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Südafrika

Anti-Apartheids-Ikone und Kämpfer für LGBTI-Rechte: Desmond Tutu wird 90

Der Friedensnobelpreisträger engagiert sich nicht nur gegen Rassismus, sondern kämpft mit gleichem Einsatz auch gegen LGBTI-Feindlichkeit.


Desmond Tutu beim evangelischen Kirchentag 2007 in Köln (Bild: Raimond Spekking / wikipedia)

Die südafrikanische Anti-Apartheid-Ikone Desmond Tutu wird am Donnerstag 90 Jahre alt. Der emeritierte Erzbischof gilt auch im hohen Alter noch als die moralische Stimme seines Landes. Dabei setzt er sich auch seit Jahren für queere Rechte ein: "Ich kämpfe gegen solche Ungerechtigkeit mit der selben Leidenschaft, mit der ich gegen Apartheid kämpfe", sagte der Würdenträger etwa 2013 bei einer UN-Kampagne gegen Homophobie. Ganz anders als seine anglikanische Mutterkirche, die insbesondere in Afrika immer wieder gerne Stimmung gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten macht.

Auch politisch setzte er sich für LGBTI-Rechte ein: 2012 kritisierte Tutu etwa ausdrücklich ein Anti-Homosexuellengesetz in Uganda – mit beeindruckenden Worten: "Meine Brüder und Schwestern, Ihr wart solidarisch mit den Menschen, die wegen ihrer Hautfarbe unterdrückt wurden. Wenn Ihr aufrichtig sein wollt vor dem Herrn, müsst Ihr auch für diejenigen Menschen da sein, die für etwas unterdrückt werden, für das sie nichts können: ihre sexuelle Orientierung" (queer.de berichtete).

Trotz gelockerter Covid-Maßnahmen finden die Geburtstagsfeierlichkeiten in Südafrika jedoch gedämpft und größtenteils virtuell statt. Der als heiter und energetisch bekannte Friedensnobelpreisträger mit dem gewinnenden Lächeln trat zuletzt nur noch selten in der Öffentlichkeit auf.

Zuletzt zeigte sich Tutu seinen Landsleuten im Mai, als er gemeinsam mit seiner Frau Leah die Covid-Impfung erhielt. Im Rollstuhl sitzend winkte er in die Kameras – ein Bild, das nur schwer mit dem lebhaften Mann zu vereinbaren ist, der einst die Welt mit seiner scharfen Kritik an Südafrikas Apartheid-Regime in seinen Bann zog.

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Tutu, am 7. Oktober 1931 in Klerksdorp nahe Johannesburg geboren, wurde im Alter von 30 Jahren zum anglikanischen Priester geweiht, nachdem er zunächst als Lehrer gearbeitet und unter anderem am Londoner King's College Theologie studiert hatte. 1976 wurde er zum Bischof von Lesotho ernannt, zwei Jahre später führte er als erster Schwarzer Generalsekretär den Südafrikanischen Kirchenrat an.

Seine offen lesbische Tochter Mpho Tutu-van Furth berichtete im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP von der Wut ihres Vaters über den Alltagsrassismus, den er in Südafrika während der Apartheid erfuhr. So habe Tutu während einer Autofahrt an einem heißen Tag für seine Kinder Eis kaufen wollen. Als ihm gesagt wurde, dass Schwarze nicht im Laden, sondern nur am Hinterfenster bedient würden, "stürmte mein Vater wütend da raus". "Wir haben an dem Tag kein Eis bekommen."

Tutu erhielt 1984 den Friedensnobelpreis

1984 bekam Desmond Tutu den Friedensnobelpreis für seine Opposition gegen das Apartheid-Regime in Südafrika verliehen. Im selben Jahr wurde er der erste Schwarze Bischof von Johannesburg und forderte ein Embargo gegen die Regierung der weißen Minderheit. Zwei Jahre später wurde er der erste Schwarze Erzbischof Kapstadts sowie Primas der Anglikanischen Kirche des Südlichen Afrikas.

