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Wende im Prozess

Getöteter schwuler Pastor: Angeklagter beschuldigt anderen Sexarbeiter

Im seit Frühjahr laufenden Prozess um die Tötung eines 77-jährigen schwulen Pastors hat der Angeklagte erstmals die Beteiligung an der Tat zugegeben. Die Hauptschuld trage aber ein anderer.


Warum musste Reinhold Zuber letztes Jahr sterben? (Bild: Polizei Berlin)

  • 7. Oktober 2021, 12:18h - 3 Min.

Im Prozess um die Tötung des 77-jährigen schwulen Pastors Reinhold Zuber vor 15 Monaten hat der Angeklagte seine Version des Tatgeschehens geändert: Beim Mordprozess vor dem Landgericht Berlin sagte der 21-jährige rumänische Sexarbeiter Vandam G. laut "Spiegel" aus, dass ein bislang unbekannter weiterer Sexarbeiter namens Vasile E. die Tat begangen habe. Er schäme sich aber dafür, dass er an der Tötung des Pastors beteiligt gewesen sei, so Vandam G. in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung.

Rückblick: Der Theologe war am 4. Juli 2020 tot in seiner Moabiter Wohnung entdeckt worden (queer.de berichtete). Nachbar*innen hatten erklärt, dass Zuber offen mit seiner Homosexualität umgegangen sei und regelmäßig junge Männer zu Besuch gehabt habe. Schließlich nahm die Polizei Mitte August in Rumänien zwei junge Männer fest, neben Vandam G. auch Cristian-Cosmin C., der eine Beziehung mit dem Pastor unterhalten haben soll (queer.de berichtete). Im Frühjahr startete der Prozess gegen die beiden (queer.de berichtete). Die Staatsanwaltschaft warf ihnen vor, aus Habgier und in Verdeckungsabsicht den Pastor getötet zu haben.

Vandam G. sagte nun aus, dass Vasile E., der ebenfalls in Berlin-Schöneberg seinen Körper gegen Bezahlung angeboten haben soll, in der Tatnacht mit ihm in der Wohnung des Pastors gewesen sei. Es sei zum Streit gekommen, weil Vandam G. angeblich nicht den Wunsch des Pastors nach Oralsex erfüllen wollte. Der Angeklagte sagte aus, er habe den Pastor dann geschubst, dass dieser hingefallen sei und um Hilfe gerufen habe. Vasile E. habe dann den Mund des Pastors zugehalten und Vandam G. gebeten, einen Knebel zu holen. Der Angeklagte habe seinem zwei Jahre älteren rumänischen Landsmann dann ein Geschirrtuch gegeben, das dieser dem Opfer in den Mund geschoben habe. Schließlich habe sich der Pastor nicht mehr bewegt. Die beiden jungen Männer hätten dann gemerkt, dass er nicht mehr geatmet hätte. Sie seien dann panisch geflohen.

Raubabsicht zurückgewiesen

Vandam G. beteuerte, dass er nichts aus der Wohnung des Pastors geklaut habe. "Es ging nicht ums Geld. Wir haben nichts mitgenommen und auch nichts gesucht", sagte er laut "Bild". Das Chaos, das die Polizei beim Leichenfund vorfand, sei nicht von ihm verursacht worden.

Die Staatsanwaltschaft bezweifelt den Wahrheitsgehalt der neuen Version des Angeklagten: "ich habe eher das Gefühl, dass ich das nicht glauben kann", so der Staatsanwalt nach Angaben des "Spiegels". Er erklärte etwa, dass beim Pastor keine Abwehrverletzungen festgestellt worden seien.

Laut dem Angeklagten soll Vasile B. – wie er selbst auch – nach der Tat nach Rumänien geflohen sein. Die Richterin muss nun entscheiden, ob ein internationaler Haftbefehl gegen den Mann ausgestellt wird. Der mitangeklagte Cristian-Cosmin C., der anders als Vandam G. nicht in Untersuchungshaft sitzt, scheint durch die neue Aussage entlastet zu sein. (cw)