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Sachsen

Auch Homophobie-Vorwürfe gegen "Westin Leipzig"

Der Musiker Gil Ofarim durfte mit Davidstern nicht in das Leipziger "Westin" einchecken. Nun berichtet Patricia Kellys Manager Piero Vecchioli, er sei im selben Hotel als "Drecks-Schwuchtel" beschimpft worden.


Das "Westin Leipzig" wurde 1983 als "Interhotel Merkur" eröffnet. Seit 2003 gehört das Haus mit 436 Zimmern auf 27 Etagen zur Starwood-Kette (Bild: Frank Vincentz / wikipedia)

Das Leipziger Hotel "Westin" kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Nachdem der Musiker Gil Ofarim auf Instagram von einem antisemitischen Vorfall berichtete, erklärte der Musikmanager Piero Vecchioli gegenüber RTL, er sei im selben Hotel vom Manager als "Drecks-Schwuchtel" beschimpft worden.

Beschwerde über dreckiges Zimmer


Piero Vecchioli mit Patricia Kelly (Bild: davide_macri_peeza / instagram)

Der homophobe Vorfall soll sich am 4. Juni 2020 ereignet haben. Vecchioli, der u.a. Patricia Kelly und Daniele Negroni vertritt, habe sich damals im "Westin" über sein Zimmer beschwert. So habe er fremde Haare auf dem Bett gefunden, außerdem sei der Abfluss im Bad verstopft gewesen.

Der Hotelmanager sei schließlich persönlich gekommen und habe "an die Türe gepoltert", so der Musikmanager in einer schriftlichen Stellungnahme. "Als ich öffnete, schaute er mich von oben bis unten an und sagte: 'Wegen dir, du Drecks-Schwuchtel bin ich jetzt hier raufgekommen?'" Der gebürtige Schweizer solle "so schnell wie möglich in das Scheiß-Land zurück reisen", wo er herkomme.

Nach einer Beschwerde beim Hauptsitz der Hotelkette erhielt Vecchioli anstelle der erhofften Entschuldigung ein Hausverbot. "Durch Ihr Verhalten am 4. Juni 2020 gegenüber unseren Mitarbeitern haben Sie den Hotelbetrieb nachhaltig gestört", zitiert RTL aus einem Schreiben an Piero Vecchioli. "Das können wir nicht länger hinnehmen. Wir sehen uns deshalb gezwungen, Ihnen für unser Hotelgebäude […] unbeschränktes Hausverbot zu erteilen."

Gil Ofarim sollte seinen Davidstern einpacken

Die Antisemitismus-Vorwürfe von Gil Ofarim gegen das "Westin Leipzig" haben am Dienstag zu einer Welle der Empörung und Solidarität geführt. In einem auf Instagram veröffentlichten Video berichtet der Musiker, dass ein Hotelmitarbeiter ihn aufgefordert habe, seine Kette mit einem Davidstern einzupacken. Erst dann dürfe er einchecken.

Zuvor sei am Hotelempfang wegen technischer Probleme eine lange Schlange entstanden. Ofarim sagte, er habe sich eingereiht – mit seiner Davidstern-Kette um den Hals. "Das steht mir zu. Mache ich schon mein Leben lang", sagte Ofarim im Video. Immer wieder seien Personen vorgezogen worden. Als er nach 15 Minuten an der Reihe gewesen sei, habe er gefragt, was das solle. Der Hotelmitarbeiter habe ihm die Antwort gegeben: "Um die Schlange zu entzerren", dabei habe Ofarim ja selbst darin gestanden. Daraufhin habe "irgendeiner aus der Ecke" gerufen, dass er seinen Stern einpacken solle. Auch der Hotel-Mitarbeiter habe gesagt: "Packen Sie Ihren Stern ein."

Polizei-Sprecher nennt Aussage "klar antisemitisch"

Olaf Hoppe, Sprecher der Leipziger Polizei, sagte, dass die mutmaßliche Aussage des Hotelangestellten für ihn "klar antisemitisch" sei. Die Polizei werde Inhalte des Videos an die Staatsanwaltschaft weiterleiten, die eine strafrechtliche Relevanz prüfe. Je nach Ergebnis werde dann weiter ermittelt oder nicht.

Ofarim selbst wollte sich zu dem Vorfall am Dienstag auf dpa-Anfrage zunächst nicht äußern. Laut seinem Management erwägt er, eine Strafanzeige zu stellen. Bisher habe es keine offizielle Entschuldigung seitens des Hotels gegeben. Er müsse die Vorkommnisse in Leipzig erst einmal verdauen und sei sichtlich schockiert. "Heute wäre der Geburtstag seines Vaters gewesen, deshalb möchte er zu diesem Thema auch erst einmal keine weiteren persönlichen Interviews geben", hieß es. Der Tag sei generell schon schwer genug für ihn. Man bitte um Nachsicht und Verständnis.

