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Staatshomophobie

Russland tadelt Europarat: Kritik an Queer­feindlichkeit ist "Einmischung in innere Angelegenheiten"

Das Putin-Regime stellt klar, dass es trotz internationaler Vereinbarungen an der Diskriminierung sexueller Minderheiten festhalten werde.


Diplomat Iwan Soltanowski ist seit 2015 die Stimme Moskaus beim Europarat (Bild: Twitter / RussianMissionCoE)

  • 8. Oktober 2021, 07:45h 10 2 Min.

Russland wird Kritik an seiner LGBTI-feindlichen Politik durch den Europarat ignorieren. Das hat der Ständige Vertreter des russischen Außenministeriums beim Europarat, Iwan Soltanowski, gegenüber der Nachrichtenagentur Tass klargestellt. Die Aussage ist eine Reaktion auf einen Bericht der beim Straßburger Gremium angesiedelten Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI), wonach Russland sein diskriminierendes Gesetz gegen "Homo-Propaganda" abschaffen müsse (queer.de berichtete).

"Die Kommission hat ihre Befugnisse mit diesem Bericht überschritten", empörte sich Soltanowski. "Der Schutz von sexuellen Minderheiten ist nicht Teil ihres Mandates." Ferner erklärte der 66-jährige Diplomat, dass die Aufrufe, das "Homo-Propaganda"-Gesetz aufzuheben, "null und nichtig" seien. "Das ist nichts weiter als eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Russlands", so Soltanowski.

Diplomat wirft ECRI "Machtmissbrauch" vor

Soltanowski erklärte weiter, derartige Aufforderungen durch internationale Organisationen seien "Machtmissbrauch". Er warf der Anti-Rassismus-Kommission vor, "Nationen die Souveränität nehmen zu wollen". Man werde dennoch weiter mit ECRI zusammenarbeiten, allerdings nur unter der Bedingung, "dass die Kommission damit aufhört, Rote Linien zu überschreiten."

Russland hat sich als Mitglied des Europarats eigentlich verpflichtet, Menschenrechte zu achten. Allerdings ignoriert das Putin-Regime seit Jahren Entscheidungen von Gremien der Organisation, etwa des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Das Straßburger Gericht hatte beispielsweise vor wenigen Monaten angeordnet, dass Russland gleichgeschlechtliche Paare anerkennen müsse (queer.de berichtete). Der Kreml lehnte die Umsetzung der Gerichtsentscheidung jedoch umgehend ab (queer.de berichtete). (dk)

-w-

#1 MadrePutinaAnonym
  • 08.10.2021, 10:02h
  • Schrecklich. Das frage ich mal wieder, wer die Partei das Linke wählt, die Russland auch bei solchen Aussagen auch noch treudoof hinterher hechelt. Shame on you.
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#2 KopfschüttelAnonym
  • 08.10.2021, 10:49h
  • Ausgerechnet Russland beklagt sich über "Einmischung in innere Angelegenheiten", wo sie doch selber in anderen Ländern mitmischen, mitmischen wollen und dort ihre Propaganda und Fake News verbreiten?
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#3 Gemeiner_Hai
  • 08.10.2021, 12:34h
  • Das ist ein schwieriges Thema, finde ich. Grundsätzlich hat der russische Diplomat hier Recht: Die Nichteinmischung in innere Angelegenheiten anderer Staaten ist neben dem Gewaltverbot Kern des Völkerrechts. Andernfalls gälte weltweit das Recht des Stärkeren, denn die mächtigsten Nationen könnten und würden sich hemmungslos in die Politik anderer Länder einmischen, diese nach ihren eigenen Bedürfnissen modellieren und dies notfalls auch herbeibomben. Über die russische Politik entscheiden die Russen, nicht Berlin, Brüssel oder Washington.

    Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Staat einfach machen kann, was er will. Es gibt schließlich noch das Völkerstrafrecht, das etwa Verbrechen gegen die Menschlichkeit unter Strafe stellt. In diesen Bereichen kann sich niemand hinter dem Gebot der Nichteinmischung verstecken. Und in diesem konkreten Fall kommt erschwerend hinzu, dass sich Russland ja gewissen internationalen Vereinbarungen untergeordnet hat. Wenn sich die EU etwa in innere Angelegenheiten Ungarns einmischt, ist das auch völlig in Ordnung - schließlich ist Ungarn der EU freiwillig beigetreten und hat sich damit deren Regeln unterworfen.

    Wo hören innere Angelegenheiten auf, und wo fangen Verbrechen gegen die Menschlichkeit an? Wie schafft man es, dass niemand hinter dem Gebot der Nichteinmischung versteckt Verbrechen begehen kann? Und wie schafft man es, dass das Völkerstrafrecht nicht für schlecht getarnte Regime Changes (erinnert sei an die "irakischen Massenvernichtungswaffen") missbraucht wird? Das ist ein gewisses Spannungsfeld, das es durch klare Definitionen aufzulösen gilt. Im gegebenen Fall scheint mir die Sache hingegen recht klar.
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