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Kommentare zu:
Das sind die sexpositivsten Städte der Welt


#41 LotiAnonym
  • 16.10.2021, 11:07h
  • Antwort auf #6 von Karla Kolumna
  • Berliner Kind beschreibt hier nicht die Ur-Berliner, denn von denen gibt es in der Hauptstadt gerade mal noch 30%. Die Urberliner*innen waren ein recht tolerantes Stadtvolk. Mit kesser Schnauze und gesundem Kiez im jeden Bezirk. Das aber ist lange vorbei. Schon gleich nach der Wende haben viele der Hauptstadt den Rücken gekehrt und sind woanders hingezogen. Denn dass es nicht besser wurde, sondern eher schlechter, muß selbst ich einsehen.
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#42 PhoebeEulenbaerAnonym
  • 16.10.2021, 11:39h
  • Antwort auf #40 von Mephala
  • Aber es ist so anstrengend immer wieder die Erklär-Bärin zu spielen.
    Ich kann ja nun nicht jeden Menschen auf der Welt persönlich aufklären. Das ist eine Aufgabe für eine Göttin und nicht für eine Frau.
    Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich in vielen Situationen wohl die erste transgeschlechtliche Frau bin, die Leute bewusst treffen. Natürlich haben Menschen Fragen, weil sie "das" nicht kennen. Aber es ist nicht leicht immer wieder nur auf das "Trans-sein" reduziert zu werden. Meistens entsteht daraus zwar Akzeptanz und ein besseres Verständnis, aber ich habe manchmal keine Lust immer wieder über die Transition, Hormone und juristische oder medizinische Schritte zu sprechen. Manchmal will ich auch einfach nur über Dinge wie Essen, Kleidung, Hobbys oder das Wetter reden.
    Manchmal habe ich es einfach satt Aufklärungsarbeit zu leisten und mir damit Akzeptanz zu verschaffen, bis man mich als Frau akzeptiert.
    Wer will schon jeden Tag immer wieder bei Null anfangen? Wie in einer Zeitschleife.

    Warum erwähne ich meistens gar nicht mehr mehr, dass ich transgeschlechtlich bin? Weil ich es satt habe und ich das Privileg habe ein "perfektes Passing" zu haben. Was auch immer das sein soll, mir wurde das sogar per Gutachten zugeschrieben, daher bin ich sehr kritisch bei solchen Begriffen.
    Für mich ist das einfach nur Glück und Zufall.
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#43 ya no estoy aquiAnonym
  • 16.10.2021, 12:15h
  • Antwort auf #40 von Mephala
  • "Sie ist nicht das 'ganz Andere', sie ist Karikatur und Turbokompressor einer Gesellschaft, die sich (Foucault 1976) statt einer ars erotica eine scientia sexualis gegeben hat."

    "ars erotica"

    !exclamation mark!

    Womit wir - wenn auch auf typisch europäisch-intellektuell-verrenkten Irr- und Umwegen - doch noch bei der metaphorischen Magnolienblüte in Carmen Carrera's Hand und somit der Botschaft in David LaChapelle's ikonischem Doppel-Foto angekommen sind.

    I'm wowed!

    seattlegayscene.com/2014/05/david-lachapelles-once-in-the-ga
    rden-features-all-of-carmen-carrera/


    Man hätte anstelle eines umständlichen Michel Focault auch die Poesie eines Garcia Márques oder Federico García Lorca lesen können - oder aktuell Camila Sosa Villada...geht aber auch viel direkter, einfacher und vor allem schneller:

    "My message is: beauty has no gender. At the end of the day beauty is beauty.
    - Carmen Carrera

    love,
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#44 MephalaAnonym
  • 16.10.2021, 13:00h
  • Antwort auf #42 von PhoebeEulenbaer
  • Da hast Du natürlich nicht unrecht, liebe Eule.

    Anstrengend - ja. Zudem dieses 'Groundhog Day' (täglich grüßt das Murmeltier) - Gefühl: eins ums andere Mal das kleine 1 x 1 ...

    Aber: es funktioniert. In schöner Regelmäßigkeit. Ich habe dann auch nicht den Eindruck, auf 'die trans Frau' reduziert zu werden - das würde ich bemerken und, ahem, nicht gut darauf reagieren.

