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Kommentare zu:
Das sind die sexpositivsten Städte der Welt


#31 PierreAnonym
  • 15.10.2021, 17:11h
  • Ich frage mich, warum Köln und Berlin vor London und San Francisco liegen, wo man deutlich freier als gleichgeschlechtliches Paar durch die Stadt laufen kann und deutlich weniger Angst vor Gewalt haben muss.
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#32 lucdfProfil
  • 15.10.2021, 17:51hköln
  • Dass Köln ganz oben ist, finde ich erstaunlich. Die Stadt ist eher provinziell und ein bisschen langweilig.
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#33 SakanaAnonym
  • 15.10.2021, 17:56h
  • Antwort auf #30 von Mephala
  • Ich finde das interessant, da ich - ich denke: begreiflicherweise! - am allerwenigsten wissen kann, was sich in der schwulen Dating- Szene, Dir zufolge regelmäßig, abspielt. Die Folgen allerdings leuchten mir ein.

    Ich finde, dass du generell valide Punkte ansprichst, die gerade auch im Kontext solcher Ranking von sexpositiven Städten eine gewichtige Rolle spielen und oft unter den Tisch gekehrt werden mit der Maßgabe, dass die Probleme nur eine Minderheit in der Minderheit beträfen. Dazu habe ich eine interessante Studie zu Esstörungen bei Jungen und Männern gefunden, aus der ich zitieren möchte:

    "Die Mehrzahl der Jungen und Männer mit Essstörungen ist heterosexuell. Studien zeigen jedoch gleichzeitig eine hohe Prävalenz von Essstörungen bei homosexuellen Männern.
    Sowohl in klinischen Stichproben als auch in der Allgemeinbevölkerung lag der Anteil zwischen 14 % und 42 % (Feldman & Meyer 2010). Im Vergleich zu heterosexuellen Männern zeigen homosexuelle Männer höhere Raten an Körperunzufriedenheit,
    Essstörungen und Essstörungssymptomen
    sowie Bestrebungen, ihre Muskelmasse zu steigern (Bosley 2011). Diese Befunde werden zum Teil auf die Schwulen-Subkultur zurückgeführt, in der körperliche Erscheinung und Attraktivität eine große Rolle spielen. Darüber hinaus wird
    angenommen, dass die Stigmatisierung homosexueller Männer und das möglicherweise daraus resultierende Schamgefühl zusätzliche Risikofaktoren für die Entstehung von Ess- und
    Körperbildstörungen darstellen."

    www.landesfachstelle-essstoerungen-nrw.de/fileadmin/contents
    /Broschueren/Essstoerungen_bei_Jungen_und_Maennern.pdf,

    S.10

    Als schwuler Mann ist man gerade in seiner ureigensten Findungsphase sehr häufig mit idealen und idealisierten Körperbildern konfrontiert (sei es in Pornos, Filmen oder Romanen), die vermitteln sollen, wie man auszusehen hätte, um den perfekten idealen Partner zu bekommen. Gleichzeitig kommt noch das männliche Konkurrenzverhalten zum Tragen und schwupps landet man in einer handfesten Essstörung, die sich entweder in Anorexie, Orthorexie oder Muskelwahn äußern kann. Deshalb ist vieles daran "toxisch", ohne dass es notwendigerweise "toxisch" gemeint ist, sondern eher als positiv erstrebenswert verkauft wird.

    "Ich habe in diesem thread anfangs überlegt, ob ich 'toxisch' schreiben soll, sehe jetzt aber, bestätigt von Dir und anderen, daß das treffend und gerechtfertigt ist. Vielleicht gesagt werden muß."

    Ist in dem Artikel auch angemessen zu thematisieren, dass sich Lust heute auch an der fuckability der handelnden Person bemisst und wie sie allgemein "gerankt" wird. Welches Sehnsuchtsideal sie (nicht) erfüllen kann als Subjekt oder Objekt erotischer Begierden. Das fließt alles in diese Rankings subtil mit ein.

    "Vielleicht ein wenig klüger geworden durch das Wissen, daß 'Ordnungen emergieren' (Organisationssoziologie uA wie Du vielleicht weißt): Ich muß sagen ich bin positiv überrascht, wie viel Zustimmung meine Kritik hier findet."

    Ordnungen emergieren zweifellos ständig und es ist die Frage, ob sie sich auch verstetigen oder teilweise aufgebrochen und neu arrangiert werden. Finanz- oder Staatskrisen sind dafür immer Anhaltspunkte, ob sich eine emergierende Ordnung auch wieder drehen kann. Deshalb ist dein Kritikpunkt hier auch wieder valide.
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#34 MephalaAnonym
  • 15.10.2021, 18:38h
  • Antwort auf #33 von Sakana
  • Du hast mich wieder neugierig gemacht auf das Kommende, das will ich Dir sagen.

