzt an vielen Stellen diskutiert. Im Sinne von Antidiskriminierung und Allgemeinbildung ist ein solches Verbot eine Katastrophe.

Denn Geschlechtervielfalt gehört zu unserer Gesellschaft. Ob bewusst oder nicht: die meisten von uns kennen nichtbinäre Menschen, also Personen, die weder Mann noch Frau sind. Das gilt unabhängig von Wohnort, Bildungsgrad oder Arbeitsumfeld – denn Geschlechtsidentität ist keine Wahl und Menschen nicht anzusehen. Dass wir über Personen(gruppen) sprechen, deren Geschlecht wir nicht kennen, gehört zu unserem Alltag.

Inklusive Sprache ist kein Elitenhobby

Aber: Geschlechtsneutral zu sprechen, ist nach den bisher gelehrten Regeln in der deutschen Sprache kaum angelegt. Das Sprechen mit und über nichtbinäre Personen sogar noch weniger. Wo dazu aufgefordert wird, ausschließende und falsche Geschlechtszuschreibungen zu vermeiden, ist darum eine häufige Reaktion: wir möchten auf Diskriminierung verzichten, aber wie? Oder: wer versteht uns denn noch, wenn wir so schreiben?

Umso wichtiger, dass Schulen ein Lern- und Austauschort sein können. Darüber, was Sprache kann und was sie (noch) nicht kann. Denn nur wenn dieses Wissen früh und allgemein zugänglich ist, ist inklusive Sprache eine Selbstverständlichkeit und kein Elitenhobby.

Lerninhalte nicht verbieten

Unabhängig davon, was in Schulen gelehrt werden soll und muss, sollte es uns alle stutzig machen, wenn Lerninhalte verboten werden sollen. Besonders, wenn sie sich auf ein respektvolles Miteinander, Antidiskriminierung und Menschenrechte beziehen.

Als Bundesverband Queere Bildung fordern wir darum dazu auf, engagierten Lehrkräften und Schüler_innen die Freiheit zu geben, geschlechtliche Vielfalt auch auf sprachlicher Ebene zu thematisieren. Im Sinne flächendeckender und chancengleicher Bildung fordern wir außerdem dazu auf, Konzepte zu entwickeln, mit denen diese Inhalte nachhaltig in Lehrpläne und Lehrmaterial integriert werden sollen.



#1 FiBuAnonym
  • 03.10.2021, 09:54h
  • Den Argumentationsansatz verstehe ich nicht.
    Es werden eben keine Lerninhalte verboten, es wird lediglich auf bestehende Regeln der Rechtschreibung bestanden. Das ist doch ein himmelweiter Unterschied.
    Dass man seinen Herzenswunsch der inklusiven Sprache mit schweren Geschützen (Allgemeinbildungs- und Antidiskriminierungskatastrophe, Menschenrechte, respektvolles Miteinander) füttert, geschenkt, das kennen wir ja mittlerweile nicht mehr anders. Um Gehör zu finden wird ja mittlerweile alles zu einer Katastrophe hochstilisiert.
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#2 KaiJAnonym
  • 03.10.2021, 10:41h
  • Ein Verbot geschlechtergerechten Schreibens ist dem Sinn nach wie die Ausrufung LGBTIQ-freier Zonen in Polen. Das Patriachat unterdrückt weiter queeres Leben und beraubt es seiner Existenz. Ein Verbot oder die Drangsalierung geschlechtergerechter Sprache gehört deshalb ebenso vor den EuGH und mit Sanktionen belegt wie LGBTIQ-freie Zonen in Polen.
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#3 Erwin In het PanhuisAnonym
  • 03.10.2021, 10:59h
  • Antwort auf #1 von FiBu
  • Vollkommen richtig. Die Ablehnung einer genderangepassten Sprache ist keine Katastrophe, sondern lediglich eine Position. Eine Diskussion um gendergerechte Sprache ist wichtig, sollte dann aber auch alle Fälle problematisieren, die sich eben nicht einfach durch ein Sternchen lösen lassen. Dazu gehören u.a. die Probleme mit Umlauten (Koch/Köchin), die vielen Fälle, in denen sich nicht zwei Wörter fließend lesen lassen (jede/-r Lehrer/-in; Kolleg*in ) und Fälle, die genderangepasst nur noch absurd wirken (Erdmännchen, Rechtabbiegerinnenspur). Wie soll ich eine Formulierung wie Schüler*in als geschlechtergerecht empfinden, wenn damit zwei Geschlechter gemeint sind und weiterhin Menschen nicht angesprochen werden, die sich nicht im Geschlechterdualismus wiederfinden können?
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#4 TamakAnonym
  • 03.10.2021, 11:53h
  • "Gendergerechte" Sprache schafft in Wahrheit neue Benachteiligungen. Ich bin schließlich kein Köch, kein Rechtsanwält und auch kein Kund, genauso wenig wie ein Kolleg. Und Zeus ist kein römischer Gött.

    Wie wärs wenn man den Menschen einfach die Freiheit lässt zu gendern oder nicht zu gendern. Nur so ne Idee...
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#5 RäbchenAnonym
  • 03.10.2021, 11:54h
  • Von einigen Büchern habe ich verschiedene Ausgaben im Regal.
    Gesetzt in Fraktur, nach der alten Rechtschreibung, nach der neuen, überarbeitet um "modernen" Standpunkten gerecht zu werden...
    Falls ich jemals Enkel haben sollte werde ich in die Klassiker Zettel einlegen die darauf hinweisen daß Sprache, Positionen oder Verhaltensweise im historischen Kontext betrachtet werden müssen.