    Wo ich immer (!) auf 'trans Frau' reduziert worden bin: im Kontakt- und Machtbereich der Berliner Szenen. Da bin ich nicht 'jemand', da bin ich die Zielscheibe für die jeweilige Transmisogynie, mit der ich als 'Wahrheit' über mich überklebt werde. Und die allerschlimmsten Erfahrungen habe ich in der einen oder anderen Form mit Szene- trans Frauen gemacht. Na ja, mit Ausnahme der Situation, als ich getötet werden sollte, da war, der Wahrheit halber, keine direkt beteiligt. Aber 'unsolidarische Szene trans Frau' ist in Berlin tautologisch.

    Weißt Du - so recht Du auch hast: ich habe immerhin die Wahl zwischen lebenslang Erklär- Bärin und dieser Gift- und Pestgrube, die ich kurz und bündig Szeneland nenne. Da fällt die Entscheidung nicht schwer.

    Eine Redensart hier: 'Berlin ist groß' - womit auch gemeint ist: hier ist es möglich, zu verschwinden, was in kleinen Käffern unmöglich ist. Die kann man nur verlassen. In Berlin kann ich ziemlich mühelos Szeneland systematisch meiden, ohne mich zuhause verschanzen zu müssen. Ab und zu sehe ich Szenefiguren, sie sehen mich, sie schneiden mir Fratzen, meist signalisieren sie mir Verachtung, was ich hoheitsvoll ignoriere, ich verachte sie nämlich meinerseits. Und, das war's dann wieder.

    Natürlich bedeutet das viele no go areas. Na und? Das ficht mich nicht an, da gibt es nichts - nichts! - das ich wollen könnte.

    In gewisser Hinsicht bin ich sogar dankbar - alle Feinde sind verkleidete Lehrer. Ich habe nämlich gelernt, mein Selbstbild und meinen Selbstwert nicht an irgend etwas zu ketten, worüber Szenefiguren Macht ausüben, und zu erkennen, daß ich nichts davon brauche. Nichts. Ich brauche keine Partys, keine Clubs, keine 'safe spaces' (die der blanke Hohn sind!), kein dating, von dem ich sowieso keine Ahnung habe, ich tanze nicht (außer 'den Tanz des Ares' - Homer, Ilias, den kann ich!), ich flirte nicht (keine Ahnung wie das geht), ich werde nie 'Sex haben' (danke, Szeneland!), keinen 'kink' ( dito), kein 'polycule' (dito), niemand wird mich je als Frau begehren und lieben - abermals danke, Szeneland! Aber dafür habe ich meinen Stolz und meine Freiheit. Das ist es wert.
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#45 MephalaAnonym
  • 16.10.2021, 13:14h
  • Antwort auf #43 von ya no estoy aqui
  • Nein, Du bist nicht da, ich weiß.

    Und natürlich hast Du recht. Es kann schon sein, daß ich als Europäerin nur auf 'Irr- und Schattenpfaden' dorthin komme, wohin es viel kürzere Wege gäbe. Zumal ich - bis auf kurze, aber sehr wichtige Begegnungen! - allein gehen muß. Aber, ich komme an.

    Was es heißt, sich zu befreien, habe ich schon gelernt. Vielleicht verstehe ich eines Tages noch, was Schönheit ist.

    - hugs -
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#46 ya no estoy aquiAnonym
#47 MephalaAnonym
#48 PhoebeEulenbaerAnonym
  • 16.10.2021, 14:51h
  • Antwort auf #44 von Mephala
  • An das Murmeltier dachte ich auch. Immer wieder die gleichen Fragen und die gleichen Antworten. Nur die Leute ändern sich.

    Natürlich funktioniert es, aber trotzdem ist es anstrengend. Gerade dieser Moment der Aufklärung, da werde ich auf das "Trans-sein" reduziert. Das passiert ja unabhängig davon, ob ich vorher oder hinter als Frau akzeptiert werde. Das liegt daran, dass es kein singuläres Ereignis ist, sondern sich für mich immer wiederholt.

