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Berlin

Schwule Operette mit "Liebeslied von Mann zu Mann"

Die Operetten-Ära ist längst passé. In Berlin wagen sich nun Künstler mit der "Operette für zwei schwule Tenöre" an eine Wiederbelebung – mit typischer Musik, aber ganz anderen Texten. Schwul und queer.


Die Tenöre Felix Heller (l.) und Ricardo Frenzel Baudisch übernehmen bei der Welturaufführung im Berliner BKA die Hauptrollen (Bild: BKA)
  • Von Gregor Tholl, dpa
    4. Oktober 2021, 07:37h 3 3 Min.

In einem Raum voller Nicht-Heterosexueller kann es beim "Liebeslied von Mann zu Mann" schon mal nachdenklich-still werden, denn der Song aus der neuen "Operette für zwei schwule Tenöre" holt viele im Publikum ab, die sich gewünscht hätten, als junger Mensch ein solches Liebeslied zu kennen. Das hätte das Lebensgefühl einfacher gemacht, als es in Medien noch keine oder wenig und dann meist negative Repräsentation für Leute gab, die das gleiche Geschlecht begehren. In dem Stück, das am Mittwoch (6.10.) seine Premiere im BKA-Theater in Berlin-Kreuzberg erlebt, geht es um ein Männerpaar, dessen Beziehungskrise in 16 Songs Revue passiert.

Direktlink | Teaser zur "Operette für zwei schwule Tenöre"
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"Es ist die Uraufführung der ersten queeren Operette der Welt", sagen die Macher. Die Schmacht-Walzer und Schlager tragen Titel wie "Liebe Grüße aus Berlin!", "Champagner von Aldi", "Wann fahr'n wir wieder zu Ikea?", "Gern hätte ich die Frau'n geküsst" oder "Mein Fetisch ist die Operette". Die Nummern sind eingängig, verführen zum Schunkeln und Schwelgen, doch überraschen auch in ihrer Thematik, wenn man auf den Text achtet: So geht es zum Beispiel auch um Analverkehr oder die eventuellen sexuellen Freiräume in einer Langzeitpartnerschaft.

Ein lang gehegter Traum von Johannes Kram

Vordergründig dreht es sich um Jan (Sänger: Felix Heller) und Tobi (Ricardo Frenzel Baudisch). Die Story und Texte über das Männerpaar können aber durchaus auch andere Menschen aus der Community berühren – und sogar Heteros.

Direktlink | Ein Song aus der Operette: "Ich steh total auf Jens Riewa"
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Die "Operette für zwei schwule Tenöre" ist ein lang gehegter Traum des Autors Johannes Kram, der 2016 für seinen Nollendorfblog für den Grimme Online Award nominiert wurde und ihn 2021 für seinen Podcast "Queerkram" gewann. Er schrieb zudem schon ein Theaterstück über abgründigen Boulevardjournalismus ("Seite Eins") und das analytisch-anklagende Buch "Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber… – Die schrecklich nette Homophobie in der Mitte der Gesellschaft".

Die Musik stamm von Florian Ludewig

Die Musik der Operette, die keine Scheu vor Pathos kennt, hat Florian Ludewig geschrieben, der einst auch die Melodien des Kleinkunst- und Chanson-Duos Malediva komponierte.

Die Operette will weder als Parodie noch als "Retro"-Imitation des Genres verstanden werden, sondern als ein Stück, das die stilistische Welt der kleinen Oper mit heutigen Themen füllt. Operette reloaded sozusagen – für Liebhaber des Genres ein Erweckungserlebnis.

Direktlink | Hauptdarsteller Felix fragt: Wie schwul ist Operette?
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Direktlink | Felix fragt: Was macht ein Landei im Darkroom?
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Infos zum Stück

Operette für zwei schwule Tenöre. Musik: Florian Ludewig. Buch, Liedtexte: Johannes Kram. Darsteller: Ricardo Frenzel Baudisch und Felix Heller sowie eine dreiköpfige Company (Tim Grimme, Tim Olcay, Pascal Schürken). Regie: Johannes Kram und Marco Krämer-Eis. Choreografie: Michael Heller. Chor: Lilly Sommerfeld. Kostüm: Cleo Niemeyer. Premie am 6. Oktober 2021 im Berliner BKA. Zunächst zehn weitere Termine bis 17. Oktober. Wiederaufnahme 2022 (19. bis 23. Januar, 26. bis 30. Januar und 02. bis 06. Februar)
-w-

#1 MichaKH
  • 04.10.2021, 21:06h
  • Die Aufführung wird bestimmt supertoll! Das versprechen auf jeden Fall die Titel, die es schon bei YouTube zu sehen gibt (oder hier im Artikel). Ich freue mich riesig darauf!
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#2 RuntAnonym
  • 05.10.2021, 10:44h
  • Die Operette wird sicher sehr schön und schmissig.

    Merkwürdig fand ich htrozdem das verlinkte Interview mit dem Geschäftsführer des SchwuZ, in dem das Angebot Berlins für schüchterne Landeier doch sehr auf das Partyangebot reduziert wird (und quasi im selben Atemzug die Angebote zu Suchtbekämpfung). Schwules Leben in der Großtstadt ist vielfältiger als das und die sozialen Angebote auch.
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#3 MichaKH
  • 11.10.2021, 11:35h
  • Antwort auf #1 von MichaKH
  • Es hat sich bestätigt (was mich nicht überrascht): Die Aufführungen der Operette für zwei schwule Tenöre waren phantastisch! Herzlichen Dank an die Darsteller Ricardo, Felix, Pascal, Tim und Tim - und natürlich an den Komponisten Florian, den Autor Johannes und das gesamte Team. Ihr habt etwas Einmaliges auf die Bühne gebracht!

    Meine Empfehlung: unbedingt anschauen!
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