Hotel beurlaubt "die betreffenden Mitarbeiter"

Die "Bild"-Zeitung und die "Leipziger Volkszeitung" berichteten, dass das Hotelmanagement "die betreffenden Mitarbeiter" beurlaubt haben soll. Beide Zeitungen zitierten eine Hotelmanagerin mit den Worten, dass Antisemitismus nicht entschuldbar sei und in dem Hotel nicht geduldet werde. Auf Instagram postete das Hotel ein Bild mit Mitarbeiter*innen, die ein Transparent mit Israelflagge und Halbmondsymbol halten.

Zahlreiche Nutzer*innen in den sozialen Medien zeigten sich schockiert. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, schrieb in einem Statement beim Kurznachrichtendienst Twitter, dass die Anfeindung erschreckend sei. Es sei zu hoffen, dass das Hotel personelle Konsequenzen ziehe. Er hoffe ebenso, "dass wir künftig auf Solidarität treffen, wenn wir angegriffen werden." In einem weiteren Tweet hieß es zum Transparent: "Eine angemessene Reaktion sieht anders aus!"

Twitter / ZentralratJuden
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Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes sprach von einem "unfassbaren Fall von Antisemitismus" und einem Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). "Eine rasche Antwort des Hotels ist überfällig. Aus unserer Sicht kann das nicht folgenlos bleiben", schrieb die Bundesstelle auf Twitter.

Solidaritätskundgebung vor dem Hotel

Die Vorsitzende des Förderkreises Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Lea Rosh, sagte laut Mitteilung, dass dem Musiker die uneingeschränkte Solidarität des Vereins gelte. "Juden waren in Deutschland schon mal in Hotels unerwünscht. Das war 1933. Wir fordern eine lückenlose Aufklärung und personelle Konsequenzen."

Am Dienstagabend nahmen Hunderte Menschen an einer Solidaritätskundgebung mit Jüd*innen in Deutschland vor dem Hotel teil, zu der das Bündnis "Leipzig nimmt Platz" aufgerufen hatte. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl zunächst auf den "mittleren dreistelligen Bereich", wie eine Sprecherin sagte. (cw/dpa)



#1 mind_the_gap
  • 06.10.2021, 06:28h
  • In der bisherigen Reaktion des Hotels auf den unerträglichen Ofarim-Vorfall heißt es laut verschiedenen Quellen, "Das Unternehmen versuche, Ofarim zu kontaktieren, um herauszufinden, was passiert sei."

    Allein das ist schon reichlich absurd und auch unverschämt. Immerhin hat Gil in seinem Instagram-Video sehr klar geschildert, was passiert ist. Was soll er dem Hotel also sagen, wenn nicht genau dasselbe?

    Das Hotel stellt sich inzwischen dumm und "will erst einmal herausfinden, was passiert ist". Das passt zur Aussage eines AfD-Politikers, die ich gelesen habe, der "das Ganze erst glauben würde, wenn der Westin-Mitarbeiter befragt wurde". Dreimal dürfen wir raten, wem dann mehr geglaubt werden wird?

    Im übrigen finde ich reichlich erschreckend, dass sich offenbar keine einzige der weiteren Personen, die zu dem Zeitpunkt anwesend waren (immerhin gab es beim Check-in eine Warteschlange) für Gil eingesetzt hat. Man darf gespannt sein, ob eine dieser Personen als Zeug_in bereitstehen wird, um Gils Aussage zu bestätigen, oder ob sie alle feige oder gar zustimmend schweigen.

    Was hier im Artikel geschildert wird, wundert mich in dem ganzen Zusammenhang überhaupt nicht. Offenbar ist der Manager (und nicht nur irgendein "Herr W." von der Rezeption) sowohl homo- als auch xenophob und erteilt also ausländischen Schwulen Hausverbot.

    Wenn man mal generell bedenkt, wozu und für wen es Hotels überhaupt gibt, kommt mir so ziemlich die Galle hoch. Eine Niederlassung einer internationalen Hotelkette in Deutschland will anscheinend nur "biodeutsche" Christ_innen als Gäste? Oder wie dürfen wir es sonst verstehen, dass offenbar weder Juden noch Schwule noch Ausländer erwünscht sind? Ich wiederhole: in einem internationalen Hotel?

