Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?40182

USA

Kalifornien verbietet Stealthing

Als erster US-Bundesstaat stuft Kalifornien das heimliche Abziehen eines Kondoms beim Sex als Sexualverbrechen ein. Opfer können künftig vor Gericht auf Schadenersatz klagen.


Als Stealthing – abgeleitet vom englischen Wort "stealth" (List, Verstohlenheit, Heimlichtuerei) – wird bezeichnet, wenn ein Sexualpartner sein Kondom heimlich und ohne Einwilligung der anderen Person entfernt und anschließend Geschlechtsverkehr ausübt (Bild: n-voitkevich / pexels)

Kalifornien hat als erster US-Bundesstaat explizit das heimliche Abziehen des Kondoms beim Sex verboten. Gouverneur Gavin Newsom unterzeichnete am Donnerstag (Ortszeit) ein Gesetz, das das bewusste Abstreifen des Kondoms beim Geschlechtsverkehr ohne das Einverständnis der anderen Person als Sexualverbrechen einstuft.

Die kalifornische Regionalabgeordnete und Autorin des Gesetzestextes, Cristina Garcia, erklärte, die Reform mache deutlich, dass das sogenannte Stealthing "nicht nur unmoralisch, sondern illegal" ist. Das Büro von Gouverneur Newsom schrieb auf Twitter, mit dem Gesetz "unterstreichen wir die Bedeutung der Einwilligung" beim Sex.

Twitter / CAgovernor
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Die Reform betrifft allerdings nicht das Strafrecht, sondern das Zivilrecht. Betroffene können damit künftig vor Gericht auf Schadenersatz klagen. Das heimliche Abziehen eines Kondoms kann unter anderem zur Übertragung von Geschlechtskrankheiten und zu ungewollten Schwangerschaften führen.

Online-Tipps für heimliches Abziehen

Das Thema Stealthing hatte insbesondere durch eine 2017 in den USA veröffentlichte Studie für Aufsehen gesorgt. In dem Artikel hieß es unter anderem, in Online-Foren würden Tipps für das heimliche Abziehen von Kondomen geteilt.

In Deutschland entschied das Berliner Kammergericht im August 2020, das heimliche Abstreifen des Kondoms könne strafrechtlich als sexueller Übergriff eingestuft werden. Demnach ist der Tatbestand erfüllt, wenn der Täter in den Körper des Opfers ejakuliert. Es war das erste obergerichtliche Urteil zum Stealthing in Deutschland. In dem Verfahren ging es um einen Bundespolizisten, der das Kondom beim Sex mit einer damals 20-jährigen Polizeimeisteranwärterin heimlich abgestreift hatte. (cw/AFP)



#1 WadimAnonym
  • 09.10.2021, 09:29h
  • Ein absolut notwendiges Gesetz.
    Ich habe schon ein Paarmal erlebt, dass Kondom heimlich abgestreift wurde. Besonders beschnittene Männer mögen die Gummis nicht. Vermutlich, weil bei Manchen die Empfindlichkeit des Eichels ohne Vorhaut beeinträchtigt wird.
    Aber heute nutzen viele Männer diesen immer noch notwendige Schutzengel sowieso nicht.
    Wie Fairness und Zuverlässigkeit übrigens auch. Leider.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 qwertzuiopüAnonym
  • 09.10.2021, 10:06h
  • Ich kenne mich im amerikanischen Rechtssystem nicht aus, deshalb frage ich mich, wieso das nicht schon ohne eigenes Gesetz strafbar war, eben so wie es hier ist?
  • Antworten » | Direktlink »
#3 DieAntwortAnonym
#4 aLuckyGuyProfil
  • 09.10.2021, 13:12hPeine
  • Über die Notwendigkeit eines solchen Gesetzes mag man sicherlich streiten. Letztendlich bleibt es bei der Beweisbarkeit und die dürfte in jeden Fall schwierig bis unmöglich sein. Im Bereich der Sexualität gerät jeder moderne Rechtsstaat an seine Grenzen.
    Wie will man bspw. beweisen ob das Kondom absichtlich abgestreift wurde, oder einfach von selbst abging. Letzteres ist mir auch schon passiert ohne das man es im Taumel der Geilheit mitbekommt.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 LegatProfil
  • 09.10.2021, 18:07hFrankfurt am Main
  • Antwort auf #4 von aLuckyGuy
  • Ich bin auch nicht sicher, ob dieses Gesetz der richtige Weg ist. Sex ist immer auch ein kalkuliertes Risiko. Kein Gesetz der Welt kann hierbei alle Risiken ausschließen und die Gefahr, dass ein solches Gesetz missbraucht wird, sollte zumindest mal diskutiert werden.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 TamakAnonym
#7 LegatProfil
  • 09.10.2021, 20:38hFrankfurt am Main
  • Antwort auf #6 von Tamak
  • Um den Top auszutricksen und ungerechtfertigt zu verklagen zum Beispiel? Ich kann mir da mit diesem neuen Gesetz zahlreiche Szenarien vorstellen, in denen das möglich wäre. Zudem bergen solche Gesetze immer das Risiko, HIV-Positive weiter zu diskriminieren, selbst wenn diese durch PEP gar nicht mehr ansteckend sein können. Wäre nicht das erste mal, dass ein gut gemeintes Gesetz missbraucht wird. Gerade in den USA werden solche Gesetze in deren Auslegung nach einem Regierungswechsel von Demokraten zu Reps gerne mal völlig auf den Kopf gestellt.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 LegatProfil
  • 09.10.2021, 20:45hFrankfurt am Main
  • "In Deutschland entschied das Berliner Kammergericht im August 2020, das heimliche Abstreifen des Kondoms könne strafrechtlich als sexueller Übergriff eingestuft werden. Demnach ist der Tatbestand erfüllt, wenn der Täter in den Körper des Opfers ejakuliert. Es war das erste obergerichtliche Urteil zum Stealthing in Deutschland. In dem Verfahren ging es um einen Bundespolizisten, der das Kondom beim Sex mit einer damals 20-jährigen Polizeimeisteranwärterin heimlich abgestreift hatte."

