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KStA-Interview

Erste trans Frauen im Bundestag beklagen negative Reaktionen nach der Wahl

"Mir wurde das Frausein abgesprochen", ärgert sich Nyke Slawik über "heftige Diffamierungen". Es habe aber auch einen "Erdrutsch an positiven Reaktionen" gegeben.


Slawik im April beim Landesparteitag der Grünen in NRW (Bild: Grüne Jugend)

Die ersten trans Frauen im Bundestag, Nyke Slawik und Tessa Ganserer (Grüne), haben laut eigenen Angaben nach ihrer Wahl starke Gegenreaktionen erhalten. "Es gab heftige Diffamierungen, mit denen mir – und auch Frau Ganserer – das Frausein abgesprochen wurde", sagte Slawik dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Bezahlartikel). Unter anderem habe es geheißen: "Da sitzen jetzt als Frauen verkleidete Männer im Bundestag".

Themen wie Transgeschlechtlichkeit seien zwar in der Mitte der Gesellschaft angekommen, so die 27-jährige Abgeordnete aus Nordrhein-Westfalen – aber sie würden nicht von allen unterstützt. Dass es neben einem sehr positiven Echo auch diffamierende Reaktionen gegeben habe, sei für sie sehr verletzend gewesen. "Ich werde mich mit anderen gegen Homo- und Transfeindlichkeit einsetzen", kündigte die Grünen-Politikerin an.

Die Diskriminierung sei selbst im Artikel drei des Grundgesetzes noch präsent: "Dort sind alle Gruppen aufgeführt, die in Deutschland seinerzeit von den Nationalsozialisten verfolgt wurden – außer homosexuelle Menschen und trans Menschen." Die Wahl der beiden Frauen müsse mehr als ein "Zeichen der Diversität" sein, so Slawik: "Es geht auch darum, dass wir damit etwas Konkretes anfangen." Dazu zählten etwa ein Selbstbestimmungsgesetz oder der Abbau von Diskriminierung bei Blutspende und Abstammungsrecht.

Auch den Frauenanteil im Bundestag zu erhöhen, sei "eine sehr große Baustelle", sagte Slawik der Zeitung. Dass CDU und FDP nicht einmal 25 Prozent Frauen in ihren Fraktionen hätten, findet die Leverkusenerin "sehr enttäuschend". Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen besteht hingegen zu mehr als der Hälfte aus Frauen.

"Türöffnerin" und vielseitige Politikerin

Slawik betonte zugleich, sie sei "wahnsinnig überwältigt" gewesen von dem Echo auf die Wahl, von einem "Erdrutsch an positiven Reaktionen" aus dem In- und Ausland. "Ich freue mich, dass es für viele Menschen offenbar ein positives Signal ist, dass der Bundestag jetzt diverser wird. Und dass gerade junge Leute sagen: 'Hey, endlich ist da auch jemand, der uns repräsentiert.'"

Auf die Frage, ob sie nicht befürchte, "nur auf das Thema Transsexualität reduziert und gewissermaßen zur reinen Attraktion zu werden", antwortete Slawik, sie wolle bewusst ein "Türöffner" sein, "damit ein Wandel stattinden kann". Andererseits sei sie mit vielen Themen in die Wahl und nach Berlin gegangen. In dem ausführlichen und teils lockeren Interview, in dem Slawik auch über ihre Vorliebe für Feine Sahne Fischfilet, KraftKlub, Schrottgrenze, Sookee oder auch "kölsche Musik" berichtete, betont sie etwa den "großen Wunsch" der jüngeren Generation "nach mehr Klimaschutz".

Slawik und Ganserer, die zuvor Landtagsabgeordnete in Bayern war, hatten bei der Bundestagswahl ihre Wahlkreise in Leverkusen und Nürnberg zwar nicht gewinnen können, zogen aber beide über Landeslisten in das Parlament ein (queer.de berichtete). (AFP/cw)



#1 DummheitAnonym
  • 12.10.2021, 09:56h
  • "Da sitzen jetzt als Frauen verkleidete Männer im Bundestag".

    Mit solchen Aussagen zeigen deren Urheber nur, dass sie keine Ahnung haben und nicht den Unterschied zwischen Transidentität und Travestie kennen. Aber selbst wenn dort eine Dragqueen im Bundestag säße, die sich als Mann identifiziert und nur in drag im Bundestag sitzt, wäre das auch okay. Denn die Leute, die dort sitzen, sind alle demokratisch legitimiert, ob es irgendwelchen Leuten jetzt passt oder nicht.

    Es ist jedermanns Recht, seine Dummheit in die Welt rauszuschreien. Hören sollte man auf solche Leute nicht.
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#2 Emma fuck offAnonym
  • 12.10.2021, 15:49h
  • Ich finde es wichtig zu ergänzen, dass sich auch das Magazin "Emma" in die Reihe derjenigen stellt, die trans Frauen als "verkleidete Männer" beleidigen.