Eine seiner wichtigsten Aufträge erhielt Tutu nach dem Ende der Apartheid. Ab 1996 führte er die Wahrheits- und Versöhnungskommission an, die öffentliche Anhörungen zu den Gräueltaten während der Apartheid abhielt. Der Bischof wurde in dieser Zeit zu einer Stimme der Versöhnung, prägte den Ausdruck "Regenbogennation" für Südafrika. Er glaubte daran, dass sein Land der Welt einen neuen Weg zur Überwindung von Konflikten zeigen könne.

Für die Mächtigen immer unbequem

Seine Botschaft der Versöhnung hielt Tutu nicht davon ab, weiter Missstände anzuprangern, was ihn bis heute bei großen Teilen der südafrikanischen Bevölkerung beliebt macht. Neben seinem Kampf gegen LGBTI-Feindlichkeit legte er sich wegen großzügiger Bezüge von Ministern mit dem damaligen Präsidenten Nelson Mandela an und wurde nicht müde, die unter Ex-Präsident Jacob Zuma grassierende Korruption zu kritisieren. Vor sieben Jahren erklärte er, den seit Ende der Apartheid in Südafrika regierenden African National Congress (ANC) nicht mehr wählen zu wollen.

Twitter / TheDesmondTutu | Desmond Tutu engagiert sich auch für besseren Klimaschutz
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William Gumede vom der Stiftung Democracy Works schreibt Desmond Tutu eine "einzigartige Rolle" in Südafrikas Geschichte zu. "Wir hatten während des Übergangs Glück, ihn und Mandela zu haben, diese beiden Staatsmänner, die moralische Anführer waren", sagte Gumede. Doch diese Ära neigt sich dem Ende zu. "Wir stehen am Anfang einer Zeit, in der wir diese wirklich großen moralischen Persönlichkeiten nicht mehr haben", sagt Gumede.

Desmond Tutus Botschaft der Versöhnung kommt bei einigen jüngeren Südafrikaner*innen schon jetzt nicht mehr an. Sie haben das Gefühl, dass Schwarze während des Übergangs zur Demokratie zu großzügig waren, ohne die Täter der Apartheid zur Rechenschaft gezogen zu haben.

Am Donnerstag feiern die Südafrikaner*innen ihren Bischof trotzdem: Bei einer von der Desmond und Leah Tutu Legacy Foundation veranstalteten Online-Vorlesung, bei der unter anderem der Dalai Lama sprechen wird, sowie in der St. George Cathedral von Kapstadt, von deren Kanzel aus Tutu einst seine Predigten gegen Ungleichheit und Rassismus hielt. (AFP/dk)



#1 Ana NymAnonym
  • 07.10.2021, 10:19h
  • Es ist gut auch so positive Nachrichten zu lesen.
    Und es ist immer wieder wichtig zu lesen wie sehr ein bekannter und engagierter Mensch Einfluss nehmen kann.

    Südafrika hat, im Gegenteil zu Deutschland (CDU/SPD regiert) Schutzrechte für LGBTIQ+ in seiner Verfassung verankert.

    Ein Lichtblick in dem überwiegend queer-unfreundlichen bis queer-feindlichen Afrika.

    Schade, dass sein Einfluss nicht weit über Südafrika hinausreicht. Auch angesichts der jeweiligen Geschichte der afrikanischen (Exkolonie-)Staaten.

    Die Menschen sollten eigentlich wissen, was Unfreiheit und Verfolgung bedeuten kann. Außerdem sind es Regeln die die "Kolonialherren" den Völkern übergeholfen haben.
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#2 FelixAnonym
  • 07.10.2021, 16:57h
  • Schade nur, dass Desmond Tutu sich widerholt antisemtisch geäußert hat (verpackt als "Israelkritik").
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