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Kyrsten Sinema

Erste bisexuelle US-Senatorin wird zur meistgehassten Politikerin

Mit fragwürdigen politischen Entscheidungen hat sich das erste offen bisexuelle Mitglied in der 232-jährigen Geschichte des US-Senats ins Abseits manövriert – und wird aggressiv angegangen.


Kyrsten Sinema ist seit fast drei Jahren im 100-köpfingen US-Senat vertreten (Bild: Gage Skidmore / flickr)

Kyrsten Sinema schrieb 2018 Geschichte, als sie als erste Person in den US-Senat gewählt wurde, die offen über ihre Bisexualität spricht (queer.de berichtete). Die Demokratin aus Arizona ist inzwischen in aller Munde: Wegen ihrer Kritik an der demokratischen Parteilinie ist sie zur meistgehassten Politikerin unter Anhänger*innen der Biden-Partei geworden.

Grund ist Sinemas Blockade von billionenschweren Sozial- und Infrastrukturgesetzen. Dabei kommt es auf die Stimme der 45-Jährigen an: Da im Senat derzeit ein Patt zwischen republikanischer und demokratischer Fraktion herrscht und die Republikaner auf Fundamentalopposition setzen, ist Präsident Joe Biden auf alle 50 Senator*innen seiner Partei angewiesen.

Ihre Weigerung führte in der aggressiven politischen Atmosphäre der USA zu heftigen persönlichen Attacken. So wurde sie am Wochenende von Demonstrierenden in der Toilette der staatlichen Universität in Phoenix, in der sie bis heute als Dozentin arbeitet, verbal attackiert. Wütende Aktivist*innen skandierten, die Senatorin lasse ihre Unterstützer*innen im Stich, weil sie ein weniger ambitioniertes Sozialprogramm als der Rest der demokratischen Fraktion umsetzen wolle. Die Aktion begründeten die Aktivist*innen damit, dass Sinema keine Sprechstunden für ihre Wählerschaft anbiete und auch sonst nicht erreichbar sei. Später wurde ein Video der Aktion veröffentlicht.

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Bei ihrem Rückflug nach Washington am Montag musste sich Sinema erneut Kritik anhören: Dieses Mal ging eine Frau auf die Senatorin zu, die eine Reform der Einwanderungspolitik fordert. Aus einem von einer Bürgerrechtsorganisation veröffentlichten Video geht hervor, dass die Politikerin nur kurz auf die Aktivistin reagierte und sie dann ignorierte. Die Aktivistin erklärte unter anderem, sie habe Sinema 2018 in ihrem Wahlkampf als Freiwillige unterstützt.

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Eigentlich startete Sinema ihre politische Karriere am linken politischen Rand: Bis 2004 war die Sozialarbeiterin und spätere Rechtsanwältin Mitglied der Grünen, die in den USA politisch so gut wie keine parlamentarische Rolle spielen. Sie unterstützte etwa 2000 aktiv den Präsidentschaftswahlkampf des grünen Kandidaten Ralph Nader, der 2,7 Prozent der Stimmen erhielt – Demokraten beschuldigen Nader bis heute, dem eigenen Kandidaten Al Gore Stimmen geklaut und damit zum knappen Wahlsieg von George W. Bush beigetragen zu haben.

Seit 2004 Mitglied der Demokraten

2004 trat Sinema zur Demokratischen Partei über und engagierte sich unter anderem für die Ehe für alle und gegen die Todesstrafe. Sie legte eine Bilderbuch-Karriere als Abgeordnete hin: Ende 2004 wurde sie ins Repräsentantenhaus von Arizona gewählt, 2010 in den Senat von Arizona, 2012 ins US-Repräsentantenhaus und 2018 in den US-Senat.

Twitter / kyrstensinema | Kyrsten Sinema engagierte sich über Jahre für LGBTI-Rechte
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In Washington bewegte sie sich immer weiter nach rechts, was ihr im Senatswahlkampf am strukturkonservativen Staat Arizona zur Hilfe kam. Im US-Repräsentantenhaus fiel sie etwa durch eines der konservativsten Abstimmungsverhalten in der Demokratischen Fraktion auf. 2020 war sie laut Govtrack im US-Senat die konservativste Demokratin.

Zuletzt warfen ihr viele Gegner*innen auch Hörigkeit gegenüber Parteispender*innen vor. So erhielt sie kürzlich etwa 750.000 Dollar (650.000 Euro) von der pharmazeutischen Industrie. Nach der Spende erklärte sie, sie spreche sich gegen eine Initiative ihrer Fraktion aus, die zum Ziel hatte, die in den USA extrem hohen Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente zu senken.