    Wobei ich bezweifele daß die in Fraktur nach mir noch jemand lesen (können/wollen) wird falls sie nicht eh direkt entsorgt werden. Schreiben kann es ja heute kaum noch jemand. Esperanto dito.

    Aber, einmal im Ernst, die diversen Möglichkeiten des Genders jucken mich weniger. Da haben wir ganz andere Probleme bei der Gleichstellung. Eine Baustelle nach der anderen bitte.
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#6 KaiJAnonym
  • 03.10.2021, 11:57h
  • Antwort auf #3 von Erwin In het Panhuis
  • Die Ablehnung gendergerechter Sprache kann schon hin zu einem Menschenrechtsverstoss gehen. Du scheinst die Diskussion der letzten Jahre auch auf queer.de nicht mitbekommen zu haben oder Dich ihr eher wohl zu verweigern. Die Beispiele, die Du hier so fleissig aufzählst, lassen sich einfach, von mir schon mal vorgeschlagen, lösen, in dem jeweils nur die feminine Schreibweise genommen, auf die Weise auch gesprochen wird und das Sternchen die Vielfalt der Geschlechter auch in der Sprechpause ausdrückt. Dass Du nicht einmal in einem queeren Medium die Bedeutung des Gendersternchens kennst und meinst behaupten zu können, es würde ausgrenzend eine Binärität festlegen, ist schon an Absurdität fast nicht zu überbieten.
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#7 WahrheitIstRelativAnonym
  • 03.10.2021, 12:22h
  • Antwort auf #3 von Erwin In het Panhuis
  • Mit Schüler*in sind nicht zwei Geschlechter gemeint, sondern alle! Schüler= männlich, in = weiblich, * = nichtbinär und alle Stufen/Varianten zwischen den schwarz-weiß Polen m+w.
    Ich weiß nicht, ob dass bei allen Wörtern angenehm wäre, vor allem bei jede*r, eine*r blöd zu lesen und zu sprechen. Aber muss das immer so konsequent sein? Wenn ich den Lehrkräften, man kann auch Lehrenden sagen, meiner Kinder eine Mitteilung schreibe,dann schreibe ich Sehr geehrte Lehrer*innen, denn ich weiß ja nicht umbedingt um die Identität aller. Ich setze damit ein Zeichen, dass ich Respekt vor den verschiedenen Personen habe und an nicht-binäre mitdenke. Ich finde das jede*r, eine*r, Erdmännchen*innen dann nicht so entscheidend und kann textlich auch dazu führen, dass keiner Lust hat, das zu lesen. Fällt mir an bestimmten Stellen was passendes ein, zB "Lehrende", dann nutze ich das. Weiß ich, dass das für alle Angeschriebenen unwichtig ist, mache ich es mir auch mal einfach und schreibe "die Lehrer". Ich kenne aber feministische Frauen, die so nicht angesprochen werden möchten. Das kann auch bei anderen Frauen der Fall sein, also lieber LehrerInnen. Weiß ich, dass eine Nichtbinäre Person dabei ist, was ja eher selten ist, dann nehme ich das alles genauer.
    Wieso muss mir das verboten werden, da "Möglichkeiten" zu nutzen, um alle mitzudenken und den Wunsch Anderer diesbezüglich ernst zu nehmen? Naja, als Mutter kann ich in diesem Fall eh machen, was ich will. Ich kann denen auch was mit lauter Rechtschreibfehlern schicken. Da kann keiner was machen, wenn die Mutter das so schreiben will. Aber zumindest die Option, dass man als Anrede Leute explizit miterwähnen möchte, darf nicht verboten werden. Das wäre so, als wenn ich Hallo Lehrer und Lehrerinnen sagen würde und mir dann jemand anordnet, ich dürfe nur Hallo Lehrer sagen.
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#8 Rainer WAnonym
  • 03.10.2021, 12:22h
  • Wenn man sich mal Türkisch oder Ungarisch anschaut, sieht man, dass die Sprache völlig geschlechtsneutral ist, gleichzeitig sind diese Länder aber viel frauen- und minderheitenfeindlicher als Deutschland. Diese "Gendersprache" hat also keinerlei Effekt. Es gibt Wichtigeres, wie z.B. dass nach wie vor Schwule in Berlin verprügelt werden. Widmen wir uns lieber damit und anderen echten Problemen.
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#9 KaiJAnonym
  • 03.10.2021, 12:25h
  • Antwort auf #4 von Tamak
  • Deine Idee, Du bringst Dich als ein allgemein sachlicher Köch, Rechtsanwält, Kund oder Köch in die Weiterentwicklung geschlechtergerechter Sprache ein, könnte sogar eine gute werden.
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#10 mind_the_gap
  • 03.10.2021, 12:34h
  • Ich schließe mich dem Statement des Bundesverbands Queere Bildung aus vollstem Herzen an.

    Was mich langsam, aber sicher richtig wütend macht, ist, dass gerade in einem queeren Medium unzählige Menschen immer wieder aufs Neue "argumentieren", dass die standardisierte Unsichtbarmachung von und somit Respektlosigkeit gegenüber nichtbinären Menschen unbedingt aufrechtzuerhalten sei.

    Ich bleibe dabei: Wer sich mit dem Thema auseinandersetzt und sich dazu entscheidet, NICHT gendergerechte Sprache zu verwenden, entscheidet sich für aktive Diskriminierung.
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