    Wie gesagt ich wohne in der Provinz. Hier ist es keine Szene, statisisch bin ich wohl auch die einzige transgeschlechtliche Frau hier. Egal wohin ich gehe, ich bin nie einer anderen transgeschlechtlichen Frau begegnet. Meine beste, transgeschlechtliche Freundin wohnt mal eben über 300km entfernt. Nichts, wo ich mal eben hin kann.
    Also bleibt mir gar nichts außer die Erklär-Bärin zu spielen.

    Hier gibt es keine Partys, keine Clubs oder Safe Spaces. Mit Dating kenne ich mich nicht aus, wozu auch? Ich bin verheiratet, wenn dann habe ich ein Date mit meiner Frau.
    Ich tanze gerne mal, aber das geht auch auf Konzerten oder bei einer Session im Irish Pub. Ich hab eh kein echtes Talent dafür.
    Flirten mach ich auch nicht, höchstens unfreiwillig. Wenn ein Mann mal wieder einen Smalltalk nicht erkennt und denkt es geht um mehr. Dann kriegt er die klare Ansage, dass ich lesbisch bin.
    Und an Sex habe ich generell wenig Interesse.

    So sieht es aus in der Provinz transgeschlechtlich zu sein.
    Aber ich bin zufrieden, auch wenn ich vieles nicht habe, was andere haben.
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#49 SchadeAnonym
#50 MephalaAnonym
  • 16.10.2021, 16:03h
  • Hauptsache Du bist zufrieden - und strahlst.

    (Ich hoffe, es nervt Dich nicht, wenn ich auf Deinen Namen anspiele, ich finde ihn schön)

    Ja - stimmt, was Du sagst. Mich haben allerdings eine Menge schöner oder witziger Momente für das ermüdende Dasein als Erklär-Bärin entschädigt, manche waren beides ...

    Beispiel:

    Mephala: (setzt einer gerade kennen gelernten cis Frau, die zum ersten Mal wissentlich mit einer trans Frau spricht, auseinander, was sie in bestimmten Situationen tut - und nicht tut)

    Cis Frau: (Mit großen erstaunten Augen) Du bist ne Frau!

    Mephala: Na, wovon rede ich hier die ganze Zeit???

    (Gelächter)

    Oder die vielen schönen Szenen, als ich in einer Fortbildung war und einige der cis Frauen sich eigenmächtig zu meinen Mode-, Kosmetik- und Typ-Beraterinnen ernannt haben.

    Eine hatte einmal ein Kleid an, dessen Farbe ich wunderschön fand, was ich ihr sagte. Am nächsten Tag brachte sie es mit und schenkte es mir.

    Reduziert habe ich mich überhaupt nicht gefühlt. Sofort oder sehr bald als Frau an- und aufgenommen aber sehr wohl!

    Das kann schlicht und einfach an mir liegen. Wir sind ja - bekanntlich! - nicht alle gleich.

    Ich setze mich auch in Alltagssituationen auf meine Weise durch.

    Beispiel:

    Schauplatz: Heruntergekommener Außenbezirk

    Angetrunkener alter Mann: (Zeigt mit dem Finger) Und du bist eigentlich ein Mann!

    Mephala: (seelenruhig) Ich bin eigentlich ne Frau.

    Zufällig vorbeigehende cis Frau, geschätzt in den 40ern: (Versucht sich das Lachen zu verkneifen, scheitert dabei)

    Angetrunkener alter Mann: (unartikulierter Laut, etwa; 'Öh!')

    Mephala: (zwinkert cis Frau zu, zündet sich Zigarette an, geht weg)

    Mir macht sowas Spaß.

    Aber, wie gesagt, das kann an mir liegen. Natürlich hat das jeweils Folgen: wer mir keinen Respekt erweist, wird zum Teufel gejagt, und es tut nicht gut, sich mit mir anzulegen. Ansonsten bin ich sanft und verspielt wie ein Kätzchen - na ja, vielleicht wie ein etwas größeres. Eins, das nicht 'miez' sondern 'roarrr' macht. Zugegeben.

    Ich selbst erkläre mir das so: Ich weigere mich kategorisch, die soziale Rolle 'trans Frau' (copyright: Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung) zu spielen, fordere 'Frau' ein - und darum funktioniert das.

    Aus mir macht niemand 'einen transsexuellen Patienten'.

    Das meine ich übrigens mit 'Freiheit'.
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