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Ab Donnerstag im Kino

Herzzerreißende Lovestory, atemberaubende Schauspielkunst

Harry Macqueens Spielfilm "Supernova" erzählt von einer tiefen schwulen Liebe und den Schmerz des Abschieds – und ist mit den beiden Heteros Colin Firth und Stanley Tucci ganz hervorragend besetzt.


Tusker (Stanley Tucci, l.) und Sam (Colin Firth) sind seit 20 Jahren ein glückliches Paar – bis bei Tusker eine frühzeitige Demenz diagnostiziert wird (Bild: Weltkino Filmverleih)

"Supernova" ist ein sehr einfacher Film, die Handlung (ohne Spoiler) schnell erzählt: Colin Firth (61) und Stanley Tucci (60) sind das Paar Sam und Tusker, das mit dem Wohnmobil durch den Nordwesten Englands zu Sams Familie reist. Sam ist Pianist, Tusker Schriftsteller.

Dabei amüsieren wir uns über die eingespielten Mikroaggressionen zwischen den beiden in der Enge des Camper-Cockpits, wie sie oft bei sich lange liebenden Paaren zu beobachten sind. Wir sehen sie schlechtes Essen in Raststätten bestellen, sich über die Musikauswahl während der Fahrt zanken und das nervige Navi beschimpfen, weil die Stimme nach der homophoben Margret "fucking" Thatcher klingt.

Doch wir spüren auch, dass ein Schatten über den beiden liegt. Als Sam anhält, um Lebensmittel zu besorgen, fragt er, ob es für Tusker okay sei, dass er ihn allein im Wagen zurücklasse. Als Sam zurückkehrt, ist Tusker verschwunden. Voll Panik bricht Sam auf, um seinen Mann zu suchen und findet ihn nicht weit entfernt, verlassen an einer Wegkreuzung, wo Tusker desorientiert vor einem fremden Auto steht.

Gegen Tränen kann man sich nicht wehren


Poster zum Film: "Supernova" startet am 14. Oktober 2021 bundesweit in den Kinos

Tusker kämpft mit einer früh einsetzenden Demenz und seinem noch klaren Bewusstsein, dass er aufhört der Mensch zu sein, der er einmal gewesen ist. Das Grauen, seine Würde zu verlieren, kehrt er mit unterdrückter Wut und sarkastischem Humor unter den Teppich. Dort versucht auch Sam alles zu verstecken, was ihn bedrückt: Die immense Last der zunehmenden Verantwortung für den geliebten Menschen und die überwältigende Wehmut, ihn zu betrauern, bevor er überhaupt gegangen ist.

Je weiter sie in die großartig gefilmte Landschaft eines Nationalparks in der Grafschaft Cumbria fahren, desto klarer wird, dass sie ihrem Schicksal nicht davonfahren können. Als Sam eine von Tusker heimlich besprochene Audiokassette findet, entfacht das letzte Drittel des Films ein emotionales Crescendo, bei dem man sich nicht gegen Tränen wehren kann – sofern man das überhaupt will.

Regisseur Harry Macqueen setzt dabei zum Glück nicht auf Effekthascherei. Muss er auch nicht, denn mit den großartigen Darstellern kann er sich ganz auf die innere Verfasstheit der Protagonisten und die Dynamik ihrer Beziehung konzentrieren. Wie Tucci und Firth nur mit feinsten Nuancen die Ängste vor der Auslöschung bei dem einen und vor dem Allein-Zurückbleiben bei dem anderen darstellen, ist atemberaubende Schauspielkunst.

Aber dürfen Heteros denn schwule Männer spielen?

Jetzt aber noch zu einer aktuell auch im Fall von "Supernova" diskutierten Frage: Dürfen das Colin Firth und Stanley Tucci überhaupt? Beide Schauspieler gelten als heterosexuell (vor allem, weil sie sich in unserer heteronormativen Gesellschaft bisher nicht als etwas anderes geoutet haben). Ist es dann angebracht, dass sie schwule Männer spielen?

Statt einer Antwort zwei Gegenfragen: Darf eine schwule Rolle mit einem Schauspieler besetzt werden, der mit einer Frau verheiratet ist, aber schon mal in einen Mann verliebt war? Sollte ein Schauspieler beim Vorsprechen erzählen, dass er schon mal gleichgeschlechtlichen Sex hatte, um eine schwule Rolle zu bekommen? Die Grenzen im Fall von cis Männern können also durchaus fließend sein, weshalb sexuelle Orientierungen bei Besetzungen keine Rolle spielen können.

Für das Gesamtbild muss aber auch gesagt sein, dass die unsäglichen Zeiten von "Brokeback Mountain" zum Glück vorbei sind, in denen Jake Gyllenhaal und Heath Ledger (beide vermutlich hetero) zu ihrem "Mut" gratuliert worden war, weil sie die Rollen der schwulen Cowboys angenommen hatten. Wir gehen davon aus, dass Colin Firth und Stanley Tucci allen, die ihnen aus diesem Grund zu "Supernova" gratulieren, den Vogel zeigen würden.

