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Zum ersten Mal

Uganda erkennt trans Frau an

Cleopatra Kambugu ist die erste Uganderin, die nach einer Transition Ausweispapiere erhielt. Sie wurde bekannt, weil sie wegen eines Zwangsoutings nach Schweden floh, wo eine Dokumentation über sie entstand.


Kambugu in der Netflix-Dokumentation "The Pearl of Africa" aus dem Jahr 2016 (Bild: Screenshot / The Pearl of Africa)

Cleopatra Kambugu ist die erste transgeschlechtliche Uganderin, deren Transition vom Staat offiziell anerkannt worden ist. In sozialen Netzwerken postete die Frau stolz ihren neuen Personalausweis.

Auf dem Ausweis ist ihr richtiger Namen und ein "F" beim Geschlechtseintrag abgedruckt. Der Erfolg ist ein Meilenstein für die queere Community des 41-Millionen-Staates in Ostafrika, der ansonsten mit immer restriktiveren Gesetzen und Verfolgungshandlungen insbesondere gegenüber Schwulen und Lesben auf sich aufmerksam macht.

Erfolgsmeldung via Instagram und Facebook

Kambugu verkündete die Nachricht auf ihren Kanälen in den sozialen Netzwerken. Sie schrieb: "Heute habe ich endlich meine National ID erhalten, nach Monaten und Monaten des Wartens. Ein übergriffiger Registrierungsprozess, aber schlussendlich sind wir jetzt hier." Kambugu feiere alles an ihrem neuen Ausweis, insbesondere aber, dass es ein ugandisches Dokument sei und sie 35 Jahre widerständig, stolz und ohne sich zu entschuldigen gelebt habe, um nun eine 35-jährige, transgeschlechtliche Frau zu sein.

Sie habe ihre Regierung in Uganda herausgefordert, weil die ihr ihre Identität, wie sie sie kenne und immer gekannt habe, abgesprochen hatte. Nun hätte die Regierung ihr darin zugestimmt. An andere sandte sie Botschaften des Mutes: "Wenn du meine Reise verfolgt hast, sage ich dir: Du kannst es tun, weil ich es tun konnte, weil ich es tue und weil ich damit fortfahren werde, es zu tun, und wenn es das letzte ist, was ich tue. Weil ich es kann, könnt ihr alle es auch, können wir alle."

Sie stehe nun stolz als transgeschlechtliche Frau, als eine Uganderin, ein Mutooro-Mädchen vom Land und eine Munyangabi. Sie könne die politischen Führer*innen wählen, die für ihre Rechte sprechen, könne als sie selber Schulen besuchen, angestellt werden, Steuern bezahlen, Eigentum erwerben und die limitierten, cis-heterosexuellen Privilegien genießen, eine Beziehung anerkennen zu lassen.

Als Trans-Aktivistin bekannt

Kambugu war auch in der Vergangenheit schon eine sichtbare Stimme für die Rechte transgeschlechtlicher Ugander*innen gewesen. Sie ist zudem Direktorin eines Aktivist*innen-Fonds für die Menschenrechte von Sexarbeiter*innen und sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten.

In der Netflix-Dokumentation "The Pearl of Africa" von 2016 ist Kambugu ebenfalls zu sehen. Im Jahr 2014 hatte sie sich mit ihrem Partner niederlassen wollen, als der Staat im selben Jahr ein verschärftes Gesetz gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen erließ. Als eine Tageszeitung dann einen Outing-Artikel über 200 "Homos" brachte und sie dazu auf das Titelbild setzte, seien die beiden Liebenden geflohen und schließlich in Schweden gelandet.

Dort drehte ein Filmteam gerade eine Dokumentation über einen schwulen Geflüchteten aus Uganda. Weil der Protagonist dieses Filmes schließlich Angst bekam, dass seine Familie in der Heimat aufgrund des Filmes in Gefahr gebracht werden würde, verließ er das Filmprojekt. Kurzerhad drehte das Team dann den Film über Cleopatra Kambugu und ihren Partner Nelson.

Direktlink | Trailer von "The Pearl of Africa" (2016)
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Im Mai diesen Jahres hatte das Parlament in Uganda ein neues Gesetz gegen Homosexuelle verabschiedet, das wie schon zuvor gleichgeschlechtliche Kontakte jeweils von Frauen und Männern verbietet. Das Verbot ist Teil eines Gesetzpaketes "gegen Sexualstraftaten", das darüber hinaus die Kriminalisierung von Vergewaltigungen, Kinderhandel und Sexarbeit regelt (queer.de berichtete). Im August weigerte sich jedoch der Präsident, das Gesetz zu unterschreiben und verwies es zurück an das Parlament, wie Sexual Minorities Uganda bekannt gab.

Ebenfalls im Mai hatte die ugandische Polizei 44 Mitglieder der LGBTI-Community in einer queeren Notunterkunft in der Hauptstadt Kampala festgenommen. Die Organisation "Sexual Minorities Uganda" nannte den offiziellen Grund für die Razzia, wonach die Personen gegen Coronaverordnungen verstoßen hätten, vorgeschoben. Vielmehr sei es darum gegangen, gegen die queere Gemeinschaft vorzugehen (queer.de berichtete).