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Interview

Was hat ein erotischer Venedig-Kalender noch mit Aids zu tun?

Mit "Masks 2022" ist druckfrisch ein Benefiz-Kalender zu Gunsten der Aidshilfe erschienen. Worum es ihm bei dem Projekt geht, erzählt Verleger, Model und HIV-Aktivist Tobias Reichelt im Interview.


Tobias Reichelt ziemlich nackt mit Maske: Ausschnitt aus dem Kalenderblatt für April 2022
  • Von Erwin In het Panhuis
    9. Oktober 2021, 07:44h, 8 Kommentare

Nach einem Kalender von 2021 ist nun der Nachfolge-Kalender für 2022 von und mit Tobias Reichelt erschienen – diesmal mit der faszinierenden Lagunenstadt Venedig als Fotokulisse. Aber kann ein erotischer Wandkalender auch eine politische Botschaft haben und wenn ja, welche? Diese und weitere Fragen haben wir Tobias Reichelt gestellt.

Wie kam es zu der Idee mit dem Kalender?

Seit Corona konnten viele Veranstaltungen nicht mehr stattfinden, und auch der Aidshilfe ging es finanziell schlecht. Außerdem müssen wir seit Corona alle eine Maske tragen. Bei einem positHIVen Comedy-Auftritt während der Kabarettakademie 2020 auf Burg Fürsteneck entstand erstmals die Idee eines Kalenders mit erotischen Corona-Maskenmotiven, die für 2021 umgesetzt wurde. Weil dieser Kalender gut ankam, stellte sich automatisch die Frage nach einem weiteren Kalender. In dem zweiten Kalender von 2022 geht es jetzt nicht mehr um Corona-Masken, sondern um Karnevalsmasken, die nun ein sichtbarer Ausdruck davon sind, Corona hinter sich zu lassen. Das subversive Spiel mit der Bedeutung von "Maske" ist jedoch geblieben.

Was gehört für dich zum subversiven Spiel mit Masken?

Ich bin Theaterschauspieler und -pädagoge. Ich stelle Masken nicht nur selber her, sondern finde sie – als Instrument in der Theaterarbeit und auch in ihrer übertragenen Bedeutung – faszinierend. Auf der einen Seite tragen viele Schwule und HIV-Positive im Alltag eine Maske, das heißt dass sie leider davon ausgehen, sich nicht so geben zu können, wie sie sind – nämlich ohne Maske. Auf der anderen Seite kann ich auch dem Oscar Wilde zugeschriebenen Bonmot "Gebt einem Menschen eine Maske und er zeigt dir sein wahres Gesicht" aufgrund meiner Theaterarbeit vollkommen zustimmen: Masken können nicht nur die eigene Persönlichkeit verschleiern, sondern diese auch regelrecht freilegen. In der Theaterarbeit ist die Arbeit mit Masken ein elementares Element.


Der Kalender "Masks 2022" kann per E-Mail an Tobias_Reichelt@web.de bestellt werden (weitere Infos im Kasten unten)

Was ist deine Botschaft bei deinem künstlerischen Spiel mit der Maske?

Zunächst einmal: Es gibt Menschen, die man in Bezug auf HIV und Aids durch klassische Aufklärungsarbeit in Textform nicht erreicht. Ich erinnere daran, dass schon in den Achtzigerjahren Ralf König für die Aidshilfe Comics gezeichnet hat, die in unterhaltsamer Form einen Zugang zum Thema HIV über die Mittel der Kunst ermöglichen. Auch ich wollte all dem Destruktiven, das vom Virus kommt, die konstruktive Kraft der Kunst entgegensetzen.

Mit meinem Kalender trete ich – auch ganz persönlich als offen HIV-positiver schwuler Mann – für den Wunsch vieler anderer ein, sich ganz selbstverständlich zu zeigen, wie man eben ist. Ich bin Jahrgang 1969 und "top in shape". Ich wurde 2019 positiv getestet, vertrage die tägliche Tablette gut und habe keinerlei Nebenwirkungen. Gesundheitlich geht es mir gut. Weil ich offen mit meiner HIV-Infektion umgehe, kann der Kalender vielleicht mit dazu beitragen, dass eine HIV-Infektion nicht automatisch mit Krankheit gleichgesetzt wird.

