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Transfeindliche Aktion

Aus Provokation: Grüner kandidierte für Frauenplatz

Ein grüner Transfeind deklarierte sich als Frau und kandidierte für den Frauenplatz im Kreisvorstand. Er verlor nicht nur die Abstimmung, sondern auch seinen Landtagsjob. Nun entdeckten rechte Medien die Aktion.


David Allison während der Kommunalwahlen 2019 (Bild: Screenshot / Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Reutlingen)

Während die grünen Politikerinnen Nyke Slawik und Tessa Ganserer nach ihrer Wahl in den Bundestag mit transfeindlichen Anfeindungen zu kämpfen haben (queer.de berichtete), sorgt die transfeindliche Aktion eines Grünen-Mitglieds im baden-württembergischen Reutlingen für Irritation. Bereits Mitte Juli hatte David Allison (60), der für seine Partei bereits im Kreistag und bis 2019 im Kreisvorstand gesessen hatte, bei Vorstandswahlen des Kreisverbandes erneut kandidiert – nun jedoch vermeintlich als Frau.

Weil er die transinklusiven Statute der Partei vorführen wollte, hatte er bei der Sitzung überraschend auf dem für Frauen vorgesehenen Platz kandidiert. Den Posten hat er nicht bekommen – und nun auch seinen Job als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der grünen Landtagsabgeordneten Cindy Holmberg verloren. Das griffen nun in den letzten Tagen "Bild", die "Welt" und die rechtsextreme "Junge Freiheit" auf.

Aktion in "Emma" öffentlich gemacht

Die frauenpolitische Zeitschrift "Emma", in der Allison seine Aktion durch einen Artikel am 20. September publik gemacht hatte, hatte kurz zuvor über die Freistellung des Mannes von seinem Posten berichtet. Dort heißt es einerseits, die Kündigung sei "ohne Angabe von Gründen" erfolgt. Andererseits wird sowohl Holmberg zitiert, die gegenüber dem Magazin betont, Allison die Gründe mündlich mitgeteilt zu haben, als auch Allison selber. Beide geben an, über den Inhalt des Gesprächs keine Auskunft erteilen zu wollen.

"Emma" hatte die Aktion des Kommunalpolitikers, der sich erfolglos für die Kandidatur zur Landtagswahl 2021 beworben hatte, der Blattlinie gemäß gefeiert. Statt Allison war dann jedoch Holmberg zur Kandidatin gekürt und schließlich in den Stuttgarter Landtag gewählt worden. Seine Bezüge als Referent der Abgeordneten erhält Allison noch bis November.

In seinem "Emma"-Artikel vom 20. September, den Allison mit einem Ganzkörperbild von sich in Jeans und Sakko und mit grauen Bartstoppeln bebildern lassen hatte, hatte er die Mitgliederversammlung des Kreisverbandes seiner Partei beschrieben. Er habe zu Beginn der Veranstaltung ein Flugblatt verteilt, das mit zwei Sätzen aus dem Frauenstatut der Partei bedruckt gewesen sei: "Alle Menschen haben ausschließlich selbst das Recht, ihr Geschlecht zu definieren" und "Von dem Begriff 'Frauen' werden alle erfasst, die sich selbst so definieren". Bei der Wahl der Frauenplätze der Vorstandswahl sei er dann aufgestanden und habe sich gemeldet. Auf die irritierte Nachfrage "Auf einem Frauenplatz?" habe er geantwortet: "Ich bin eine Frau. Ich definiere mich heute als Frau und berufe mich auf das grüne Grundsatzprogramm und das Frauenstatut.".

Zwar habe Allison nach kurzer Beratschlagung kandidieren dürfen. Doch auch seine weiteren Stellungnahmen zu seiner Kandidatur waren, folgt man den beschriebenen Zitaten im Artikel, vor allem auf sein Recht bezogen, auf diese Weise auf den Frauenplätzen zu kandidieren. Obwohl der Mann schließlich kaum Stimmen erhalten hat, wertete er die Aktion als Erfolg. Niemand der 30 bis 40 Anwesenden habe sich auszusprechen getraut, dass ein Mann kandidiere. Dabei beschreibt er selbst, wie die erste Frage an ihn "Bist du wirklich eine Frau?" gelautet habe. Auf die habe er mit "Ich definiere ich als Frau" geantwortet. Darauf seien weitere Fragen zu seiner Transition gefolgt, die er sich mit dem Ausspruch "Es geht nicht darum, wie ich mich fühle, sondern allein darum, dass ich mich als Frau definiere" verbeten habe.

