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Kinderbuch

"Endlich ich" erzählt davon, ein trans Kind zu sein

Julana weiß, wer sie ist. Doch ihren Eltern fehlt ein Konzept. Eine zufällig eingeschaltete Fernsehsendung und ein Lächeln bringen die Wendung. Davon erzählt Julana selbst in ihrem Buch.


Auf dem Titelbild des Kinderbuchs reitet Julana auf einem Einhorn – worauf sonst?

Julana Victoria Gleisenberg ist elf Jahre alt und schon Autorin eines kleinen Büchleins. Das kann anderen Kindern eine große Hilfe sein – Kindern wie Julana. Denn das Mädchen wurde bei der Geburt als Junge zugewiesen. Ein Irrtum, wie sich herausstellen wird.

Zwar fühlte Julana schon früh, wer sie selber ist. Aber die richtigen Worte, etwas zu beschreiben, das so eigentlich nicht vorgesehen war, fehlten. Erst ein Moment mit dem Papa vor dem Fernseher, in dem eine Dokumentation über transgeschlechtliche Menschen lief, änderte alles. Denn der verurteilte den gezeigten Jugendlichen gar nicht. Nein, er lächelte sogar. Und schaute interessiert zu. So brachte die Flimmerkiste das Mädchen auf das gesuchte Zauberwort "Transgender" und zum Mut, sich dem Vater zu offenbaren.

Zeit der Angst

Doch dem Tag mit der Fernsehsendung war eine andere Zeit vorausgegangen. Eine Zeit der Angst. Angst davor, danach zu fragen, wieso sich der eigene Körper nicht in die Richtung entwickelt, in die er doch sollte. Angst davor, dass die Mädchen Julana wieder nicht mitspielen lassen würde. Weil Julana doch "ein Junge" sei.

Angst davor, dass die anderen Kinder in der Schule ähnlich reagieren würden wie die Mama daheim, die Julana, da war das Kind vier, auf ihre Fragen geantwortet hatte: "Jungs haben das halt nicht". Und: "Einen Busen wirst du nicht bekommen". Die Angst in Julana hatte natürlich niemand beabsichtigt. Denn wie Julana gefühlt hatte, war einfach nicht vorgesehen gewesen. Noch war es das nicht.

Der Appell, normal zu sein

Immer wieder kommt es vor, dass transgeschlechtliche Kinder sehr genau über ihre eigene Identität Bescheid wissen, jedoch auf Zurückweisung, diskriminierende Ansichten und auf den Appell stoßen, "normal" zu sein. Für viele dieser Kinder beginnt dann eine lange Zeit stummen Leidens: Weil sie so, wie sie sind, nicht oder vermeintlich nicht geliebt werden, verstecken sie den Persönlichkeitsanteil, der nicht "passt".


Wer hier nicht rein passt, hat es schwer (Illustration: Neve Sophie Scherbius)

Das Resultat sind häufig vielfache psychische Leidenssymptome und eine gestörte Beziehung zu Eltern und Gesellschaft. Verschafft sich die Identität dann später ihre Geltung, ist der Körper meist schon weiter. Dann beginnt ein oft lebenslanger Prozess, die durch die Pubertät im falschen Geschlecht erworbenen körperlichen Merkmale durch Operationen und Hormone zu verändern, zu verstecken oder zu kaschieren.

Einfach mal ausprobieren

Julana hatte Glück. Ihr blieb das meiste davon erspart. Denn am Tag mit der Fernsehsendung hat Julana ihren ganzen Mut zusammengenommen und gesagt, dass sie nun endlich wisse, was mit ihr nicht stimme: "Nämlich, dass ich gar kein Junge bin, sondern ein Mädchen". Auch, wenn Julana das selbst schon ganz lange gewusst hatte, wie sie in ihrem Büchlein betont. Bei ihren Eltern war sie nun auf Akzeptanz gestoßen. Die schlugen vor, es am Wochenende einfach mal auszuprobieren, wie es dem Kind damit geht, wenn die Anderen es wie ein Mädchen behandelten.

Julana war es gut damit gegangen. So gut, dass die alte Traurigkeit von ihr wich und ein ganz anderes Kind zum Vorschein kam. Das alles beschreibt sie selbst, auf dem Computer getippt von Julanas Sekretär*innen Mama und Papa. Bis hinein ins Jahr 2021. Da wurde Julana auch vom Staat offiziell als das Mädchen, die junge Frau, die Julana ist, anerkannt.