Gibt es noch andere Bereiche, in denen du dich bei der Diskussion um HIV einbringst?

Es gab schon diverse Theater- und Videoprojekte, in denen ich versucht habe, die Menschen für das Thema zu sensibilisieren. Ein Beispiel: Ich war neulich einer von mehreren Interviewpartner*Innen im WDR-1-Live-Podcast "Dumm gefragt", wo auch HIV als Thema aufgegriffen wurde. Die Sendung "HIV-positiv, das heißt: Ihr habt AIDS" war so, wie ich es mir für diese junge Zielgruppe gewünscht habe, nämlich gleichermaßen informativ und unterhaltsam. Natürlich ist Aids ein nicht immer leichtes Thema, aber hier wurde es für die junge Zielgruppe leicht und verständlich aufbereitet. Damit hat der WDR bei diesem Podcast ein ähnliches Konzept, wie ich es auch mit meinem Kalender versucht habe umzusetzen.

Gibt es schon Pläne für weitere Benefiz-Kalender?

Es gibt unterschiedliche Ideen, wie man sich eine Weiterentwicklung eines erotischen Benefiz-Kalenders für die Aids-Hilfe in den nächsten Jahren vorstellen kann. So könnte man mehrere schwule Models ablichten und darauf hinweisen, dass nur ein Teil dieser Männer HIV-positiv ist. Auch in dieser Form könnte man die Gleichsetzung von HIV mit Krankheit und die Annahme, dass man eine Infektion äußerlich erkennen könne, verhindern. Man könnte auch homo- und heterosexuelle Männer-Models ablichten und darauf hinweisen, dass nur einige von ihnen schwul und nur einige von ihnen HIV-positiv sind. Auch solche Kalender wären gewissermaßen eine Aufklärung durch die Hintertür.

Infos zum Kalender

Masks 2022. Hochwertiger Kunstkalender in limitierter Auflage im A4-Format. 250 g/qm mit silberfarbener Metallspirale. Preis: 15 € zzgl. 3 € für den Versand. Für jeden verkauften Kalender werden 3 € an die Aidshilfe gespendet. Bei Interesse reicht eine Bestellung per E-Mail an Tobias_Reichelt@web.de.


#1 MagnusVonBenzAnonym
  • 09.10.2021, 12:28h
  • Die Fotos entbehren nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik. Nicht nur, dass die Fotos qualitativ kaum einem niedrigem Standard entsprechen, die Optik ist schon sehr "einfach". Und künstlerisch ist das auch kein großer Wurf. Mich verwundert, dass Queer.de einer solch dilletantischen Arbeit so viel Platz für einen Artikel bietet.
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#2 queergayProfil
  • 09.10.2021, 23:43hNürnberg
  • Auch wenn in künstlerischer Hinsicht diese Fotos kein zu großer Wurf sein mögen, so sind Männer in Venedig immer ein interessantes Thema. Sich über irgendetwas herablassend zu äußern, das kann jeder/jede/jedes. Fotos machen auch. Menschenfreundlich agieren können leider nur wenige.
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#3 FalBeProfil
  • 10.10.2021, 07:59hHannover
  • Dazu hat er doch gar nichts gesagt. Der Erschaffer sieht wirklich toll in seinem Alter aus und kämpft mit Recht für sein Anliegen, keine Frage. Bei den Bildern stimmt allerdings tatsächlich nicht viel (Planung von Komposition, (goldener) Schnitt, Tiefenwirkung, Perspektive, Hintergrund nicht erkennbar oder - unter dem Mauerbogen - da aber für Aktfotografie nicht geeignet ).