    Ist ja an gerichtlicher Dummheit nicht zu übertreffen! Weder für das Übertragen von Geschlechtskrankheiten noch für eine ungewollte Schwangerschaft ist es zwingend erforderlich im Körper der anderen Person zu ejakulieren.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Nachhilfe in KonsensAnonym
  • 09.10.2021, 21:46h
  • Antwort auf #8 von Legat
  • "Ist ja an gerichtlicher Dummheit nicht zu übertreffen! Weder für das Übertragen von Geschlechtskrankheiten noch für eine ungewollte Schwangerschaft ist es zwingend erforderlich im Körper der anderen Person zu ejakulieren."

    Wo steht das in der Urteilsbegründung? Nirgendwo und aus gutem Grund, denn darum geht es beim Stealthing auch zunächst gar nicht. Der sexuelle Übergriff durch Stealthing ist ganz anders definiert. Hast Du nicht verstanden, obwohl Du es selber zitierst:

    "In Deutschland entschied das Berliner Kammergericht im August 2020, das heimliche Abstreifen des Kondoms könne strafrechtlich als sexueller Übergriff eingestuft werden. Demnach ist der Tatbestand erfüllt, wenn der Täter in den Körper des Opfers ejakuliert."

    Der Straftatbestand des "Sexuellen Übergriffs" besteht darin, dass es zu einem zuvor abgelehnten Austauschs von Körperflüssigkeit kommt. Ganz grundsätzlich. Unabhängig von Überlegungen wie Schwangerschaft oder STDs. Weil es unerwünscht ist. Darum, dass dieser Wunsch einer Frau oder eines Mannes trotz vorheriger Absprache ignoriert und heimlich umgangen wird. Das ist bereits der sexuelle Übergriff! Das ist bereits sexuelle Gewalt! Denn von da an handelt es sich nicht mehr um einvernehmlichen Sex! Von da an ist es ein sexueller Übergriff. Und völlig richtig und überfällig, dass das endlich ein Straftatbestand ist. Was verstehst Du daran nicht? Alles ganz einfach und klar. Versteht jedes Kind.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Nachhilfe in KonsensAnonym
  • 09.10.2021, 23:01h
  • Antwort auf #9 von Nachhilfe in Konsens
  • Damit die Nachhilfe in Konsens und Selbstbestimmtheit auch komplett ist:

    de.wikipedia.org/wiki/Stealthing

    "Stealthing wird in zahlreichen Internetforen thematisiert; laut der Journalistin Gunda Windmüller sei es ein Trend. In einschlägigen Foren würden männliche User behaupten, das Abstreifen des Kondoms sei ihr gutes Recht; wenn eine Frau mit einem Mann schliefe, müsse sie das mit allen Konsequenzen tun. Dagegen äußern zahlreiche Frauen die Überzeugung, diese Praxis missachte nicht nur die körperliche Unversehrtheit, sondern auch die sexuelle Autonomie der Opfer.[1] Der Sexualstrafrechtler Joachim Renzikowski widersprach der Behauptung, dass Stealthing ein Trend sei, es handle sich vielmehr um eine Straftat.[3]

    Alexandra Brodsky, Juristin an der Yale University, hat Stealthing als schwerwiegende Verletzung der Würde und Selbstbestimmtheit bezeichnet und will mit einer 2017 veröffentlichten Studie zu dem Thema[4] ein Bewusstsein für diese Art des sexuellen Missbrauchs schaffen."
  • Antworten » | Direktlink »