    Deutschland von seiner dunkelsten Seite. Nicht 1933, sondern 2021. History repeating.
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#2 WahrheitIstRelativAnonym
  • 06.10.2021, 07:40h
  • Ich kenne es meist so, dass Mitarbeiter*innen sich so oder anders unfreundlich aufführen, weil der*die Chef*in eben genauso ist und das vorlebt. Deshalb fühlen sie sich in ihrem Verhalten sicher, sonst würden sie sich das nicht trauen. Beschwerde bei dem*der Chef*in also sinnlos.
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#3 Nachdenken_007Anonym
  • 06.10.2021, 07:45h
  • Irgendwie bricht hier eine Massenhysterie aus und eigentlich weiß keiner, was genau passiert ist. Es gibt "nur" eine Aussage von Gil Ofarim die, wenn es denn wirklich genau so war, ein ungeheuerlicher Vorfall ist und mit nichts und von keinem zu entschuldigen ist! Es sollte aber auch von Gil Ofarim eine offizielle Aussage/Strafanzeige bei der Polizei (vielleicht nicht gerade in Sachen) gemacht werden, damit die Sache "Hand und Fuß" hat. Das Hotel hat meiner Meinung nach auch ein Recht darauf vom Hotelgast zu erfahren, was genau passiert ist. Nur dann kann es auch die entsprechenden Maßnahmen einleiten. Diese 10 Minuten sollte sich Gil Ofarim schon Zeit nehmen. Ansonsten halte ich hier irgendwelche plötzlich aufpoppende Aussagen wie "vor einem Jahr wurde ich in dem Hotel vom Hotelmanager als Schwuchtel bezeichnet" nicht gerade als seriös. Typische Trittbrettfahrer, die mal wieder einen Furz loslassen wollen ...
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#4 AndiAnonym
  • 06.10.2021, 07:53h
  • Wenn man sich die Wahlergebnisse der Bundestagswahl anschaut, dann wundert einen nichts mehr über diesen östlichen Landstrich in Deutschland. Da ist der Name Dunkeldeutschland noch Programm. Beschämend aber doch Realität.
    Für mich sind das keine Gegenden, wo ich mich unbedingt aufhalten müsste.
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#5 CudracAnonym
  • 06.10.2021, 08:00h
  • Antwort auf #3 von Nachdenken_007
  • Eine Anzeige wegen antisemitischer oder homophober Diskriminierung in Sachsen? Du bist mutig... Und die Frage ist dann nur ob die Staatsanwaltschaft direkt wegen mangeldem öffentlichen Interesses einstellt oder erst ein paar Wochen so tut als ob ermittelt wird...
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#6 goddamn liberalAnonym
#7 Ronny12Anonym
  • 06.10.2021, 08:11h
  • Antwort auf #4 von Andi
  • Du meinst den Wahlkreis in dem der Linke Direktkandidat gewonnen hat und die Grünen die meisten Zweitstimmen hatten? Da würden mich die Ergebnisse deines Wahlkreises interessieren, vielleicht kann ich dann auch meine Rückschlüsse ziehen.
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#8 NevermindAnonym
  • 06.10.2021, 08:42h
  • Wenn eine lange Schlange entstanden war wegen eines Computers, war das sicher eine Stress-Situation für die Beteiligten. Vielleicht ist es da auch zu irgendwelchen Missverständnissen gekommen. Einen Hotelgast antisemitisch zu beleidigen, das ist doch auch höchst unprofessionell. Was sollte so etwas bringen ausser erwartbar riesigen Ärger? Die Gäste respektvoll und freundlich zu behandeln zu behandeln ist doch das A und O des Jobs an der Rezeption. Wenn die Vorwürfe zutreffen, sind strenge Konsequenzen unvermeidlich. Zeugen müsste es ja genügend geben. Ich bin gespannt, wie diese Geschichte ausgeht.
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#9 AndiAnonym
  • 06.10.2021, 09:30h
  • Antwort auf #7 von Ronny12
  • Du meinst den Wahlkreis von Tessa Ganserer? Bitte, gerne. Nur haben wir drumherum keine AfD-Bastionen. Das ist in Sachsen und inzwischen leider auch Thüringen schon anders. Die Hotel-Beschäftigten samt Geschäftsleiter müssen ja nicht zwingend im Wahlkreis leben, in dem sie arbeiten.
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#10 BertoltAnonym
  • 06.10.2021, 09:35h
  • Ich halte die Schilderung von Gil für glaubhaft und das Hotel muss hier scharfe Konsequenzen ggü den Mitarbeitern ziehen und diese entlassen. Diskriminierendes Verhalten ggü. Gästen ist ein absolutes No-Go.

    Ob man von einem generellen Problem in dem Hotel sprechen kann weiß ich nicht: Mein Mann und ich haben dort im Januar 2018 unser "Upgrade" ("Umschreibung"?) von Lebenspartnerschaft auf Ehe gefeiert und das war alles prima.
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