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Dave Chappelle

Viel Kritik für Netflix-Special von queerfeindlichem Komiker

In einem neuen Netflix-Special macht sich ein US-Komiker insbesondere über trans Menschen lustig und verkündet stolz: "Ich bin Team TERF."


Dave Chappelle hat bereits drei Specials für Netflix veröffentlicht (Bild: Netflix)

Das am Dienstag von Netflix veröffentlichte Special "The Closer" mit dem amerikanischen Komiker Dave Chappelle hat zu viel Kritik geführt. Der 48-Jährige, der bereits in der Vergangenheit für seine homofeindlichen Witze kritisiert worden war, teilt in seiner dritten Stand-up-Comedy-Show für das Streamingportal mehrfach gegen trans Menschen aus. Dabei verteidigt er unter anderem auch die britische Autorin J.K. Rowling ("Harry Potter"), die immer wieder trans Frauen attestierte, keine echten Frauen zu sein (queer.de berichtete).

Wörtlich sagt Chappelle zum Ende der Sendung hin (laut der offiziellen deutschen Netflix-Untertitelung):

Und sie haben Leute abgesetzt, die mächtiger sind als ich. Sie haben J.K. Rowling gestrichen, […] weil sie in einem Interview sagte – und das sind nicht genau ihre Worte, aber im Grunde sagte sie – dass das Geschlecht eine Tatsache ist. Und dann wurde die Trans-Gemeinschaft so verdammt wütend, dass sie anfingen, sie eine TERF zu nennen. Ich wusste nicht mal, was zum Teufel das war, aber ich weiß, dass Trans-Menschen Wörter erfinden, um Diskussionen zu gewinnen. Also schlug ich es nach. TERF ist eine Abkürzung. Es steht für trans-ausgrenzenden radikalen Feminismus. […] [TERFs] betrachten Trans-Frauen so, wie Schwarze vielleicht ein schwarz angemaltes Gesicht. Es beleidigt sie, wie: "Oh, diese Schlampe macht mich nach."

Ich sollte darüber nicht reden, weil ich weder eine Frau bin noch ein Trans. Aber wie wir [in einem Segment eine halbe Stunde früher] festgestellt haben, bin ich ein Feminist. Ich bin Team TERF. Ich stimme zu, Mann. Geschlecht ist eine Tatsache.

(Bild: Screenshot Netflix)

An vielen weiteren Stellen der gerade mal 72-minütigen Bühnenshow machte sich Chappelle über trans Menschen lustig. Dabei versuchte er wiederholt, Trans-Reche und Schwarzen-Rechte gegeneinander auszuspielen. So fragte er: "Warum ist es einfacher für [Caitlyn] Jenner, sein Geschlecht zu ändern, als für Cassius Clay, seinen Namen zu ändern?" (Cassius Clay ist der Geburtsname des Boxers Muhammed Ali). Außerdem imitierte er in tiefer Stimme eine trans Frau: "Nenn mich ein Mädchen, Nigga." In der ersten Hälfte der Show erklärte Chappelle sogar, dass er persönlich das Opfer transsexueller Bedrohungen sei:

Und jetzt kommen wir zum Kern der Krise. Was ist eine Frau? Was ist das, heutzutage? Gibt es überhaupt so etwas wie eine Frau oder einen Mann? Scheint eine Frage zu sein heutzutage. Frauen werden wütend auf mich, Schwule werden wütend auf mich, Lesben werden wütend auf mich, aber ich sage Ihnen jetzt und das ist wahr: Diese Transsexuellen, diese Nigga wollen mich tot sehen. […] Jedes Mal, wenn ich auf die Bühne komme, habe ich Angst. Ich schaue mich um in der Menge, suchend – nach Fingerknöcheln und Adamsäpfeln, um zu sehen, wo die Bedrohungen herkommen könnten.

Chappelle machte in dem Special auch erneut homophobe Witze, für die er bereits seit Beginn seiner Karriere in den Neunzigerjahren berüchtigt ist. So erklärte er: "In unserem Land kann man einen Nigga erschießen, aber man sollte besser nicht die Gefühle eines Schwulen verletzen."


Immer wieder imitiert Hetero Dave Chappelle schwule Männer als verweichlicht und überempfindlich (Bild: Screenshot Netflix)

In sozialen Netzwerken zeigten sich viele empört darüber, dass Netflix Chappelle eine weltweite Bühne bietet. Auf Twitter erklärte etwa Jaclyn Moore, die trans Drehbuchautorin, Produzentin und Showrunnerin der Netflix-Serie "Dear White People", dass sie künftig keine Angebote von Netflix mehr annehmen werde: "Ich werde nicht mehr mit ihnen arbeiten, solange sie offen gefährliche transphobe Inhalte herausbringen und davon profitieren", so Moore.