    Nämlich: wenn wir uns so schnell und (für diese Kommentarspalten ...) mit derartigem Tiefgang einig werden, dann lese ich das als das mögliche (!) Sich- Auftun neuer Möglichkeiten. Wieso? Weil unsere Situiertheiten doch signifikant verschieden sind. Was nicht daran hindert, daß wir die gleichen Toxizitäten auch beide so nennen und unsere jeweiligen Perspektiven aneinander anschußfähig sind.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #33 springen »
#35 SaskanellaAnonym
#36 SakanaAnonym
  • 15.10.2021, 18:51h
  • Antwort auf #34 von Mephala
  • "Du hast mich wieder neugierig gemacht auf das Kommende, das will ich Dir sagen."

    Du hast mich ebenfalls sehr neugierig gemacht auf kommende Diskussionen.

    "Nämlich: wenn wir uns so schnell und (für diese Kommentarspalten ...) mit derartigem Tiefgang einig werden, dann lese ich das als das mögliche (!) Sich- Auftun neuer Möglichkeiten. Wieso? Weil unsere Situiertheiten doch signifikant verschieden sind. Was nicht daran hindert, daß wir die gleichen Toxizitäten auch beide so nennen und unsere jeweiligen Perspektiven aneinander anschußfähig sind."

    Ich bin generell für einen ausgleichenden Dialog mit guten Argumenten zu verschiedenen Situiertheiten mit ähnlichen Toxizitäten, die vielleicht auf den ersten Blick nich so sichtbar sind wegen der Privilegien-Diskussion. Wir sollten deshalb auf den Punkten aufbauen, die uns verbinden thematisch, dann sind wir auch gegen Queer-Feind:innen schlagkräftiger. Damit es für uns alle in unseren verschiedenen Situiertheiten am Ende erträglicher und besser wird ;)
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#37 PhoebeEulenbaerAnonym
  • 15.10.2021, 19:22h
  • Antwort auf #28 von Sakana
  • Also mit Dating kenne ich mich absolut nicht aus.

    Aber mit Passing dafür umso mehr. Grundsätzlich ist es erst einmal so, dass die meisten Menschen die Plausibilität der eigenen Identität vom Passing abhängig machen. Egal worum es geht. Ob du im Supermarkt an der Kasse stehst oder auf Klo musst oder ob Menschen einfach nur Smalltalk mit dir machen.
    Sobald Menschen der Meinung sind, dass irgendwelche körperlichen Merkmale nicht zu deiner Geschlechtsidentität passen wird es komisch. Dann darfst du dir Fragen stellen lassen und dich rechtfertigen.
    Ich selbst bin relativ attraktiv und die meisten merken nichts von meiner Transgeschlechtlichkeit, aber was ich so manches Mal erlebt habe ist einfach unglaublich.
    Ich weiß echt nicht, wie das ist so was täglich zu erleben. Immer wieder zu erleben, dass die eigene Identität und Existenz in Frage gestellt wird.
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#38 lindener1966Profil
#39 Anonyma
  • 16.10.2021, 00:15h
  • Antwort auf #28 von Sakana
  • "Allgemein bereitet mir dieser Hyperindividualismus schon erhebliche Sorgen, weil Graubereiche oder Unperfektes nicht mehr akzeptiert wird und gerade von Trans*personen ein nahezu perfektes "Passing" geradezu erwartet wird."

    Ich weiß nicht, was für Phantasien in Deinem Kopf so zum Thema "Passing" herumgeistern, aber es wäre wirklich nett, wenn diese Unsitte, die Körper von uns trans Menschen immer wieder irgendwie ideologisch zu instrumentalisieren, endlich mal aufhören würde. Wir sind weder ein "Graubereich" noch irgendwie "unperfekt" (warum muss ich da jetzt gerade wieder an diese kürzlich hier bei queer.de präsentierten "sexualpädagogischen" Grusel-Pappkarten denken?) und mit "Hyperindividualismus" hat "Passing" auch nichts zu tun. "Passing" ist für uns vor allem erstmal (über)lebenswichtig. Ich wüsste nicht, wie ich die vergangenen 21 Jahre meines Lebens ohne mein "Passing" hätte überstehen sollen, denn ich war und bin weder dazu bereit, mein Leben in sozialer Isolation zu verbringen, noch habe ich jemals die Lust verspürt, mich im Namen irgendwelcher soziologischen oder sozialpädagogischen (Cis-)Träumereien von einer (vermeintlich) "besseren Welt" an irgendeiner ideologischen Front als instrumentalisiertes Kanonenfutter verheizen zu lassen. Also sei doch bitte einfach mal so lieb und such Dir für Deine Hyperindividualismus-Sorgen eine andere Projektionsfläche als das "Passing" von trans Menschen, denn daran hängt dummerweise tatsächlich hin und wieder das eine oder andere (Über)Leben. Und ganz nebenbei bemerkt habe zumindest ich nach oben erwähnten 21 Jahren inzwischen auch ganz generell die Nase gestrichen voll davon und empfinde es als absolut übergriffig und respektlos, dass unser "Passing" immer wieder von cis Menschen in den verschiedensten Kontexten problematisiert werden und als Projektionsfläche für alles mögliche und unmögliche herhalten muss.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #28 springen »
#40 MephalaAnonym
  • 16.10.2021, 05:52h
  • Antwort auf #39 von Anonyma
  • Mein Eindruck ist, daß wir es hier mit zwei miteinander verketteten Problemen zu tun haben, die - und da hast Du selbstverständlich recht - ausschließlich zu Problemen von trans Personen gemacht werden (!), was dann auch noch Rechtfertigungs-Fallen für trans Personen produziert. Das hat selbstverständlich etwas mit Macht zu tun!