    Fotografieren kann nicht jeder. Ja ist schon etwas seltsam, daraus einen Artikel zu machen..
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#4 MagnusVonBenzAnonym
#5 Nick-KölnAnonym
  • 11.10.2021, 08:59h
  • Mich würde interessieren an welche Aidshilfe das Geld geht. Es gibt über 100 lokale Aidshilfen und dann noch Landesverbände und einen Dachverband. Da bleibt der Verleger doch sehr im vagen.
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#6 StaffelbergblickAnonym
  • 11.10.2021, 10:34h
  • Nackte Männer, venezianische Masken ... gut eine Möglichkeit Kerle und Venedig zusammen zu bringen. Aber aufgrund der bisherigen Diskussion zum fotografischen Aspekt hatte ich mir die beiden Fotos nochmals genauer angesehen und das Titelfoto hatte mich von Anfang sehr irritiert. Das ist eine einmal das Hintergrundfoto in das der gesichtsverhüllte Mann eingebaut wurde. Und das ist schlecht gemacht. Es gibt Reflexionen/Spiegelungen an Stellen, die sich widersprechen. Ganz leicht zu erkennen am rechten Fuß. Unter dem rechten Fußgewölbe spiegelt sich die Architektur.
    Und bei dem zweiten Foto passen einfach die Licht-/Beleuchtungsverhältnisse nicht ... Ein Sonnenscheinfoto ... das mi den Schatten der vorhandenen Lampe nicht stimmig ist
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#7 Andreas BarlageAnonym
  • 11.10.2021, 12:45h
  • So, Leute - was soll das?

    Dem einen fehlen Reflexionen, dem anderen der bessere Hintergrund und die meisten meckern über fehlende Professionalität der Bilder.

    Wie verwöhnt und kulturspitzfindig kann man sein?

    Tragt ihr auch Regenbogen-T-shirts nur aus Seide? Sind eure Banner mit denen ihr für etwas einsteht aus Bio-Baumwolle mit Paspelkante?
    Nehmt ihr bei einem Charity-Event nur teil wenn Barbra Streisand auf der Bühne steht und Hummer serviert wird?

    Tobias Reichelt hat sich einen Haufen Arbeit gemacht und schillernde Sujets zu einem ungewöhnlichen Kalender zusammengebracht um zu HELFEN!
    Wenn die Bilder nicht gefallen - kein Problem. Niemand erwartet dass man einen Kalender kauft, den man nicht aufhängen oder verschenken möchte.

    Aber einige tun so, als wären die Bilder mit Kartoffeldruck angefertigt worden.

    Es gibt Leute, zu denen ich gehöre, die finden diese Motive spontan schön und sehen diese fotografischen Detailpatzer, so sie denn welche sind, nicht - und zwar weil sie ihnen nicht wichtig sind.
    Wenn dann jedoch solche Kommentare wie "die sind nicht professionell genug" kommen, verdirbt sowas den Spaß an der Sache und der eine oder andere den Kalender kaufen möchte oder gekauft hat, kommt sich dumm oder wenigstens nicht fotokunstverständig vor.

    Aber ist ja einigen von euch wohl egal ob ihr einen Menschen, der etwas Tolles angefertigt vielleicht demotiviert oder ob die AIDS-Hilfe weniger Kalender verkauft. Hauptsache ihr habt euch und euren Kunstverstand in Bedeutung geredet.

    ... und kommt mir nicht mit dem Argument "Kunstkritik muss ein Künstler aushalten". Ich bin sicher, dass Tobias Reichelt das kann.

    Es geht um etwas ganz anderes: Die Anerkennung seiner Arbeit für die AIDS-Hilfe.
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#8 perissoteronAnonym
  • 12.10.2021, 09:55h
  • Stimmt, T.Reichelt kommt zwar aus der Kunst (CHOREOGRAPH, MASKENKÜNSTLER, THEATERPÄDAGOGE), hat aber mit künstlerischer Fotografie wenig zu tun. Die Darstellungen wirken imo theaterhaft inszeniert, teils mit unfreiwilliger Komik oder (Bild-)fehlern... so what?? Es ist ein kleineres Charity Projekt, nicht mehr und nicht weniger, da darf es auch mal etwas unprofessionell zugehn.
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