Aufklärung darüber, was es gibt

Das Buch zeigt, wie es auch gehen kann: ein transgeschlechtliches Begehren, das Gehör findet. Nicht sofort. Aber mit der nötigen Aufklärung, dass es "das" eben auch gibt. Materialien, Berichte, Fernsehsendungen und Portraits von und über transgeschlechtliche Menschen haben seit einigen Jahren das Wissen um transgeschlechtliche Identitäten stark vergrößert. Und so dürften auch die Lebenswege, die sich dem von Julana ähneln, häufiger geworden sein. So wird viel Leid erspart. Für Kinder und, später, für Erwachsene.

Doch natürlich gibt es auch weiterhin Kids, die wie Julana selbst in einer Phase des Beschweigens, des Versteckens und des Nicht-Verstehens festsitzen. Für sie ist Julanas Buch. Damit sie aus er Phase heraus finden. Und auch für ihre Eltern ist das Buch geschrieben. Damit sie sehen, dass nicht zwangsläufig unwägbaren Gefahren lauern, wenn man dem eigenen Kind zuhört. Und ihm erlaubt, es selbst zu sein. "Endlich ich" eben.


Seit Mai 2021 heißt Julana auch offiziell Julana (Illustration: Neve Sophie Scherbius)

Ein Anhang erklärt Konzepte und Begrifflichkeiten zu Transgeschlechtlichkeiten und listet Quellen und Ressourcen zur weitergehenden Recherche sowohl für Kinder als auch für Erwachsene auf.

Infos zum Buch

Julana Victoria Gleisenberg: Julana – endlich ich. Mein Weg vom Jungen zum Mädchen. Kinderbuch. Mit Illustrationen von Neve Sophie Scherbius. 32 Seiten. SK WelcomeHome – Die Transgenderstiftung. Pfarrkirchen 2021. Taschenbuch: 9,95 € (ISBN: 978-3-949217-09-8)


#1 JCGLAnonym
  • 08.10.2021, 14:48h
  • Danke für den Einblick in das Buch und den Kommentar dazu sehr schöne geschrieben
    GLG JC
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Ana NymAnonym
  • 08.10.2021, 15:40h
  • So ein Buch ist super wichtig.
    Viele können nur ahnen, wie "segensreich" frühzeitiges und kindgerechtes Wissen von und über trans-gender sein kann.

    Ich kenne da ein Kind sehr, sehr genau, das wusste im Kindergarten schon Bescheid, doch es fehlten ihr die Worte, es fehlten Vorbilder, es fehlte auch in ihrem Umfeld "solches" Wissen und wenn es bei den Erwachsenen dagewesen sein sollte ... es war, wie ich heute weiß, total verzerrt.
    Sie sagte es zwar ab und an in der einen oder anderen Form, man konnte es ihr auch ansehen und anmerken - manche der anderen Kinder ahnten es "Du Mädchen!" (ach tat das gut!) ...

    Täler der Ahnungslosen gibt es viele.

    Schön ist das Leben heute, auch wenn sich nicht alle Schäden, die die Pubertät angerichtet hat, gänzlich rückgängig machen lassen - es ist jetzt endlich mein Leben, das endlich Ich führen kann.
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#3 WochenendeAnonym
  • 08.10.2021, 15:55h
  • Antwort auf #2 von Ana Nym
  • So ein Buch ist super wichtig.
    Viele können nur ahnen, wie "segensreich" frühzeitiges und kindgerechtes Wissen von und über trans-gender sein kann.
    - Volle Zustimmung.

    Dass Kinder im Vergleich zu Erwachsenen leichter akzeptieren, wenn ein anderes Kind mit einem anderen Namen und/oder Pronomen angesprochen werden will, die Erfahrung hab ich auch schon gemacht.
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#4 NevermindAnonym
  • 08.10.2021, 18:33h
  • Zwar habe ich keine eigenen Kinder und bin selbst nicht betroffen, aber ich finde den Artikel doch sehr berührend und gut geschrieben. Das Buch ist sicher sehr schön und hilfreich für viele Menschen. Bestimmt ist es das Beste in jeder Hinsicht und für alle Beteiligten, wenn ein Kind so aufwachsen kann, wie es für es selbst richtig ist. Vor einigen Jahren war Angelina Jolie, die mir eigentlich nicht so sympathisch ist, in den Schlagzeilen und wurde auch dafür angefeindet, weil ihr Kind Shiloh im Alter von drei Jahren nicht den Erwartungen an die Geschlechtsrolle entsprach. Im ersten Moment war ich damals auch irritiert, als ich davon gelesen hab. Aber offensichtlich gesteht Angelina Jolie ihren Kindern zu, diese Dinge von Anfang an selbst zu entscheiden, was mir doch mittlerweile Respekt abverlangt.
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