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"Keine Zeit zu sterben"

James Bond mit schwulem Q bricht Post-Pandemie-Rekord

"Keine Zeit zu sterben" legt in Deutschland den erfolgreichste Filmstart seit Beginn der Corona-Krise hin.


Q wird seit 2012 vom schwulen Schauspieler Ben Whishaw dargestellt (Bild: MGM)

  • 15. Oktober 2021, 09:16h 13 2 Min.

Der neue James-Bond-Film "Keine Zeit zu sterben" hat in Deutschland binnen 14 Tagen mehr als drei Millionen Zuschauer*innen in die Kinosäle gelockt – und ist damit der erfolgreichste Start seit Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020. Der Hauptverband Deutscher Filmtheater hat dem britisch-amerikanischen Agententhriller wegen des Knackens der Drei-Millionen-Grenze bereits die Goldene Leinwand verliehen.

Der neue Film bedeutet auch ein Novum in der Reihe: Erstmals wird Erfinder Q (Ben Whishaw) als offen schwul dargestellt, auch wenn dies nur verbal angedeutet wird. So suchen in einer Szene Bond (Daniel Craig) und Moneypenny (Naomie Harris) Q abends ohne Vorankündigung in dessen Haus auf. Q ist dabei wenig erfreut: Er bereite sich gerade für ein Date vor und erklärte, dass "er" in 20 Minuten kommen werde. Die Szene wurde bislang kaum beachtet – nur am Rande wurde sie in englischsprachigen Medien, etwa der britischen Programmzeitschrift "Radio Times" oder im amerikanischen Nachrichtenmagazin "Newsweek" erwähnt.

Der offen schwule Whishaw ("A Very English Scandal") hatte bei "Keine Zeit zum Sterben" bereits zum dritten Mal seit 2012 die Rolle von Q übernommen. Der "Quartiermeister" ist als Chef der fiktiven Forschungs- und Entwicklungsabteilung des britischen Geheimdienstes bereits seit dem ersten Film "007 jagt Dr. No" aus dem Jahr 1962 dabei.

Bei anderen Blockbustern, bei denen eine schwule Identifikationsfigur angedeutet wurde, hatte es größere Aufregung gegeben: So führte eine harmlose gleichgeschlechtliche Tanzszene in "Die Schöne und das Biest" 2017 zu internationaler Aufregung. In Russland wurde sogar ein Verbot des Filmes in Erwägung gezogen, bevor er ab 16 Jahren freigegeben wurde (queer.de berichtete). In Malaysia kam der Film wegen dieser kleinen Szene nur verzögert in die Kinos (queer.de berichtete).

Weltweit hat "Keine Zeit zu sterben" bislang mehr als 330 Millionen Dollar eingespielt. Der letzte James-Bond-Film mit Daniel Craig wurde von Kritiker*innen positiv aufgenommen. (cw)

-w-

#1 SebiAnonym
  • 15.10.2021, 16:22h
  • Na toll, Q darf mal "er" sagen, wenn es um ein Date geht. Die meisten werden das vielleicht nicht mal mitkriegen.

    Wirklich was bewegt hätte sich, wenn man ihn mit einem Mann zusammen sehen würde. Muss ja nicht beim Sex sein, aber z.B. ein Kuss oder dass er seinen Partner auch als seinen Partner vorstellt.

    Das sind so Produzenten, die sich gerne modern geben, aber dann letztlich doch vor der eigenen Courage zurückschrecken.

    Vor 20 Jahren hätten wir uns über so eine Geste, einer versteckten Andeutung vielleicht noch gefreut und das als Fortschritt gefeiert. Heute ist das einfach nur lächerlich, jemanden zwar als schwul darstellen zu wollen, das dann aber nach Kräften verbergen zu wollen.
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#2 SakanaAnonym
#3 PierreAnonym
  • 15.10.2021, 17:19h
  • Antwort auf #1 von Sebi
  • Ja, das hat mich gleich daran erinnert, als Disney vor ein paar Jahren sich selbst dafür gefeiert hat, dass in der Real-Verfilmung von "Schöne und das Biest" ein schwuler Charakter dabei sei. Und dann war das eine Tanz-Szene, die erstens so kurz war, dass man sie schon verpasste, wenn man im Kino mal zum Popcorn neben dem Sitz griff. Und zweitens war die so inszeniert, dass es rüberkam, als würde der Charakter nur "als Gag" oder aus Versehen mal kurz mit einem Mann tanzen.

    Egal ob Disney oder die James-Bond-Macher. Mal will sich einerseits als fortschrittlich und liberal hinstellen, aber auch bloß nicht zu weit gehen und niemanden vergraulen.

    Mit echter Vielfalt und einem echten Bekenntnis dazu, hat das alles nichts zu tun.
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