Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://www.queer.de/detail.php?article_id=40197
Home > Kommentare

Kommentare zu:
Harry Macqueen will "die Normalität normalisieren"


#1 RuntAnonym
  • 11.10.2021, 09:49h
  • Es ist nachvollziehbar, wenn man in einem Film Homosexualität nicht problematisiert.

    Dass es "keine Rolle" spielt, ob jemand schwul ist oder hetero, ist aber etwas anderes und wäre schade. Es spielt ja eine Rolle, es gehört zur speziellen Perspektive auf das Leben dazu und die Schauspieler (egal ob sie selber schwul sind oder nicht) haben bei der Gestaltung ihrer Rollen sicher darüber nachgedacht, wie sie ihre Rollen und deren Sexualität / Erotik anlegen, ob sie eigene Erfahrungen einfließen lassen oder mehr aus der Beobachtung heraus spielen etc.

    Eigentlich ist das auch. besonders interessant bei homosexuellen Paaren und vielleicht auch ein Grund für Regisseure, etwas über homosexuelle Paare zu erzählen: Während man bei Heteropaaren viel leichter auf Stereotype zurückgreifen kann, um eine Liebesgeschichte und eine erotische Spannung (gegenwärtig oder erloschen) zu behaupten, ist man bei dieser Konstellation viel mehr gezwungen, darüber nachzudenken, was die Verbindung der beiden Menschen ausmacht, wie sie sich äußert, wo die Vertrautheit und wo die Spannung liegt.

    Einen Film über ein homosexuelles Paar, der mir nicht auch irgendetwas darüber erzählt, wie andere ihre Homosexualität empfinden, wäre für mich langweilig oder steril.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 mind_the_gapEhemaliges Profil
  • 11.10.2021, 11:30h
  • Antwort auf #1 von Runt
  • Auch ich bin der Ansicht, dass es durchaus eine entscheidende Rolle spielt, ob jemand cis-hetero oder queer ist. Und ich bin ausgesprochene_r Gegner_in der These, wir müssten doch allen nur zeigen, wie "normal" wir doch sind, um akzeptiert zu werden. Aber:

    "Einen Film über ein homosexuelles Paar, der mir nicht auch irgendetwas darüber erzählt, wie andere ihre Homosexualität empfinden, wäre für mich langweilig oder steril."

    Dieser Satz gibt mir doch zu denken. Man möge ihn sich mal umgekehrt vorstellen:
    "Ein Film über ein heterosexuelles Paar, der mir nicht auch irgendetwas darüber erzählt, wie andere ihre Heterosexualität empfinden, wäre für mich..."

    Wir haben nämlich tatsächlich erst dann volle Akzeptanz erreicht, wenn wir selbstbewusst genug sind, unsere Eigenbewertung nicht davon abhängig zu machen, wie Andere unsere Sexualität empfinden. Und wenn man den Satz umdreht, so wie ich es oben getan habe, merkt man auch, wie absurd die umgekehrte Variante klingt. Denn niemand käme auf die Idee, einen Cis-Hetero-Film unter der Perspektive zu drehen oder auch zu sehen, wie queere Menschen die Sexualität der Hauptdarsteller_innen wohl empfinden oder bewerten würden.

    Wenn die Aussage für mich einen Sinn machen sollte, müsste sie eher so lauten, dass daraus hervorgeht, welchen Stigmatisierungen und Diskriminierungen queere Menschen heute immer noch unterliegen. Also eine Sichtweise von den Betroffenen aus und nicht aus der Sicht derjenigen, die unsere Sexualität wie auch immer von außen oder in Draufsicht "empfinden".

    Ich möchte noch dazu sagen, dass ich damit jetzt keine weitschweifige Diskussion anleiern bzw. mich nicht daran beteiligen möchte. Ich wollte das hier nur mal als Statement hinterlassen.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #1 springen »
#3 SWATklinNZProfil
  • 11.10.2021, 14:00hAhipara
  • Vielleicht wäre bei der Draufsicht die Orientierung weniger bedeutend, wenn man den Film mit dem Fokus auf Liebe als tragende Verbindung sieht, und dann fällt auch das bei queeren Filmen fast aufs Auge zementierte Momentum von Sexualität etwas zur Seite. Ich weiß nicht, inwieweit das in diesem Film eine Rolle spielt. Vom Trailer her scheint es mehr um die Liebe zwischen den Beiden, um die Entwicklung der Krankheit und die dadurch entstehenden Strapazen zwischen den Personen zu gehen, die ihre Liebe auf Zerreißprobe stellt.

    Auch jede Liebe ist als Gesamtgeschehen einzigartig. Man müsste aus dieser Achse heran analog fragen, ob überhaupt ein Schauspieler jemals die Liebe einer anderen Person spielen kann. Nur wenn man den Unterschied von queer dann Hetero überhaupt gegenüberstellt, entsteht die Frage von Normalität/en. Normal ist aber, dass Menschen einzigartig und anders sind. Hetero oder queer, schwul in dem Fall, ist eine Facette vom Normalen.

    Vorgedanken.
    Nachgedanken werden sich zeigen.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 RuntAnonym
  • 11.10.2021, 16:16h
  • Antwort auf #2 von mind_the_gap
  • Nur eine kurze Klarstellung meinerseits:

    "Ein Film über ein heterosexuelles Paar, der mir nicht auch irgendetwas darüber erzählt, wie andere ihre Heterosexualität empfinden, wäre"

    ... für mich ebenfalls uninteressant, bzw. unglaubwürdig, papieren. Es gibt ja solche Filme oder Theaterstücke, wo die Schauspieler das nicht hinkriegen, eine emotionale und erotische hetero-Beziehung glaubhaft zu spielen und wo das Publikum das nur deshalb schluckt, weil es annimmt , dass zwischen einem Mann und einer Frau ja eine Spannung sein "muss".
  • Antworten » | Direktlink » | zu #2 springen »
#5 RuntAnonym
  • 11.10.2021, 16:32h
  • Antwort auf #3 von SWATklinNZ
  • "Man müsste aus dieser Achse heran analog fragen, ob überhaupt ein Schauspieler jemals die Liebe einer anderen Person spielen kann."

    100 % vielleicht nicht, aber genügend genau, dass es in der reduzierten Welt des Films glaubhaft wirkt. Einer von vielen Tricks ist es, dass man Übertragungen macht, indem man eine Handlung spielt und zeitgleich an etwas anderes denkt. Das gehört zum Handwerk der Schauspieler (und nebenbei auch zu dem von Menschen, die andere manipulieren wollen oder sollen).
  • Antworten » | Direktlink » | zu #3 springen »

» zurück zum Artikel