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Hetze

AfD-Politikerin warnt vor "entarteter Regenbogenvielfalt"

Eine "verbrecherische Sekte" aus "LGBTQI-Szene und Europäischer Kommission" mache sich "Transgender Kids" zum Opfer, behauptet die Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst.


Als Mitglied des Bundestags besitzt Höchst Immunität und Indemnität, was sie aber nur bedingt vor Ermittlungen gegen Äußerungen außerhalb des Plenums schützt (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Die gerade erneut über die Landesliste Rheinland-Pfalz in den Bundestag gewählte AfD-Politikerin Nicole Höchst verschärft weiter ihre queerfeindliche Rhetorik. In ihrer Kolumne "Höchst Brisant" im rechten Portal "jouwatch" warf sie nun der LGBTQI-Szene vor, Kinder quasi zur Transgeschlechtlichkeit zu verführen. Geschlechtsangleichende Operationen stellte sie dabei als "Selbstzerstörung" und "Selbstverstümmelung" und letztlich als "Entartung" dar.

Die teils wirre Kolumne trägt den Titel "Gesellschaftlich-toxische Genderkratie auf dem Rücken der Unschuldigen und Ahnungslosen" und erschien am 3. Oktober. Darin schlägt die 51-Jährige einen weiten Bogen über Instagram-Äußerungen zum Begriff "Mann" über "genderpolitisch korrekte Sprachempfehlungen", worin die Abgeordnete "übelsten Sexismus" sieht, hin zu Empörung über Phallus-Symbole und letztlich zum eigentlichen Thema Transgeschlechtlichkeit.


In sozialen Netzwerken bat Höchst indirekt um weite Verbreitung ihrer Hetze

Dabei stellt sie die Entwicklungen von vornherein in einen Bedrohungskontext: "Wir sind so bunt, wir sind so vielfältig – hurra!", schreibt Höchst ironisch zustimmend zum Einstieg. "Doch hinter der netten, heilsversprechenden Fassade des umgekehrten Regenbogens liegt die Kehrseite des bunten Treibens: Menschenverachtende Dunkelheit".

Transgeschlechtlichkeit ist für Höchst "Entartung der Selbstbestimmung"

Höchst warnt in der Kolumne anhand ihrer wirren Beispiele vor der Entstehung eines "Möchtegern-Weltreichs des Anything-Goes-Wolkenkuckucksheims", das freilich wie der Sozialismus und "allzu dystopische und menschenfeindliche Regimes" scheitern werde. Doch liege etwa in "bunten Rahmenlehrplänen" wie "Vielfalt unter dem Regenbogen" ein "staatsfinanziertes Jugendgefährdungspotenzial".

Die AfD-Politikerin behauptet ernsthaft, in den Lehrplänen entwickelten Bildungsinstitute "ihren Hoheitsanspruch über Kinderbetten schon in deren zartem Alter von 2-3 Jahren und wollen selbigen vermitteln, dass man nie zu jung ist, sich 'sein Geschlecht aussuchen' zu können". Kinder würden so auf einen "gefährlichen Irrweg geschickt, der für sie das Potenzial zur totalen und unwiderbringlichen Selbstzerstörung birgt".


Beleg-Ausschnitt aus der Höchst-Kolumne, in der die Lehrerin den historisch belasteten Begriff "entartet" bzw. "Entartung" zwei Mal nutzt, den die Nazis unter anderem gegen die von ihnen verfolgten Homosexuellen verwendeten

Unter der Zwischenüberschrift "Entartete Regenbogenvielfalt" kommt Höchst zum eigentlichen Thema: "das Anstreben einer irreversiblen hormonellen und chirurgischen Veränderung an den Körpern unschuldiger Kinder, die durch die Vielfaltslehre schnell auf den Holzweg gelockt (…) und von einer übereifrigen Lobbysekte aus LGBTQI-Szene und Europäischer Kommission vereinnahmt" würden: Auf der "Grundlage von Gefühlen, die als Wahrheit dargestellt würden", käme es immer häufiger "zu lebenslangen radikalen medizinischen Eingriffen am Körper von Kindern und Jugendlichen".

Höchst verbreitet Mythen und Spin aus anti-queeren und transfeindlichen Ecken, etwa über eine Zunahme des "Trends" zu "Transgender Kids" oder zu "vielen erschütternden Erfahrungsberichten von Re-Transitionierten". Immer jüngere Kinder würden zu "potenziellen Opfern dieser Lobbysekte", warnt die Politikerin: "Im Bundestag wurde bereits versucht das Alter für diese Entartung der Selbstbestimmung auf 14 Jahre abzusenken."