Bisher nicht mit Feminismus aufgefallen

Im Bewerbungsschreiben für die Landtagskandidatur, das auf der Seite des Kreisverbandes einzusehen ist, sprach der in Großbritannien geborene und aufgewachsene Kommunalpolitiker über seinen Stolz, Deutscher zu sein, sowie über Themen wie Mobilität, Digitalisierung, Artenvielfalt, die Handelspolitik, Integration im Bildungssystem oder über sexuellen Kindesmissbrauch. Dass sich Allison in der Vergangenheit für frauenpolitische oder genuin feministische Themen abseits der sexuellen Gewalt gegen Kinder stark gemacht hätte, findet sich hingegen weder in der 5-seitigen Bewerbungsschrift, noch sonst irgendwo im Netz.

Stattdessen war Allison stellvertretendes Mitglied im Verwaltungsrat der Kreissparkasse Reutlingen, stellvertretender Vorsitzender im Sozial-, Schul- und Kulturausschuss sowie stellvertretendes Mitglied in den Ausschüssen für Verwaltung sowie für technische Fragen und Umweltschutz im Kreistag.

Wegen trans Frauen "Frauenrechte" entdeckt?

Allisons "Emma"-Artikel vom 20. September mauserte sich selbst so kurz vor der Bundestagswahl nicht zum Aufreger. Weder griff die überregionale Presse die Aktion auf, noch nutzten politische Konkurrent*innen den "Skandal", dass in der grünen Partei Männer für Frauen vorgesehene Ämter einnehmen könnten. Die "BILD"-Zeitung versuchte kurz darauf lieber, Stimmung gegen eine durch die Grünen angeblich drohende Impfpflicht für Polizist*innen zu machen, weil der Gesundheitsexperte Janosch Dahmen einen entsprechenden, als "Autorenpapier" gekennzeichneten Vorschlag veröffentlicht hatte.

Erst jetzt, als die Entlassung Allisons durch "Emma" bekannt gemacht wurde, berichteten "Bild", "Welt" und die rechtsextreme "Junge Freiheit" über die ursprüngliche Aktion. Im "Emma"-Text erklärte sich Allison noch einmal zu seiner Kandidatur. Demnach könne sich mit dem grünen Vorhaben eines Selbstbestimmungsgesetzes "jeder 16-jährige Schüler" als Frau definieren und "in die Mädchendusche gehen". Doch eine einfache Suche nach Vorfällen sexueller Gewalt in Mädchenduschen fördert bereits zutage, dass es entsprechende Täter offenbar nicht für nötig erachtet hatten, sich vor ihren Taten zur Frau zu deklarieren. Sie betraten die Duschräume einfach.



#1 Gnurfel42Anonym
  • 11.10.2021, 13:52h
  • Er hat mittlerweile offen zugegeben, dass das alles nur Show war, natürlich fühlt er sich NICHT als Frau, und ist NICHT trans. Nur, um das noch mal ganz klar zu stellen.

    Außerdem bekam er sage und schreibe 3 Stimmen. Offenbar haben sich die Anwesenden seine angebliche trans Identität nicht abgekauft. Zurecht. Er sagte noch den Anwesenden bei seiner Kandidatur, wie er bisher lebte, und das »war« eine jahrelange Cis-Hetero-Ehe, wie sie stereotyper nicht sein kann. Also offensichtlicher konnte er es wirklich nicht machen.

    Also, der Skandal, den er sich dadurch erhoffte, der blieb aus. Offensichtlich lassen sich zumindest die Grünen-Mitglieder so leicht nicht verarschen. Das spricht dann also eigentlich für sie, oder?

    Und wenn er das wirklich dauerhaft durchgezogen hätte, wenn er die Leute wirklich hätte täuschen können, hätte er ja diese falsche Identität ja auch wirklich über Jahre leben müssen. Ob das eine cis Person wirklich so lange durchhalten kann, halte ich für äußerst fraglich.

