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Berlin

Kein Platz für queere Schätze

Durch eine großzügige Schenkung erhält Berlin endlich einen Ersatz für die 1933 zerstörte Bibliothek des Instituts für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld – doch die Öffentlichkeit bekommt die wertvollen Bücher und Forschungsunterlagen nicht zu sehen.


Das Institut für Sexualwissenschaft nach der Plünderung und Verwüstung durch die Nationalsozialisten (Bild: Bundesarchiv)
  • 6. Oktober 2021, 04:20h, noch kein Kommentar

Berlin erhält ein großes Geschenk – aber es kann noch nicht ausgepackt werden: Die Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur von Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma hat der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft eine umfangreiche Bibliothek zur Geschichte der Sexualwissenschaft geschenkt – eine Sammlung, die den eigenen Bestand der Gesellschaft nahezu verdoppelt und überaus wertvolle Bücher enthält. Dazu gehören zwei Schriften von Karl Heinrich Ulrichs (1825-1895) mit eigenhändigen Notizen, dem "ersten Schwulen der Weltgeschichte", wie ihn der Frankfurter Sexualwissenschaftler Prof. Dr. Volkmar Sigusch genannt hat.

Es handelt sich dabei um die größte Sammlung zur Geschichte der Sexualtität(en) und der Sexualwissenschaft in Deutschland. Die Bücher konnten zwischen 1985 und 2002 mit einer großzügigen Zuwendung der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur für die Bibliothek des Frankfurter Instituts für Sexualwissenschaft (1973-2006) von Volkmar Sigusch erworben werden. Seit der Schließung des Frankfurter Instituts befanden sie sich in der persönlichen Obhut von Professor Sigusch. Mit dem Schenkungsvertrag vom 12. August.2021 wurde der gesamte Bestand der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft in Berlin übereignet und von ihr am 4. Oktober übernommen.

Umfangreiche Forschungsunterlagen von Prof. Sigusch


Archivbild: Volkmar Sigusch, Jahrgang 1940, gründete 1972 das Institut für Sexualwissenschaft am Universitätsklinikum Frankfurt und war bis zur Schließung 2006 dessen Direktor

Aus dem privaten Besitz von Volkmar Sigusch konnte die Gesellschaft zusätzlich eine große Zahl weiterer Bücher erwerben, dazu kommen – ebenfalls als Geschenk – umfangreiche Forschungsunterlagen, die Professor Sigusch im Zuge seiner zahlreichen Arbeiten zur Geschichte der Sexualwissenschaft gesammelt hat, und eine Sammlung seiner eigenen Publikationen.

Berlin erhält damit endlich einen Ersatz für die 1933 zerstörte Bibliothek des Instituts für Sexualwissenschaft von Dr. Magnus Hirschfeld. Die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft würde diesen Schatz gern auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich machen. Aber das ist nicht möglich: Derzeit fehlen die Räume für eine Erweiterung der Bibliothek. Schlimmer noch: Die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft muss ihre Räume im Zentrum Berlins im kommenden Jahr verlassen, weil das Gebäude für ein Bundesministerium umgebaut werden soll.

Wenn es der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft nicht gelingt, in allernächster Zeit bezahlbare und gut erreichbare Räume für ihre Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft zu finden, müssen nicht nur die Geschenke der Hamburger Stiftung und von Prof. Sigusch eingelagert werden, sondern auch die umfangreichen eigenen Bestände. Zahlreiche — auch internationale —Forschende werden dann für ihre Projekte keinen Zugang zu den Materialien haben. (cw/pm)