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Von Trollwesen und unerwiderter Liebe

Das hervorragend besetzte Biopic "Tove" erzählt aus dem Leben der "Mumins"-Schöpferin Tove Jansson und wählt dafür ihre turbulente Affäre mit einer Frau als Dreh- und Angelpunkt.


Szene aus dem Film: Tove (Alma Pöysti, l.) will mehr von Vivica (Krista Kosonen) als umgekehrt (Bild: Salzgeber)
  • Von Arabella Wintermayr
    9. Oktober 2021, 07:20h, noch kein Kommentar

Ihr Werk ist auf der ganzen Welt bekannt, ihre Bücher wurden in über 30 Sprachen übersetzt: Die "Mumins" sind Kult, doch über ihre Schöpferin Tove Jansson (1914-2001) ist allgemein wenig bekannt. Die finnische Regisseurin Zaida Bergroth hat ihr nun eine einfühlsame Filmbiografie gewidmet, die letztes Jahr auf dem Toronto International Film Festival ihre Premiere feierte.

Das erste Bild, das "Tove" von seiner Protagonistin (gespielt von Alma Pöysti) zeichnet, ist ein vor Lebensfreude überschäumendes. Scheinbar mit sich allein, dreht sie sich frenetisch im Kreis, tanzt Charleston – oder besser gesagt: eine kindlich-verspielte Version davon – sie strahlt über das ganze Gesicht, wirft das kurze blonde Haar zurück. Losgelöst sieht sie dabei aus, nicht unbedarft.

Eine Künstlerin auf Sinnsuche

Man meint gleich zu wissen, mit was für einem Menschen man es hier zu tun hat: Einem Freigeist, einer Schwelgerin, vielleicht einer Lebefrau. Und es stimmt, die erste Hälfte des Films zeigt Tove Jansson in ihren Dreißigern als typische Künstlerin auf Sinnsuche, die sich auch von ihrem herrischen Vater nicht von ihrem ganz eigenen Weg abbringen lässt. Als konservativer Bildhauer blickt Viktor Jansson (Robert Enckell) auf ihre "kindlichen" Zeichnungen von Trollwesen herab. Nur in der Bohème von Helsinki fühlt sie sich aufgehoben.

Dort begegnet sie in den Nachkriegsjahren auch Politiker und Autor Atos Wirtanen (Shanti Roney), der für sie zum losen Lebensgefährten und wichtigen Unterstützer wird. Er soll sie später zu ihren ersten Mumin-Comics in der sozialistischen Zeitung "Ny Tid", deren Herausgeber er zu der Zeit ist, motivieren. Bis dahin aber lässt sie sich weiter treiben, auch wenn nicht mal genug Geld für die Miete da ist.

Von Lebensfreude und Leidensfähigkeit


Poster zum Film: "Tove" startet erst am 24. März 2022 regulär im Kino, läuft im Oktober 2021 aber bereits in der queerfilmnacht

Doch das Bild vom Anfang wird wieder auftauchen. Dann ist genau zu beobachten, wie die Freude aus ihrem Gesicht weicht, ihr Tränen in die Augen steigen. In der Zwischenzeit ist etwas passiert, durch dessen sorgsame Erzählung das Biopic Tove Jansson eine tragische, leidensfähige Seite hinzufügt und somit mehr Dimension verleiht: Mit Vivica Bandler (Krista Kosonen), einer Theaterregisseurin aus der Oberschicht, schläft sie zum ersten Mal mit einer Frau. Ihrem Partner wird sie die Erfahrung als etwas schildern, das wie ein schöner Drache über sie gekommen ist, sie gepackt hat und mit ihr davongeflogen ist. Seine Rückfrage, ob der Drache sie wohl wieder packen könnte, verneint sie und ahnt vielleicht selbst noch nicht so recht, wie falsch sie liegt.

Denn schon kurz darauf soll Vivica zum Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens und werden. Durch deren gute Beziehungen erhält sie den bedeutenden Auftrag, im Rathaus von Helsinki zwei Fresken anzufertigen. Wie groß ihre Hingabe ist, zeigt sich allein darin, dass sie die Geliebte darin verewigt. Später nimmt sie sie und sich selbst als die Figuren Tofsla und Vifsla in ihre Mumin-Romane auf. Auf das große Glück aber folgt eine jahrelanger Leidensweg, denn von einer festen Beziehung oder gar einer monogamen Lebensweise will Vivica nichts wissen.

Weder abgedroschen noch kitschig

Dass die bereits unzählige Male erzählte Geschichte einer unerwiderten Liebe in "Tove" weder abgedroschen noch kitschig erscheint, ist vor allem dem feinen Gespür des Films für die richtige Tonlage und seiner genauen Figurenzeichnung zu verdanken, die niemals in bloße Klischees abdriftet. Auch die Besetzung überzeugt: Gerade Pöysti spielt alle Facetten der Künstlerin hervorragend und mit einnehmendem Charisma.

Tove wiederum stürzt mit dem zunehmenden Erfolg auch zunehmend in die Krise – nicht nur aufgrund ihres lange unbefriedigenden Liebeslebens, sondern auch des Gefühls, als ernstzunehmende bildende Künstlerin gescheitert zu sein. Das Bild vom Anfang soll aber noch ein drittes Mal auftauchen. Und dann tanzt Tove wieder.

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Infos zum Film

Tove. Biopic. Finnland, Schweden 2020. Regie: Zaida Bergroth. Darsteller*innen: Alma Pöysti, Krista Kosonen, Shanti Roney, Joanna Haartti, Robert Enckell, Kajsa Ernst. Laufzeit: 100 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih: Salzgeber. Kinostart: 24. März 2022. Im Oktober 2021 bereits in der queerfilmnacht