    Und überhaupt, das Narrativ von den »bösen cis Männern, die nur so tun, als wären sie trans«, ist halt komplette Fantasie. Das passiert halt einfach nicht. Jedenfalls ist mir abgesehen von einigen kurzlebigen Troll-Aktionen nichts dergleichen bekannt.
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#2 MaybemeAnonym
  • 11.10.2021, 14:09h
  • Ganz ehrlich, wenn ich sowas durchziehen will, dann mache ich das richtig, ich fange rechtzeitig vorher an, mich als trans zu outen, kleide mich entsprechend, lege mir einen passenden Namen zu, nutze das Damenklo, und reisse mir dann nach der Wahl die Perücke runter und sage, hey ihr grünvolk ich hab euch alle verarscht.
    Aber hey, dann hätte man ihn vielleicht wirklich für trans gehalten und das will er vermutlich nicht.
    Riecht sehr nach einem Feigling.
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#3 Gnurfel42Anonym
#4 MaikeProfil
  • 11.10.2021, 15:07hStuttgart
  • Die "Emma", dem Traktat, das vorgibt eine feministische Publikumszeitschrift zu sein Wird beklagt, dass ein Mensch seinen Job verlor, weil er angeblich eine Aktion entlarvt hätte.
    (Transleak bei Grüns fällt aber aus)

    Um was ging es dem CIS-Männchen Allison denn wirklich? Er hat sich zum Werkzeug einer seit Jahren anerkannt transfeindlich agierenden sogenannten Frauenrechtlerin gemacht. Einer Eminenz des Grauens im queeren Landesnetzwerk Baden-Württemberg, die Frauenrechte exklusiv als CIS-Frauenrechte versteht. Dies obwohl sie einst an einer Hochschule zu Genderstudies forschte.
    Allison, ein hetero Cis-Mann in fortgeschrittener Reife hat sich also von dieser Dame instrumentalisieren lassen um in parteischädigender Art und Weise Beschlusslagen der grünen Bundespartei in Frage zu stellen und dies in einer grünenfeindlichen feministische Kampagne im Bundestagswahlkampf auszuschlachten, die ist aus meiner persönlichen Sicht parteischädigendes Verhalten.

    Wenn Allison also mutmaßlich parteischädigend agiert hat, dann stellt er das Vertrauensverhältnis zur Partei insgesamt und damit auch zu seiner Arbeitgeberin, der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg, Cindy Holmberg MdL in Frage. Das unbedingte Vertrauensverhältnis jedoch, ist für das persönliche Arbeitsverhältnis zwischen Parlamentarier*innen und deren Mitarbeitenden aber zwingende Voraussetzung, wenn diese Verhältnis gestört ist, dann muss das Arbeitsverhältnis sein ende finden. Ganz unabhängig vom Thema!

    Um es abschließend nochmals zu klären. Menschenrechte sind grüner Markenkern und gelten inklusiv für alle Menschen gleich. Die krude These, dass ein Mann seine komplette Existenz, familiäre wie soziale Bindung in Frage stellt, nur um die Privilegien der Frauen für sich zu beanspruchen, in Frauencafés einzudringen oder gar dreist auf Frauentoiletten zu gehen zeugt von tiefster Menschenfeindlichkeit!
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#5 mind_the_gap
  • 11.10.2021, 16:04h
  • Abgesehen von dieser ganzen unsäglichen Geschichte, eine ernst gemeinte Frage.

    Die Grünen haben also Listenplätze für Männer und für Frauen. Haben sie noch nicht wirklich realisiert, dass es eben auch "d" gibt und nicht nur "m" und "w"? De facto würde das Ganze ja bedeuten, dass man als nichtbinäre Person überhaupt keine Chance auf einen Listenplatz hat, weil man entweder ein Mann oder eine Frau sein muss.

    Ich habe mir diese Frage schon öfter gestellt. Wurde das schon mal irgendwo diskutiert? Falls ja, habe ich es nicht mitbekommen.
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#6 QuinnAnonym
  • 11.10.2021, 17:51h
  • Antwort auf #5 von mind_the_gap
  • Nein, es gibt keine Männerplätze. Es gibt offene Plätze, auf die sich jede*r bewerben kann und Frauenplätze. Dass dadurch andere marginalisierte Gruppen wie nicht-binäre oder inter* Personen nicht besonders berücksichtigt werden kann man sicherlich kritisieren, eine Kandidatur ist jedoch für jede*n möglich.
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#7 mind_the_gap