    Anfangs (das ist eine Weile her ...) habe ich mich noch darüber gewundert, daß insbesondere Transmisogynie in der 'community' bzw. deren Sektoren/'communities' ausgeprägter, brutaler, übergriffiger, perfider, also insgesamt schlimmer ist als in der Gesamtgesellschaft. Immer wieder habe ich die Erfahrung gemacht, daß besonders cis Frauen in eigentlich allen sozialen Kontexten, aus allen Klassen/Schichten und jeden Alters mich sehr schnell als Frau akzeptieren und entsprechend mit mir umgehen, obwohl ich definitiv kein 'perfektes' cis passing habe. Oft ist mir totale Unwissenheit in puncto trans begegnet, oft war und bin ich die erste trans Frau, mit der mein Gegenüber wissentlich überhaupt spricht. Dann bin ich eben Erklär-Bärin/ trans ambassador, aber das funktioniert. Womit ich meine: ich werde ernst genommen, und das, was ich sage, auch. Das führt dann, wenn ich mit den jeweiligen cis Frauen länger zu tun habe, regelmäßig dazu, daß diese über ihr eigenes Frau-Sein nachdenken, womöglich anders als vorher, und das mit mir teilen.

    Schreiender Kontrast: die Berliner Szenen. Die Unwissenheit ...

    ...das ist Problem #1 ...

    ist genauso total wie in der Gesamtgesellschaft, hat aber eine andere Qualität. Denn während cis Frauen in der Gesamtgesellschaft womöglich nur ab und zu (Fernsehen, Netz, Presse ...) sporadisch mitbekommen haben, daß es 'das' überhaupt gibt, was ich ihnen absolut nicht negativ ankreide, 'wissen' die Szenefiguren definitiv, daß es trans Personen gibt, scheren sich einen Dreck um unsere Lebensrealitäten (Deine Kritik!), werfen uns und unsere Anliegen regelmäßig unter den Bus - was eben die andere Qualität (!) dieser Unwissenheit ausmacht. Das ist ein passiv-aggressives Ausblenden, ein Nicht-Wissen-Wollen.

    Eher hört man auf wirklich jede Art von trans Feinden, und derer gibt es viele, als auf uns.

    Jetzt wirds häßlich.

    Wie Foucault sagte: 'Alle Machttechnologien zielen auf den Körper'. Anstatt auch nur die Rahmensetzungen und Kontexte auch nur zur Kenntnis zu nehmen, die trans Körper in Deutschland erst hervorbringen ...

    ... das ist Problem #2 ...

    werden unsere Körper auf jede Weise zur Zielscheibe und damit zur sozialen Waffe gegen uns gemacht.

    Und hier ist der Sozialdarwinismus, das ist er.

    Ob trans Frauen durch die Diffenenz 'fuckable/unfuckable' in zwei patriarchale Kategorien aufgeteilt werden (was hochprivilegierte jpngere trans Frauen in der Queerszene für sich ausnutzen und gegen die anderen verstärken), ob Männer uns fetischisieren, uns damit dehumanisieren und in akute Lebensgefahr bringen (das sind die Szenarien, in denen trans Frauen von Männern getötet werden), ob wir zu perversen, mörderischen 'Männern in Frauenkleidern' gemacht werden, mit all den Folgen, die das hat -

    es ist im Grunde ein und das selbe, Gesichter der Transmisogynie.

    Darum verschwimmen sie auch ineinander. Darum treten sie alle vermischt in allen Sektoren der 'community' auf.

    Der Unterschied, auf den es ankommt, ist nicht die Spielart der Transmisogynie, es ist der Intensitätsgrad. Und dieser steht in direkter Relation dazu, je aufgeladener der Bereich jeweils ist - mit Sex. In jeder und jeglicher Form.

    Wenn die 'community' charakterisiert werden soll, dann so: sie hat, und zwar nicht obwohl, sondern weil (!) das ihr eigentliches Thema ist - nicht-heteronormatives Begehren - das Problem der 'grauen Majestät des Sex' ( Foucault 1976) nicht gelöst. Sie hat es verschärft, zugespitzt, intensiviert. Sie ist nicht das 'ganz Andere', sie ist Karikatur und Turbokompressor einer Gesellschaft, die sich (Foucault 1976) statt einer ars erotica eine scientia sexualis gegeben hat.

    Darum versagt sie auch nicht, darum ist sie stattdessen auf dem besten Weg, ein voll integrierter Funktionsbereich einer Gesellschaft zu sein, indem sie 'voll dagegen' ist.

    Nach Freiheit indessen muß frau sich anderswo umsehen.
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