    In einem Artikel über dieses männliche Arschloch bei den Grünen, das sich auf einen Frauenplatz beworben hat, wird am Ende Tessa Ganserer mehrfach bewusst misgendert. Man spürt richtig, wie viel Freude es der Autorin macht, möglichst oft das falsche Pronomen zu verwenden.

    Tessa Ganserer wird damit implizit mit dem grünen Arschlochpolitiker gleichgesetzt, als Gender-Betrügerin. Schäbiger geht es kaum noch.

    Und die Emma-Redaktion winkt diesen offenen Transhass wohlwollend durch.

    Triggerwarnung: Transfeindlichkeit, Bullshit.

    www.emma.de/artikel/gruener-mann-entlassen-338959
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#3 MephalaAnonym
  • 13.10.2021, 06:00h
  • Antwort auf #2 von Emma fuck off
  • Man kann wissen, daß es sich hierbei um organisierten, seit Jahrzehnten systematisch geschürten Haß besonders auf trans Frauen handelt, den einige anscheinend jetzt erst überhaupt bemerken.

    Systematisch ist er seit Janice Raymond, 'The Transsexual Empire' (googeln), wo die Zielsetzung steht: 'to ... mandate this phenomenon out of existence.' Auslöschen.

    Wie organisiert er ist, zeigt das diesjährige Lesbische Frühlingstreffen (LFT - gute Artikel hier auf queer de), und zwar international organisiert.

    Das Neue am LFT dieses Jahr war nicht der Haß auf trans Frauen, sein Ausmaß, seine Zielsetzung, seine feste Verankerung (nicht nur!) unter deutschen cis Lesben und Feministinnen. Das Neue war, das erstmals (!) eine maßgebliche Organisation reagierte und intervenierte. Nämlich die Hirschfeld-Stiftung - siehe die Artikel.

    Was geschah dann? Dann 'distanzierten sich' einige lesbische Gruppen 'von Teilen des Programms', bei weitem nicht alle. Dies wohl hauptsächlich darum, weil die Hirschfeld-Stiftung zwar ihre Förderung des LFT nicht zurücknehmen konnte, aber neue Förderrichtlinien ankündigte.

    'Geldhahn zu!' ist eben wirksam.

    Innerhalb enger Grenzen. Nachdem nämlich der Streit im cis lesbischen Sektor geschlichtet worden war, indem man bei einem 'talk' eine TSG-Gutachterin als Wissensinstanz auftreten ließ, und eine sehr prominente deutsche cis Lesbe die ganze Aufregung dadurch erklärt hatte, daß 'die trans Aktivisten' ja provoziert hätten, war die Welt wieder in Ordung:

    Im Sommer zog der Dyke March durch Berlin, die Strecke gepflastert mit trans feindlichen Stickern, und trans Haß-Prominenz vom LFT zeigte sich dort, in der sicheren und richtigen Erwartung, dort wie zu Hause zu sein. Und ein bekanntes Lesben-Magazin warb währenddessen im Veranstaltungsteil für eine trans feindliche Veranstaltung beim 'LAZ reloaded xx', dessen Sprecherinnen ebenfalls beim LFT eine wichtige Rolle gespielt hatten.

    Man kann das alles wissen. Man kann zB auch wissen, daß das 'LAZ reloaded xx', eine kleine Organisation in einem internationalen Netz, das offen mit ultrarechten Organisationen zusammenarbeitet, eine wichtige Rolle bei der in letzter Minute abgesagten 'trans Krake'-Veranstaltung (Queeres Kulturhaus/IQN) 2019 gespielt hatte. Was einzig (!) das lesbische Spinnboden-Archiv zum Anlaß nahm, dort auszutreten.

    Das sind nur ein paar leicht auffindbare Beispiele. Ein weiteres wäre 'Terre des Femmes Deutschland', die dortigen rechten Seilschaften und die trans feindlichen Aktionen der letzten Jahre.
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#4 canadianSarahAnonym
  • 13.10.2021, 08:09h
  • Einfach weitermachen. Wir brauchen mehr Präsenz in der Politik, sonst tut sich gar nichts und wir werden das TSG und diskriminierende Strukturen immernoch in Jahrzehnten haben... Es fehlt uns die Öffentlichkeit. Wir brauchen aktiven Schutz, dass unsere Würde unantastbar ist. Alle TSG Gutachter*innen müssen arbeitslos werden. Wir brauchen besseren Zugang zu medizinischen Maßnahmen. Wir brauchen bessere Hilfsangebote für alle trans Leute (nicht im Sinne von Pathologisierung und Trans TÜV, sondern im Sinne der Community). Niemand soll zurückgelassen werden. Ich möchte einfach nicht mehr, dass closeted und questioning trans Leute alleingelassen fühlen.

    Wir haben genug Ignoranz ggü trans gesehen, die vom deutschen Volk toleriert wird.
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#5 MephalaAnonym
  • 13.10.2021, 08:38h
  • Antwort auf #4 von canadianSarah
  • Ich würde eher sagen: die charakteristisch für 'das deutsche Volk' ist. Deine Formulierung trifft genau den Punkt.

