Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?40155

"Sexuelle Orientierung nicht so vielfältig sichtbar"

Studie: Deutsches Fernsehen nicht divers genug

Wen sieht man im Fernsehen? Eine Studie sah vor vier Jahren einen großen Unterschied zwischen Mann und Frau in den Programmen. Frauen waren unterrepräsentiert. Jetzt bescheinigt die Folgestudie einige Verbesserung, aber sie legt den Finger in eine andere Wunde.


Noch immer sind nur wenige Figuren im deutschen Fernsehen queer – wie hier in der lesbischen ZDF-Serie "Loving Her" (Bild: ZDF / Marcus Glahn)

Die Wissenschaftlerin bringt es etwas zynisch auf diesen Nenner: Immer noch sehe man im Fernsehen überwiegend weiße Männer ohne Migrationshintergrund, die nicht behindert sind und keine homosexuelle Orientierung haben. Immerhin seien aber alle Altersgruppen dabei. "Also nicht nur alte Männer", sagt Elizabeth Prommer von der Universität Rostock. Sie stellte am Dienstag eine Studie (PDF) zu Geschlechterverhältnis und Diversität im TV-Programm vor.

Vier Jahre ist es her, dass ein Netzwerk, an dem sich auch TV-Sender finanziell beteiligten, die Studie der Uni Rostock initiierte. Zu dem Netzwerk zählt auch wesentlich die MaLisa Stiftung von Schauspielerin Maria Furtwängler und ihrer Tochter Elisabeth. Die Uni machte repräsentative Stichproben im Fernsehen zum Geschlechterverhältnis Mann – Frau.

Die Folgestudie wurde nun am Dienstag in Berlin präsentiert. Es kam eine wichtige Erweiterung hinzu: Die Macher*innen haben auch Diversität im TV in den Blick genommen. Also: Werden zum Beispiel im Verhältnis des Anteils in unserer Gesellschaft entsprechend Menschen mit einer Behinderung genauso häufig im Programm gezeigt, oder Leute, die eine Migrationsgeschichte haben?

Licht und Schatten

Es gibt Licht und Schatten bei den Ergebnissen. Das Geschlechterverhältnis ist demnach weiterhin unausgewogen. Auf eine Frau kommen über alle TV-Programme hinweg nach wie vor rund zwei Männer. Aber die Studienmacher*innen sehen positive Entwicklungen. So sei das Geschlechterverhältnis in den fiktionalen TV-Produktionen nahezu ausgewogen. Zugleich gebe es eine große Ungleichheit in der Moderation von Quizshows. Und die Studie kommt auch zu diesem Ergebnis: "Behinderung, sexuelle Orientierung, Migrationshintergrund und Zuschreibungen der ethnischen Herkunft sind nicht so vielfältig sichtbar, wie in der Bevölkerung verteilt."


Queere Figuren sind in fiktionalen Programmen noch immer eine Seltenheit

Öffentlich-rechtliche und private Sender sehen die Ergebnisse auch als Ansporn für ihre Häuser. Einhellige Meinung in einer Panel-Diskussion: Wir müssen im Programm diverser werden.

ARD-Chefin: "Wir sind nicht divers genug"

Die Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) und nächste ARD-Vorsitzende, Patricia Schlesinger, sagte in einer Gesprächsrunde mit anderen Senderchefs in Berlin: "Wir sind nicht divers genug".

Der für den Bereich Entertainment zuständige Geschäftsführer der Seven.One Entertainment Group bei ProSiebenSat.1, Henrik Pabst, betonte: "Bei der Diversität muss viel mehr gemacht werden".

ZDF-Intendant Thomas Bellut führte aus: "Wenn man als moderner Sender erfolgreich sein will, muss diese Gesellschaft komplett abgedeckt werden".

Der Geschäftsführer von RTL Television, Henning Tewes, nannte aus seinem Sender die preisgekrönten Formate "Prince Charming" und "Princess Charming", bei denen homosexuelle Kandidat*innen die Liebe fürs Leben suchen. Tewes sagte: "Weil es erfolgreich ist, ist es dann irgendwann kein Leuchtturm mehr, sondern wird zur Normalität." Auf diese Art und Weise müsse man weiter gehen.



#1 ElfolfProfil
  • 05.10.2021, 18:46hHamburg
  • Mich wundert das gar nicht. Drehbuch AutorInnen erleben kaum LGBT, PoC oder Behinderte in ihrem Alltag, die ihnen Ideen für Figuren der Handlung liefern können. Wenn denn mal jemand vorkommt wird die Rolle gleich wieder überzeichnet und mit Klischees aufgeladen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Gnurfel42Anonym
  • 05.10.2021, 22:19h
  • Und Asexuelle sind in der Statistik bei exakt 0,0%. Leider keine große Überraschung. :-(
    Genauso wie alle anderen, die irgendwo im asexuellen Spektrum sind. Kein Wunder, dass ich für meine Selbsterkenntnis so ewig gebraucht habe. Unsere Kultur ist halt schon immer noch sehr allonormativ, den meisten ist das auch nicht bewusst bzw. wissen nicht, was das Problem damit ist.

    Ich hab ja schon mit geringen Zahlen bei den anderen gerechnet, aber das hat mich doch überrascht. Außer bei den Asexuellen.
    Lustig ist ja, dass die Rechten schon bei diesen lächerlich geringen Zahlen schon anfangen, zu weinen. Wobei, es sind ja nicht nur die Rechten.

    Das TV an sich ist mir eigentlich egal, ich kucke seit Jahren kein TV mehr, zu langweilig und zentralgesteuert. Aber die Studie zeigt ja mehr ein generelles kulturelles Problem auf, ist ja nicht nur TV.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 DQ24Anonym
  • 06.10.2021, 18:16h
  • Das Problem sind nicht DrehbuchautorInnen, denen nichts zu queeren Themen einfällt (ganz im Gegenteil!), sondern Sender und Produzenten, die den Mainstream der heterosexistischen Welt bedienen wollen, weil sie glauben, dass ZuschauerInnen nur das sehen wollen.
  • Antworten » | Direktlink »