Sie achte die selbstbestimmte Entscheidung Erwachsener zur Transition, so Höchst zwischen all den Abwertungen. Aber "die Tendenz zu immer früheren 'Entdeckungen' und 'Behandlungen' von 'Transgender Kids' durch sogenannte Experten" sei "eine amoralische, antihumanistische, zutiefst menschenverachtende, ja verbrecherische Blüte jener menschenfleischvernichtenden Venusfliegenfalle mit dem englischem Namen Anything Goes." Dieser "Irrweg" mit angeblicher "Selbstverstümmelung im Grundschul- aber auch im Jugendalter" müsse verhindert werden. Den queerfeindlichen Bildungsplan-Diskurs wiederbelebend schließt Höchst mit: "Viel zu viele Eltern wissen noch gar nicht, was an Kindergärten und Schulen unter dem Deckmäntelchen des pervertierten Regenbogens vor sich geht." Auch die Presse sei herausgefordert, "sich gegen die kulturelle Hegemonie dieser mächtigen Sekte zu behaupten".

Konstante, sich radikalisierende Hetze

Nicole Höchst hat sich in den letzten Jahren zu eine der führenden Anti-LGBTI-Aktivist*innen in der deutschen Politik entwickelt. Bei Vorträgen vor AfD-Ortsverbänden warnt sie etwa vor einer "Frühsexualisierung" an Schulen und vor LGBTI-inklusiven Bildungsplänen; queere Aufklärungsprojekte diffamiert sie als "steuerfinanzierte Sexualindoktrination durch Berufshomosexuelle" und als "Heterophobie" (queer.de berichtete). Die Gesellschaft werde von einer "Minderheit am Nasenring durch die Manege gezogen", so Höchst immer wieder: "Wir von der AfD werden damit Schluss machen".


Aktuell warnt Höchst bei Facebook vor der Aufnahme des Merkmals "sexuelle Orientierung" in Artikel 3, also den Gleichheitsartikel, des Grundgesetzes. Die zu bekämpfende formale Ausweitung des Diskriminierungsverbots stellt sie als "Gendergaga" als Staatsdoktrin vor

Die Ehe für alle lehnte Höchst als "Befriedigung von Kleinstinteressengruppen" ab, kürzlich griff sie in sozialen Netzwerken die Journalistin Georgine Kellermann transfeindlich an (queer.de berichtete). Bei den Vorträgen betont Höchst zugleich immer wieder, die AfD habe nichts gegen gleichgeschlechtliche Liebe, solange diese "privat, einvernehmlich und über 18" geschehe – was eine Wiedereinführung des Paragrafen 175 in seiner letzten Fassung oder Gesetze gegen Homo- und Trans-"Propaganda" wie in Russland oder Ungarn nicht ausschließt.

Das entsprechende ungarische Gesetz stellte sie im Sommer als "nicht trans- und homophob, sondern kinderfreundlich" dar, etwa bei einer Rede bei der AfD Rheingau-Taunus am 30. Juni. Proteste dagegen etwa bei der Fußball-EM diffamierte sie als "Haltung, Haltung über alles, um den Ungarn eines mitzugeben" und meinte, "Regenbogengruppen" überspannten den Bogen: "Das Regenbogensymbol ist spätetens seit dieser EM eines der meistgehassten Symbole auf der Straße, unter Fußballfans und unter normalen Leuten", so Höchst den Hass weiter antreibend unter Applaus.



#1 SakanaAnonym
  • 11.10.2021, 11:50h
  • ...und sie wird sich mit allergrößter Sicherheit wieder auf einen Sitz im Kuratorium der Hirschfeld-Eddy-Stiftung bewerben, sobald sich der neue Bundestag konstituiert hat und es an die Gremienwahlen geht.

    Die Frau ist sowas von indiskutabel queerfeindlich, dass einem fast die Worte fehlen...
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#2 mind_the_gap
  • 11.10.2021, 11:53h
  • Der Begriff "entartet" ist offener Nazi-Jargon. Jahrzehntelang war dieser Begriff unsagbar. Weg war diese Denke nie, aber sozial einigermaßen in Schach gehalten. Nun brechen die braunen Fäkalien wieder hervor - auf das Heftigste und Ekelhafteste.

    Pfui Teufel.
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#3 AndiAnonym
  • 11.10.2021, 12:23h
  • Ich plädiere außerdem dafür, gegenüber dieser Frau strafrechtliche Ermittlungen wegen Verletzung von §130 Abs. 1 Nr.1 StGB von Amts wegen einzuleiten und zugleich die Immunität abzuerkennen (Bundestag). Letzteres durch die federführende Staatsanwaltschaft.
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#4 MephalaAnonym
  • 11.10.2021, 12:35h
  • Antwort auf #2 von mind_the_gap
  • Och.

