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Tennisidol

Martina Navratilova wird 65

Die Amerikanerin gehört zu den besten Tennisspielerinnen aller Zeiten. Ihr Coming-out sorgte vor 40 Jahren für Furore in der homophoben Sportwelt. Zuletzt irritierte sie aber mit transfeindlichen Äußerungen.


Martina Navratilova spielt immer noch zum Spaß Tennis, wie hier 2014 (Bild: Marianne Bevis / flickr)

  • 18. Oktober 2021, 13:02h, noch kein Kommentar

Von den späten Siebzigerjahren bis Mitte der Achtzigerjahre kontrollierte Martina Navratilova die Welt des Damentennis. Sie war insgesamt 332 Wochen lang Weltranglisten-Erste – nur die deutsche Spielerin Steffi Graf konnte sich bislang länger an der Spitze halten. Navratilova sorgte aber auch wegen ihrer sexuellen Orientierung für Aufregung: Anfang der Achtzigerjahre wurde sie geoutet. In der damaligen Sportwelt bedeutete das den Verlust von Sponsorendeals und viel Häme. Viele lesbische Athletinnen, die nach ihr folgten, erklärten jedoch, dass ihnen Navratilovas Offenheit Mut gemacht habe. Heute wird die Ausnahmespielerin 65 Jahre alt.

Navratilova war am 18. Oktober 1956 in der damaligen Tschechoslowakei geboren worden. Im Alter von 18 Jahren floh sie aus dem kommunistischen Land und erhielt in den USA Asyl. Drei Jahre später erklomm sie erstmals die Spitze der Weltrangliste. 1981 war dann ein Wendepunkt in ihrem Leben: Sie wurde nicht nur amerikanische Staatsbürgerin, sondern auch als angeblich bisexuell geoutet.

Anlass war, dass ein Reporter der Boulevardzeitung "New York Daily News" die Spielerin nach dem Outing des Tennisstars Billie Jean King gefragt hatte. Vertraulich erzählte ihm Navratilova dann, dass sie bisexuell, aber noch nicht bereit für ein Coming-out sei. Doch die Zeitung veröffentlichte die Geschichte auch ohne das Einverständnis der Spielerin – und zwar kurz, nachdem sie eingebürgert wurde. Navratilova hatte nämlich die Befürchtung geäußert, dass ihre anstehende Einbürgerung in Gefahr geraten würde. Die zweite Befürchtung, dass sie Sponsorengelder verlieren könnte, sollte sich bewahrheiten: Vor wenigen Jahren erklärte sie, dass ihr das Coming-out mindestens zehn Millionen Dollar an Werbeeinnahmen gekostet hätte.

Lesbenpanik in den Boulevardmedien

Bereits kurz nach ihrem Outing korrigierte Navratilova, dass sie nicht bisexuell, sondern lesbisch sei. Damals setzte in den US-Medien eine regelrechte Jagd nach lesbischen Spielerinnen ein. Spitzen-Spielerinnen wie Andrea Jaeger oder Pam Shriver erklärten, sie seien von Boulevardmedien gefragt worden, ob sie "Angst" vor Lesben in ihrer Mitte hätten. Die "New York Post" veröffentlichte eine Story, in der es hieß, dass Eltern befürchteten, ihre tennisspielenden Töchter würden in der Umkleidekabine von übergriffigen Lesben verführt. Sogar Kopfgelder auf die Enttarnung versteckt lesbischer Tennisprofis wurden ausgesetzt – allerdings wurde kein einziges Mal eine Spielerin dadurch geoutet.

Letztes Jahr erklärte Navratilova, das Coming-out habe gute Seiten gehabt: "Ich musste mich nicht mehr sorgen oder mich selbst zensieren", so die Spielerin gegenüber der "New York Times". Nach ihrer Zeit im Kommunismus, in dem es keine Meinungsfreiheit gegeben hatte, sei sie glücklich gewesen, dass sie auch in dieser Frage an Freiheit gewonnen habe.

Navratilova, die 2014 ihre langjährige Freundin geheiratet hatte, kämpfte jahrzehntelang für Homosexuellenrechte. So setzte sich 1992 gegen ein homophoben Volksentscheid in Colorado ein oder sprach auf CSDs. Politisch kämpfte sie außerdem gegen Kommunismus, für Tierrechte und innerhalb der USA gegen die Republikanische Partei, der sie immer wieder Manipulation der Öffentlichkeit und Homophobie vorwarf.

Twitter / Martina | Martina Navratilova ist ein Hillary-Clinton-Fan
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Navratilovas Kampf gegen Trans-Rechte irritierte viele Aktivist*innen

Seit 2019 sorgt Navratilova aber auch für Kontroversen innerhalb der queeren Community, weil sie sich gegen die Integration von trans Frauen im Frauensport aussprach. Navratilova behauptete, dass trans Frauen generell einen Vorteil gegenüber cissexuellen Frauen hätten und daher keinen Leistungssport gegen cis Frau treiben dürften. Sie warf trans Frauen außerdem vor, "Betrug" zu begehen, wenn sie gegen cis Frauen antreten würden – für diese Wortwahl entschuldigte sie sich später.

Ihre fragwürdige These führte zu teils harschen Reaktionen: So wurde sie aus dem Vorstand des LGBTI-Vereins "Athlete Alley" geworfen, weil ihre Kommentaren "transphob sind und die wissenschaftlichen Daten falsch wiedergeben". Trotz des Widerstands hielt sie zunächst an ihrem Kampf gegen trans Sportlerinnen fest: So unterzeichnete sie 2020 einen Offenen Brief einer transphoben Organisation, in dem gefordert wurde, trans Frauen aus dem Universitäts-Sport auszuschließen (queer.de berichtete).

Inzwischen ruderte Navratilova aber wieder etwas zurück: Im April 2021 protestierte sie gemeinsam mit trans Crossläuferin Juniper Eastwood dagegen, dass der US-Bundesstaat North Carolina trans Mädchen den Schulsport mit anderen Mädchen verbieten will. Sie wolle jedem eine Chance geben, Sport zu treiben, erklärte sie damals. "Wir versuchen, hierfür eine Lösung zu finden", so Navratilova. (dk)