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Infos zum Film

Supernova. Drama. Großbritannien. 2020. Regie: Harry Macqueen. Darsteller*innen: Colin Firth, Stanley Tucci, Pippa Haywood, Peter Macqueen, Nina Marlin, Ian Drysdale, Sarah Woodward, James Dreyfus. Laufzeit: 95 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih: Weltkino. Kinostart: 14. Oktober 2021
Galerie:
Supernova
17 Bilder


#1 YannickAnonym
  • 13.10.2021, 10:04h
  • Was für eine traurige Geschichte. Aber ich will den Film unbedingt sehen. Nicht nur, weil Colin Firth schon seit langem einer meiner Lieblingsschauspieler ist, sondern auch weil der Trailer wirklich Lust auf den Film macht.
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#2 Oscar EmmyAnonym
#3 AnonymAnonym
  • 13.10.2021, 10:55h
  • Antwort auf #2 von Oscar Emmy
  • Wofür? Schauspieler schlüpfen in Rollen, die sie in echt nicht sind. Das ist die Kunst. Und wenn die beiden ihren Job gut machen und die Rollen authentisch sind, ist doch vollkommen egal, ob die Darsteller schwul sind. Für mich ist die schauspielerische Leistung wichtiger als die persönlichen sexuellen Vorlieben eines Schauspielers ...
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#4 OmanymAnonym
  • 13.10.2021, 11:05h
  • Antwort auf #3 von Anonym
  • Schwulsein ist keine "sexuelle Vorliebe", wie du behauptest. Mit dieser Formulierung hast du dich selbst entlarvt.

    Und die Frage ist nicht, ob ein Hetero einen Schwulen spielen kann oder darf. Die Frage ist, ob es keine schwulen Schauspieler für diese Rollen gegeben hat.
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#5 ErrareHumanumEstAnonym
  • 13.10.2021, 12:07h
  • Oh nein, das ist wieder so ein Film, den ich definitiv NICHT sehen werde (kann) auch wenn er vielleicht wirklich gut ist. Ich habe ja schon bei A Single Man Rotz und Wasser geheult... Ich halte solche Geschichten nicht gut aus und würde mir in puncto homosexueller Liebesgeschichten (insbesondere lesbische) auch ein wenig mehr "Friede Freude Eierkuchen" wünschen... Die meisten Filme, die ich kenne, enden sehr gerne mit dem Tod der/des Protagonisti/en oder er oder sie kann am Ende nicht zu der Liebe stehen etc.
    Ich will damit nicht sagen, dass tragische Filme schlecht sind, aber ich würde gerne mal mit meiner mir Angetrauten einfach mal leichte homosexuelle Liebesgeschichten genießen. Es wird nahezu suggeriert, dass homosexuelle Liebe prinzipiell unter keinem sehr guten Stern steht... Wenn jemand Filmtipps mit HappyEnd hat, ich würde mich freuen. Bei "Wir" bin ich gespannt, wie sie die Geschichte auflösen...
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#6 PiakAnonym
  • 13.10.2021, 12:19h
  • Was heißt hier entlarvt? Sexuelle Vorlieben ist eine Formulierung, die in diesem Zusammenhang völlig okay ist.

    Zum Artikel: "Für das Gesamtbild muss aber auch gesagt sein, dass die unsäglichen Zeiten von "Brokeback Mountain" zum Glück vorbei sind, in denen Jake Gyllenhaal und Heath Ledger (beide vermutlich hetero) zu ihrem "Mut" gratuliert worden war, weil sie die Rollen der schwulen Cowboys angenommen hatten. Wir gehen davon aus, dass Colin Firth und Stanley Tucci allen, die ihnen aus diesem Grund zu "Supernova" gratulieren, den Vogel zeigen würden.

    Na ja, der Kontext ist schon ein anderer, Firth und Tucci sind um die 60. Das wäre auch 2004 kein Problem gewesen. Bei Gyllenhaal und Ledger war es eben so, dass sie nach damaliger Auffassung für die wichtigste Kinozielgruppe (Mädchen und junge Frauen <20) erledigt waren, wenn man sie mit schwulen Rollen assoziierte. Deswegen haben die Agenten massiv dazu geraten, die Rollen abzulehnen. Der Mut, für den sie gelobt wurden, war also vor allem darin begründet, dass sie das Risiko eingingen, danach zum Kassengift zu werden und also nicht mehr für Blockbuster mit Millionengagen gecastet zu werden. Firth und Tucci sind außerhalb der Altersrange, für die das relevant ist, und sie sind außerdem nicht unbedingt Helden-Blockbustermaterial. Das war bei Gyllenhaal damals nach Donnie Darko und Day after tomorrow natürlich ganz anders und Ledger war ohnehin der Prototyp des jungen Frauenschwarms.
    Ach ja, auf den Film freue ich mich natürlich. Die Filmhinweise und Kritiken hier sind wirklich wertvoll.
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#7 tippsAnonym
#8 Deren JobAnonym
  • 13.10.2021, 12:31h
  • Antwort auf #2 von Oscar Emmy
  • Ja, immer wenn ich einen Krimi sehe, frage ich mich auch, ob es keine echten Mörder gibt, die die Rolle spielen können.

    Und bei einem Science-Fictions-Film frage ich mich auch immer, wieso die keine echten Aliens nehmen.

    Und wieso man bei Filmen aus dem Mittelalter keine echten Ritter, Hunnen, Wikinger, etc. nimmt, ist mir auch absolut unverständlich.

    - IRONIE AUS -

    Leute, es ist Aufgabe von Schauspielern, auch etwas zu spielen, was sie nicht sind.

    Genauso wie schwule Schauspieler nicht auf schwule Rollen festgelegt werden wollen, wollen Heteros auch nicht auf Hetero-Rollen festgelegt werden.

    Hauptsache ist doch, sie spielen die Rolle gut und überzeugend. Und dann finde ich den generellen Ausschluss von Heteros genauso diskriminierend wie den generellen Ausschluss von Schwulen.
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#9 OmanymAnonym
#10 ErrareHumanumEstAnonym
  • 13.10.2021, 12:47h
  • Antwort auf #7 von tipps
  • Ach krass, danke! Ich wusste gar nicht, dass aus Asien so viele Filme mit homosexueller Thematik kommen. Allerdings hatte ich mal einen wunderschönen Film aus Indien gesehen, da war ich auch erstaunt!!
    Na, ich gucke mal!
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