Twitter / JaclynPMoore
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Auch die LGBTI-Organisation GLAAD kritisierte das neue Special scharf: "David Chappelles Markenzeichen ist es, sich über trans Menschen und andere marginalisierte Gruppen lustig zu machen." Die Aktivist*innen attestierten jedoch, dass Rezensionen für die neue Sendung negativ seien und viele Zuschauer*innen Kritik übten. Die Botschaft an die Medienindustrie sei daher laut GLAAD, dass queerfeindliche Inhalte nicht unterstützt werden würden. (dk)

Twitter / glaad
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#1 PeerAnonym
  • 08.10.2021, 14:07h
  • Dabei zeigt Netflix wieder mal, dass es ihnen nicht um LGBTI geht, sondern nur um Kohle.

    Wenn LGBTI-Inhalte denen Kohle bringen, zeigen sie das. Aber genauso zeigen sie auch LGBTI-Hass, wenn es ihnen finanziell nützt.
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#2 HexeAnonym
  • 08.10.2021, 15:13h
  • Gerade mein Abo gekündigt.
    Schade, wollte eigentlich noch Pose zuende sehen, aber so ist es halt mit den Prinzipien..
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#3 Alexander_FAnonym
  • 08.10.2021, 18:42h
  • Antwort auf #1 von Peer
  • Ist das für ein Unternehmen, das sich auch an Märkte wie Russland ohne Murren anpasst, jetzt wirklich so überraschend? Es gibt ohnehin kaum westliche Unternehmen, die es über die moralische Grauzone des Pinkwashings hinausbringen.

    Da bleibt nur der gute alte Shitstorm, um ihnen klarzumachen, dass es in ihrem eigenen Interesse ist, solchen Scheiß nicht zu veröffentlichen.
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#4 Sarkast
  • 08.10.2021, 20:25h
  • Ich dachte schau es dir an und bilde dir deine eigene Meinung bevor du hier was dazu schreibst. Bis zu den beschriebenen Stellen habe ich es nicht geschafft, ich habe schon nach dem Witz über space jews ausgeschaltet. Nicht witzig!
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#5 StaffelbergblickAnonym
  • 08.10.2021, 20:37h
  • Netflix ist eine Aktiengesellschaft ... und kein NGO. Hier zählen die Zuschauerzahlen und Streamings.
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#6 LegatProfil
  • 08.10.2021, 21:06hFrankfurt am Main
  • Dave Chappelle ist halt die AfD in "witzig". Er hat seinen ganze Karriere auf dem unterschwelligen Hass seiner Fans aufgebaut, weil er durchschaut hat, dass er mit permanenten Grenzüberschreitungen genau diese leider sehr große Menge an Menschen abholt, die, wenn sie sich trauen würden, ihrem Hass auf alles ihnen Fremde sofort freien Lauf lassen würden. Diese Menschen sind nicht wirklich zivilisiert, sie sind lediglich still solange sie Konsequenzen für ihren Hasss fürchten müssen und lassen Leute wie Dave Chapelle aber auch Trump oder Orban oder Friedrich Merz für sie sprechen. In dem Moment, in dem sich die Gesellschaft ändert (etwa wenn Nazis die Macht ergreifen), sind diese Menschen die ersten, die mitlaufen.
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#7 WasaAnonym
  • 08.10.2021, 23:24h
  • Mal einen Blick in die Twitter Kommentare geworfen, keine gute Idee wie so oft. Die scheinen Chapelle alle zu schützen und noch dazu abzufeiern. Besonders beim GLAAD Tweet wimmelt es nur so von Leuten, die ihn verteidigen. Manche schrieben sogar ernsthaft, er habe die "Wahrheit" gesagt. Leider kaum Gegenstimmen.
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#8 Carsten ACAnonym
  • 09.10.2021, 11:03h
  • Antwort auf #7 von Wasa
  • Gerade solche Phänomene machen diese Netflix-Produktion umso verwerflicher.

    Denn solche Inhalte geben den LGBTI-Hassern und anderen Rechten in ihren selbstverstärkenden Filterblasen noch von außen Input. Solche Inhalte lassen sie glauben, dass Hass eine akzeptable Meinung wäre und dass die Mehrheit auf ihrer Seite stünde.

    Pfui Netflix.
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#9 SebiAnonym