Twitter / phxchamber | Kyrsten Sinema erhält auch viel Lob aus der Wirtschaft
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Sinema selbst inszeniert sich dagegen als unabhängige Politikerin, die nicht blind den Vorgaben der eigenen Partei oder Fraktion folgt. Ihre persönliche Inszenierung beinhaltet auch außergewöhnliche sportliche Leistungen: So hatte sie 2013 den Ironman-Triathlon absolviert und machte seither bei zahlreichen Marathon-Läufen mit. Sie hält bis heute den Rekord der Frauen im US-Kongress in der Disziplin des Drei-Meilen-Laufs. Zudem gilt sie derzeit als einziges nichtgläubiges Mitglied des Senats, was in den USA als fast noch exotischer angesehen wird als ihre Bisexualität.

Da sich Sinema erst Ende 2024 der Wiederwahl stellen muss, wird sie die amerikanische Bundespolitik mindestens noch weitere drei Jahre entscheidend mitbestimmen.



#1 SakanaAnonym
  • 05.10.2021, 12:52h
  • Echt schwierig....verfolge schon seit einiger Zeit, was Sinema und Manchin im geteilten Senat politisch anstellen und finde vieles davon seeehr schwierig. Allerdings scheint sie bei der Wahlbevölkerung in Arizona trotzdem Boden gut zu machen mit ihren Zustimmungswerten von insgesamt 46% wie ihr Amtskollege Senator Kelly.

    "Polling in Arizona suggests that Sinema is making up for her loss of support among Democrats with Republicans and independents. A poll by Phoenix-based OH Predictive Insights last month found that while Sinema is viewed negatively by nearly a third of Democrats in the state, her approval rating was 46 percent, about the same as her fellow Democratic senator, Mark Kelly. A Bendixen & Amandi International poll earlier this summer found similar results."

    www.politico.com/news/2021/10/05/sinema-arizona-democrats-co
    ngress-515108


    Entscheidend ist allerdings am Ende die Primary und da könnten LUCHA und andere Organisationen noch eine sehr große Rolle spielen.
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#2 AlsoAlsoAnonym
  • 05.10.2021, 17:12h
  • Attackiert wird die Frau also nicht wegen ihrer Bisexualität, sondern weil sie sich als Demokratin ausgibt, sich aber wie eine Trumpistin benimmt.

    "Eigentlich startete Sinema ihre politische Karriere am linken politischen Rand ..."

    Eine traurige, aber oft wiederholte politische Geschichte: Horst Mahler, Sahra Wagenknecht, Gerd Schröder ...
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#3 SakanaAnonym
#4 Gnurfel42Anonym
  • 05.10.2021, 19:33h
  • Ich habe die Videos gesehen und mir einen abgelacht. Die Geschichte geht noch weiter: Nur kurz später hat man sie noch im Flugzeug und im Flughafen behelligt, dazu aber von ihr nur betretendes Schweigen. Die hat so eine Aktion echt mal verdient. Das ist eine der mächtigsten Personen des Landes, die muss auch mal sowas aushalten. Ich hoffe, dass die Aktivisten nicht aufgeben und Erfolg haben werden.
    Oh, wichtig ist mir noch zu betonen, wegen ihrer Bisexualität wurde sie von den Aktivisten nie auch nur schief angeschaut. Das bringen die Videos einfach nicht hervor. Es geht anscheinend nur um ihre Politik.
    Eigentlich sollten die Aktivisten sich auch mal die 50 Republikaner, die das blockieren, vorknöpfen. Einen nach den anderen. Nicht, dass ich glaube, dass das die umstimmen würde, es geht mir mehr ums Prinzip. Politiker, die ein Land bewusst und mit Ansage ruinieren, sollten sich einfach an jedem Tag Scheiße fühlen.

    Dieser Infrastrukturplan ist sehr populär und bitter nötig, ist aber aufgrund des politischen Systems schwer durchzusetzen. Der US-Senat ist demokratisch gesehen großer Mist, denn auf einen US-Staat kommen immer exakt 2 Senatoren, egal, wie groß der Staat ist, und das führt natürlich zu krassen Zerrbildern.

    Ich finde die Schlagzeile ziemlich tendentiös, da zuerst der Eindruck entsteht, hier waren wieder Queerfeinde unterwegs.
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