    Wer erinnert sich an die Verteidigung der von 'der trans Lobby' verfolgten und unterdrückten Milliardärin JK Rowling durch die gesamte deutsche Presse von 'FAZ' bis 'Jungle World'? Und das, was Rowling von sich gibt? Wer erinnert sich an den 'Tatort' 'Die Amme' vom ORF, prompt in Deutschland ausgestrahlt? Wer erinnert sich an das diesjährige Lesbische Frühlingstreffen (LFT, sehr gute Artikel hier bei queer de)? Was Höchst von sich gibt, ist überall dort maximal anschlußfähig. In Deutschland - siehe LFT, siehe Terre des Femmes Deutschland, gilt das als Feminismus.
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#5 Gnurfel42Anonym
  • 11.10.2021, 13:14h
  • Das ist alles klassische Nazirhetorik. Himmler wäre stolz! Jeder, der Geschichte nicht eingechlafen ist, sollte das wissen und durchschauen.
    Wehret den Anfängen! Warum fallen Menschen eigentlich immer auf diesen Scheiß rein? Was läuft eigentlich falsch in Deutschland?
    Ich glaube mittlerweile, Leute WOLLEN wieder den Faschismus. AFD = Alles Fascho-Deppen
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#6 DestroyaAnonym
  • 11.10.2021, 13:39h
  • Na ja, ist halt diese typische rechte Öko-Masche wie man es bei vielen medizinischen Themen schon kennt von denen:

    Sie haben Krebs? Machen sie bloß keine Chemo-Therape! Der Krebs will Ihnen etwas mitteilen!

    Bluthochdruck und Cholesterin? Bloß keine Blutdrucksenker oder Statine nehmen! Die Werte sind von den Ärzten erfunden!

    Diabetes? Einfach mit Ernährung Heilen! Ihnen fehlen nur Vitamine.

    Hautkrebs? Keine Angst, Vitamin D Mangel ist viel schlimmer! Krebs bekommen nur Leute mit niedrigen Vitamin-D Spiegel und Sonnencreme-Benutzer, das Bundesamt für Strahlenschutz lügt!

    Schizophrenie? Bloß keine Psychopharmaka, holen sie einen Exorzisten!

    Schwul? Exorzist oder Beten!

    Die folgen sind die selben wie immer bei verzicht auf lebensnotwenige Behandlungen: Tote.
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#7 mind_the_gap
  • 11.10.2021, 13:50h
  • Antwort auf #4 von Mephala
  • Ich habe mich lediglich auf den Begriff "entartet" bezogen. Ich habe nicht behauptet, dass das die einzige Anwendung seit Jahrzehnten gewesen sein soll. Wenn ich da etwas übersehen habe, bitte ich um Verzeihung. So prominent ist mir der Begriff hingegen bisher selten begegnet. Ich halte es jedenfalls für höchst alarmierend, dass offene Nazisprache immer salonfähiger wird.
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#8 DQ24Anonym
  • 11.10.2021, 14:14h
  • Jetzt ist die "Gute" total durchgeknallt! Erinnert mich sehr an Taktiken der Republikaner in den USA, an Putins Partei in Russland, an die durchgeknallten Führer Ungarns und Polens, und an manche Nazipartei in Europa.
    Ist Taktik, auf die kluge Menschen nicht reinfallen, dumme schon! Und Menschen mit religiotischem Hintergrund erst recht!
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#9 DQ24Anonym
#10 SWATklinNZProfil
  • 11.10.2021, 14:42hAhipara
  • Diese Schnapfgacke erinnert in ihrer Ausdrucksfindung immer mehr an diesen verrückt gewordenen Vegankoch, wie heißt'n der noch, der in die Türkei abgehauen ist. Vielleicht haut sie ja auch irgendwann ab hinter den Blocksberg. Aber wahrscheinlich wurde sie da raus geschmissen, nach letzter Walpurgisnacht, oder hat da noch einen Besen stehen, wer weiß? Ihre zweite Staatsbürgerschaft könnte auch in Gehinnom liegen (Wortherkunft von 'Hölle' ).

    Unter der Indemnitär kann sie sich übrigens die Verleumndung von anderen so wenig erlauben wie Verunglimpfung über das andenken Verstorbener, also aufpassen muss sie da scho a wenerl, was sie so in den Tag mundpfurzt.
    Die ganzen Wähnungen über eine Sekten-Lobby, die machtvoll und einflussreich irgendwo im Verborgenen tickt, das Ganze lässt allerdings eher die Frage zu, ob hier eimn gewisser Dachschaden vorliegt, und die Macke unterm Pony schon gestreut hat.

    Sie könnte sich einen Zweitwohnsitz auch gern in Ungarn besorgen, wo ihr da schon die Gesetze so gut gefallen. Vielleicht wird das die nächste Vollnazirepublik, und dann kann sie sich ganz wie zuhause fühlen!

    Sie hat für die Gefühle von queeren Kindern und Jugendlichen nur Verbote übrig, vielleicht erzählt das etwas über ihre eigene Kindheit als Hex... ich meine in der Hege oder unter der Fuchtel gestrenger Kindertanten. Vielleicht glubbschte die auch schon hochgeschossen aus einem Kohlfeld, zuzutrauen wäre ihr, dass sie als Jugendliche Zitronen gefaltet hat.

    Schlimm, dass man in D noch im 21. Jahrhundert mit solchen Nazi'stinnen zu tun hat. Keine einladende Geste.
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