    Krafft- Ebing, 1886, Westphal, 1890: deutsches Kaiserreich: Erscheinen der Identifikation männlicher Homosexualität mit 'Invertierung' und pathologischer 'Verweiblichung' von Männern. Sorge um Bestand 'der Rasse' - rate mal welcher.

    Dann brennt Hirschfelds Insititut. Verkettung von trans mit der 'jüdischen Weltverschwörung', die so die 'arische Rasse' zerstören will.

    Gründung der Deutschen Gesellschaft für Sexualfoschung nach der Kapitulation des 3. Reichs durch den Rassehygieniker Bürger-Prinz. Kein einziger Psychiater muß sich für die Aktion T4 und die Konzentrationslager verantworten. Stattdessen gelten vor und nach dem Krieg, auch nach 1933, die deutschen Psychiater als Lehrmeister der US-amerikanischen.

    Nach Urteil des Bundesverfassungsgerichts Entstehung des Transsexuellengesetzes in den Ausschüssen des Bundestags. Die Besorgnis: schwule Männer könnten heiraten, wenn einer sich 'zur Frau macht', und schändliche Ärzte könnten das unterstützen! Siehe: Hirschfeld. Das berichtet treuherzig einer der TSG-Hauptautoren, der Psychiater Friedemann Pfäfflin.

    Da hast Du die Hauptspur.

    Deren Elemente sind 2021 leicht bei allen Formen von trans Haß und vor allem Transmisogynie auffindbar.

    Das ist der Grund dafür daß der trans Haß eine Scharnierfunktion zwischen allen politischen Lagern hat. Was zB Felicia Ewert zurecht so thematisiert.
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#6 MephalaAnonym
  • 13.10.2021, 09:19h
  • Ach ja: Nachtrag.

    Auch aus dem 19. Jahrhundert stammt die Verknüpfung von trans Haß mit (Kolonial-)Rassismus. Ethnologie und Anthropologie waren Kolonial-Wissenschaften, und man wußte sehr wohl, daß es bei den Kolonisierten und zu Kolonisierenden andere Geschlechterordnungen gab. Die mit maximaler Brutalität zerstört wurden unter den Vorzeichen europäischer Sexualwissenschaft und Psychomedizin, die festlegten, was 'natürlich' und was 'unnatürlich' war.

    In Europa und Nordamerika hatte das Folgen, und hat sie bis heute, die selbst ich mich ob der Sprache wiederzugeben scheue. Es wäre zu achten auf Kombinationen von 'Primitivität' und 'Entartung' - auch nach dem Ende des 3. Reichs galt in Deutschland die Lehrmeinung, daß 'die Wilden' nicht nur zum 'Fortschritt' unfähig sind, sondern obendrein 'degenerieren'.

    Spuren hiervon finden sich bis heute in Deutschland in Sexualwissenschaft und Psychomedizin.
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#7 queergayProfil
  • 13.10.2021, 18:23hNürnberg
  • Antwort auf #1 von Dummheit
  • Olivia Jones auch im Bundestag - das wär doch was. Ich würde sofort dafür stimmen. Queere Farbigkeit als Aufmischer von stoischer Grautönigkeit und Eintönigkeit im Bundestagseinerlei.
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#8 FischschillernAnonym
#9 queergayProfil
  • 14.10.2021, 00:45hNürnberg
  • Antwort auf #8 von Fischschillern
  • Hallo schillernder Fisch, du irrst....denn der NDR setzte schon 2010 Olivia Jones im Rahmen der Kampagne "Das Beste am Norden" ein Denkmal. 2013 wurde OJ zur offiziellen Ehrenbotschafterin der Stadt Springe ernannt und 2017 folgte eine Auszeichnung mit dem Ehren-Pride-Award.
    Als von den Grünen nominiertes Mitglied der Bundesversammlung zur Wahl des 12. Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland stimmte Olivia Jones im Bundestag mit ab bei der Wahl des Nachfolgers von Joachim Gauck.
    Im Magdeburger Landtag hilelt OJ 2016 schon eine Lesung und Podiumsdiskussion ab. Und in einer Broschüre des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt stand ein Buch von ihr auf der Buch-Empfehlungsliste.
    Gemeinsam mit einer Pastorin trat OJ zum ESC 2016 im "Wort zum Sonntag" auf und war schon Reporterin für die Satiresendung "Extra 3" bei einer NPD-Wahlkampfveranstaltung.
    OJ ist Botschafterin der Tierrechtsorganisation PETA und unterstützt nicht nur AIDS-Projekte. Bei der Hamburger Bürgerwahl trat Olivia Jones auch schon als Einzelbewerber auf.
    Mehrfache UNICEF-Galas-Moderationen und Moderationen von CSD-Übertragungen durch den NDR und anderes mehr belegen, dass Olivia Jones (Oliver Knöbel) keinesfalls auf den Kopf gefallen ist.
    Kann man das von schillernden Fischen auch sagen?
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